Bulgarien Musala Gipfelstation Seilbahn

Rolf Fröhlings Reisereportagen

Bulgarien

             

GEMISCHTE BALKANPLATTE
- für jeden Geschmack was dabei

Das Balkangebirge zieht sich quer durchs Land, von West nach Ost. Es bildet quasi das Rückgrat Bulgariens. Mehrere Gipfel ragen mehr als 2.000 m in die Höhe. Die von der Ausdehnung her kleineren Gebirge Rila und Pirin kratzen sogar an der 3.000er Marke. Berge bestimmen das Landschaftsbild in Bulgarien. Aber mindestens ebenso wichtig für den Tourismus sind die weiten Strände an der Schwarzmeerküste. In dem dünn besiedelten Land kommen Naturliebhaber auf ihre Kosten, die lange und abwechslungsreiche Geschichte Bulgariens mit ihren reichen Kunstschätzen wird Kulturbeflissene begeistern. Dazu kommt die deftige Küche, die vor allem für Fleischesser viele leckere Spezialitäten bereit hält, aber auch die Vegetarier nicht vergisst. Ein bunter Mix – wie eine gemischte Balkanplatte eben. Da ist für jeden Geschmack was dabei. Und das alles zu teilweise unfassbar günstigen Preisen. Am besten selber ausprobieren!

Bulgarien Musala Gipfelstation Seilbahn
Titelfoto: An der Gipfelstation der Seilbahn zum Musala
Bulgarien Musala Seilbahn Jastrebez
Mit der Jastrebez-Seilbahn von Borowez hinauf zum Musala
Bulgarien Seilbahn Jastrebez Bergstation innen
In der Bergstation der Jastrebez-Seilbahn auf 2.369 m Höhe
Bulgarien Seilbahn Jastrebez Bergstation außen
Jastrebez-Bergstation unter dem Gipfel des Musala
Bulgarien Blick auf Musala
Blick von der Seilbahnstation zum Musala-Gipfel (stark gezoomt)
Bulgarien Musala Wanderer
Wanderer auf dem Weg von der Seilbahnstation zum Musala-Gipfel
Bulgarien Jastrebez Talblick
Blick von der Seilbahnstation hinunter ins Tal
Bulgarien Stadt Rila und Rila-Gebirge
Blick über die Stadt Rila auf das gleichnamige Gebirge
Bulgarien Balkangebirge Eisenbahn
Fahrt mit dem Schnellzug Sofia-Warna durch das Balkangebirge
Bulgarien Fluss Iskar
Der Fluss Iskar im Balkangebirge
Bulgarien Zerowo
Dorf Zerowo am Iskar-Fluss
Bulgarien Balkan Lakatnik
Lakatnik-Felsen in der Iskar-Schlucht des Balkangebirges
Bulgarien Gara Lakatnik
Dorf Gara Lakatnik in der Nähe des gleichnamigen Felsens
Bulgarien Iskar Brücke Swerino
Überquerung des Flusses Iskar nahe dem Dorf Swerino
Bulgarien Balkan Tunnel
Viele Eisenbahntunnel im Balkangebirge
Bulgarien Varna steinerner Wald
"Der steinerne Wald" Pobitite Kamani nahe Warna ist ca. 500 Mio. Jahre alt
Bulgarien Pobitite Kamani
Noch mal der "steinerne Wald" Pobitite Kamani
Bulgarien Varna Steinsäulen
Steinsäulen aus dem Eozän, die noch nicht restlos erforscht sind
Bulgarien Varna Aladja
Das ehem. Höhlenkloster Aladscha unweit von Warna
Bulgarien Aladja Mönchszelle
Mönchszelle im Felsenkloster Aladscha
Bulgarien Aladja Altarraum
Altarraum mit Geldspenden im Felsenkloster Aladscha
Bulgarien Aladja Modell
Felsenkloster Aladscha im Modell
Bulgarien Aqua Varvara Hotel
Aqua Varvara Hotel nahe Warwara an der Strecke der Schmalspurbahn
Bulgarien Varna landestypische Küche
Bulgarische Küche im gleichnamigen Schnellrestaurant in Warna
Bulgarien Küche Tarator
Spezialität "Tarator" - kalte Suppe aus Wasser, Joghurt und Gurken
Bulgarien Shopska
Spezialität "Schopska-Salat" aus Tomaten, Gurken und Schafskäse
Bulgarien Varna Rosenöl
Laden in Warna mit Rosenöl-Produkten, für die Bulgarien berühmt ist
Bulgarien Produkte aus Rosenöl
Rosenöl-Produkte
Bulgarien Martenitsa
Glücksbringer "Marteniza"-Bändchen als bulgarisches Brauchtum

Reportagen (Radio SWR4 RP, 18.09.2022):

DIE WEISE ALTE DAME

zu Besuch in der Hauptstadt Sofia

Sofia Statue heilige Sophia
Titelfoto: Statue der (Heiligen) Sophia in Sofia

              

 

Rund 20 Meter hoch ragt sie in den Himmel über dem Stadtzentrum – die moderne Statue der Sophia, Schutzpatronin und Symbolfigur der Weisheit. Denn sophia ist das altgriechische Wort für Weisheit. Und weil es hier seit der Spätantike eine Kirche der Heiligen Sophia gibt, wurde sie namensgebend für die bulgarische Hauptstadt.
Sofia ist eine der ältesten Städte Europas. Schon vor rund 4.000 Jahren wurde sie vom antiken Volk der Thraker gegründet.
Später übernahmen Römer die Herrschaft. Im Zuge der Völkerwanderung kam das Volk der Bulgaren aus Vorderasien und gründete ein erstes Großreich, das später von den Byzantinern unterworfen wurde. Auf sie folgte ein zweites bulgarisches Reich, ehe die Osmanen die gesamte Balkanhalbinsel unter ihren Einfluss brachten und bis zu den Befreiungskriegen Ende des 19. Jahrhunderts beherrschten. Alle Epochen haben mehr oder weniger deutliche Spuren hinterlassen. Bei einem Rundgang durch das heutige Sofia kann man tief eintauchen in die Jahrtausende alte Geschichte. Und starten wollen wir ganz am Anfang:

Sofia Nesawisimost Sophia
Nesawisimost-Platz mit der Sophia-Statue (im Vordergrund eine Kirche aus dem 11. Jahrhundert)
Sofia kommunistische Parteizentrale
Blick auf die ehem. Zentrale der Kommunistischen Partei
Sofia bulgarische Flagge
Bulgarische Flagge auf der ehem. Parteizentrale
Sofia Präsidentenpalast Wachsoldaten
Garden vor dem Präsidentenpalast
Sofia Präsidentenpalast Springbrunnen
Springbrunnen vor dem Präsidentenpalast
Sofia Rotunde
Innenhof des Präsidentenpalastes mit der "Rotunde" genannten Kirche St. Georg aus altrömischer Zeit
Sofia Rotunde innen
In der Kirche St. Georg
Sofia Kirche St. Sophia
Kirche der Hl. Sophia, die namensgebend für Sofia war
Sofia Kirche St. Sophia innen
In der Sophienkirche
Sofia Kirche St. Sophia Nekropole
Nekropole aus altrömischer Zeit unter der Sophienkirche
Sofia Nekropole Mosaik
Mosaik in der Nekropole unter der Sophienkirche
Sofia bulgarischer Löwe
Bulgarischer Löwe vor der Sophienkirche
Sofia Akademie der Wissenschaften
Blick auf die Akademie der Wissenschaften und die Alexander-Newski-Kathedrale
Sofia Alexander Newski Kathedrale Kuppel
Vergoldete Kuppel der Alexander-Newski-Kathedrale
Sofia Alexander Newski Kathedrale innen
In der Alexander-Newski-Kathedrale
Sofia russische Kirche
Russisch-örthodoxe Kirche
Sofia Denkmal König Alexander
Denkmal des ersten bulgarischen Königs Alexander (von Battenberg)
Sofia Königsschloss
Ehem. Königspalast
Sofia Denkmal Trabant
Trabi-Denkmal im Park am Königspalast
Sofia Nationaltheater von fern
Blick auf das Nationaltheater
Sofia Nationaltheater totale
Nationaltheater
Sofia Archäologisches Museum
Archäologisches Museum
Sofia Archäologisches Museum Thrakerhelm
Helm eines thrakischen Kriegers im Archäologischen Museum
Sofia Nationalmuseum Goldschatz
Thrakischer Goldschatz im Historischen Nationalmuseum
Sofia Nationalmuseum Goldgefäß
Thrakisches Trinkgefäß aus Gold im Historischen Nationalmuseum
Sofia Nationalmuseum Tongefäße
Tongefäße aus thrakischer Zeit im Nationalmuseum
Sofia Kirche Bojana
Bojana-Kirche
Sofia Bojana Wandmalerei Christus
Christus als Wandmalerei in der Bojana-Kirche
Sofia Bojana Wandgemälde Nikolaus
Bildnis des Hl. Nikolaus in der Bojana-Kirche
Sofia Metro Serdika
Metro-Station "Serdika" im Stadtzentrum
Sofia Hauptbahnhof innen
Im Hauptbahnhof
Sofia Flughafen
Flughafen von Sofia

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.09.2022):

Originalton 0:20

Zum Anhören klicken: O-Ton Biljana Nikolowa]

"Wir sind jetzt hier bei den Thermalquellen. Das ist der Grund dafür, warum Sofia überhaupt existiert. Hier die Thraker haben sich wegen die Thermalquellen angesiedelt. Das Wasser schmeckt, und die Leute holen immer noch Wasser von hier, weil es nicht nur heiß ist, man kann gleich Tee machen, aber auch sehr gesund ist."

Und Stadtführerin Biljana Nikolowo ermuntert uns von dem schwefelhaltigen Quell zu kosten. Na ja, ist wohl eher Geschmackssache. Vielleicht auch der Grund, warum die alten Thraker ihren Wein lieber pur tranken und deshalb bei den Griechen als Barbaren galten. Dass sie aber nicht nur kriegerische Haudraufs waren, beweist der fein gearbeitete Goldschatz im Historischen Nationalmuseum. Besonders beeindruckend ist die Schale mit den Gesichtszügen eines Herrschers:

Sofia Thermalquellen Bilyana Nikolova
Biljana Nikolowa an den Thermalquellen
Sofia Museum Thraker Rüstung
Thrakische Kriegerrüstung
Sofia Thraker Goldschatz
Thrakische Schale aus massivem Gold

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Das ist ein schweres Stück Gold, fast pures 24 Karat Gold, erinnert ein bisschen an die Todesmasken von Agamemnon in Griechenland, aber ist ganz anders, weil die Totenmasken, die sind von dünner Folie. In diesem Fall wir sprechen von ein Gefäß, der wiegt über 600 Gramm."

Trotzdem ging das Thrakerreich kurz nach der Zeitenwende unter. Auch der Stamm der Serden auf dem Gebiet des heutigen Sofia konnte dem Vordringen der Römer nicht standhalten:

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Die Römer haben die Stadt genommen, und dann haben sie als Erinnerung an die Serden, die sie getötet haben, Serdica genannt, und wir haben heutzutage die ganze innere Stadt hier schon freigelegt, von der Ostpforte bis zu der Westpforte, alles ist sichtbar, man kann es besuchen, und es ist interessant – in einer europäischen Hauptstadt unter der Hauptstadt eine römische Hauptstadt."

Sofia Überreste Serdika
Überreste aus Römerzeit und Moschee
Sofia Kathedrale außen
Alexander-Newski-Kathedrale
Sofia Kathedrale innen
In der Kathedrale

Ab dem späten Mittelalter übernahmen die Osmanen die Herrschaft. Eine Moschee zeugt noch heute davon. Erst Ende des 19. Jahrhunderts konnte Bulgarien mit Hilfe des russischen Zarenreichs seine Unabhängigkeit erkämpfen. Sinnbild dafür ist die orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, vor knapp hundert Jahren eingeweiht und heute Sofias Top-Attraktion.

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Alles, was wir sehen, ist ganz absichtlich sehr prächtig gemacht. Es ist in dem Stil der russischen Kirchen gebaut, mit goldenen Kuppeln, auch mit einer Krypta. Innen ganz unten sind sehr große Fresken, die zeigen die Wunder von Christus, und das ist, weil diese Befreiung nach 500 Jahre Aufständen war wie ein von diese Christus' Wunder."

Originalton 0:14

[Zum Anhören klicken: Chor der Alexander-Newski-Kathedrale singt "Halleluja"]

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Lost in Translation
- bulgarische Sprache, schwere Sprache

Die Welt wird ja immer kleiner und internationaler. Als weitgereister Tourist ist man es längst gewöhnt, dass selbst in den entlegensten Winkeln dieses Planeten zumindest irgendjemand der englischen Zunge mächtig ist. Auch in Osteuropa und nicht zuletzt in Bulgarien wächst die Zahl genau dieser Menschen. Vor allem in der Hauptstadt Sofia und an den Badestränden von Warna. Doch je weiter man sich von den touristischen Zentren entfernt, desto geringer die Aussicht auf Verständigung. Dort heißt es dann leider sehr oft: "Man sprickt bulgarski" ­– und sonst nix! Sogar bei Leuten, die im Tourismusgewerbe tätig sind. So beispielsweise selbst erlebt im "Aqua Varvara Hotel" in den Rhodopen. Die Herberge wird fast ausschließlich von einheimischen Familien frequentiert, Ausländer verirren sich kaum dorthin (trotz des tollen Swimming-pools). Nachdem sowohl die Rezeptionistin als auch die Bedienung im Restaurant ausschließlich bulgarisch sprach, war ich überrascht, dass es zumindest eine Speisekarte auf englisch gab. Als ich jedoch ein Gericht meiner Wahl bestellen wollte und auf die entsprechende Zeile in der Karte deutete, hatte der Ober keine Ahnung, worum es sich handelte, denn die englische und die bulgarische Ausgabe waren nicht identisch. Mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen im Internet sowie mit Händen und Füßen klappte es dann doch irgendwie (und die lokale Spezialität aus Hühnerfleisch mit Pilzen und Gemüsen stellte sich als super-lecker heraus). Eigentlich war diese improvisierte Art der Kommunikation sogar ganz lustig.
Weil ich mich generell für Sprachen interessiere und die Menschen im Ausland meistens erfreut sind, wenn man zumindest ein paar Brocken der Landessprache beherrscht, habe ich mir angewöhnt, vor jeder Reise genau diese paar Brocken zu lernen: Ja (bulgarisch: da), nein (ne), danke (blagodarje), bitte (molje), guten Tag (dobar den), auf Wiedersehen (dowischdane) – viel mehr ist es in der Regel nicht, und schon kurz nach Beendigung der Reise vergesse ich das meiste wieder. Gerade bei slawischen Sprachen wie der bulgarischen tue ich mich schwer mit dem Lernen, weil sie sie sich so fundamental von den germanischen oder romanischen (die man in der Schule gelernt hat) unterscheiden. Sehr erschwerend hinzu kommt die kyrillische Schrift. Die zu erlernen mag zwar wesentlich einfacher sein als etwa die chinesische oder japanische – einige Buchstaben sind sogar mit ihren lateinischen Pendants identisch (A, E, K, M, O, T), andere sehen nur so aus (B = V bzw. W, C = S, H = N, P = R , X = Ch, Y = U) und wieder andere Zeichen gibt es bei uns gar nicht. Hinzu kommt, dass das Kyrillische in Bulgarien zwar große Ähnlichkeiten mit dem Kyrillischen in Russland aufweist, doch auch hier gibt es feine Unterschiede. Wer sich also die Mühe gemacht hat beispielsweise vor einer Städtereise nach St. Petersburg ein bisschen die russische Schrift zu studieren, muss in den Rhodopen nochmal ganz genau vergleichen. In jedem Fall braucht es Zeit, um die bulgarische Schrift zu entziffern. Das mag bei der Speisekarte noch angehen (wenn die Bedienung eh lange auf sich warten lässt), beim Autofahren jedoch, wenn nur Sekunden zum Lesen des Straßenschildes bleiben, wird es schon kritisch. Zum Glück sind die meisten Schilder in Bulgarien sowohl in kyrillischer als auch in lateinischer Schrift verfasst. Aber auch die Transkription hat so ihre Tücken. Sie orientiert sich an der englischen Sprache – mit dem Nachteil, dass es manche bulgarischen Laute so gar nicht im Englischen gibt. Deshalb habe ich mich in meinen Reportagen bei allen Eigennamen an die im Deutschen übliche Transkription gehalten (z.B. ch = tsch, ts = z, v = w, y = j).

Wer jetzt (trotzdem) neugierig auf die bulgarische Sprache geworden ist, dem empfehle ich die unten stehende Hörprobe, in der Reiseführerin Biljana Nikolowa ihre Gäste in ihrer Muttersprache begrüßt und die deutsche Übersetzung gleich mitliefert:

Tafel mit dem bulgarischen kyrillischen Alphabet
Bulgarisches Alphabet mit englischer Transkription

Originalton 0:15

[O-Ton: Biljana Nikolowa]


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EIN GEBIRGSZUG FÜR EISENBAHN-ROMANTIKER

mit der Schmalspurbahn durch die Rhodopen

Bulgarien Rhodopen Schmalspurbahn
Titelfoto: Schmalspurbahn in den Rhodopen

                     

 

Die bulgarischen Hochgebirge alpinen Charakters wurden eingangs schon erwähnt, aber es gibt auch dem Schwarzwald ähnliche Mittelgebirge wie die Rhodopen. Sie ziehen sich durch weite Teile des Südwestens von Bulgarien. Ihre höchsten Gipfel messen "nur" gut 2.000 m. Aber immerhin.
Es ist eine abgelegene Gegend, kaum Straßen führen durch den bewaldeten Gebirgszug. Dafür gibt es eine Eisenbahnlinie – genauer gesagt: eine Schmalspurbahn – die ihn durchquert. Von der Ortschaft Septemwri an der Hauptstrecke zwischen Sofia und Plowdiw bis nach Dobrinischte am Fuße des Pirin-Gebirges. Erbaut wurde sie zwischen 1924 und 1946, um einen Transportweg für die Holzindustrie zu schaffen. Für viele kleine Dörfer an der Strecke wurde sie zur einzigen Verbindung mit der Außenwelt. Längst aber haben auch Touristen die Rhodopenbahn entdeckt, denn sie führt durch eine dramatisch schöne Landschaft mit grünen Hochtälern, engen Schluchten, über unzählige Brücken und durch unzählige Tunnel. Für umgerechnet kaum vier Euro können sie unterwegs rund fünf Stunden Eisenbahn-Romantik pur erleben.

Bulgarien Schmalspurbahn Varvara
Erster Zwischenstopp im Bahnhof Warwara
Bulgarien Schmalspurbahn Chepinska
Fahrt durch die Tschepinska-Schlucht
Bulgarien Reiseleiterin Bilyana Nikolova
Reisebegleiterin Biljana Nikolowa in der Schmalspurbahn
Bulgarien Schmalspurbahn innen
Menschen im Zug
Bulgarien Rhodopen Landschaft
Waldreiches Rhodopen-Gebirge
Bulgarien Rhodopen Bahnhof Avramovo
Kurzer Aufenthalt in Awramowo
Bulgarien Schmalspurbahn Yakoruda
Gegenzug im Bahnhof Jakoruda
Bulgarien Schmalspurbahn Aussicht auf Rila Gebirge
Blick auf das ferne Rila-Gebirge zwischen Beliza und Raslog
Bulgarien Schmalspurbahn Bahnhof Bansko
Blick auf den Bahnhof von Bansko
Bulgarien Bansko Hauptstraße
Haupteinkaufsstraße in Bansko
Bulgarien Bansko Hauptplatz
Schattiger Hauptplatz in Bansko
Bulgarien Bansko Denkmal Neofit Rilski
Denkmal für den Mönch Neofit Rilski in Bansko
Bulgarien Bansko Glockenturm
Glockenturm in Bansko
Bulgarien Bansko Brunnen
Brunnen in Bansko
Bulgarien Schmalspurbahn Bansko
Vor der Rückfahrt von Bansko
Bulgarien Rhodopen Belitsa Bahnhof
Stationsvorsteher in Beliza
Bulgarien Dagonovo Moschee
Moschee der islamischen Minderheit der Pomaken im Dorf Dagonowo
Bulgarien Rhodopen Yakoruda
Blick auf die Stadt Jakoruda
Bulgarien Rhodopen Mirabellenbäume
Viele Mirabellenbäume am Wegesrand - hier in Jakoruda
Bulgarien Mirabellen
Erntereife Mirabellen am Wegesrand
Bulgarien Cherna Mesta Moschee
Moschee im Dorf Tscherna Mesta
Bulgarien Velingrad Bahnhof
Tradition trifft Moderne im Bahnhof Welingrad
Bulgarien Rhodopen Schmalspurbahn Tunnel
Unzählige Tunnel auf der Strecke
Bulgarien Schmalspurbahn innen
Menschen im Tunnel
Bulgarien Schmalspurbahn Varvara
Schmalspurbahn im Bahnhof Warwara mit Blick auf die Rhodopen

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.09.2022):

[Atmo: Pfiff des Schaffners]

Ein schriller Pfiff, und die Schmalspurbahn setzt sich in Bewegung. Schon nach wenigen Minuten erreicht sie die spektakuläre Schlucht des Tschepinska-Flusses und windet sich langsam, ganz langsam, immer höher. Mit kaum 30 km/h. Unsere Reisebegleiterin Biljana Nikolowa bringt es auf den Punkt:

[O-Ton Biljana Nikolowa:]

"Als Kind hatte ich das Gefühl, dass man kann aussteigen, Blumen pflücken und wieder einsteigen."

Dichter Wald umgibt uns, kaum Anzeichen menschlicher Siedlungen, bis wir nach etwa anderthalb Stunden den Bahnhof von Welingrad erreichen. Mit gut 20.000 Einwohnern die größte Stadt auf der Strecke und Bulgariens Thermal-Kurort Nummer 1.

Bulgarien Chepinska Schlucht
Tschepinska-Fluss
Bulgarien Schmalspurbahn Abteil
Menschen im Zug
Bulgarien Velingrad Bahnhof
Ankunft in Welingrad

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Es gibt nur auf diesem Platz über 80 Quellen mit verschiedene Temperatur. Die geht von ungefähr 30 Grad bis 80, bis 90 Grad. Jede Quelle hat eigene Temperatur und heilt verschiedene Sachen."

Auf der Weiterfahrt erreichen wir in Awramowo den höchstgelegenen Haltepunkt: 1.267 Meter. Von nun an geht's bergab. Ganz allmählich. Irgendwann hält der Zug in Beliza. Der kleine Ort ist bekannt für seinen Tanzbären-Park. Hier finden Tiere Asyl, die oft unter Qualen dressiert wurden. Neuerdings auch Bären aus Zoos, Zirkussen und Privathaltung:

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Jetzt schützen sie nicht nur tanzenden Bären, sondern alle gefolterten Bären von dem ganzen Balkanhalbinsel. Es gibt zurzeit ungefähr 19 dort, und die Idee ist, dass diese Bären in Ruhe ihre Leben danach verbringen, nach die Folter, die sie als tanzenden Bären überlebt haben."

Bulgarien Avramovo Bahnhof
Höchstgelegener Bahnhof der Balkanhalbinsel
Bulgarien Belitsa Bahnhof
Beliza - Heimat des Tanzbären-Asyls
Bulgarien Bansko Schmalspurbahn
Ankunft am Zielort Bansko

Von hier ist es nicht mehr weit nach Bansko, dem selbst gewählten Ziel unserer Zugreise. Die Rhodopen liegen hinter uns. Das mächtige Pirin-Gebirge ragt vor uns auf. Bansko hat nicht nur eine malerische Altstadt, sondern gilt als eines der wichtigsten Wintersportzentren Bulgariens. Und auch außerhalb der Skisaison ist immer was los:

[O-Ton Biljana Nikolowa:]
"Bansko ist der Ort, von wo man ins Pirin-Gebirge wandert, und Pirin-Gebirge ist eine der berühmtesten Plätze zum Wandern, im Sommer. Nicht nur für Bulgaren, für Ausländer. Es ist ein Teil von Europa-Wanderweg E 4, und Pirin-Gebirge ist wunderschönes Gebirge."

Aber auch die Rhodopen können sich sehen lassen. Fast fünf Stunden hat die Hinfahrt gedauert, genauso lange brauchen wir zurück. Trotzdem kommt keine Langeweile auf. Wozu ist man schließlich Eisenbahn-Romantiker?


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EINE STUFE NÄHER AM HIMMEL

zu Besuch im Höhenkloster von Rila

Bulgarien Rila Klosterkirche
Titelfoto: Rila-Kloster

                     

 

Die Alexander-Newski-Kathedrale gilt als Top-Attraktion von Sofia, das Rila-Kloster im gleichnamigen Gebirge als Top-Attraktion von ganz Bulgarien. Viele sagen sogar, dafür allein lohne sich schon die weite Anreise. Wegen seiner einmaligen Lage, seiner einmaligen Architektur und seiner unvergleichlichen Fresken – außen wie innen. Das Kloster wurde im 10. Jahrhundert von dem orthodoxen Heiligen Ioan Rilski gegründet, einem Einsiedler und Wundertäter. In den besten Zeiten lebten mehrere hundert Mönche innerhalb der festungsartigen Mauern. Heute sind es gerade mal noch sechs. Dafür kommen täglich Pilger und Touristen in großer Zahl. Denn hier, in knapp 1.150 m Höhe, können sie sich eine Stufe näher am Himmel fühlen.

Bulgarien Rila-Kloster außen
Westtor des Klosters
Bulgarien Rila-Kloster Wehrturm
Wehrturm und Klosterkirche
Bulgarien Rila-Kloster Wirtschaftsgebäude
Wohn- und Wirtschaftsgebäude im byzantinischen Stil
Bulgarien Rila-Kloster Gästezimmer
Gästezimmer in einem der Wohntrakte
Bulgarien Rila-Kloster Blick aus dem Wehrturm
Blick durch eine Luke im Wehrturm auf die Kirche
Bulgarien Rila-Kloster Blick auf Wohngebäude
Blick durch eine Luke im Wehrturm auf die Wohngebäude
Bulgarien Rila-Kloster Blick auf Rila-Gebirge
Blick vom Wehrturm auf das Rila-Gebirge (stark gezoomt)
Bulgarien Rila-Kloster Museum innen
Foto eines Mönchs aus dem letzten Jahrhundert im Museum
Bulgarien Rila-Kloster Mönch
Ein Rila-Mönch heute
Bulgarien Rila-Kloster Jüngstes Gericht
Unterer Teil des Freskos "Jüngstes Gericht"
Bulgarien Rila-Kloster Christusgemälde
Deckenmalerei mit Christus
Bulgarien Rila-Kloster Madonnengemälde
Fresko mit der Muttergottes, der auch die Klosterkirche geweiht ist
Bulgarien Rila-Kloster Fresko Höllenqualen
Fresko mit Darstellung der Höllenqualen (von Kurtisanen!)
Bulgarien Rila-Kloster Fresko
Fresko mit Madonna, Heiligen und Patriarchen
Bulgarien Rila-Kloster verbotenes Fresko
Geheimnisvolles Fresko, zu dem die Klosterführerin angeblich nichts sagen durfte (auch keinen Grund dafür nennen konnte) ...
Bulgarien Rila-Kloster Andenken
Souvenir-Stand im Klosterhof mit Ikonen
Bulgarien Rila-Kloster Souvenirs
Souvenir-Stände hinter dem Osttor

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.09.2022):

Originalton 0:09

[Zum Anhören klicken: Glockenschlag im Rila-Kloster]

Die Glocken vom mittelalterlichen Wehrturm schlagen die vierte Stunde. Er ist das älteste noch erhaltene Bauwerk des Rila-Klosters. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es durch einen Brand zerstört und anschließend mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut ­– größer und schöner als je zuvor, im für die Zeit typischen byzantinischen Stil. Neben der Kirche und Wohntrakten für Mönche und Pilger gibt es auch ein Klostermuseum. Dort beginnt Nadja Michalowa ihre Führung. Sie zeigt uns religiöse Kultgegenstände aus der tausendjährigen Geschichte des Klosters. Besonders stolz ist sie auf das hölzerne Raphaelskreuz, ein filigranes Meisterwerk der Schnitzkunst, das der Mönch Rafail geschaffen hat:

[O-Ton Nadja Michalowa:]
"It has 36 biblical scenes …
Es enthält 36 biblische Szenen und 600 kleine Figuren und Gesichter. Er benutzte winzige Werkzeuge zum Ausschnitzen. Und als er sein Werk beendet hatte, sagt die Legende, wurde er blind.
… that he went blind."

Höhepunkt der Führung aber ist die Klosterkirche. Hier ruhen die sterblichen Überreste des Heiligen Ioan Rilski und auch die des letzten bulgarischen Königs, Zar Boris' III. Er starb während des Zweiten Weltkriegs. Seine Totenruhe wurde schon bald nach der Beisetzung massiv gestört.

Bulgarien Rila-Kloster Joan Rilski
Bildnis von Joan Rilski*)
Bulgarien Rila-Kloster Wehrturm
Wehrturm aus dem 14. Jht.
Bulgarien Rila-Kloster Raphaelskreuz
Raphaelskreuz

Originalton 0:26

[Zum Anhören klicken: O-Ton Klosterführerin Nadja Michalowa auf englisch]

"Suddenly when the communists came …
Gleich als die Kommunisten kamen – sie waren sehr antimonarchisch eingestellt – holten sie den Leichnam heraus. Möglicherweise verbrannten sie ihn oder warfen ihn einfach weg. Doch kurz nach der Wende wurde das Herz des Zaren in einem Glasgefäß gefunden. Sie brachten es hierher, es gab eine zweite Beisetzung, die größte überhaupt in der bulgarischen Geschichte. Und jetzt befindet sich im Grab nur noch das Herz des Zaren.
… only the heart of the tsar is here."

Die Klosterkirche ist mit jeder Menge kostbarer Ikonen ausgeschmückt. Decken und Wände sind mit biblischen Motiven bemalt. Aber auch die Außenmauern gleichen einem bunten Bilderbuch. Zu den größten und schönsten Fresken zählt das Jüngste Gericht. Es zeigt die Bestrafung der ganz schlimmen Finger, die Begnadigung der kleinen Sünder und die Aufnahme der ganz Braven in das Reich Gottes.

Bulgarien Rila-Kloster Sarkophag Joan Rilski
Sarkophag von Joan Rilski
Bulgarien Rila-Kloster Fresko Jüngstes Gericht
Jesus beim Jüngsten Gericht
Bulgarien Rila-Kloster Mönch
Spiritualität spürbar

[O-Ton Nadja Michalowa:]
Here on this side is …
Auf dieser Seite ist der Himmel. Hier haben wir die männlichen und die weiblichen Märtyrer. In diesem Teil der Übergang vom Alten zum Neuen Testament. Und ganz oben Jesus Christus mit seiner Mutter Maria und dem Heiligen Johannes.
… to St. John.

In den Himmel, da wollen wir doch alle irgendwie. Durch die Spiritualität, die das Rila-Kloster ausstrahlt, kann man sich am Ende tatsächlich eine Stufe näher fühlen.

 

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Hinweis:

*) In allen Innenräumen des Rila-Klosters ist das Fotografieren verboten. Auch in der Kirche und im Museum. Deshalb ist die Auswahl an Fotos hier eher bescheiden und teilweise aus einem offiziellen Bildband abfotografiert. Ein Foto vom Grabmal des Zaren Boris allerdings war auch darin nicht zu finden.

 

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DIE LUST AUF MEER

Badespaß am Goldstrand bei Warna

Bulgarien Goldstrand Strand
Titelfoto: Strand von Goldstrand

                

 

Wenn es um Kulturschätze geht, braucht sich die Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer hinter der Hauptstadt Sofia nicht zu verstecken. Ihre Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale beispielsweise war die größte des Landes bis zum Bau der Alexander-Newski-Kathedrale. Die bei Ausgrabungen in Warna entdeckte Therme des altrömischen Odessos ist besser erhalten als die Überreste des antiken Serdica in Sofia. Und wenn die Hauptstadt mit einem rund viertausend Jahre alten Goldschatz der Thraker punkten kann, so setzt Warna mit einem fast doppelt so alten Goldschatz eines unbekannten prähistorischen Volkes noch einen oben drauf. Das allein wären gute Gründe, um der drittgrößten Stadt Bulgariens einen Besuch abzustatten. Doch die allermeisten der zahlreichen Touristen treibt die Lust auf Meer. Sie kommen wegen der weiten Sandstrände. Egal ob in Warna selbst oder in einer der benachbarten Hotelstädte wie Slatni Pjasazi – in Deutschland besser bekannt als "Goldstrand".

Bulgarien Goldstrand Sandstrand
Goldener Sand am Goldstrand
Bulgarien Goldstrand Jordanka Kruschkowenska
Jordanka Kruschkowenska am Goldstrand
Bulgarien Goldstrand Döner Friends
Fast-food-Restaurant am Goldstrand
Bulgarien Goldstrand Eiffelturm
Vergnügungsviertel am Goldstrand
Bulgarien Goldstrand Ballermann
"Ballermann 6" am Goldstrand
Bulgarien Goldstrand Bierkönig
"Bierkönig" am Goldstrand
Bulgarien Sahara Beach
Sahara Beach
Bulgarien Varna Sahara Beach
Noch mal Sahara Beach
Bulgarien Sveti Konstantin Strand
Strand von Sweti Konstantin
Bulgarien Varna Sandstrand
Strand von Warna Vol. 1
Bulgarien Varna Strand Volleyball
Strand von Warna Vol. 2
Bulgarien Varna Strand Sonnenschirme
Strand von Warna Vol. 3
Bulgarien Varna Strand Sonnenanbeterin
Strand von Warna Vol. 4
Bulgarien Varna Strand Wasserrratten
Wasserratten am Strand von Warna
Bulgarien Varna Segelschiffe
Segelschule vor dem Strand von Warna
Bulgarien Varna Sportbad
Sportbad am Strand von Warna
Bulgarien Varna Frachthafen
Blick auf den Frachthafen von Warna
Bulgarien Varna Passagierhafen
Passagierhafen von Warna
Bulgarien Varna Vergnügungspark
Vergnügungspark am Hafen von Warna
Bulgarien Varna Kathedrale außen
Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale in Warna
Bulgarien Varna Kathedrale innen
In der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale
Bulgarien Varna Kathedrale Madonna
Bildliche Darstellung der Himmelfahrt Marias in der Kathedrale
Bulgarien Varna Nikolauskirche
Nikolauskirche in Warna
Bulgarien Varna Anker
Anker vor der Kirche St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Seeleute
Bulgarien Varna Nikolauskirche innen
In der Nikolauskirche
Bulgarien Varna Oper
Blick auf das Opernhaus von Warna
Bulgarien Varna Markthalle
Markthalle in Warna
Bulgarien Varna Therme
Blick über die römische Therme des antiken Odessos in Warna
Bulgarien Varna Therme innen
In der römischen Therme
Bulgarien Varna Therme Grafik
Graphische Darstellung des Innenlebens der Therme
Bulgarien Varna Archäologiemuseum außen
Archäologisches Museum in Warna
Bulgarien Varna Museum thrakischer Reiter
Antike Skulptur eines thrakischen Reiters im Archäologischen Museum
Bulgarien Varna Museum Fürstengrab
Prähistorisches Fürstengrab mit Beigaben aus Gold im Archäologischen Museum
Bulgarien Varna Museum Goldschatz
Weitere prähistorische Grabbeigaben aus Gold im Archäologischen Museum
Bulgarien Varna Denkmal Karel Skorpil
Denkmal der Archäologen Karel und Hermann Skorpil vor dem Museum

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.09.2022):

[Atmo: Meeresrauschen]

Es ist ganz schön was los am Goldstrand. Liegestuhl reiht sich an Liegestuhl. Dazwischen bahnt sich Jordanka Kruschkowenska irgendwie einen Weg zwischen den braungebrannten Leibern. Obwohl sie in Warna lebt, geht sie so gut wie nie zum Strand. Das gelte für die meisten Einheimischen. Sie seien einfach immer mit irgendwas beschäftigt, sogar am Wochenende.

[O-Ton Jordanka Kruschkowenska:]
"Sie haben nie Zeit zum Baden, und wenn sie einmal zum Strand gehen, sind sie so weiß, dass die Möwen denken, dass sie ein Stückchen Käse sind."

Weiße Haut am Schwarzen Meer – das klingt nach einem schönen Kontrast. Aber das Meer ist gar nicht schwarz, sondern so wie alle anderen Meere auch.

[O-Ton Jordanka Kruschkowenska:]
"Nur beim Sturm sieht das Meer dunkel aus. Der erste Name des Meeres war eigentlich Akschaena. Das soll 'dunkelfarbiges Meer' bedeuten. Aber unser Meer ist für uns blau und bleibt für immer blau."

Na, wenigstens der Goldstrand sieht mit etwas Fantasie golden aus. Besonders bei Sonnenuntergang. Der bulgarische Name Slatni Pjasazi heißt wörtlich übersetzt "Goldene Sande". Doch möglicherweise hatte die Farbe diesmal mit der Namensgebung gar nichts zu tun.

Bulgarien Goldstrand Strand
Auch das Schwarze Meer ist blau
Bulgarien Goldstrand Ballermann 6
"Ballermann für Arme"
Bulgarien Varna Strandbar Margarita
Gemütlich einen Cocktail schlürfen

[O-Ton Jordanka Kruschkowenska:]
"Eine Legende kann der Anfang sein. Die erzählt, dass damals Seeräuber goldene Schätze am Strand irgendwo begraben haben, irgendwo versteckt haben. Leider hat bis heute keiner solche Schätze gefunden, aber die Touristen, die graben immer noch in dem Sand, leider umsonst (lacht)."

Während die einen im Sand buddeln, geben sich manch andere in den Strandbars ordentlich die Kante. Der Goldstrand gilt ja sozusagen als Ballermann der Schwarzmeerküste. Allerdings eher als Ballermann für Arme. Denn hier ist alles eine Nummer kleiner als auf Mallorca. Deshalb macht diesem Urlauber der feucht-fröhliche Trubel gar nichts aus:

[O-Ton Tourist:]
"So schlimm ist es auch nicht. Dass hier so Dinger sind, wo die jungen Leute sich treffen und 'n bisschen Musik hören wollen, das ist natürlich legitim. Dann sollen die Älteren sich woanders hinbegeben, was weiß ich, ne. Also, ich bin begeistert, muss ich ehrlich sagen."

Denn auch alle, die es ein bisschen ruhiger mögen, finden am Goldstrand genug Cafés und Restaurants, wo man gemütlich ein Weinchen trinken oder einen Cocktail schlürfen kann, während die untergehende Sonne den gelben Sand in Gold verwandelt.
 

Originalton 0:04

[Geräusch: Schlürfen]

 

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DER ÄLTESTE GOLDSCHATZ DER WELT
- im Archäologischen Museum von Warna

Was das antike Volk der Thraker an kunstvoll gefertigtem Goldschmuck hinterlassen hat, habe ich in der Reportage Bulgarien 1 angesprochen. In der Bildergalerie dort ist noch mehr davon zu sehen. Die Stücke im Historischen Nationalmuseum von Sofia wurden bei Ausgrabungen im nordbulgarischen Rosental entdeckt. Sie stammen etwa aus der Zeit zwischen 1000 und 500 v. Chr.
Die goldenen Grabbeigaben im Archäologischen Museum von Warna sind wesentlich älter. Teilweise werden sie auf das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert. Das war die ausgehende Jungsteinzeit bzw. die beginnende Kupfersteinzeit. Eine Epoche lange vor Beginn der Geschichtsschreibung. Deshalb ist über das Volk, das damals in der Gegend des heutigen Warna lebte, praktisch nichts bekannt. Nicht, woher es kam, wie es hieß und wohin es verschwunden ist. Das macht den Goldschatz von Warna so geheimnisvoll und spannend. Fest steht nur, er wurde 1972 bei Bauarbeiten in einem Industriegebiet von Warna entdeckt. Die Arbeiter hatten keine Ahnung, was ihnen der Zufall da in die Hände gespielt hatte. Einer, sagt man, habe ein paar der stark verschmutzten Fundstücke in einem Sack mit in sein Dorf genommen und der Mutter gezeigt. Die erzählte dem Popen von dem Fund, und der behielt es auch nicht für sich. So bekamen kurze Zeit später die Behörden Wind davon, der junge Bauarbeiter wurde samt seinem Sack voll Gold zurück nach Warna zitiert und direkt verhaftet.
Gezielte Grabungen in den folgenden beiden Jahrzehnten förderten dann immer mehr Schmuckstücke aus Gold zu Tage. Darunter Ringe, Ketten und Armreifen. Mehr als 3.000 Einzelteile, in fast 300 prähistorischen Gräbern. Allein im Grab Nr. 43 fanden die Archäologen neben dem Skelett eines Mannes (ganz offenbar ein bedeutender Fürst oder Priester) fast eintausend goldene Beigaben, sogar ein goldenes Zepter und einen goldenen Penisaufsatz (!). Die Schmuckstücke sind nicht so filigran gearbeitet wie das thrakische Gold aus dem Rosental, aber ebenso rein, d.h. ein Goldgewicht von 23 bis 23,5 Karat.
Schon in den Jahren 1974 bis '75 konnten japanische Wissenschaftler mittels Radiokohlenstoffdatierung nachweisen, dass es sich um den ältesten Goldschatz der Welt handelte. Die Erkenntnis warf auch ein ganz neues Licht auf die Menschen der Steinzeit, denn dass sie schon so hohe Fertigkeiten in der Metallverarbeitung hatten, was bis dahin nicht bekannt.
Wer also seinen Urlaub in Warna bzw. der näheren Umgebung verbringt, sollte auf jeden Fall einen Besuch im Archäologischen Museum einplanen. Der Haut tut ein Tag Pause vom Sonnenbaden ganz gut – oder vielleicht ist ja auch mal ein Regentag dabei ...

 

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"WIE EIN SCHATTEN AN EINEM HEISSEN SOMMERTAG"
- Tarator und andere kulinarische Spezialitäten

Bulgarische Restaurants gibt es in Deutschland nicht gerade an jeder Ecke. Womit das wohl zusammenhängt? An der Qualität der bulgarischen Küche kann es eigentlich nicht liegen. Denn die ist überraschend hoch, die Auswahl vielfältig. Wie schon in der Einleitung unter Bulgarien erwähnt, hält sie viele deftige Fleischgerichte bereit, meistens vom Schwein oder vom Huhn, seltener vom Rind oder vom Schaf, und am besten vom Grill. Ebenfalls sehr beliebt sind Eintöpfe, wahlweise mit oder ohne Fleisch. Es darf aber durchaus auch mal ein würziger Salat sein wie der Schopska u.a. aus Gurken, Tomaten, Paprika und Oliven.
Ähnlichkeiten mit Speisen aus anderen Balkanländern wie Ex-Jugoslawien oder Griechenland sind unverkennbar, ebenso mit türkischen Gerichten. Das liegt vor allem daran, dass die gesamte Balkanhalbinsel mehr als 500 Jahre unter osmanischer Herrschaft stand, von der sich die einzelnen Nationen erst Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts befreien konnten. So isst man in Bulgarien zum Frühstück gerne Baniza, eine Spezialität aus Blätterteig, die mit weißem Käse gefüllt ist, eventuell zusätzlich mit Spinat. In anderen Balkanländern kennt man sie als Gibanica, in der Türkei als Börek.
Der weiße Käse aus Schafs- oder Kuhmilch, meist in Salzlake gereift, darf eigentlich bei keinem Gericht fehlen. Und noch ein anderes Milchprodukt, nämlich der Joghurt, spielt zwar in allen Varianten der Balkanküche eine wichtige Rolle, genießt aber in Bulgarien noch mal einen ganz besonderen Stellenwert. Das liegt an der weltweit einzigartigen Bakterienkultur "lactobacillus bulgaricus" (kein Witz!). Zwei Drittel der produzierten Milch im Land, heißt es, werden zu diesem speziellen Joghurt verarbeitet. Er ist zähflüssiger als der deutsche, erinnert von der Konsistenz her eher an griechischen Joghurt. Und er ist auch der Grundstoff für den Tarator, ein beliebtes Sommergericht, das im Geschmack an Tsatsiki erinnert.
Warna-Guide Jordanka Kruschkowenska überredet mich dazu bei einer kurzen Mittagsrast im Schnellrestaurant "Bulgarska Kuchnja" gegenüber der Nikolauskirche. Sie verrät, welche Zutaten man dafür benötigt, und vergleicht ihn in seiner erfrischenden Wirkung mit einem Schatten an einem heißen Sommertag:

Originalton 0:27

[Zum Anhören klicken: O-Ton Jordanka Kruschkowenska über den "Tarator"]

 

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