Zürich Totale

rolf fröhlings reisereportagen

Zürich

           


SO LEBENSWERT WIE LIEBENSWERT
- die Dörfli-Metropole mit Seeblick

Zürich, wirtschaftliches Zentrum der Schweiz, Stadt der Nobelmarken und Nummernkonten – kühl, snobistisch und sündhaft teuer. Kein besonders gutes Image. Doch wenn man der so genannten Mercer-Studie glauben darf, ist Zürich auch die Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Das Londoner Personalberatungsunternehmen hat 215 Städte rund um den Globus getestet. Zu den Kritierien gehörten beispielsweise die politische und wirtschaftliche Situation, das Einkaufs- und Unterhaltungsangebot, Bildung, Gesundheit und Umweltschutz. Seit vier Jahren schon geht Zürich aus diesem Test regelmäßig als Sieger hervor. Dazu die herrliche Lage am Zürichsee, die ebenso herrliche Bergkulisse ringsum und die romantische Altstadt mit ihren winkligen Gassen, schmucken Fassaden und gemütlichen Lokalen polieren das Image gründlich auf. Eigentlich ist Zürich ein Schweizer Dörfli, das es irgendwie zur Weltmetropole gebracht hat, das aber nach wie vor zu seiner kleinbürgerlichen Herkunft steht. Und das macht die Stadt nicht nur lebenswert, sondern auch sehr, sehr liebenswert.

Zürich Totale
Titelfoto: Blick über Zürich und den Zürichsee
Zürich Türme St. Peter St. Jakob
Kirchtürme von St. Peter (vorne) und St. Jakob
Zürich Altstadt Fußgängerzone Sommer
Altstadt von Zürich bei Sonnenschein
Zürich Altstadt Regen
Altstadt von Zürich bei Regenwetter
Zürich Nationalmuseum außen
Platzspitz mit Blick auf das Schweizerische Nationalmuseum
Zürich Nationalmuseum Türme
Schweizerisches Nationalmuseum
Zürich Unibibliothek innen
Universitätsbibliothek
Zürich Cafe Schober innen
Im Café Schober
Zürich Cafe Schober Geburtstagstorten
Geburtstagstorten im Café Schober
Zürich Uhrengeschäft Frau vor Schaufenster
Schaufensterbummel in der Bahnhofstrasse
Zürich Uhrenmuseum Beyer Skulptur Uhrenverkäufer
Im Uhrenmuseum Beyer Vol. 1
Zürich Uhrenmuseum Beyer goldene Tischuhr
Im Uhrenmuseum Beyer Vol. 2
Zürich Ausflugsschiff Heck mit Schweizer Fahne
Rundfahrt auf dem Zürichsee
Zürich Zürichsee Badesteg mit vielen Menschen Sommer
Badespaß am Zürichsee
Zürich Limmat Badesteg
Badespaß an der Limmat
Zürich Uetliberg Aussichtsterrasse
Panoramablick vom Uetliberg

Reportagen (Radio hr4, 03.09.2005; hr-iNFO, 17.09.2005):

EINSTEIN TRIFFT LENIN

Zürich für "Kulturbeutel"

Zürich Limmat
Titelfoto: Zürich vom See aus gesehen

                             

 

 

Die Erkenntnis, dass Zürich ebenso lebenswert wie liebenswert ist, hat Tradition. Das liberale, tolerante und multi-kulturelle Klima zieht schon seit mehr als hundert Jahren immer wieder berühmte Persönlichkeiten an, die hier eine neue Heimat finden. Künstler, Dichter und Denker aller Art – von Richard Wagner über Thomas Mann und Albert Einstein bis hin zu Lenin. Viele kamen unfreiwillig, waren zuvor aus der alten Heimat vertrieben worden, doch für die meisten wurde die Schweizer Dörfli-Metropole schnell zur zweiten Heimat. Und bis heute scheint die Stadt von ihrer Attraktivität für Prominente nichts eingebüßt zu haben. So wird eine Entdeckungsreise durch Zürich unweigerlich zu einer Begegnung mit den Berühmtheiten dieser Welt. Ob zu Lande oder auf dem Wasser. Wer also ein echter "Kulturbeutel" ist, darf sich das nicht entgehen lassen!

Reportage (Radio hr4, 03.09.2005; hr-iNFO, 17.09.2005):

Originalton 3:43

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Bootstour]
"Geschätzte Gäste, im Namen der Zürich-Schiffahrtsgesellschaft und der Gastronomie begrüßen wir Sie an Bord des Motorschiffes 'Helvetia' zur Mittagsrundfahrt. Wir wünschen Ihnen einen guten Appetit."

Bei einem knusprig gebratenen Egli mit herzhafter Remouladen-Sauce schippern wir gemütlich über den Zürichsee. Vorbei an den Villen der Vororte. Wer hier wohnt, ist auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause. Nicht umsonst wird das Seeufer auch die "Goldküste" genannt. Nicht weit vom Bootsanleger selbst beispielsweise entdecken wir die Wohnung von Udo Jürgens. Natürlich in bester Lage und mit Blick auf den See. Wenige Kilometer weiter in Küsnacht passieren wir das Anwesen von Rock-Sängerin Tina Turner. Und gegenüber in Kilchberg hat Thomas Mann sein Exilantendasein genossen. Umgeben von so viel Prominenz, wird die Bootsfahrt zum Genuss. Aber das ist sie ja sowieso.

[O-Ton Passagierin:]
"Ich find's halt schön, weil der See hier zur Stadt gehört. Die Stadt baut sich ja um den See mit auf, und von daher find' ich das schön, auch die Stadt vom See her zu erleben."

Wieder zurück auf festem Boden, fahren wir mit der Poly-Bahn, einer Standseilbahn, zum Universitätsgelände hinauf. In den altehrwürdigen Hörsälen der Eidgenössischen Technischen Hochschule haben schon Leute wie Wilhelm Conrad Röntgen Physik-Vorlesungen gelauscht. Auch Albert Einstein gehörte zu den Studenten und später sogar zu den Professoren der Fakultät.

Zürich Zürichsee Bootssteg
Bootstour auf dem Zürichsee
Zürich ETH außen
Eidgenössische Technische Hochschule
Zürich Foto Einstein mit Frau
ETH-Ikone Albert Einstein

Unweit der Uni, in der Kantonsschulstrasse, lebte der deutsche Satiriker und Exilant Kurt Tucholsky mit seiner Geliebten Hedwig Müller.

[O-Ton Peter Ern:]
"Dank seinen Liebesbriefen an diese Frau Müller wissen wir, dass er sehr verliebt gewesen sein muss, weil er hat sehr oft den Kosenamen, mit dem er unterschrieben hat oder wie er diese Frau benannte, den hat er sehr oft gewechselt. Und so wissen die Ehepaare bis zum heutigen Tag, wenn sie immer den Kosenamen zu hören bekommen, bevor sie schlafen gehen, dann ist die Ehe noch in Ordnung. Das haben wir Tucholsky zu verdanken."

Es ist kaum zu überhören: Stadtführer Peter Ern ist sichtlich stolz auf den prominenten Zürcher vergangener Tage. Und nicht nur auf ihn. Als nächstes steuert er die Spiegelgasse in der Altstadt an. Die Schrifttafel am Haus Nummer 12 erinnert an einen berühmten Hessen:

[Inschrift:]
"In diesem Hause starb am 19. Februar 1837 der Dichter Georg Büchner."

Der Mann, nach dem Deutschlands bedeutendster Literaturpreis benannt ist, galt in seiner hessischen Heimat als Revoluzzer.

[O-Ton Peter Ern:]
"Georg Büchner kam im Jahre 1835 als Flüchtling nach Zürich und er wurde steckbrieflich gesucht. Wir hätten ihn eigentlich ausweisen sollen. Er durfte aber in Zürich bleiben, bekam an der medizinischen Fakultät der Uni Zürich eine Stelle und hatte so die Möglichkeit, zwei seiner Werke in Zürich fertigzuschreiben."

Zürich Stadtführer Peter Ern Bären
Stadtführer Peter Ern
Zürich Wohnhaus Georg Büchner außen
Büchner-Haus
Zürich Cafe Odeon innen
Café Odeon

Das Drama "Dantons Tod" und das Lustspiel "Leonce und Lena" sind in der Zürcher Spiegelgasse entstanden. Kurioserweise gleich nebenan, im Haus Nummer 14, wohnte Jahrzehnte später ein anderer bekannter Revoluzzer: Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin. Auch er hatte Zürich als Exil gewählt und von dort aus den Umsturz im russischen Zarenreich geplant.
Noch mehr Prominenz auf engstem Raum gab's wohl nur noch im Café Odeon am Limmatquai. In gediegener Jugendstil-Atmosphäre, ganz in Marmor und Messing gehalten, traf sich in den Dreißiger Jahren fast alles, was in der deutschsprachigen Literatur Rang und Namen hatte.

[O-Ton Peter Ern:]
"Denken Sie an Stefan Zweig, Franz Kafka, die beiden Schweizer Schriftsteller Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Carl Zuckmayer zu seiner Zeit. Bertolt Brecht hat hier auch Kaffee getrunken. Also, das war schon eines der potenten Caféhäuser in Zürich."

Heute sind die Gäste nicht mehr ganz so berühmt wie vor dem Zweiten Weltkrieg, aber an der originellen Einrichtung hat sich seither nicht viel verändert. Und noch etwas ist geblieben: Der Champagner im offenen Ausschank, das so genannte Cüpli. Diese Erfindung des Café Odeon ist inzwischen fester Bestandteil Zürcher Getränkekarten geworden. Denn mit einem solchen Cüpli voll Schampus in der Hand fühlt man sich fast so reich und berühmt wie die genannten Herrschaften, die früher hier verkehrten.

[Atmo: klingende Gläser]

 

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DELIKAT NACH SCHWEIZER ART

Zürich für "Leckerschmecker"

Zürich Cafe Schober innen mit Verkäuferin
Titelfoto: Zarte Versuchungen im Café Schober

                        

 

 

In Zürich lässt es sich gut leben, so gut wie in keiner anderen Großstadt der Welt. Und  auch das leibliche Wohl kommt dort nicht zu kurz. Zürcher Geschnetzeltes aus feinem Kalbfleisch kennt man als Spezialität rund um den Globus. Auch das Bircher Müesli, benannt nach einem Zürcher Mediziner und Pionier der Vollwertkost, hat längst die Frühstückstische aller Kontinente erobert. (Käse-)Fondue kommt zwar eigentlich aus der Westschweiz, ist aber zu einem festen Bestandteil der Zürcher Küche geworden.  Und nicht zuletzt die köstlichen Pralinés – ob mit oder ohne echt Schweizer "Schoki". Die Confiserien der Stadt verführen Einheimische wie Besucher mit den raffiniertesten Leckerlis – einfach märchenhaft!

Reportage (Radio hr4, 03.09.2005; hr-iNFO, 17.09.2005):

Originalton 3:48

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Es war einmal ein junger Konditor aus Luxemburg. Der brachte eine Spezialität aus seiner Heimat mit nach Zürich – ein zartes Makrönchen, gefüllt mit einer süßen, fruchtigen Buttercreme. Als Praktikant in der Confiserie Sprüngli wollte er sich damit einen Namen machen. Zunächst ohne Erfolg. Erst als er wieder nach Hause zurückgegangen war, wurde seine Leckerei plötzlich zum Renner. Und mehr aus Verlegenheit als aus echter Anerkennung nannte man sie fortan "Luxemburgerli". Auch Zürich-Führer Peter Ern kann dazu nicht "nein" sagen.

[O-Ton Peter Ern:]
"Schauen Sie, da haben wir Zitronenparfum, da haben wir Schokoladenparfum, hier vielleicht Himbeer oder Kirsch und da vielleicht Aprikosenparfum."
- Welches ist denn am meisten zu empfehlen?
"Also, ich habe die roten am liebsten. Da gibt es eines mit Kirschen und ein bisschen Kirschschnaps drin. Es gibt sogar Luxemburgerlis mit Champagner-Geschmack und die Geschmäcker ändern ein bisschen mit der Saison."

Bei Sprüngli gibt es Pralinen in unzähligen Variationen. Aber keine findet so reißenden Absatz wie die Luxemburgerlis. 650 Kilo pro Tag stellen die Konditoren her. Und nicht nur die Zürich-Besucher sind ganz versessen darauf. Auch die Einheimischen lassen sich von dieser zarten Versuchung gerne verführen. Zu allen Jahreszeiten:

Zürich Confiserie Sprüngli innen
Confiserie Sprüngli
Zürich confiserie Sprüngli Luxemburgerli
Luxemburgerli
Zürich Confiserie Sprüngli Pralinen
Schoki-Pralinen

[O-Ton Kunde:]
"Sie sind ziemlich süß, sehr fruchtig jetzt im Sommer. Ich hatte auch schon welche im Winter und da waren sie eher nussig. Also, es ist gerade interessant, dass es immer so abwechselt. Ich finde es schön, dass es so viele Sorten gibt."

Und wenn sie nicht verdorben sind, dann schmecken sie noch heute. Aber damit nicht genug der Märchen. Denn es war auch einmal ein bewaffneter Zwist zwischen Zürich und den angrenzenden Kantonen, kurz nach der Reformation. Da brachten die Krieger der einen Seite Schüsseln mit Milch und stellten sie auf der Grenze ab. Die Krieger der anderen Seite warfen Brotkrümel hinein. Dann setzten sich Freund und Feind gemütlich gegenüber und löffelten gemeinsam aus einem Topf. Das war zwar noch kein richtiges Fondue, aber schon eine Art Vorläufer. Heute nehmen die Zürcher Käse statt Milch, und selbst die Brotkrümel werden schon mal durch andere Zutaten ersetzt. Das Altstadt-Restaurant "Swiss Chuchi" beispielsweise hält ein Dutzend verschiedener Fondues bereit.

[O-Ton Hans Peter Kaiser:]
"Das Bauern-Fondue mit Speck, mit Pilzen drin. Dann haben wir das Herren-Fondue, das ist so 'ne Art Spezialität von uns: französischer Senf drin mit Pfefferkörnern. Wir haben das Tomaten-Fondue, das is' auch 'n bisschen saisonal dann gelegt..."
- Welches essen Sie denn am liebsten?
"Meines ist das Herren-Fondue. Das lieb' ich und das ess' ich auch pro Monat mindestens einmal."

Zürich Cafe Schober Pralinen
Pralinenauswahl im Café Schober
Zürich Swiss Chuchi Hans Peter Kaiser
"Swiss Chuchi"-Chef H. P. Kaiser
Zürich Swiss Chuchi Fondue
Immer eine 8 rühren

Und Hans Peter Kaiser, der Geschäftsführer des "Swiss Chuchi", räumt auch mit dem Vorurteil auf, Fondue dürfe man nur im Winter und nur am Abend essen. Ansonsten oute man sich als Tourist und Banause der Schweizer Ess-Kultur.

[O-Ton Hans Peter Kaiser:]
"Nein, absolut nicht. Also, im französischen Teil der Schweiz, im Welschland, und in Frankreich isst man Fondue, wenn es Sommer ist. Und das war ein Sommergericht. Und mittlerweile auch viele Deutsch-Schweizer und die Deutschen, die fangen auch wieder im Sommer Fondue zu essen an. Und es stimmt nicht: Auch ein Schweizer isst Fondue mittags."

Aber andere Regeln sind durchaus zu beachten: Man rühre den Käse immer schön in Form einer 8. Nur dann entfaltet er seinen vollen Geschmack. Und man verliere niemals seinen Brotkrümel, denn Unachtsamkeit wird bestraft:

[O-Ton Hans Peter Kaiser:]
"Wenn du das Brot verlierst, kost' dich das 'n Kirsch. Also, wenn du jetzt mit einem Tisch von Leuten da bist, dann musst' jedem 'n Kirsch zahlen, kann das 'n bisschen ins Geld gehen und da passte auch 'n bisschen besser auf, und sonst wird's einfach lustig, weil der Alkoholpegel steigt."

Tja, und wenn sie nicht besoffen sind, dann schlemmen sie noch heute.

 

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GEIZ IST GEIL

Zürich für "Fränklifuchser"

Zürich Bahnhofstrasse Cartier Schaufenster
Titelfoto: Teures "Pflaster" Bahnhofstrasse

                    

 

Die Schweiz ist ein teures Pflaster. Davon können alle ein Lied singen, die das Alpenland bereist haben. Und am lautesten singen zumeist die Zürich-Reisenden. Denn wer dort mal über die vornehme Bahnhofstrasse geschlendert ist, weiß, was das Leben in der Dörfli-Metropole kosten kann. Aber wenn man die Guccis, Cartiers etc. meidet und nicht unbedingt im ersten Haus am Platz absteigt, geht es auch wesentlich günstiger. Ein ordentliches Hotelzimmer ist schon ab 30 Franken zu haben. Das sind umgerechnet etwa 20 Euro. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind sowieso gratis und wer sich dann noch die "ZürichCARD" für ebenfalls 30 Franken holt, kann drei Tage lang umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, er hat bei vielen Attraktionen freien Eintritt oder erhält zumindest eine Ermäßigung. Und so können auch leidenschaftliche Geizkragen und notorische Fränklifuchser ohne Reue nach Zürich reisen.

Reportage (Radio hr4, 03.09.2005):

[Musik: "Ich brauche keine Millionen" von Marika Rökk]

Nein, Millionen sind nicht nötig für einen Altstadtbummel durch Zürich. Für die malerischen Gassen mit den unzähligen kleinen "Lädlis", Cafélis" und "Restaurantlis" braucht man nicht mal eine Vignette wie auf den schweizerischen Autobahnen. Wer die Dörfli-Atmosphäre inmitten der pulsierenden Metropole schnuppern will, muss selbstverständlich keinen einzigen Rappen berappen.

Originalton 0:12

[zum Anhören klicken: Atmo Turmuhr]

Auch wenn die Turmuhr von St. Peter schlägt, schlägt sie keineswegs zu Buche. Und das größte Zifferblatt Europas gibt's gleich gratis dazu. Überhaupt, wer sich für Schweizer Uhren interessiert, kriegt in Zürich einiges geboten. Auch zum Nulltarif. Selbst der vornehme Juwelier Türler am Paradeplatz gewährt freien Zugang zu seinem mechanischen Universum, einem wahren Wunderwerk der Zeitmessung.

[O-Ton Silvan Johner:]
"Das ist die komplizierteste Uhr der Welt. Es ist auch die teuerste. Sie war einmal im Guinness-Buch der Rekorde. Sie hat einen ewigen Kalender, das gesamte Astrolabium, die Erde, Sonne und Mond. Auch die Neigung der Planeten ist alles mit eingerechnet."

Und natürlich absolut unverkäuflich, versichert Türler-Mitarbeiter Silvan Johner. Deshalb gilt auch hier uneingeschränkt:

[Musik: "Ich brauche keine Millionen" von Marika Rökk]

Zürich St. Peter Turmuhr
Turmuhr von St. Peter
Zürich Uhrenmuseum Beyer kleinste Uhr der Welt
Kleinste Uhr der Welt
Zürich Zoo Chamäleon
Chamäleon im Zoo

Überaus kostbar sind auch viele Ausstellungsstücke im Uhrenmuseum Beyer in der Bahnhofstrasse. Für Inhaber der ZürichCARD aber kostenlos zu bewundern. Eines davon gehörte Napoleons Bruder Joseph Bonaparte. Diese "Sympathique" genannte Uhr hat einen geschätzten Wert von bis zu zwei Millionen Franken. Es gibt weltweit nur sieben Stück davon.

Originalton 0:18

[zum Anhören klicken: O-Ton Museumsführerin Doris Burkard]

"Der Juan Carlos aus Spanien hat diese Uhr noch. Eine hat Königin Elisabeth in England. Wir haben gesucht, wir hatten sie nicht von Anfang an, und die hätten wir schon wieder verkaufen können, aber wir tun's nicht. Das ist Wertanlegung. Die geht nur rauf, die geht nie runter."

Originalton 0:13

[zum Anhören klicken: Atmo Glockenspiel]

Und Doris Burkard führt uns noch mehr solcher Kleinodien der Zeit-Geschichte vor, von der antiken Sonnenuhr bis zur modernen Atomzeituhr. Publikumslieblinge sind meistens die vielen "Uhr-iositäten". Zum Beispiel:

[O-Ton Museumsbesucherin:]
"Die kleinste von der Welt, weil ich finde, das ist etwas absolut Spezielles – hab' dann nur ich, niemand anders."

Zürich Uhrenmuseum Beyer innen
Uhrenmuseum Beyer
Zürich Zoo Tropenhaus innen
Tropenhaus im Zoo
Zürich Oper außen Abend
Opernhaus

[Atmo: Tropenhaus im Zoo]

Ein technisches Wunderwerk ganz anderer Art ist das Tropenhaus im Zürcher Zoo. Unter dem 11.000 Quadratmeter großen Hallendach kreucht und fleucht es wie im Regenwald von Madagaskar. Mit der ZürichCARD gibt's 10 Prozent Rabatt für dieses Dschungel-Erlebnis am Rande des Großstadt-Dschungels.

[O-Töne Zoobesucher:]
"Diese hohe Lufttemperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit, das ist sehr ungewohnt. Vor allem von einem Zoo kenne ich das eigentlich nicht. Gefällt mir gut, ist auch interessant, die Tiere 'n bisschen zu suchen und nicht nur im Gehege zu finden."
"Vor allem braucht man sehr viel Zeit, um die Tiere zu sehen, die Blumen, und es ist jedesmal anders auch. Man sieht wieder Blumen, die nur zu bestimmten Zeiten offen sind. Und meistens kommen wir jetzt nur noch in die Halle. Die Kinder haben letztesmal das Chamäleon entdeckt, und es ist jedesmal die Frage, wo steckt es und finden wir es wieder?"

Und wer nach so viel Uhr und Nat-ur Lust auf Kult-ur verspürt, braucht in Zürich auch dafür keine Millionen. Die Oper beispielsweise gehört zu den renommiertesten Häusern in Europa. Die Preise sind zwar entsprechend, aber Stadtführer Peter Ern kennt ein Hintertürchen. Schließlich sollen auch Kulturmuffel und Fränklifuchser für die Oper gewonnen werden.

[O-Ton Stadtführer Peter Ern:]
"Deshalb organisiert das Opernhaus zusammen mit der Stadt Zürich die so genannten Volksvorstellungen, und die sind dann allen zugänglich. Die Preise wären dann etwa 50 Prozent von den Normalpreisen."

[Musik: "... mir fehlt kein Pfennig zum Glück. Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik."]

 

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ADVENT, ADVENT

Zürich für "Weihnachtsmänner"

Zürich Limmat Weihnachtsbeleuchtung
Titelfoto: Limmat-Ufer im Advent

                            

 

 

Zürcher Lebensqualität kann man das ganze Jahr über genießen – auch und gerade in der Adventszeit. Die ganze Stadt ist festlich illuminiert. Gleich mehrere Weihnachtsmärkte locken mit kulinarischen Spezialitäten und traditionellem Kunsthandwerk. Uralte ebenso wie neuere vorweihnachtliche Bräuche werden liebevoll gepflegt. Zürich im Advent – das ist ein einziger Augen- und Ohrenschmaus. Hier kommen Weihnachtsmänner und auch -frauen voll auf ihre Kosten.

Zürich Singing Christmas Tree
"Singing Christmas Tree" am Werdmühleplatz
Zürich Limmat Lichterschwimmen Advent
Lichterschwimmen auf der Limmat
Zürich Märli Tram außen
Märli-Tram mit Weihnachtsmann und Engeln, die Geschichten erzählen und Leckereien verteilen
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt von oben
Weihnachtsmarkt in der Vorhalle des Hauptbahnhofs
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt von unten
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 1
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt Weihnachtspyramide
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 2
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt Bude mit Kunsthandwerk
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 3
Zürich Weihnachtsmarkt Anstoßen mit Glühwein
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 4
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt Wurststand
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 5
Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt Emmentaler Stand
Auf dem Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof Vol. 6
Zürich Altstadt Weihnachtsbeleuchtung
Weihnachtlich geschmückte Altstadt von Zürich
Zürich Eisbahn Nachtaufnahme
Auf der Eisbahn Vol. 1
Zürich Eisbahn Erinnerungsfoto
Auf der Eisbahn Vol. 2

Reportage (Radio hr4, 19.12.2009):

Originalton 3:25

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Kinderchor singt "Rudolph, The Red-nosed Raindeer"]

Eine vielstimmige Einstimmung auf das Fest: Der Singing Christmas Tree am Werdmühleplatz ist eine mit Tannenzweigen geschmückte Tribüne, auf der täglich ein anderer Chor die schönsten Weihnachtslieder singt. Die Idee stammt aus Amerika, aber sie gehört mittlerweile auch in Zürich zum festen Repertoire der Adventsbräuche. Genauso wie das Lichterschwimmen, bei dem Hunderte von Kerzen auf Papierschiffchen die Limmat hinabtreiben, oder wie die so genannte Märli-Tram, eine weihnachtlich geschmückte Straßenbahn.

[O-Ton Monika Ghidoli:]
"Der Weihnachtsmann, der ist am Steuer, und zwei Engel erzählen Geschichten und verteilen Mandarinen und Nüsse. Die Kinder stehen Schlange, um mit dieser Märli-Tram mitzufahren. Das ist wirklich reizvoll – auch das ein Brauch aus den Sechziger Jahren."

Monika Ghidoli, unsere Stadtführerin, nimmt uns mit in die Schipfe, eine kleine Gasse am linken Limmatufer. Sie ist seit den Achtziger Jahren beliebtes Ziel bei großen und kleinen Naschkatzen. Die Schokoladenfabrik Lindt aus dem benachbarten Kilchberg verwandelt die Schipfe in eine zarte vorweihnachtliche Versuchung:

[O-Ton Monika Ghidoli:]
"Jetzt gibt's jedes Jahr immer 120 Kilo Schokolade, die an die Bäume gehängt werden, zweimal am Tag. Früher war es immer zur gleichen Zeit, das haben die Leute gemerkt, ja, aber wir sind leider zu spät dran; Sie sehen nur noch die Schnürchen. Das ist natürlich eine gute Werbung für Lindt, aber die Leute freuen sich, dass man hier die Schokolade von den Bäumen pflücken kann."

Zürich Singing Christmas Tree nah
"Singing Christimas Tree"
Zürich Märli Tram Nachtaufnahme
Märli-Tram
Zürich Schipfe Advent Lindt Schokolade
Lindt-Baum in der Schipfe

Köstliche Leckereien gibt es auch auf den Zürcher Weihnachtsmärkten – allerdings nicht gratis. Die vorweihnachtliche Spezialität ist der Züri-Tirggel, ein hauchdünner Keks, der hauptsächlich aus Mehl und Honig gebacken wird.

[Atmo-Töne Touristen:]
"Da muss man aber gute Zähne haben."
"Ja, und Sie müssen's einfach mit der Spucke ein bisschen einweichen, dann wird's schön cremig. Oder man kann's in Kaffee oder in Süßwein tauchen und dann brauchen Sie nicht so viel Spucke."
- Wie schmeckt’s?
"Mmh, lecker und hart."

Der größte Weihnachtsmarkt in Zürich ist der Christkindlimarkt in der Vorhalle des Hauptbahnhofs – er gilt sogar als größter überdachter Weihnachtsmarkt Europas. Blickfang ist eine 15 Meter hohe Tanne, die auf ganz eigentümliche Weise geschmückt ist:

[O-Ton Monika Ghidoli:]
"Diese Tanne ist dekoriert mit Kristallanhängern von Swarovski. Es hat über 7.000 solcher Anhänger und man brauchte dazu fünfeinhalb Kilometer Schnur, um diese Dinge auch aufzuhängen. Ich weiß zum Beispiel auch, dass dieser Kunstschnee, das sind 250 Kilogramm Kunstschnee, die jedes Jahr verwendet werden."

Zürich Hauptbahnhof Weihnachtsmarkt Karussell
Christkindlimarkt im Bahnhof
Zürich Weihnachtsmarkt Züri Tirggel
"Züri-Tirggel"
Zürich Weihnachtsmarkt Swarovski Tanne
Swarovski-Tanne

Auch ohne Kerzen ist der Baum ein einziges Glitzern und Funkeln. Den meisten Besuchern gefällt der ungewöhnliche Kristallschmuck:

[O-Töne Besucher:]
"Also, ich find' die traditionellen schöner, aber meine Tochter find' des sehr schön."
"Zuerst dacht' ich immer, es hätte Lämpchen drin, aber des spiegelt – oddrr? Originell und Strom sparend, heutzutage."
"Also, mir gefällt er auch sehr gut. Ist sehr überladen, aber trotzdem nicht kitschig, find' ich. Ja, ja, sehr schön – muss jedes Jahr mal 'rumlaufen."

Natürlich wird auf dem Christkindlimarkt auch Glühwein ausgeschenkt. Aber der schmeckt draußen in der frischen Winterluft einfach besser als in einer Bahnhofshalle. Drum gehen wir zurück zum Werdmühleplatz und genehmigen uns dort einen, musikalisch begleitet vom Singing Christmas Tree – und der hat nicht nur amerikanische Songs im Repertoire, sondern auch Schweizer Weihnachtslieder.

[Atmo: Kinderchor singt Schweizer Weihnachtslied]

 

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