rolf fröhlings reisereportagen
Weinviertel (Öst.)
JETZT TRINK MER NOCH A VIERTEL WEIN
- feucht-fröhliche Erlebnisse in Niederösterreich
"Jetzt trink mer noch a Flascherl Wein, es muss ja nicht das letzte sein." Dieses Schunkellied des unvergessenen Paul Hörbiger darf bei keinem zünftigen Heurigen-Abend fehlen. Aber es muss auch nicht gleich ein ganzes "Flascherl" sein, ein Viertel tut's zur Not auch. Und am besten ein Viertel Wein aus dem Weinviertel in Niederösterreich, nördlich von Wien. Dies ist eine Region, die so ganz anders ausschaut, als man sich Österreich gemeinhin vorstellt: Keine hohen Berge, sondern sanfte Hügel und weite Ebenen bestimmen das Landschaftsbild. Schon die alten Römer haben dort Wein angebaut, und diese Tradition wird bis heute fortgesetzt. Das Weinviertel ist eine vom Massentourismus noch unentdeckte Region, in der es allerdings viel zu entdecken gibt – auch abseits der Heurigen-Lokale und Vinotheken.
Reportagen (Radio hr4, 11.10.2014; SWR4 RP, 25.04.2021:)
DA IST PFEFFER DRIN
über das spezielle Wesen des Grünen Veltliners
Wer in Österreich eine Weinkarte studiert, findet meist ganz oben auf der Liste den Grünen Veltliner. Diese Weißweinsorte stammt zwar ursprünglich aus Norditalien, ist aber längst typisch geworden für die Alpenrepublik. Angebaut wird sie vor allem auf den Lössböden des Weinviertels. Grüner Veltliner macht in der Region etwa 80 Prozent der gesamten Rebfläche aus. Der Wein gilt als leicht, fruchtig und erfrischend. Sein pfeffriger Geschmack ist unverwechselbar. Deshalb hat er viele Freunde gefunden. Nicht nur in Österreich. Aber gerade dort genießt er Kultstatus.
Reportage (Radio hr4, 11.10.2014:)
[Musik: Jimmy Schlager singt "Mein GV"]
"Was der Sake für'n Japaner, was der Raki für'n Albaner,
Is für mi, was sag'n denn Sie?
Was kann des sein?
Doch nur an Wein."
Und für Liedermacher Jimmy Schlager, im Weinviertel geboren, kommt überhaupt nur ein Rebensaft in Frage. Der Grüne Veltliner natürlich, abgekürzt "GV". Auch für den jungen Biowinzer Stefan Mehofer vom Neudeggerhof bei Großriedenthal ist der GV die klare Nummer 1:
[O-Ton Stefan Mehofer:]
"Im Weinviertel spielt er natürlich die größte Rolle, hat den größten Sortenanteil, gerade speziell, was jetzt der Exportbereich ist, ist natürlich Grüner Veltliner aus Österreich sehr gefragt, weil es etwas ganz Österreich-typisches ist."
[Musik: Jimmy Schlager singt "Mein GV"]
"Es is der Grüne schon a ganz a eigne Sort'n,
So was beschreibt mer ganz unmöglich nur mit Wort'n."
Stimmt. Wein muss man verkosten. Stefan Mehofer versucht es trotzdem, das spezielle Wesen des GV in Worte zu fassen:
[zum Anhören klicken: O-Ton Stefan Mehofer]
"Das Charakteristische am Grünen Veltliner ist, dass er sehr gut in unser Klima passt. Grüner Veltliner bringt von sich aus eine Frische, eine Würze, hat eine schöne Säurestruktur, passt einfach sehr gut ins Gebiet."
Drum ist er so beliebt. Dabei genoss Wein aus Österreich lange Zeit keinen guten Ruf. Der Glykolskandal von 1985 ist bis heute unvergessen. Aber auf den Verkauf hat er längst keinen Einfluss mehr, sagt der Jungwinzer. Der Skandal habe in seiner Branche sogar ganz neue Kräfte freigesetzt:
[O-Ton Stefan Mehofer:]
"Für Österreich war das in den 80er Jahren ein irrsinniger Qualitätsschub, und wenn man jetzt international sieht, speziell Grüner Veltliner, wird man immer Spitzenweine im vorderen Bereich international mit finden, und da hat sich einfach Österreich sehr gut daraus entwickelt. War vielleicht auch sehr gut, dass es stattgefunden hat, und so sind wir jetzt an der Spitze vorne wieder mit dabei."
Und das gilt nicht nur für den GV und andere Weißweine. Auch wer lieber einen Roten trinkt, muss nicht verdursten.
[O-Ton Stefan Mehofer:]
"Hauptsorte im Weinviertel ist der Zweigelt, weil es eben auch eine Sorte ist, die gut in unser Klima passt. Zweigelt ist eine Sorte, die in Klosterneuburg, also auch in unserer Region, vor hundert Jahren gezüchtet worden ist und somit auch speziell für dieses Klima gedacht ist. Es sollten nicht zu mächtige Weine sein, sondern eher fruchtbetonte strukturierte Rotweine auch."
Schön und gut, mag der Liedermacher Jimmy Schlager dazu sagen. Denn für ihn – und nicht nur für ihn – ist das einzig Wahre nun mal sein GV. Ganz egal wie:
[Musik: Jimmy Schlager singt "Mein GV"]
"Du kanns ean Nippen und beim Prosten,
Ean nur schluckenweise kosten
Oder di aa so wie i einfach besaufen wie noch nie!"
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PRICKELNDES VERGNÜGEN
- Sekt aus dem Weinviertel
Grüner Veltliner wird nicht nur als Wein getrunken, er dient auch als Grundlage für Sekt. Zusammen mit anderen Weißweinsorten aus der Umgebung wie Welschriesling, Riesling, Chardonnay oder Weißburgunder liefert ihn das Weingut Riegelhofer in Poysdorf an Österreichs älteste Sektkellerei Schlumberger in Wien. Das Weinviertel liegt auf dem selben Breitengrad wie die Champagne, das Klima eignet sich deshalb auch besonders gut für edle Sekte, und das Städtchen Poysdorf gilt als Österreichs Sekt-Hochburg.
Familie Riegelhofer hat in Zusammenarbeit mit Schlumberger eine "Sektwelt" im Kellergewölbe des ehemaligen Kapuzinerklosters von Poysdorf aufgebaut. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Herstellung des prickelnden Vergnügens und in die Geschichte der Sektkellerei Schlumberger, deren Gründer und Namensgeber Robert Schlumberger einst sein Handwerk in der Champagne erlernte und später zum k.u.k.-Hoflieferanten ernannt wurde.
Doch wie es überhaupt dazu kam, dass Wein ein zweites Mal vergoren wurde und so auf wundersame Weise Sekt entstand, ist eine kuriose Geschichte, an dieser Stelle erzählt von Gertrude Riegelhofer:
[zum Anhören klicken: O-Ton Gertrude Riegelhofer]
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DA GEHT'S TIEF HINUNTER
über das Keller-Labyrinth im Weinstädtchen Retz
Viele kennen das Weinstädtchen Retz aus dem Fernsehen. Es war Schauplatz der ARD-Serie "Julia – eine ungewöhnliche Frau" mit (Paul Hörbigers Nichte) Christiane Hörbiger in der Hauptrolle. Denn Retz ist ein wahres Schmuckstück im Weinviertel. Sein Hauptplatz mit dem imposanten Rathaus und den kaum weniger imposanten Bürgerhäusern gehört zu den schönsten Plätzen im ganzen Land. Sein wahrer Schatz aber liegt unter der Erde: ein insgesamt 25 km langes Labyrinth aus Kellern und Gängen, wo einst die Retzer Weinhändler ihren Rebensaft gelagert haben. Es ist der größte historische Weinkeller Österreichs. Die edlen Tropfen von dort wurden bis an den Zarenhof in St. Petersburg geliefert. Heute haben die Keller zwar ausgedient, dafür ist ein kleiner Teil des Labyrinths für die Öffentlichkeit zugänglich. Mehrmals täglich gibt es Führungen in den feucht-kühlen Abgründen der Weinproduktion von anno dunnemals, und da geht's tief hinunter.
Reportage (Radio hr4, 11.10.2014):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Atmo: Treppensteigen]
Unzählige Stufen führen in die historischen Weinkeller von Retz. Bis zu 18 m unter der Erde liegen sie. Hier betragen die Temperaturen das ganze Jahr über konstant 10 bis 12 Grad. So mag es der Wein am liebsten. Früher reiften allein drei Millionen Liter in den Fässern der Familie Mössmer, erzählt Kellerführerin Johanna Wieser:
[O-Ton Johanna Wieser:]
"Es gibt auch einen Spruch: In Retz gibt's mehr Wein als Wasser. Das war Tatsache! Eben drei Millionen nur in den Mössmer-Kellern, Brunnen in der ganzen Stadt vier, und Niederschlag haben wir normalerweise extrem wenig, 400 Millimeter nur. Bei uns ist es sehr heiß und sehr trocken, ein richtig pannonisches Klima. Und 1928 haben wir dann erst Wasserleitung bekommen, davor hat's wirklich mehr Wein in Retz gegeben."
Vorsichtig tasten wir uns durch das unterirdische Labyrinth. Die Kellerführerin geht mit der Taschenlampe voraus. Nur ab und zu fällt ein dünner Lichtstrahl durch die Decke nach unten.
[O-Ton Johanna Wieser:]
"Wir haben hier ein Dampfloch, das dient zur Belüftung der Keller. Wir haben ganz gute frische Luft im Keller, sie zirkuliert durch die Dampflöcher, und die Dampflöcher dienen auch zum Einfüllen des Weines. Man steckt einfach Schläuche durch und lässt so den Wein in den Keller fließen."
Heute stehen nur noch wenige Fässer in den Kellern – zu Demonstrationszwecken. Denn längst lagern die Retzer Winzer ihren Wein oberirdisch in modernen Tanks. Aber früher mussten sie die gewaltigen hölzernen Monstrümmer irgendwie hier herunterschaffen. Da fragen wir uns doch alle: Wie haben sie das gemacht?
[O-Ton Johanna Wieser:]
"Fässer hat der Fassbinder in seiner Werkstatt hergestellt, hat dann die einzelnen Fassdauben – so nennt man die gebogenen Holzteile – nummeriert, das Fass hat man dann zum Kellereingang transportiert, und dort hat man es wieder zerlegt. Die Teile wurden dann in den Keller getragen, auf große Steinblöcke – die nennt man Ganter – hat man das Fass dann wieder aufgebaut."
Vor einem der großen Fässer liegt eine Puppe im karierten Trachtenjäckchen, sichtlich besäuselt vom Retzer Wein.
[O-Ton Johanna Wieser:]
"Das ist unser Maskottchen, das ist der Retzi, wichtig deshalb, weil er typisch die Kleidung des Weinbauern trägt, den Kalmuck-Janker. Kalmuck, das kommt von den Kalmücken. Das war ein wildes mongolisches Reitervolk, die haben solche Materialien gewebt als Pferdedecken. Das Muster ist durch diese Webart entstanden, und erst später haben die Weinbauern Arbeitskleidung aus diesen Stoffen genäht, und wir Kellerführer tragen als quasi Zeichen auch diesen Arbeitsjanker, den Kalmuck-Janker."
So ein Janker ist auch ein beliebtes Souvenir. Ähnlich wie ein Flascherl Wein natürlich. Drum gibt’s zum Abschluss der Kellerführung eine kleine Verkostung im Vinarium des Hotels Althof. Aber bitte mit Bedacht, damit wir am Ende nicht genauso besäuselt sind wie der arme Retzi!
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TYPISCH WEINVIERTEL
- die malerischen Kellergassen
Das Keller-Labyrinth unter der Stadt Retz ist eine Ausnahme im Weinviertel. Es wurde im späten Mittelalter angelegt, weil Kaiser Friedrich III. den Bürgern ein Weinprivileg verliehen hatte. Die Winzer der Umgebung durften ihren Wein nicht selbst vermarkten, sondern mussten ihn zu den Händlern nach Retz bringen.
Weniger spektakulär, aber typischer für das Weinviertel, sind die Kellergassen, die es fast überall gibt – in manchem Dorf sogar mehrere. Oft sind sie mitten in den Weinbergen zu finden. Die Kellergassen bestehen aus Reihen von kleinen Steingebäuden, den sogenannten Presshäusern, wo die Trauben gekeltert wurden, und unterirdischen Kellern, wo der Wein reifte und lagerte. Auch die Presshäuser und Keller werden heutzutage kaum noch genutzt. Dafür werden die Kellergassen zunehmend zur Touristenattraktion. Nicht nur weil dort häufig Weinfeste stattfinden, sondern weil viele sich auf geradezu malerische Weise in die Kulturlandschaft des Weinviertels einfügen. Ob mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Fahrrad – ein Kellergassenbesuch ist fast immer einen kleinen Ausflug wert. Hier ein paar optische Eindrücke aus Kleinhadersdorf (rechts), Wartberg (unten links), Falkenstein (unten Mitte) und Wildendürnbach (unten rechts):
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DA STAUNT SOGAR DER FÜRST
über das Liechtenstein-Schloss in Wilfersdorf
Einer der größten Weinproduzenten im Weinviertel ist kein Geringerer als der Fürst von Liechtenstein. Ihm gehören mehr als 40 Hektar Rebfläche in der Region. Seine Hofkellerei liegt ebenso wie das Stammschloss der Fürstenfamilie in der Gemeinde Wilfersdorf. Von dem einst prachtvollen Barockschloss ist zwar nur noch ein Flügel übriggeblieben – der Großteil wurde schon vor zweihundert Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen – aber dafür beherbergt das Restschloss die umfangreichste Ausstellung, die es zur Geschichte des Hauses Liechtenstein gibt. Da staunt sogar (aber nicht nur) der Fürst.
Reportage (Radio hr4, 11.10.2014):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Barock-Musik]
Der Fürst von Liechtenstein kann auf eine lange Ahnenreihe zurückblicken. Sie reicht bis ins Hochmittelalter. Der Wilfersdorfer Johann Huysza hat die Stammtafel der Familie in detektivischer Kleinarbeit erstellt. Rund 500 Namen stehen darauf, sie ist sozusagen die Krönung der Ausstellung.
[O-Ton Johann Huysza:]
"Das beginnt hier heroben. Das ist der erste historisch nachweisbare Namensträger, Hugo von Liechtenstein wird ab 1125 in Urkunden erwähnt, hauptsächlich in Zusammenhang mit der Burg Liechtenstein südlich von Wien."
In der Ausstellung gibt es natürlich ein Modell der Burg. Aber im Laufe der Jahrhunderte konnten die Liechtensteiner ihre Herrschaft deutlich erweitern. Sie wurden zu einer der reichsten und mächtigsten Adelsfamilien des Habsburgerreichs. Ihre Ländereien erstreckten sich auch auf Niederösterreich und Südmähren.
[O-Ton Johann Huysza:]
"Um ca. 1600 haben sich drei Brüder den Besitz aufgeteilt: Karl, Maximilian und Gundaker. Der erste, Karl, bekam damals Feldsberg, das heutige Valtice, Herrnbaumgarten hat er auch bekommen, da hat der Fürst jetzt seine Weingärten, und südmährischen Besitz hat er auch bekommen. Der Maximilian hat die Nordostecke von Niederösterreich bekommen, und Gundaker als jüngster bekam hier Wilfersdorf."
Dieser Gundaker ist sozusagen der Stammvater der heutigen Fürstenfamilie. Ein Nachkomme erwarb dann im 17. Jahrhundert die Herrschaften Schellenberg und Vaduz und gründete damit das Fürstentum Liechtenstein. 1806 wurde es mit Napoleons Hilfe ein souveräner Staat. Trotzdem kämpfte Fürst Johann I. aufseiten Österreichs in den Schlachten von Austerlitz und Wagram gegen Napoleon und führte anschließend die Friedensverhandlungen.
[O-Ton Johann Huysza:]
"Der Fürst von Liechtenstein hat sogar Napoleon angeboten seine Kunstsammlung, die fürstliche Sammlung, dass er sich ein bisschen gnädiger zeigt bei den Bedingungen, das wurde aber nicht angenommen."
Ein Gemälde der Schlacht bei Austerlitz ist in der Ausstellung zu bewundern. Ein Nachkomme des tragischen Helden, Hans Adam II., regiert heute das Fürstentum Liechtenstein. Sein Schloss Wilfersdorf im Weinviertel hat er für einen symbolischen Euro an die Gemeinde verpachtet. Ab und zu allerdings kommen er oder seine Söhne, um nach dem Rechten zu sehen.
Wie sind die so?
[O-Ton Johann Huysza:]
"Ganz normal, ganz locker, ja. Der Fürst und seine Söhne fahren selber mit dem Auto, ohne Chauffeur, sie sind ganz ohne Leibwächter unterwegs, ganz normales Verhältnis."
Staunend hat der Fürst auch auf die Erstellung seiner Ahnentafel reagiert. Und er gab sogar eine Kopie in Auftrag für sein Schloss in Vaduz.
[Barock-Musik]
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DAS VERLORENE ERBE
- die Liechtenstein-Schlösser in Tschechien
Wesentlich größer und prachtvoller als das (Rest-)Schloss Wilfersdorf sind die ehemaligen Liechtenstein-Schlösser Feldsberg (Valtice) und Eisgrub (Lednice). Beide liegen nur wenige Kilometer von Wilfersdorf entfernt, allerdings knapp hinter der tschechischen Grenze. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Österreich den Landstrich an die neugegründete Tschechoslowakei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Liechtensteiner enteignet, ihre Schlösser fielen an den nunmehr kommunistischen Staat. Selbst die politische Wende von 1990 brachte keine Änderung mit sich. Alle Bemühungen des Hauses Liechtenstein, sein Erbe zurückzubekommen, schlugen fehl.
Zuletzt aufwändig restauriert, sind die Schlösser allerdings in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen worden, und ein Abstecher ins benachbarte Tschechien ist im Schengen-Zeitalter kein Problem mehr, deshalb unbedingt zu empfehlen! Es gibt sogar einen Radweg, der die drei Liechtenstein-Schlösser in Niederösterreich und Südmähren miteinander verbindet. Hier ein paar optische Argumente aus Eisgrub/Lednice (rechts sowie unten Mitte) und Feldsberg/Valtice (unten links, unten rechts):
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Hier gibt's mehr Infos über das Fürstentum Liechtenstein in den Reportagen Liechtenstein.
DA BLEIBT KEIN AUGE TROCKEN
über das Nonsens-Museum in Herrnbaumgarten
Ein Korkenzieher, mit dem man drei Weinflaschen auf einmal öffnen kann, ein beheizbarer Gartenzwerg oder ein Telefon für Selbstgespräche: All das sind Erfindungen, die die Welt nicht braucht – und es sind nur einige von vielen Exponaten im "Nonseum Herrnbaumgarten". Der "Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen" hat sie in mehr als drei Jahrzehnten teils selbst erfunden, teils zusammengetragen. Und alles kam so: Fünf damals noch junge Burschen aus dem Weinviertel beobachteten eine Kellnerin, die ein bekleckertes Tischtuch umdrehte und wiederverwendete. Da hatten sie die skurrile Idee, ein Tischtuch in Form eines Würfels zu kreieren, das man sechsmal wenden kann, ohne es waschen zu müssen. Weitere solcher Nonsens-Erfindungen folgten, 1994 wurde das "Nonseum" eröffnet und seither ständig vergrößert. Weit über 100.000 Besucher waren schon dort, und wenn Mitbegründer Gottfried Umschaid eine Führung macht, bleibt garantiert kein Auge trocken.
Reportage (Radio hr4, 11.10.2014):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Hier haben wir ein Gerät – manche Leute können's einfach nicht lassen den Finger in die Nase zu stecken, und hier haben wir den halbautomatischen Nasenbohrer. Das ist ein Finger, der ist auf einer alten Handbohrmaschine drauf, und man dreht und kann das wirklich voll genießen."
Nur eine praktische Erfindung, die den Alltag erleichtert. Hier eine weitere:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Das ist ein gebogenes Messer. Wenn man Honig aufs Brot gibt oder was, rinnt das immer herunter, und hier schneiden wir mit dem Messer schon eine Mulde heraus und der Honig bleibt drin."
Genial einfach – einfach genial, oder? Genau wie diese epochale Erfindung für Tierfreunde:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Das ist hier die waidgerechte Fliegenklappe. Naturschützer schützen die Tiere, so soll auch die Fliege ihre Chance haben. Es ist in der Fliegenklappe eine Fliege ausgeschnitten, und wenn man richtig trifft, dann kann sie überleben."
[Atmo: Gelächter]
Um im harten Profisport zu überleben, ist diese Erfindung lebenswichtig:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Wir haben hier einen Fußballschuh mit Fadenkreuz. Also in Österreich braucht man das nicht so besonders, aber für die deutsche Nation wäre das natürlich optimal, weil die haben schon ein paar mehr Tore geschossen." (lacht)
- Vielleicht hätten's dann die Österreicher nötiger.
(Lacht noch mehr.)
Und wer lieber Musik macht, braucht garantiert diese Erfindung:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Wir haben hier die Klavierhandschuhe. Ich zieh' sie mal an und werd' dann mal ein bisschen spielen. Die Klavierhandschuhe haben weiße und schwarze Finger. Also man braucht nur die Tastatur mit den Fingern richtig betätigen und die schönsten Töne kommen heraus [klimpert auf dem Klavier herum]."
Jetzt noch was für Leute, die Musik und Sport verbinden wollen:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Hier haben wir noch ein Musikinstrument, das ist die Ziehharmonika mit Expander. Also kräftige Harmonikaspieler können sich hier richtig austoben. Das ist ein Krafttraining und zugleich kann Musik entstehen."
Aber mancher ist ja auch bewegungsscheu:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Nach Konzerten, wenn man wirklich zufrieden ist, tun ja manchmal die Hände weh vor lauter klatschen, und hier haben wir die Applausklatsche erfunden." (klatscht)
Applaus auch für all die skurrilen Tüftler. Und wer nach dem ganzen Nonsens zu aufgekratzt zum Schlafen ist, braucht vielleicht diese Erfindung:
[O-Ton Gottfried Umschaid:]
"Wir haben hier die Schäfchenzählmaschine. Manche Leute haben einfach das Problem mit dem Einschlafen, und das ist ein Himmelbett, wo oben Schäfchen auf einer Wolke draufgezeichnet sind, und man kann hier mit einer Automatik die Gewichte einschalten, und dann rollen die Schäfchen so oben drüber, man wird immer schläfriger, bis man dann wirklich eingeschlafen ist." (lacht)
[Atmo: Gelächter]
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DA KOMMT MAN DER NATUR AUF DIE SPUR
über das Vogelparadies in den March-Thaya-Auen
Ganz im Osten des Weinviertels, wo die Landschaft immer flacher wird, erstreckt sich das größte zusammenhängende Flussauengebiet Mitteleuropas. Die Grenzflüsse Thaya und March, die Österreich von Tschechien bzw. der Slowakei trennen, sorgen immer wieder für große Überschwemmungen. Dadurch wurde eine Besiedelung der Auen bisher verhindert und die natürliche Landschaft blieb weitgehend erhalten. Statt vieler Menschen leben in dem Feuchtgebiet viele selten gewordene Tierarten, vor allem Vögel. Auch Zugvögel aus Osteuropa machen hier regelmäßig Station. Wer der Natur auf die Spur kommen will, für den bietet der Verein "Auring" aus Hohenau an der March geführte Exkursionen an. Er betreibt auch die einzige öffentlich zugängliche Vogelberingungsstation Österreichs.
Reportage (Radio hr4, 11.10.2014; 25.04.2021):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Die Beringungsstation ist eine kleine Holzhütte inmitten eines Sumpfgebiets am Ortsrand von Hohenau. Rundherum sind Netze aufgestellt, in denen die Vögel gefangen werden. Freiwillige Helfer, meist junge Leute, bringen sie dann zu Heinrich Frötscher, der ihnen einen Markierungsring verpasst:
[O-Ton Heinrich Frötscher:]
"Der Ring ist weltweit einzigartig, also da ist eine Nummernkombination drauf, die jeder einzelne Ring nur einmal hat, sodass er eigentlich weltweit zurückverfolgt werden kann, je nach dem, wohin der Vogel fliegt oder wo er wieder gefunden wird."
- Und sind denn auch schon mal Vögel tatsächlich wieder gefangen worden, die diesen Ring tragen?
"Ja. Von unserer Station der weiteste Fund bis jetzt war in Kenia auf einer Beringungsstation. Das war ein Schilfrohrsänger, das war noch nicht mal die Endstation, sondern der fliegt noch weiter ins südliche Afrika."
Ein Feldsperling, eine Rohrammer und sogar ein Stieglitz gehen den Ornitholgen kurz hintereinander ins Netz. Im Feuchtbiotop draußen vor der Hütte tummeln sich Wildgänse, auch ein Silberreiher stakst darin herum. Früher hat hier eine Zuckerfabrik ihren Rübenschlamm gelagert, jetzt dienen die Becken dem Naturschutz. Zum Beispiel als Brutplatz für Flussseeschwalben.
[O-Ton Ute Nüsken:]
"Das ist schon etwas ganz Besonderes. Die Flussseeschwalben – wunderhübsche Vögel, die sich durch einen atemberaubenden Flug auszeichnen, die vollführen wahre Flugmanöver, um sich dann ins Wasser zu stürzen, um zum Beispiel Fische zu fangen."
Ute Nüsken, in Schleswig-Holstein geboren, lebt schon lange in der Gegend und engagiert sich für den Verein "Auring". Sie hat nicht nur ein Herz für Vögel, sondern auch für Amphibien. Besonders die seltene Rotbauchunke hat es ihr angetan:
[O-Ton Ute Nüsken:]
"Wenn man die Unke von unten betrachtet, sieht man den sehr schönen rötlich-schwarz gefleckten Bauch. Man hört sie hier zwischendurch auch mal rufen. Diese Unke sondert ein Sekret ab, was wirklich unangenehm ist, zwar nicht so auf der Haut, aber wenn ich mir jetzt mit der Hand ins Auge fahren würde, würde das doch deutlich brennen, und das erfährt der Feind im Zweifelsfalle auch."
Von Hohenau sind es nur wenige hundert Meter bis zur Marchbrücke, die in die Slowakei hinüberführt. Auch dort ist die Auenlandschaft noch weitgehend intakt und steht unter Naturschutz.
[O-Ton Ute Nüsken:]
"Es ist sehr reizvoll auch auf slowakischer Seite die Landschaft zu erkunden, zum Beispiel mit dem Fahrrad. Man könnte also hier in Hohenau über die Brücke radeln, auf der slowakischen Seite weiter und in Schloss Hof – das ist unten etwas südlich von Marchegg – die dort vorhandene Radbrücke überqueren und könnte dann auf der anderen, also auf der österreichischen Seite, wieder zurückfahren."
Die March-Thaya-Auen bieten also ein grenzenloses Naturerlebnis. Aber das Paradies ist bedroht. Eine geplante Autobahn könnte schon in wenigen Jahren vieles zerstören.
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DIE SCHLACHT AUF DEM MARCHFELD
- wo der Aufstieg der Habsburger begann
Wo sich heute die March-Thaya-Auen erstrecken, ging es nicht immer so friedlich zu. Im Jahr 1278 tobte zwischen den Orten Dürnkrut und Jedenspeigen eine wilde Ritterschlacht, die als "Schlacht auf dem Marchfeld" in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Sie hatte großen Einfluss auf die Machtentfaltung des Hauses Habsburg und damit für die österreichisch-deutsche Geschichte insgesamt. Ein Gedenkstein an der stark befahrenen Bundesstraße 49 erinnert an die Schlacht.
Der gerade zum römisch-deutschen König gewählte Rudolf von Habsburg und der böhmische König Ottokar II. standen sich mit ihren Heeren an der damaligen Grenze zu Ungarn gegenüber. Der Böhme hatte weite Teile des heutigen Österreichs, Sloweniens und Norditaliens unter seine Herrschaft gebracht und selber Ambitionen auf die deutsche Königskrone angemeldet. Die sieben Kurfürsten aber hatten sich für den Habsburger entschieden. Was sich damals auf dem Schlachtfeld an der March abspielte und wer schließlich die Oberhand behielt, erzählt mir hier die geschichtskundige Jedenspeigerin Leopoldine Rauscher:
[zum Anhören klicken: O-Ton Leopoldine Rauscher]
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