rolf fröhlings reisereportagen
Vulkaneifel (RLP)
IM LAND VON FEUER UND WASSER
Es ist gerade mal 10.000 Jahre her, dass die Eifel Feuer spuckte – erdgeschichtlich gesehen kaum mehr als ein Wimpernschlag. Durch diesen bislang letzten Vulkanausbruch entstand das Ulmener Maar. 350 solcher einstmals Feuer speienden Berge haben Geologen in der Eifel gezählt, weltweit sind es nirgendwo mehr auf so engem Raum. Vulkanismus gab es in weiten Teilen des linksrheinischen Mittelgebirges, als Vulkaneifel im engeren Sinne aber wird heutzutage vor allem die Gegend rund um die rheinland-pfälzische Kreisstadt Daun bezeichnet. Die Maare – mit Wasser gefüllte ehemalige Krater – geben dieser Landschaft ihr einzigartiges Gepräge. Viel Natur, verbunden mit reichlich Kultur, machen sie zu einem spannenden Urlaubsziel. Aber aufgepasst: Die Vulkane der Eifel ruhen zwar, aber sie sind alles andere als tot. Geologen rechnen damit, dass sie eines Tages wieder ausbrechen könnten – vielleicht in 10.000 Jahren, vielleicht auch früher. Also, besuchen Sie die Vulkaneifel, so lange es noch geht!
Reportagen (Radio hr4, 25.06.2011):
Aus der Luft betrachtet sieht die Vulkaneifel aus wie eine Seenplatte. Bei den blauen Flecken in der Landschaft handelt es sich um die bereits angesprochenen Maare. Drei solcher Kraterseen gibt es allein in der Gegend um die Kreisstadt Daun. 75 sind es in der gesamten Eifel, einige davon allerdings längst ausgetrocknet und nur noch für Fachleute als ehemalige Vulkane zu erkennen. Die ältesten haben rund fünfzig Millionen Jahre auf dem Buckel, die jüngsten gerade mal zehntausend. Wie sie entstanden sind, erklärt das Eifel-Vulkanmuseum in Daun. Ein Besuch dort wird zur Zeitreise in (teilweise gar nicht mal so ferne) Epochen der Erdgeschichte, als die Krater der Eifel noch nicht mit Wasser, sondern mit glühender Magma gefüllt waren.
Reportage (Radio hr4, 25.06.2011):
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Es brodelt und zischt. Das Vulkanmodell im Dauner Museum spuckt weißen Qualm aus. So etwa hat sich vor rund 10.000 Jahren die bislang letzte Eruption in der Eifel angekündigt.
[O-Ton Dr. Andreas Schüller:]
"Wir haben gerade die Modellvorstellung eines Vulkanausbruchs sehen können, ein Vulkanausbruch, bei dem sehr viel Gas befördert wurde, was auch bei den Eifelvulkanen, gerade auch bei den Maaren der Fall gewesen ist. Es ist auch gerade bei den Maaren nicht nur viel Wasserdampf befördert worden, sondern auch in großem Umfange CO2-Gas und andere vulkanische Gase, die damit verbunden sind …"
… wie zum Beispiel Schwefelwasserstoff, erläutert uns Dr. Andreas Schüller vom Geopark Vulkaneifel. Ein übler Gestank nach faulen Eiern muss damals die Eifelluft erfüllt haben.
Vulkanismus entsteht normalerweise da, wo zwei Platten der Erdkruste aneinander stoßen. Unser Museumsführer deutet zum Beweis auf ein Schaubild mit Leuchtpunkten. Demnach gibt es weltweit nur wenige Ausnahmen. Eine davon ist Hawaii, eine andere die Eifel. Die Fachwelt erklärt sich das Phänomen mit einem so genannten Hot Spot.
[O-Ton Dr. Andreas Schüller:]
"Dahinter verbirgt sich eine Vorstellung der Geophysiker, dass sich losgelöst aus dem Erdmantel heraus eine heiße Zone bis nach oben in die Erdkruste durchpaust, und diese Zone ist heißer als das umgebende Gestein, und in dieser Zone finden auch Materialbewegungen statt, die im weitesten Sinne in Form einer schlauchartigen Aufwölbung Magma-Material bis an die Erdoberfläche transportieren. Das sind die so genannten Intraplatten-Vulkane, also Vulkane, die innerhalb einer großen Erdplatte entstanden sind."
Karg und schroff wie auf dem Foto von Lanzarote, das im Museum hängt, muss es einstmals auch in der Eifel ausgesehen haben. Doch längst ist die Magma erkaltet, Zeit und Natur haben eine üppige Landschaft geformt, aus der die Maare wie blaue Augen herausschauen.
[O-Ton Dr. Andreas Schüller:]
"Das Pulvermaar ist mein Favorit. Es ist kreisrund und damit auch eines der schönsten Maare der Vulkaneifel. Es hat noch einen komplett geschlossenen Kraterwall und ist natürlich das tiefste unserer Maarseen, die wir hier haben, mit 72 Meter. Und es ist immer wieder ein Erlebnis, in so einem tiefen Maarkrater zu baden."
Aber das Landschaftsbild, wie es sich heute präsentiert, ist nur eine Momentaufnahme. Irgendwann kann der Vulkanismus wieder zum Leben erwachen und alles verändern. Vorher jedoch, meint Andreas Schüller, werde es genügend Warnsignale geben.
[O-Ton Dr. Andreas Schüller:]
"Es wird wahrscheinlich eine verstärkte Gasemission an der Erdoberfläche messbar sein. Es wird höchstwahrscheinlich eine Zunahme bei der Erdbebenaktivität festzustellen sein, und man wird es über Höhennivellements auch erschließen können, das heißt die Erde wird sich höchstwahrscheinlich auch im Millimeterbereich aufwölben und heben."
Also derzeit offenbar kein Anlass zur Sorge. Und so steht auch einem längeren Urlaub in der Vulkaneifel erstmal nichts entgegen.
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Was ist eigentlich der schönste Wanderweg der Welt? Da hat wahrscheinlich jeder seinen eigenen Favoriten. In der persönlichen Hitliste von Manuel Andrack steht der Lieserpfad in der Vulkaneifel auf Platz 1. Der TV-Redakteur und Co-Moderator von Harald Schmidt ist nicht nur leidenschaftlicher Biertrinker und bekennender Anhänger des 1. FC Köln, er ist auch ein begeisterter Wandersmann und hat schon mehrere Bücher über seine Touren geschrieben. Ein echter Experte also, und so einer müsste es ja wissen. Andracks "schönster Wanderweg der Welt" führt in zwei Tagesetappen von Daun über Manderscheid nach Wittlich. Zumindest auf der ersten Etappe ist die Lieser, der Namensgeber des Lieserpfads, ständiger Begleiter. Das kleine Flüsschen – eigentlich eher ein Bach – schlängelt sich durch ein weitgehend naturbelassenes Tal von den Höhen der Eifel hinunter zur Mosel. Auf dem gesamten etwa 17 Kilometer langen Abschnitt zwischen Daun und Manderscheid durchfließt sie nur ein einziges Dorf, nur eine einzige Straße kreuzt ihren Weg. Wer von der Hektik des Alltags abschalten will und einfach nur Ruhe sucht, für den kann der Lieserpfad wirklich zum schönsten Wanderweg der Welt werden.
Reportage (Radio hr4, 25.06.2011):
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Das Gemündener Maar am Stadtrand von Daun ist einer dieser blauen Farbtupfer inmitten der grünen Eifellandschaft.
Hier starten wir zu unserem Wandertag auf dem Lieserpfad. Anfangs führt der Weg noch parallel zu einer Landstraße, aber hinter der Üdersdorfer Mühle ist kein Motorengeräusch mehr zu vernehmen, nur das leise Plätschern der Lieser.
[Atmo: Plätschern der Lieser]
Ingrid Weßelowski vom Eifelverein, unsere Tourbegleiterin, ist stolz darauf, dass Manuel Andrack den Lieserpfad zum schönsten Wanderweg der Welt erkoren hat, und sie kann seine Begeisterung auch sehr gut verstehen.
[O-Ton Ingrid Weßelowski:]
"Der Lieserpfad ist eigentlich dadurch, dass er teilweise am Bachlauf entlang geht, ein bisschen romantisch, ein bisschen wild, ein bisschen abenteuerlich. Es ist von allem etwas dabei, schmale Pfade wechseln sich ab mit breiten begehbaren Wegen, kleine Brücken, kleine Stege, das alles gehört dazu, das alles bringt die Besonderheiten des Lieserpfades zum Ausdruck."
Da ist es kein Wunder, dass wir unterwegs immer wieder Gleichgesinnten begegnen. Ihre Bewertungen aber fallen recht unterschiedlich aus:
[O-Töne Wanderer:]
"Ich weiß nicht, ob das der schönste Wanderweg ist, es ist mir auch egal. Mir persönlich gefällt er. Es ist unheimlich schön abgeschieden, es ist unheimlich abwechslungsreich, und es ist einfach sehr schön hier langzugehen."
"Auf keinen Fall ist es der schönste. Wir haben gerade eben drüber gesprochen – der Rheinburgenweg und der Rheinsteig sind schöner, aber lauter. Hier ist es wirklich sehr idyllisch, man hört halt nichts."
"Das finde ich aber zum Beispiel sehr schön, weil es so seicht und sanft für die Seele ist."
In diesem Sinne marschieren wir weiter, durch Wiesen und Wälder, immer der Lieser nach. Nur einmal machen wir einen kurzen Abstecher zum Eckfelder Maar. Der ausgetrocknete Krater ist eine bedeutende Grabungsstätte für Fossilien. Berühmtestes Fundstück war ein versteinertes Urpferdchen, kaum größer als ein Hund, das vor rund 45 Millionen Jahren gelebt hat. Ausgegraben wurden hier auch Teile eines Krokodils, die älteste Honigbiene und die älteste Laus der Welt.
[O-Ton Ingrid Weßelowski:]
"Der Krater, der hier entstanden ist, der war sehr tief – circa 120 Meter tief, hatte sehr steile Kraterränder, und alles, was dort hineingefallen ist, kam aus eigener Kraft nicht mehr heraus, sank bis auf den Boden ab, dort war kein Sauerstoff mehr, und so konnten die Tiere oder alles, was hineinfiel, auch sehr gut fossilieren."
Vom Eckfelder Maar haben wir es nicht mehr weit zu unserem Zielort Manderscheid. Schon von Ferne sehen wir den Turm der Oberburg. Zusammen mit der ehemals feindlichen Niederburg prägt sie die Silhouette des Eifelstädtchens. Beide Burgen sind zudem reich an Geschichte und Geschichten. So soll auf der Niederburg des Nachts ein Gespenst sein Unwesen treiben:
[O-Ton Ingrid Weßelowski:]
"Dort hat ein Graf einmal seine Tochter eingekerkert. Sie hatte sich in einen Hofknecht verliebt, und der arme Junge wurde dann, nachdem sie erwischt wurden, aufgeknüpft, und das Burgfräulein wurde eingemauert, bis es verhungert ist. Seit der Zeit spukt es, und man hört schon mal abends rufen: 'Huuugooo!' Das war der Name ihres Liebsten."
Die Besichtigung der Manderscheider Burgen aber schenken wir uns – dazu sind wir doch ein bisschen zu groggy nach der langen Wanderung. Aber die zweite Etappe des Lieserpfads nach Wittlich, die werden wir irgendwann auch noch in Angriff nehmen.
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Er ist eine der berühmtesten – wenn nicht die – berühmteste Rennstrecke der Welt: Seit mehr als acht Jahrzehnten schon donnern PS-starke Boliden über den Nürburgring. Weil er mitten in der Natur liegt und wegen seines hohen Schwierigkeitsgrads hat ihn der britische Formel-Eins-Weltmeister Jackie Stewart einst "Grüne Hölle" genannt. Hier am Rande der Vulkaneifel gab es immer wieder dramatische Rennen, triumphale Sieger, enttäuschte Verlierer und tragische Unfälle. Auf dem Ring ist die Königsklasse des Rennsports zu Hause, aber auch Tourenwagen, Trucks und Motorräder rasen über das Asphaltband an der historischen Nürburg. Und zwischen den großen Renn-Events lockt das neue Erlebniszentrum mit zahllosen Attraktionen für alle Motorsport-Fans und solche, die es werden wollen. Hier kann man beispielsweise auf einer Back-Stage-Tour hinter die Kulissen der Grand-Prix-Strecke blicken oder als Co-Pilot eines routinierten Rennfahrers über die legendäre Nordschleife düsen.
Reportage (Radio hr4, 25.06.2011):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Andy Gülden gibt Vollgas. Der ehemalige Formel-Fahrer jagt den Aston Martin V 8 mit bis zu 240 Sachen durch die Grüne Hölle. Immer hart am Limit.
Berühmte Streckenabschnitte wie Fuchsröhre, Karussell oder Brünnchen fliegen förmlich an uns vorbei. Da kann einem als Beifahrer schon etwas flau im Magen werden. Aber der Mann am Steuer hat alles im Griff. Und die alte Nordschleife, die ist für Andy Gülden immer noch der interessanteste Teil des Nürburgrings:
[O-Ton Andy Gülden:]
"Ganz klar. Also, die Grand-Prix-Strecke einfach auf Grund der Streckenlänge – die hat 5,1 Kilometer – ist sicherlich sehr anspruchsvoll. Die Nordschleife mit ihren knapp 21 Kilometern, kann man sich vorstellen, ist etwa viermal so anspruchsvoll und ist eben die wahre Challenge."
Nach kaum zehn Minuten sind wir wieder wohlbehalten zurück. Noch mit leicht schlotternden Knien geht es anschließend zu Fuß auf die Back-Stage-Tour.
[O-Ton Christiane Sturt:]
"Hier als erstes sehen wir jetzt den Grundstein des Nürburgrings. Spatenstich war am 27.9.1925. Danach wurde die ganze Anlage innerhalb von zwei Jahren mit über 2.500 Arbeitern aus der Region sozusagen aus dem Boden gestampft, dann am 18. und 19.6.1927 mit den Eröffnungsrennen auch offiziell eingeweiht."
Gästeführerin Christiane Sturt erinnert an den Sieger des Eröffnungsrennens, Rudolf Caracciola. Und an viele weitere legendäre Nürburgring-Helden. Allen voran Niki Lauda, den Österreicher, der 1976 hier einen spektakulären Unfall hatte mit schweren Kopfverletzungen.
[O-Ton Christiane Sturt:]
"Trotz des Unfalls besucht er den Nürburgring ab und zu noch. Es heißt, einmal kam er mit Bekannten. Denen wollte er am Streckenabschnitt Bergwerk mit einer Flasche Wein sozusagen auf seinen zweiten Geburtstag anstoßen. Es kamen wohl Leute aus der Region vorbei, die gefragt haben, was sie denn da treiben würden, und er höchstpersönlich stand auf und sagte: 'Wir suchen mein Ohr.' Er geht also selber recht makaber mit dem Unfall um, aber er ist ja hart im Nehmen, er ist ja kurz darauf wieder Rennen gefahren."
Niki Laudas Name ist seit dem Unfall eng mit dem Nürburgring verbunden. Aber keiner war hier so erfolgreich wie Michael Schumacher, der fünfmal als Grand-Prix-Sieger gefeiert wurde.
[O-Ton Christiane Sturt:]
"Was bei ihm vielleicht noch zu erwähnen ist, dass er einer der ersten Fahrer war, die den Motorsport als Leistungssport begriffen haben. Das heißt, er war körperlich richtig fit und durchtrainiert, und das haben viele Fahrer vor ihm nicht so gesehen, und das hat seine Karriere bestimmt auch positiv beeinflusst."
Die Back-Stage-Tour führt durch die Boxengasse, das Fahrerlager, das Medienzentrum bis hinauf aufs Siegertreppchen.
Hier kann sich jeder für ein paar Sekunden fühlen wie ein Schumi. Nur die Schampus-Dusche fehlt. Höhepunkt der Tour – im wahrsten Sinne – ist die Aussichtsplattform auf dem Dach des Boxengebäudes.
"Rechts sieht man wunderbar auf die Nürburg, den Namensgeber für den Nürburgring, rechts daneben in weiter Ferne die Hohe Acht mit Aussichtsturm. Von hier kann man sehr weit gucken. Leider haben wir hier oben öfters Nebel, wodurch die Sicht dann eingeschränkt ist, aber sonst kilometerweit, und natürlich das Nürburgring-Gelände ist von hier oben sehr gut zu sehen."
Und irgendwer dreht dort fast immer seine Runden. Mit Vollgas und hart am Limit. Amateure und Profis – so wie Andy Gülden in seinem Aston Martin.
[Atmo: Aston Martin]
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Video:
Meine Höllenfahrt auf der Nordschleife – Co-Pilot im Aston Martin V8 Vantage N24
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Eifel-Krimis sind seit Jahren der Renner bei den Fans des regionalen Detektiv-Romans. Der Mitbegründer dieses Genres und Wahl-Vulkaneifelaner Jacques Berndorf ist der auflagenstärkste deutsche Krimi-Autor. Mord und Totschlag im Taschenbuchformat haben die Eifel weit über ihre geografischen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Und immer mehr Leser der Eifeler Kriminalgeschichten wollen diese scheinbar so schaurig-schöne Gegend selber kennen lernen. Seit September 2010 gibt es endlich auch die passende Unterkunft: Deutschlands erstes Krimi-Hotel in Hillesheim. Hier wird alles geboten, was das Herz des Krimi-Fans höher schlagen lässt – schlafen, speisen, Spiel und Spannung in mordsmäßigem Ambiente; dazu echte Kriminalschriftsteller, nicht gerade zum Anfassen, aber zum Anschauen und Anhören.
Reportage (Radio hr4, 25.06.2011):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage:]
[zum Anhören klicken: Atmo-Ton vollständiger Kurz-Krimi "Blondes Gift" von Peter Gerdes]
"'Mein ist die Rache', sprach der Herr im grauen Anzug. Hauptkommissar Stahnke schüttelte milde das massige, blondstoppelige Haupt und bemühte sich um eine pastorale Modulation seiner Stimme ..."
Peter Gerdes liest seinen Kurz-Krimi "Blondes Gift" über den heimtückischen Tod aus der Kaffeebohne. Das Publikum im prall gefüllten Restaurant des Krimihotels lauscht gebannt. Zwischen Vorspeise und Hauptspeise wird die erste Leiche serviert, eine weitere Leiche gibt's zum Dessert. Solche "Krimidinner-Lesungen" gehören zum festen Repertoire in Hillesheim.
Eine andere feste Einrichtung sind die Krimi-Wochenenden, bei denen die Hotelgäste von Schauspielern inszenierte Mordfälle lösen.
[O-Ton Christoph Böhnke:]
"Beim letzten Mal zum Beispiel hat unten in der Gästetoilette eine Leiche mit einem Messer in der Brust gelegen, und dann wird das restliche Wochenende damit verbracht Indizien zu sammeln, Verdächtige zu befragen, Zimmer zu durchsuchen, um dann am Sonntagvormittag den Mörder zu überführen."
Hoteldirektor Christoph Böhnke ist selbst ein großer Krimifan. Alle Zimmer des Krimihotels hat er bekannten Krimiautoren oder Krimihelden gewidmet von Sherlock Holmes über James Bond bis hin zu Derrick. Und alle Zimmer sind entsprechend dekoriert.
[O-Ton Christoph Böhnke:]
"Hier befinden wir uns im Alfred-Hitchcock-Zimmer. Das Alfred-Hitchcock-Zimmer ist mit den größten seiner Filmerfolge geschmückt. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir an der einen Wand eine Original-Gipsmaske von seinem Gesicht haben.
Und wenn wir hier auf den verbotenen Knopf drücken, werden wir mit ganz bekannten Tönen aus Psycho überrascht."
[Musik: Thema aus den Miss-Marple-Filmen]
Das bei den Gästen beliebteste Themenzimmer ist ein deutlich weniger gruseliges, nämlich das Miss-Marple-Zimmer – ausgestattet unter anderem mit ihrem Hut, ihrem Schirm und ihrem Golfschläger aus 16 Uhr 50 ab Paddington:
[O-Ton Christoph Böhnke:]
"Warum ist es das beliebteste? Ich denke, es liegt daran, dass Miss Marple eine Person ist, die jeder kennt und die jeder gerne als schrullige Oma auch in seiner Familie hätte, als richtige Oma. Die kann ihre Nase nirgendwo raushalten und die hat so einen trockenen Humor, und das ist natürlich auch so dieser englische Stil, der so eine gewisse Anheimeligkeit bringt. Das Zimmer hat eben so einen gewissen Anreiz, als ob sie mal eben gerade raus ist, um einen Fall aufzuklären, und in dem Moment kommt der Gast hier rein und darf das Wochenende hier wohnen."
Wem diese Mörder-Umgebung im Hotel noch nicht genügt, kann gleich nebenan im Deutschen Krimi-Archiv stundenlang schmökern. Mehr als 25.000 Werke stehen zur Auswahl. Und es kommen ständig neue hinzu, denn die Krimi-Autoren wie Peter Gerdes sind ja nicht faul:
[Atmo: Lesung Peter Gerdes:]
"'Mein ist die Rache', murmelte er vor sich hin. Dann schüttelte er den Kopf: 'Ach was, Unfug!' Entschlossen nahm er einen kräftigen Schluck und stellte den Becher zurück auf den Schreibtisch. Oder schmeckte der Kaffee etwa doch etwas muffig? 'Quatsch', sagte Stahnke, 'nie im Leben.' – Danke für die Aufmerksamkeit."
[Applaus]
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DIE FAVORITEN DER KRIMINALWELT
- Auszug aus der kreativen Speisekarte im Krimi-Hotel
Vorspeise:
"Kommissar Maigret: Der Fall am See"
Geräucherte Forelle mit Lachs, dazu Sahne-Meerrettich und Schwarzbrot
Salate:
"Der Mörder ist immer der Gärtner"
Bunt gemischter Salatteller mit Streifen von der kross gebratenen Putenbrust
Fleischgerichte:
Eifelschnitzel oder "Die Liste des Würgers von Blackmoore Castle"
Schnitzel Wiener Art "Klassisch" mit Zitrone
Die Favoriten der Kriminalwelt:
Saumord: Der seltsame Tod der Eifler Zuchtsau Elsa
Schweinemedaillons am Spieß,mit Gemüse und Bratkartoffeln
"Eine Leiche zum Dessert":
Apfelbeignet mit Zimtzucker und Stracciatella-Eis
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"SO STILL, DASS ICH NICHT SCHLAFEN KONNTE"
- Interview mit Eifelkrimi-Autor Jacques Berndorf
Jacques Berndorf ist mit seinen Eifel-Krimis um Hobby-Detektiv Siggi Baumeister Deutschlands erfolgreichster Krimi-Autor. Als Michael Preute in Duisburg geboren, wuchs er in Osnabrück auf, studierte in Köln und arbeitete als Journalist in München. Doch seit vielen Jahren schon lebt er in der Vulkaneifel. Anfangs in Berndorf (das Pate stand für seinen Künstlernamen), jetzt in Dreis-Brück. Um die nicht immer ganz unkomplizierte Beziehung zu seiner Wahlheimat geht es in meinem Interview (aufgenommen am 26.03.2011 im "Café Sherlock" in Hillesheim):
Sie sind ja sozusagen ein Mann mit drei Identitäten: Da ist zum einen Michael Preute, der Journalist, Ihr bürgerlicher Name; dann ist da Jacques Berndorf, Ihr Pseudoym als Krimiautor; und dann gibt's ja da noch einen gewissen Siggi Baumeister, so eine Art Alter Ego von Ihnen. Wer sind Sie denn im Moment gerade? Wie soll ich Sie ansprechen?
"Berndorf ist am einfachsten. Die meisten Leute kennen mich einfach als Berndorf."
Der Name ist ja entstanden durch Ihren ersten Wohnort in der Eifel, wenn ich da richtig informiert bin.
"Ja, das ist von hier ja nur 2.000 Meter weg. Das ist ein kleines Nest, 480 Einwohner. Ich kam damals aus München und es war, kulturell betrachtet, ein ganz furchtbarer Schock. Wenn man aus Schwabing kommt und wacht hier morgens in einem kleinen alten Bauernhaus auf – ja, furchtbar!"
Das glaub' ich Ihnen jetzt nicht ...
[zum Anhören klicken: komplettes Interview mit Jacques Berndorf]
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"DIE EIFEL-CONNECTION"
- Buchbesprechung von Berndorfs neuestem Eifel-Krimi
Ist es der Zwanzigste oder gar schon der Zweiundzwanzigste? – Jacques Berndorf weiß selbst nicht ganz genau, wie viele Eifel-Krimis er geschrieben hat. Nach Auszählung seines Verlages ist sein neuestes Werk (Stand: Juni 2011), "Die Eifel-Connection", Nummer 21 in der erfolgreichen Reihe um Detektiv Siggi Baumeister, der vom Eifelort Dreis-Brück aus Verbrecher jagt. 4,5 Millionen Bücher der Reihe wurden bereits verkauft, und auch das neueste Exemplar verspricht ein Bestseller zu werden.
Das Taschenbuch erscheint im KBV-Verlag, Hillesheim, zum Preis von € 9,95 (als Hörbuch € 17,95).
Meine Buchbesprechung (Radio SWR2, 25.06.2011):
"Die Eifel-Connection" ist eines jener Bücher, die scheinbar an den Fingern kleben – man kann sie einfach nicht weglegen. Typisch Jacques Berndorf. Der Mann versteht es eben Spannung aufzubauen – und das schon mit den allerersten Worten:
[Textpassage, gelesen von J. Berndorf:]
"Die Sache mit Christian Schaad aus Mainz begann an einem Donnerstag im März, präzise am 3. März, ungefähr um 11 Uhr. Und sie konnte nur beginnen, weil er tot war, sehr tot."
Gerade mal vier Zeilen bis zur ersten Leiche: Ein junger Geologe stürzt in einen Steinbruch – allem Anschein nach ein Unfall. Aber Siggi Baumeister, Journalist mit detektivischem Spürsinn, wird misstrauisch. Zu Recht, wie sich bald herausstellt, denn besagter Christian Schaad hatte sich Feinde gemacht als engagierter Kämpfer gegen den Lava-Raubbau in der Eifel:
[Textpassage, gelesen von J. Berndorf:]
"Die Wunde, die in die Landschaft geschlagen worden war, war eindeutig massiv … Wer immer es technisch erledigte, er hatte den Berg längst gestohlen, und die Reste waren eine ärmliche Kulisse, ein riesiges Loch. Vulkaneifel nannten wir unsere Heimat. Was, wenn es keine Vulkankegel mehr gab?"
Jacques Berndorf greift ein Thema auf, das lange keines war in der Eifel, das aber mehr und mehr zum Thema wird. Als ich ihn im Café Sherlock in Hillesheim treffe (übrigens auch ein Schauplatz seines neuen Krimis), da nennt er ein Beispiel vor seiner eigenen Haustür.
[O-Ton Jacques Berndorf:]
"Hier werden Berge geklaut, und es gibt bei mir in meiner Heimatgemeinde in Brück einen Berg, den Radersberg, den gibt es gar nicht mehr. Und dann haben mir die Leute erzählt, guck' mal, wir sind da oben an der Spitze los und sind dann runtergerodelt bis zur Kirche. Nun gibbet das nicht mehr."
Lava und Basalt sind sehr gefragt – vor allem in der Bauindustrie. Die Eifelgemeinden selbst kriegen für ihren Rohstoff nur einen Appel und ein Ei, aber die Abbaufirmen verdienen sich laut Berndorf eine goldene Nase. In seiner "Eifel-Connection" ruft dieser Umstand kriminelle Geschäftemacher auf den Plan. Und man ahnt bereits, dass der Tote vom Steinbruch einem dieser Typen im Wege stand, die vielleicht weiße Hemden tragen, aber keine weiße Weste haben.
Und bald gibt es weitere Leichen. Ein scheinbar harmloser Bauernhof mit glücklichen Kühen rückt in den Fokus. Auch dieser Handlungsstrang ist der traurigen Eifel-Realität entlehnt:
[O-Ton Jacques Berndorf:]
"Hier wird geschmuggelt und da spielt eine Sache eine Rolle, die ganz wichtig ist. Manchmal sind Schmuggellager hier Teile von Bauernhöfen, Scheunen. Da wird richtig schweres Verbrechen begangen, weil unter anderem in diesen Lagern auch Drogen zu finden sind – und zwar in ziemlich gewaltigem Umfang und für mich schon widerlich, also Koks, Heroin, tatsächlich aber auch Speed, Tranquilizer, und ich muss sagen, bis vor einem Jahr hab ich das nicht gewusst."
Die Idylle trügt also – wie in allen Eifel-Krimis von Jacques Berndorf. Eine vertraute Erkenntnis für seine treuen Leser. Auch mit seinen Figuren erzeugt er ein Gefühl der Vertrautheit. Allen voran natürlich das Pfeife rauchende Alter Ego des Autors, Siggi Baumeister, der sich wagemutig gegen das Verbrechen stellt und dabei regelmäßig eins auf die Mütze bekommt.
[zum Anhören klicken: Textpassage, gelesen von Jacques Berndorf]
"Wer immer das war, er war blitzschnell sehr eng an mir dran, schlug mir etwas scharf auf den Schädel, rannte an mir vorbei und lief die schmale Straße entlang, die ich hatte gehen wollen. Es dröhnte in meinen Ohren, ich hatte das würgende Gefühl, ich müsse mich übergeben, ich ging in die Knie, fühlte meine Beine nicht mehr, fand mich in einer kriechenden Haltung wieder, schmeckte irgendwas wie Erde zwischen meinen Zähnen, stützte mich mit flachen Händen ab und merkte, wie scharfe Steinchen in meine Handflächen schliffen."
Bekannt aus früheren Eifel-Krimis sind ferner Kriminalrat a. D. Rodenstock, seine Frau Emma und Baumeisters Kater Satchmo. Aber auch mit den neuen Figuren macht Berndorf den Leser schnell vertraut, weil er sie gewohnt meisterhaft zu charakterisieren weiß:
[Textpassage, gelesen von J. Berndorf:]
"Es gibt diese Typen, die vom Leben eingeschränkt sind, die einfach im Stadium eines Kindes verharren, die freundlich sind, gern lachen, strahlen können wie die ganz Kleinen, und bei denen du weißt, was sie verstehen und was nicht. Du weißt: Diese Typen sind häufig von einem großen Frieden erfüllt, sagen dir gern, wie ihr Leben läuft, was sie mögen und was nicht."
Der Autor kennt eben seine Eifel und ihre Menschen. Und er weckt Sympathie für beide. Der neue Eifel-Krimi von Jacques Berndorf enthält reichlich Lokalkolorit wie schon seine 20 Vorgänger. Und wer die mit Genuss verschlungen hat, wird auch die Nummer 21 erst aus der Hand legen, wenn alle Morde aufgeklärt sind. "Die Eifel-Connection" ist nach bewährtem Muster gestrickt – und dennoch kein Déjà-vu-Erlebnis, schon wegen der ganz neuen Themen:
[O-Ton Jacques Berndorf:]
"Dieser Umgang mit Mutter Natur hier, der einfach scheußlich ist, und dieses andere Problem des Schmuggels, das kann man natürlich unglaublich gut zusammenpacken, denn alle Leute, die schnell viel Geld verdienen wollen, brauchen beide Geschäftszweige. So was macht mir Spaß, erfordert aber eine Unmasse an Recherchen. Kommt dazu, ich werde dieses Jahr 75 und manchmal denke ich, oh nein, das muss doch nicht auch noch sein, aber auf der anderen Seite muss ich ganz ehrlich sagen, es macht auch Spaß."
Ein Spaß, der sich auf den Leser überträgt. Und spannend bleibt es auch diesmal bis zur allerletzten Zeile. Am besten selbst überzeugen!
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