Oberhof Rennsteiggarten Ausblick

rolf fröhlings reisereportagen

Thüringens Südwesten

                         


EINE REISE DURCH DIE "PRACHTREGION"
- Begegnungen und Erlebnisse im Landkreis Schmalkalden-Meiningen

"www.prachtregion.de" – so nennt der Landkreis Schmalkalden-Meiningen seinen Internet-Auftritt. Wenn das nicht von Selbstbewusstsein zeugt! Aber damit nicht genug: Der Schriftzug mit der Webadresse prangte auch auf den Trikots der Damen-Volleyballmannschaft des VfB 91 Suhl – und zwar unübersehbar auf Brüsten und Popos der Damen. Dies zog Sexismus-Vorwürfe und eine Rüge des Deutschen Werberats nach sich. Der Einwand von Landrätin Peggy Greiser, die Werbung sei witzig gemeint, half da nichts.
Wie dem auch sei, die Bezeichnung "Prachtregion" macht neugierig – zumindest bei mir hat sie diese Wirkung erzielt. Deshalb wollte ich mir selbst ein Bild davon machen, ob der Landkreis im Südwesten Thüringens wirklich so prachtvoll ist, wie er beworben wird. Mein Fazit: Ein wenig Übertreibung mag dabei sein, doch sein Licht unter den Scheffel stellen muss er keineswegs.

Oberhof Rennsteiggarten Ausblick
Titelfoto: Blick über den Thüringer Wald bei Oberhof
Oberhof Thüringer Wald Panorama
Thüringer Wald bei Oberhof
Oberhof Obelisk
Das Rondell bei Oberhof mit dem Obelisken, der an den Straßenbau von 1830-32 erinnert
Oberhof Waldarbeiter Denkmal
Denkmal bei Oberhof für die Waldarbeiter, die nach einem Windbruch 1946 im Einsatz waren
Oberhof Rennsteig Wegweiser
Wegweiser am Rennsteig, Deutschlands beliebtestem Fernwanderweg
Oberhof Rennsteig Wanderer
Wanderer auf dem Rennsteig
Oberhof Rennsteiggarten Totale
Rennsteiggarten bei Oberhof mit Gebirgspflanzen aus ganz Europa
Oberhof Rennsteiggarten Besucher
Im Rennsteiggarten
Oberhof Rennsteiggarten Blauer Eisenhut
Blauer Eisenhut im Rennsteiggarten
Oberhof Rennsteiggarten Leinkraut
Gemeines Leinkraut im Rennsteiggarten
Oberhof Rennsteiggarten Schwalbenwurz Enzian
Schwalbenwurz-Enzian im Rennsteiggarten
Oberhof Rennsteiggarten Daphne
Bildhauerkunst im Rennsteiggarten - hier "Daphne" von Heinz-Hubert Günther
Stepfershausen Rhön von fern
Blick auf Stepfershausen in der Rhön

Reportagen (Radio SWR4 RP, 22.09.2019):

TISCHREDEN

auf Luthers Spuren in Schmalkalden

Schmalkalden Marktplatz
Titelfoto: Rathaus am Marktplatz von Schmalkalden

                      

 

 

"Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz." – Diesen derben Spruch haben sicher viele schon mal gehört. Wenige aber wissen vermutlich, dass er von Martin Luther stammt, und noch weniger dürften wissen, dass er zu Luthers Schmalkaldischen Tischreden gehört. Im Februar 1537 hielt sich der Reformator in Schmalkalden auf und nahm an einem Kongress von protestantischen Theologen teil. Unglücklicherweise litt er an einem Nierenstein, fühlte sich krank und musste nach 20 Tagen vorzeitig wieder abreisen. Aber schon sein kurzer Aufenthalt mit zwei Predigten und diversen Tischreden hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Noch heute begegnet man Luther in der malerischen Fachwerkstadt auf Schritt und Tritt – ihm und vielen seiner Zeitgenossen.

Schmalkalden Lutherhaus Ausblick
Blick aus dem Fenster von Luthers Wohnung in Schmalkalden
Schmalkalden Lutherhaus Inschrift
Inschrift am Lutherhaus, die an den Kongress des Schmalkaldischen Bundes erinnert
Schmalkalden Lutherhaus Melanchthon
Luthers Gast und Mitreformator Philipp Melanchthon
Schmalkalden Schloss Wilhelmsburg Innenhof
Innenhof von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden
Schmalkalden Schloss Wilhelmsburg Blick durch Torbogen
Blick durch das Schlosstor
Schmalkalden Schlossgarten Aussicht
Ausblick vom Schlossgarten
Schmalkalden Fachwerk
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 1
Schmalkalden Fachwerkhäuser
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 2
Schmalkalden Fachwerkstadt
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 3
Schmalkalden Neumarkt
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 4
Schmalkalden Altstadt Fachwerk
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 5
Thüringens Südwesten 1 extra12
Fachwerkstadt Schmalkalden Vol. 6
Schmalkalden Windbeutel
Lecker Windbeutel im Café am Marktplatz

Reportage (Radio SWR4 RP, 22.09.2019):

Originalton 0:04

[zum Anhören klicken: Atmo: "Elisabeth v. Rochlitz" in der Ausstellung auf Schloss Wilhelmsburg]

"Euer Liebden, willkommen in Schmalkalden."

Eine virtuelle Elisabeth von Rochlitz begrüßt die Besucher in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte auf Schloss Wilhelmsburg. Sie war das einzige weibliche Mitglied des Schmalkaldischen Bundes. So wird die Vereinigung von protestantischen Reichsfürsten und Städten genannt, auf deren Einladung der Reformator nach Schmalkalden gekommen war. Weshalb, erklärt Stadtführerin Bertl Werner:

Originalton 0:23

[zum Anhören klicken: O-Ton Bertl Werner]

"Luther sollte seine Grundsätze nochmal neu formulieren. Das hat er auch gemacht. Er hatte also mitgebracht seinen Entwurf für die Artikel des neuen Glaubens. Die sind dann hier diskutiert worden und gingen dann in die Geschichte ein als die Schmalkaldischen Artikel, und noch heute werden die evangelischen Pfarrer auf diese Artikel ordiniert, also das ist heute noch ein aktuelles Dokument."

Schmalkalden Bertl Werner
Stadtführerin Bertl Werner
Schmalkalden Georgskirche
Stadtkirche St. Georg
Schmalkalden Lutherhaus Tisch
Tisch im Lutherhaus

Ebenfalls heute noch gültig ist der Beschluss, dass evangelische Pfarrer heiraten dürfen – so wie auch Luther verheiratet war. Doch vor solchen Beschlüssen gab es oft langwierige Debatten und schier endlose Predigten. Von seinem geheizten Platz in der Kirche St. Georg aus hörte der kranke Luther aufmerksam zu, aber manchmal riss ihm auch der Geduldsfaden:

[O-Ton Bertl Werner:]
"Manche waren ihm eben zu schwülstig, zu ausführlich, und da soll er runtergerufen haben: 'Tritt er schnell auf, auf die Kanzel, tu's Maul auf, aber hör' bald wieder auf'."

Luther ist ja bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nahm. Das gilt auch für die Tischreden, die er beim Abendessen hielt, vor hochrangigen Gästen wie seinem Co-Reformator Philipp Melanchthon oder dem Gründer des Schmalkaldischen Bundes, Landgraf Philipp von Hessen. Hier ein Beispiel:

"Ich habe heute bei Hofe wieder eine Predigt gegen das Saufen getan, aber es hatte keinen Zweck."

Oder auch dieser Spruch:

"Gott mit uns – der Teufel hole die anderen."

Schmalkalden Schlossmuseum Elisabeth von Rochlitz
"Elisabeth v. Rochlitz"
Schmalkalden Lutherhaus außen
Lutherhaus
Schmalkalden Luther Wandmalerei
Martin Luther als Wandgemälde

Luthers damalige Wohnung im heutigen Lutherhaus können Touristen als Ferienwohnung mieten. Einmal im Monat gibt es zudem ein Luther-Essen mit Tischreden. Zum Vier-Gänge-Menü inklusive Luthers Leibgericht Erbsbrei rezitiert ein Stadtführer die Sprüche des Reformators. So auch diesen:

"Wer im 20. Jahr nicht schön, im 30. Jahr nicht stark, im 40. Jahr nicht klug, im 50. Jahr nicht reich ist, der darf danach nicht hoffen."

Luther war eben auch ein kleiner Philosoph. Nur dieser in Schmalkalden beliebte Spruch stammt nicht von ihm:

Originalton 0:06

[zum Anhören klicken: O-Ton Bertl Werner]

"Gott schütze uns vor Regen und vor Wind und vor Bratwürsten, die nicht aus Thüringen sind."

 

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(ZWERGEN-)AUFSTAND DER PROTESTANTEN
- vom Schmalkaldischen Bund zum Schmalkaldischen Krieg

Wer Luthers Auftritt in Schmalkalden verstehen will, kommt nicht umhin sich ein wenig mit der interessanten Geschichte des Städtchens zu befassen. Insbesondere mit dem Schmalkaldischen Bund, der 1531 auf Betreiben von Kursachsen und Hessen im Schmalkalder Rathaus gegründet wurde. Ihm gehörten 18 protestantische Reichsfürsten und 28 Städte an. Er bestand insgesamt 17 Jahre. Die Zahl der Mitglieder allerdings schwankte, denn sie mussten auch einen Beitrag zahlen, und dazu waren nicht alle dauerhaft willens bzw. in der Lage.
Das Bündnis richtete sich gegen den katholischen Kaiser Karl V. aus dem Hause Habsburg, der Luther und die Reformation verbissen bekämpfte. Die Mitglieder des Bundes gelobten sich deshalb gegenseitigen – notfalls auch militärischen Beistand – denn ihnen drohte im schlimmsten Fall die Reichsexekution und Anklage wegen Landfriedensbruchs durch das Reichskammergericht.
Der Schmalkaldische Bund war aber nicht nur ein politisches Bündnis, sondern auch ein religiöses. Deshalb wurden zahlreiche Tagungen von Theologen abgehalten. Allein sieben fanden in Schmalkalden statt. Als bedeutendste gilt die Tagung vom Februar 1537, vor allem wegen der Anwesenheit Martin Luthers. Aber auch sonst war sie hochkarätig besetzt: mit 16 Fürsten, sechs Grafen, den Vertretern von 29 Reichs- und Hansestädten, 42 evangelischen Theologen und dazu den Gesandten des Kaisers, des Papstes, des französischen und des dänischen Königs.

Die heute thüringische Stadt Schmalkalden gehörte damals zum Herrschaftsgebiet des Landgrafen Philipp von Hessen. Er hatte den Bund zusammen mit dem sächsischen Kurfürsten Johann (dem Beständigen) gegründet. Deshalb war er bei der Tagung 1537 anwesend und gern gesehener Gast in Luthers Wohnung. Schon drei Jahre früher hatte Landgraf Philipp einen prestigeträchtigen militärischen Erfolg gegen das von habsburgischen Truppen besetzte Württemberg errungen. In der Schlacht bei Lauffen besiegte das hessische Heer das österreichische. Der zuvor von den Habsburgern vertriebene württembergische Herzog Ulrich, der sich im Exil der Reformation zugewandt hatte, wurde wieder in sein Amt eingesetzt. Umgehend führte er in seinem Herzogtum die protestantische Konfession ein und schloss sich dem Schmalkaldischen Bund an.
Der geriet aber alsbald in eine Krise. Die Solidarität unter den Mitgliedern begann in den 1540er Jahren zu bröckeln. Grund waren auch theologische Auseinandersetzungen. Denn die einen fühlten sich den Lehren Martin Luthers verbunden, die anderen neigten eher den Lehren der Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli bzw. Johannes Calvin zu. Letztere, die sogenannten Reformierten, fühlten sich unter den Lutheranern zunehmend nur geduldet.
Noch 1539 sah es so aus, als würde sich Kaiser Karl V. auf einen Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten im Heiligen Römischen Reich einlassen. Er gab sich versöhnlich und unterzeichnete den sogenannten Frankfurter Anstand, in dem er den religiösen Status quo akzeptierte.

Doch nachdem er kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich und den Osmanen siegreich beigelegt und damit den Rücken frei hatte, änderte der Kaiser seine Haltung gegenüber den Protestanten im Reich. Er schloss Bündnisse mit mehreren katholischen Fürsten sowie u.a. auch mit dem protestantischen Herzog Moritz von Sachsen, dem er das Kurfürstentum seines Vetters Johann Friedrich von Sachsen (dem Nachfolger Johanns des Beständigen) versprach, wenn er sich an einem Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund beteiligte.
Im Juli 1546 verhängte Karl V. die Reichsacht über den sächsischen Kurfürsten und den hessischen Landgrafen. Dies führte zum Schmalkaldischen Krieg, der sich zunächst vor allem in Süddeutschland abspielte, ohne dass es zu einer entscheidenden Schlacht kam. Im Verlauf unterwarfen sich immer mehr protestantische Fürsten dem Kaiser oder liefen gar zu seinem Heer über. Entschieden wurde der Krieg schließlich Ende April 1547, als die kaiserlichen Truppen die kursächsischen bei Mühlberg in der Nähe von Torgau vernichtend schlugen; Johann Friedrich von Sachsen wurde gefangen genommen. Philipp von Hessen schließlich fiel vor dem Kaiser auf die Knie, bekam aber trotzdem eine lange Haftstrafe aufgebrummt.
Damit war auch der Schmalkaldische Bund faktisch aufgelöst. Rückblickend betrachtet, war er dennoch mehr als ein Zwergenaufstand, denn die Reformation selbst konnte nicht besiegt werden. Luthers Lehren waren in der Welt und verbreiteten sich weiter – bis zum heitigen Tag.


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KEIN BULLSHIT
- mit Pferdemist gegen Nierensteine

Auch ein Mann Gottes wie Martin Luther musste sich mit ganz weltlichen Problemen herumplagen. Wie bereits oben erwähnt, litt der Reformator unter einem Nierenstein, als er 1537 zum Kongress der evangelischen Theologen nach Schmalkalden reiste. Es war Februar, es war eiskalt, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Um trotzdem den Predigten seiner Kollegen in der Stadtkirche St. Georg folgen zu können, richtete man ihm in der Paramentenkammer im ersten Stock ein warmes Plätzchen mit Ofen ein. Meist blieb er jedoch in der Wohnung, die ihm zur Verfügung stand, und lud bedeutende Vertreter des Schmalkaldischen Bundes zu sich ein. Bei diesen Gelegenheiten hielt er dann auch seine Tischreden. Obwohl er versuchte seinen kranken Körper zu schonen, nahmen die Beschwerden weiter zu; er konnte nicht mehr Pipi machen, tagelang staute sich sein Harn, und er glaubte sterben zu müssen.
Keiner der Leibärzte der anwesenden Fürsten war imstande dem berühmten Manne zu helfen. Also rief man Dr. Georg Sturtz herbei, einen damals bekannten Mediziner aus Erfurt. Der verordnete warme Umschläge mit frischem Pferdemist (!). Als auch diese Therapie nicht die gewünschte Wirkung erzielte, ließen die Schmalkalder einen Steinschneider aus Waltershausen kommen. Der sollte den Nierenstein herausschneiden. Doch – man ahnt es schon – Luther verweigerte sich der Prozedur. Am Ende blieb Dr. Sturtz nichts anderes übrig, als den Patienten samt Wärmflasche auf einen Wagen zu laden, um ihn nach Hause zu bringen. Schließlich wollte der Reformator nicht unter den Augen seines Feindes, des päpstlichen Abgesandten, vor seinen Schöpfer treten.
Nach der holprigen Fahrt über den Thüringer Wald geschah dann ein "Wunder". In dem Ort Tambach-Dietharz bei Gotha trank Luther aus einem Brunnen und spürte plötzlich keine Schmerzen mehr. Er konnte sich auch endlich wieder erleichtern. Vermutlich lag dies aber nicht an dem Tambacher Wasser. Heute gehen Ärzte davon aus, dass sich der Nierenstein durch das Geruckel des Wagens gelöst hatte und ganz von alleine abgegangen war. Trotzdem wurde der Brunnen schon zum 200-jährigen Reformationsjubiläum 1717 offiziell in "Lutherbrunnen" umbenannt. Der Reformator selbst lebte nach der "Wunderheilung" von Tambach noch weitere neun Jahre und erlag dann keinem Nierenleiden, sondern den Folgen eines Schlaganfalls.
Nachzutragen an dieser Stelle wäre vielleicht noch, dass Martin Luther seinem kurzen Aufenthalt in Schmalkalden trotz Krankheit zumindest einen positiven Aspekt abgewinnen konnte: In einem Brief an seine Frau Katharina lobte er ausdrücklich den "Erbsbrei mit Brathering", den er von seiner Zimmerwirtin serviert bekam. Aber gut geschlafen hat er wohl nicht, denn er schrieb auch: "Man hüte sich vor den hessischen Betten."

 

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ZEITLUPE

eine gemütliche Paddeltour auf der Werra

Wasungen Werra
Titelfoto: Die Werra bei Wasungen

                      

 

 

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist geprägt von zwei Mittelgebirgen: der Rhön im Westen und dem Thüringer Wald im Osten. Mittendurch schlängelt sich die Werra. Sie entspringt bei Fehrenbach ganz im Süden Thüringens; nach ziemlich genau 300 Kilometern vereinigt sie sich bei Hann. Münden im Süden Niedersachsens mit der Fulda zur Weser. Ab dem Ort Henfstädt ist die Werra zum Kanufahren geeignet. Einer der beliebtesten Abschnitte für Paddler befindet sich wenige Kilometer flussabwärts zwischen Meiningen und Schwallungen. Dort betreibt Andreas Pfannstiel einen Bootsverleih. Und er nimmt mich mit zu einem wunderbar entschleunigten Naturerlebnis durch die "Prachtregion":

Schwallungen Kanuverleih Tourbus
Tourbus des Kanuveranstalters Pfannstiel
Meiningen Werra
Die Werra bei Meiningen
Werra naturbelassen
Naturbelassenes Flussufer
Werra Schwäne
Schwanenfamilie
Werra männlicher Schwan
Papa Schwan
Meiningen Fußgängerzone
Fußgängerzone in der Georgstraße von Meiningen
Meiningen Schlundgasse Stadtkirche
Blick durch die Schlundgasse auf die Stadtkirche von Meiningen
Meiningen Stadtkirche Türme
Türme der Stadtkirche von Meiningen
Meiningen Ludwig Chronegk Straße
Bunte Fassaden in der Ludwig-Chronegk-Straße von Meiningen
Meiningen Ernestinerstraße Fachwerk
Fachwerkhäuser in der Ernestinerstraße von Meiningen
Meiningen Schloss
Tor zum Schloss Elisabethenburg in Meiningen
Meiningen Schloss Innenhof
Schloss Elisabethenburg in Meiningen
Meiningen Theater außen
Staatstheater in Meiningen
Meiningen Englischer Garten
Englischer Garten in Meiningen
Wasungen Untere Hauptstraße Fachwerk
Fachwerkhäuser in der Unteren Hauptstraße von Wasungen
Wasungen Tourist Information
Ehem. Damenstift in Wasungen - heute Sitz der Tourist Information
Schwallungen von fern
Blick vom Werra-Ufer auf den Ort Schwallungen
Schwallungen Fachwerkhäuser
Dörfliche Idylle in Schwallungen

Reportage (Radio SWR4 RP, 22.09.2019):

Mit vereinten Kräften lassen wir das Boot zu Wasser. Ziemlich seicht ist es in den trockenen Sommermonaten. Deshalb nehmen wir einen Canadier mit flachem Kiel. Mit an Bord ist auch Eric, der sechsjährige Sohn von Andreas Pfannstiel. Bevor wir lospaddeln, gibt der Kanu-Experte eine kurze Einweisung:

Originalton 0:24

[zum Anhören klicken: O-Ton Andreas Pfannstiel]

"Zuallererst die Aufteilung, wer im Boot vorne sitzt, wer im Boot hinten sitzt."
- Und wovon hängt das ab?
"Möglichst der Schwerere sollte hinten sitzen im Boot oder auch der mit der meisten Erfahrung. Dann lässt sich das Boot leichter lenken. Der muss das so machen, dass das Boot dahin fährt, wo es hinfahren soll und nicht dahin, wo das Boot fahren möchte."

Schwallungen Werra Kanutour
Start der Kanutour
Schwallungen Eric Pfannstiel
Eric Pfannstiel
Schwallungen Andreas Pfannstiel
Andreas Pfannstiel

[Atmo: Paddeln]

Klein-Eric und ich sitzen vorne und paddeln links, der erfahrene Andreas sitzt hinten und paddelt rechts. 19 Flusskilometer liegen vor uns, 19 Kilometer ohne ein einziges Wehr. Das bedeutet: unterwegs kein lästiges Aussteigen, Umtragen und Wiedereinsteigen. Für Andreas Pfannstiel nicht nur deshalb einer der schönsten Abschnitte überhaupt auf der Werra:

[O-Ton Andreas Pfannstiel:]
"Der Fluss ist nicht begradigt hier oben in unserem Bereich. Man hat alles noch naturbelassen, hat immer leichte Strömung, sehr abwechslungsreich, und auch von der Landschaft eben sehr schön. Da vorne sieht man gerade 'n Eisvogel wegfliegen..."

Später sehen wir noch einen zweiten. Auch eine Schwanenfamilie begleitet uns für eine Weile. Sie hat etwa das gleiche gemächliche Tempo drauf wie wir. Selbst der Fluss scheint in Zeitlupe zu fließen. Das Paddel wird nur eingesetzt, um die Fahrtrichtung zu halten, nicht um schneller voranzukommen. Am liebsten möchte man sich ewig so weiter treiben lassen. Dabei gäbe es entlang der Strecke lohnenswerte Ziele für einen Zwischenstopp:

Werra Kanutour Schwäne
Schwanenfamilie begleitet uns
Wasungen Fachwerkhäuser
Fachwerkstadt Wasungen
Meiningen Schloss Elisabethenburg außen
Schloss in Meiningen

[O-Ton Andreas Pfannstiel:]
"Meiningen ist eben auch sehr sehenswert: das Meininger Theater, das Schloss Elisabethenburg, Goetz-Höhle kann man sich anschauen. Oder jetzt hier gerade in Wasungen – Karnevalshochburg, Karnevalsmuseum, kann man Stadtführungen machen, auf die Burg hochlaufen. Es gibt schon viele Möglichkeiten, was man machen kann."

Zur Not auch vor oder nach der Kanutour. Und so bleiben wir im Boot bis zum ersten Wehr in Schwallungen. Dort ziehen wir es mit vereinten Kräften wieder aus dem Wasser. Jetzt noch ein kurzer Fußmarsch zum Bahnhof. Von da geht es mit dem Zug zurück nach Meiningen. Wesentlich zügiger sozusagen, aber die Werra weiterhin ständig im Blick.

 

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VOLLTREFFER

Biathlon-Schießen für Jedermann in Oberhof

Oberhof Weltcup Biathlon
Titelfoto: Biathlon-Weltcup in Oberhof*)

                       

 

 

Kennen Sie das? Sie sitzen gemütlich vor dem Fernseher und schauen einen Biathlon-Wettkampf an. Sie verfolgen gespannt, wie die Athleten auf die scheinbar tellergroße Zielscheibe anlegen und – vorbeischießen! Wieso treffen die nicht, fragt man sich da oft, es sieht doch kinderleicht aus. Aber, denkste! In Oberhof, dem Wintersportzentrum im Thüringer Wald, kann man es selbst mal ausprobieren: beim "Biathlon-Schießen für Jedermann" – und zwar ganzjährig, denn es findet in einer Halle statt. Bei der Probe aufs Exempel wird so mancher Maulheld plötzlich ganz kleinlaut. Und dennoch vermittelt das Gewehr in der Hand zumindest einen Hauch von Biathlon-Faszination, wie man sie vom Weltcup her kennt.

Oberhof Biathlon Schießanlage Sommer
Biathlon-Schießanlage in Oberhof
Oberhof Biathlon Training
Nachwuchstalente im Sommertraining Vol. 1
Oberhof Biathlon Training Sommer
Nachwuchstalente im Sommertraining Vol. 2
Oberhof Thüringer Hütte
"Thüringer Hütte" am Biathlon-Gelände
Oberhof Rennrodelbahn Einfahrt
Einfahrt zur Rennrodel- und Bobbahn in Oberhof
Oberhof Haus des Sports außen
"Haus des Sports" in Oberhof
Oberhof Stadtpark
Stadtpark in Oberhof
Oberhof Crawinkler Straße
Blick durch die Crawinkler Straße in Oberhof
Oberhof Panorama Hotel
"AHORN Panorama Hotel" in Oberhof
Oberhof Hotel Vergissmeinnicht
"Hotel Vergissmeinnicht" in Oberhof

Reportage (Radio SWR4 RP, 22.09.2019):

[Atmo Biathlon-Weltcup 2019 in Oberhof]

So hat es geklungen, Anfang Januar in Oberhof. Treffsichere Athleten und begeisterte Fans. Auch im Sommer wird hier fleißig trainiert – dann mit Rollen unter den Skiern. So wie das junge Nachwuchstalent Finn Heisig. Biathlon ist genau sein Ding. Dafür trainiert er gerne, sagt er, jeden Tag:

Originalton 0:17

[zum Anhören klicken: O-Ton Finn Heisig]

"Das ist zwar in manchen Situationen Qual, aber es zahlt sich am Ende aus. Man kommt fix und fertig heim, und man weiß, heute hast du wieder was getan, heute kommst du weiter wieder in deinem Sport, und das macht dich dann einfach glücklich, diese Motivation auch."

Seine Trefferquote liegt bei etwa 80 Prozent. Nur der Stehend-Anschlag bereitet ihm noch Probleme. Beim "Biathlon-Schießen für Jedermann" hingegen wird meist gar nicht im Stehen geschossen, erklärt der sportliche Leiter und langjährige Kampfrichter Gerhard Köhler:

Oberhof Schießtraining Biathlon Sommer
Sommertraining in Oberhof
Oberhof Biathlon für jedermann
Gerhard Köhler erklärt, wie's geht
Oberhof Biathlon für jedermann Liegendanschlag
Hinlegen, Ziel anvisieren

Originalton 0:13

[zum Anhören klicken: O-Ton Gerhard Köhler]

"Jeder Gast macht 15 Schuss – und das liegend, und die Waffe wird auf einen Holzblock aufgelegt, also nicht frei wie die Biathleten, damit Sie auch mal was treffen. Fünf Schuss sind Probe, um sich erst mal daran zu gewöhnen, mal durchzuschauen."

Dann also nix wie 'ran ans Gewehr. Hinlegen, Ziel anvisieren und – da geht’s schon los: Die Scheibe ist 50 Meter entfernt. Sie sieht nicht etwa tellergroß aus wie im Zoom der Fernsehkamera, sondern stecknadelkopfklein.

Originalton 0:19

[zum Anhören klicken: Atmo Schießen]

Trotzdem ist die Trefferquote bei den Probeschüssen nicht übel. Na also, geht doch. Oder?

[O-Ton Gerhard Köhler:]
"Dann machen wir zehn Schuss Wertung und schießen die letzten fünf Schuss wirklich auf die originale Biathlon-Liegend-Scheibe."

Zum Eingewöhnen durften wir nämlich auf die ungleich größere Stehend-Scheibe schießen. Die originale Liegend-Scheibe ist aus 50 Meter Entfernung gar nicht zu erkennen. Einfach in die Mitte zielen, empfiehlt uns Gerhard Köhler. Aber wo bitte ist die Mitte eines Stecknadelkopfes?

Oberhof Biathlon für jedermann Schießergebnis
Fast alle Scheiben bleiben stehen
Oberhof Biathlon für jedermann Siegerehrung
Siegerehrung
Oberhof Biathlon Weltcup 2019 Sieger
Weltcup 2019 in Oberhof**)

[Atmo: Schießen]

Fast alle Scheiben bleiben stehen. Nur ein einziger Schütze trifft. Ein einziges Mal. Deshalb kann auch er kaum fassen, wie schwierig es war:

Originalton 0:12

[zum Anhören klicken: O-Ton Teilnehmer]

"Wahnsinn. Also, ich hab genau das Gleiche gesehen, genau dasselbe anvisiert. Bei den Großen gehen die Scheiben um, bei den Kleinen überhaupt nicht. Doch einer. Ob das jetzt Können war oder Zufall, das lassen wir mal dahingestellt."

Und auch ein anderer Teilnehmer schüttelt nur ernüchtert den Kopf:

[O-Ton Teilnehmer 2:]
"Das ist 'n großer Unterschied, und die Athleten müssen das quasi mit 'nem hohen Pulsschlag auch noch hinkriegen – stehend, liegend, also Wahnsinn!"

Am Ende sind wir uns alle einig: Lästern ist künftig tabu, denn jetzt wissen wir: Biathlon-Schießen ist eben doch nichts für jedermann, sondern nur was für echte Könner.

[Atmo: Biathlon-Weltcup 2019 in Oberhof]

 

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Hinweis:

*) Foto mit freundlicher Genehmigung von TWZ Oberhof
**) Foto mit freundlicher Genehmigung von WSRO-Skisport GmbH

 

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