Schieder-Schwalenberg Schieder See

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Teutoburger Wald (NRW)

                  


DER HAUCH DER GESCHICHTE
- Denkwürdiges und Sehenswürdiges in Ostwestfalen

Der Teutoburger Wald ist ein Gebirgszug in Ostwestfalen mit – wie Touristiker sagen – hohem Freizeitwert. Ideal etwa zum Wandern und zum Radfahren. Aber die meisten denken beim Stichwort Teutoburger Wald sicher zuallererst an die nach ihm benannte Schlacht im Jahre 9 nach Christus. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus soll sie "zwischen Ems und Lippe, nicht weit vom Teutoburger Wald" getobt haben. Wo genau, ist bis heute unbekannt. Den Sieg jedenfalls der Germanen gegen die Römer nannte der Historiker und Nobelpreisträger Theodor Mommsen einen "Wendepunkt der Weltgeschichte". Und wer weiß? Vielleicht würden wir heute keine germanische, sondern eine romanische Sprache sprechen, wenn die Schlacht damals einen anderen Verlauf genommen hätte.
Das Hermannsdenkmal bei Detmold erinnert an das welthistorische Gemetzel. Aber auch an anderen Orten in der Urlaubsregion Teutoburger Wald – wie den Externsteinen oder der Wewelsburg – spürt der Besucher den Hauch der Geschichte.

Schieder-Schwalenberg Schieder See
Titelfoto: Frühling am Schieder See
Detmold Marktplatz
Detmold: Marktplatz mit Blick auf die Erlöserkirche
Detmold Meierstraße
Detmold: Meierstraße in der Altstadt
Detmold Exterstraße Fachwerk
Detmold: Fachwerkhäuser in der Exterstraße
Detmold Schloss
Detmold: Schloss
Detmold Schlossteich
Detmold: Schlossteich
Detmold Adlerwarte Blick auf Berlebeck
Detmold: Blick von der Adlerwarte auf den Stadtteil Berlebeck
Detmold Adlerwarte Berlebeck Flugschau
Detmold: Flugschau in der Adlerwarte Berlebeck ...
Detmold Adlerwarte Berlebeck Flugschau Geier
... geht auch mit Geier
Detmold Adlerwarte Berlebeck Weißkopfseeadler
Detmold: Weißkopfseeadler in der Adlerwarte Berlebeck
Detmold Adlerwarte Berlebeck junger Adler
Detmold: Junger Adler in der Adlerwarte Berlebeck
Horn-Bad Meinberg Kurpark
Horn-Bad Meinberg: Kurpark
Horn-Bad Meinberg: Schlosspark Brunnentempel
Horn-Bad Meinberg: Brunnentempel im Schlosspark
Horn-Bad Meinberg Kurpark Denkmal Fürstin Pauline
Horn-Bad Meinberg: Denkmal für Pauline Fürstin von Lippe im Kurpark
Horn-Bad Meinberg Kurpark Fachwerkhäuser
Horn-Bad Meinberg: Fachwerk am Kurpark
Horn-Bad Meinberg Holzhausen-Externsteine
Horn-Bad Meinberg: Blick über den Stadtteil Holzhausen-Externsteine
Kalletal Bauernhof Klemme
Kalletal: Idyllischer Bauernhof Klemme mit beliebtem Hofladen
Kalletal Bauernhof Klemme Puter
Kalletal: Truthahn auf dem Bauernhof Klemme
Lemgo Schloss Brake
Lemgo: Schloss Brake
Lemgo Schloss Brake Mühle
Lemgo: Mühle von Schloss Brake
Minden Mittellandkanal
Minden: Mittellandkanal
Minden Mittellandkanal Boote
Minden: Große und kleine Boote auf dem Mittellandkanal
Minden Mittellandkanal Joggerin
Minden: Joggerin am Mittellandkanal
Porta Westfalica Denkmal Kaiser Wilhelm Totale
Porta Westfalica: Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Porta Westfalica Denkmal Kaiser Wilhelm nah
Porta Westfalica: Kaiser Wilhelm I.
Porta Westfalica Denkmal Kaiser Wilhelm Aussicht
Porta Westfalica: Ausblick vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal über das Wesertal
Schieder-Schwalenberg Schieder See Frühling
Schieder-Schwalenberg: Schieder See
Schieder-Schwalenberg Schieder See Blick auf Glashütte
Schieder-Schwalenberg: Blick über den Schiedersee auf den Stadtteil Glashütte

Reportagen (Radio SWR4 RP, 02.06.2019):

ÜBERRAGEND: EIN GERMANISCHER HELD

das Hermannsdenkmal bei Detmold

Teutoburger Wald Hermannsdenkmal
Titelfoto: Hermannsdenkmal bei Detmold

                     

 

 

53 Meter hoch ist es vom Sockel bis zur Schwertspitze und damit weithin sichtbar. Das Hermannsdenkmal ragt von der Grotenburg, einer Bergkuppe im Lipper Land, über den Teutoburger Wald hinaus. Es entstand im 19. Jahrhundert, in einer Epoche wachsenden deutschen Nationalbewusstseins. Bei seiner Fertigstellung 1875 war es das größte Denkmal der westlichen Welt. Allein die Statue des germanischen Helden misst gut 26 Meter und ist heute immer noch die größte in ganz Deutschland. Sie besteht aus Kupferplatten, die von abertausend Nieten und Schrauben zusammengehalten werden. Die Statue stellt Hermann den Cherusker dar (auch Arminius genannt), der vor gut zweitausend Jahren die Römer besiegte und für immer aus dem nördlichen Germanien vertrieb. Ausgrabungen legen zwar nahe, dass das historische Schlachtfeld in Wahrheit gar nicht im Teutoburger Wald lag, sondern bei Kalkriese nördlich von Osnabrück. Trotzdem pilgern alljährlich mehr als eine halbe Million Besucher zum Hermannsdenkmal bei Detmold, um sich an dieses bedeutende Ereignis der Weltgeschichte zu erinnern.

Detmold Hermannsdenkmal Touristen
Hermannsdenkmal als Ausflugsziel für die ganze Familie ...
Detmold Hermannsdenkmal Fotomotiv
... und beliebtes Fotomotiv
Detmold Hermannsdenkmal Blick auf Bielstein
Blick von der Außengalerie des Denkmals nach Westen zum Sendemast des WDR auf dem Bielstein
Hermannsdenkmal Blick auf Detmold
Blick von der Außengalerie nach Nordosten Richtung Detmold
Hermannsdenkmal Blick in Kopf
Leiter vom Kuppelraum in den Kopf der Statue (für Besucher leider gesperrt)
Hermannsdenkmal Nieten
Drei von abertausend Nieten, mit denen die Statue zusammengehalten wird
Hermannsdenkmal Bandelhütte
Bandelhütte und davor das kleine Denkmal für den Erbauer des großen Denkmals, Ernst von Bandel
Hermannsdenkmal Blick zum Teutoburger Wald
Blick vom Fuße des Denkmals in den Teutoburger Wald hinein

Reportagen (Radio SWR4 RP, 02.06.2019):

[Geräusch: Schlachtengetümmel]

Man glaubt förmlich das Schlachtengetümmel zu hören, wenn man sieht, wie der Hermann sein sieben Meter langes Schwert triumphierend gen Himmel reckt. Nach Westen schaut er, zum Erbfeind Frankreich. So wird es oft interpretiert. Aber Gästeführer Carl-Heinz Helwig sagt, der Erbauer des Denkmals, Ernst von Bandel, hatte ganz anderes im Sinn:

Originalton 0:21

[zum Anhören klicken: O-Ton Carl-Heinz Helwig]

"Ich zeige diesen Mann unmittelbar nach der Schlacht, siegreich das Schwert erhoben, entspannt gestützt auf das Schild und schaue Richtung Westen, hinter den Römern her, die zum Rhein flüchten, und schaue über die Orte der Schlachten und über die Gräber der Legionäre. Das ist seine Version damals gewesen und hat mit Frankreich überhaupt nichts zu tun gehabt."

Für Bandel war das Hermannsdenkmal eine Art Lebenswerk. 37 Jahre lang arbeitete er daran. Unermüdlich. Im Kuppelraum, unmittelbar zu Füßen der Statue, gibt Carl-Heinz Helwig einen Einblick in das Innenleben des Denkmals, aber auch in die Wesensart seines Schöpfers:

Denkmal Hermann der Cherusker groß
Hermann blickt Römern hinterher
Hermannsdenkmal Ernst von Bandel
Erbauer Ernst v. Bandel
Hermannsdenkmal Grafik Querschnitt
Blick ins Denkmal-Innere

[O-Ton Carl-Heinz Helwig:]
"Hier in diesem Raum befand sich eine Feldschmiede. Mann muss ja die Nieten so glühend wie möglich ins Material einbringen. Bandel ist jeden Abend hier hochgekommen, hat kontrolliert, ob die Nieten fachgerecht eingebaut worden sind, und wenn's nicht so war, wurde der Niet wieder rausgenommen und entfernt und neu besetzt. So war er."

Vom Kuppelraum führen Leitern bis ganz nach oben in den Kopf der Statue. Aber Besucher dürfen nicht hinauf. Das wäre zu gefährlich. Dafür können sie draußen von der Galerie einen weiten Rundblick über den Teutoburger Wald genießen und über die umliegenden Städte. Nur eine bleibt hinter einem Hügel verborgen:

[O-Ton Carl-Heinz Helwig:]
"Sie kennen alle den Spruch, Bielefeld gibt's nicht. Hier am Hermannsdenkmal, wir treten den Beweis an, denn die Blickrichtung wird hier auch angezeigt, und wenn man dort hinschaut, dann stellt man fest, da ist nichts. Der Beweis, Bielefeld gibt's nicht."

Hermannsdenkmal Kuppel innen
Kuppelraum unter der Statue
Hermannsdenkmal Galerie außen
Auf der Galerie
Hermannsdenkmal Blick Richtung Bielefeld
Von Bielefeld nichts zu sehen

[Geräusch: Schlachtengetümmel]

Zu Zeiten der Hermannsschlacht gab's Bielefeld tatsächlich noch nicht. Aber dass die Schlacht wirklich im Teutoburger Wald tobte und nicht irgendwo weit weg, daran möchte Gästeführer Helwig gerne glauben. Auch wenn hier niemals Beweisstücke wie Waffen oder Münzen gefunden wurden:

Originalton 0:07

[zum Anhören klicken: O-Ton Carl-Heinz Helwig]

"Das hängt damit zusammen, dass wir Lipper ein ganz besonderes Völkchen sind. Wir sagen, lass' mal nicht liegen, nimm's mit, kannste vielleicht gebrauchen."

 

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HERMANN ODER ARMINIUS
- das unbekannte Wesen

Wer war eigentlich dieser Hermann oder Arminius? Wie hieß er wirklich? Und hat es ihn überhaupt gegeben? Alle diese Fragen sind nicht mit hundertprozentiger Gewissheit zu beantworten. Denn eine der wichtigsten historischen Quellen, der römische Geschichtsschreiber Tacitus, wurde erst Jahrzehnte nach Hermanns/Arminius' Tod geboren, war also kein Zeitzeuge, geschweige denn ein Augenzeuge.
Einigermaßen sicher scheint zumindest, dass es den germanischen Helden wirklich gegeben hat. Angeblich wurde er um das Jahr 17 vor Christus geboren und starb um das Jahr 21 nach Christus. Sein Vater Sigimer war ein Fürst des Stammes der Cherusker und galt als Freund der Römer. Schon im Kindesalter wurden seine beiden Söhne zur militärischen Ausbildung nach Rom geschickt. Ob freiwillig oder als Geiseln, bleibt unklar. Die Römer jedenfalls nannten die beiden Germanenbuben Arminius und Flavus. Sie erwiesen sich offenbar als sehr gelehrig, lernten die lateinische Sprache und dienten sich in der römischen Armee nach oben. Arminius wurde Anführer einer Truppe von Reitersoldaten, deren Aufgabe es war, die Legionen an ihren Flanken zu schützen. In dieser Rolle erwarb er rasch hohes Ansehen. Um das Jahr 7 oder 8 n. Chr. wurde er zurück nach Germanien geschickt und gewann dort das Vertrauen des römischen Statthalters Publius Quinctilius Varus. Die Römer hielten damals schon das linke Rheinufer und Teile des heutigen Süddeutschlands besetzt. Als Arminius mitbekam, dass Varus mit seinen Legionen vom Niederrhein aus immer weiter ins nördliche Germanien, bis an die Weser, vordringen wollte, sah er die Zeit für einen Aufstand gekommen.
Was folgte, war die vielzitierte Schlacht im Teutoburger Wald, die auch Hermannsschlacht oder Varusschlacht genannt wird und über deren genauen Ablauf es ebenfalls nur Mutmaßungen gibt. Gesichert ist wohl nur, dass die Germanen unter Arminius den Römern eine vernichtende Niederlage zufügten. So vernichtend, dass die Römer nie wieder ernsthafte Vorstöße unternahmen, auch das nördliche Germanien ihrem Imperium einzuverleiben.
Wie es dann mit Arminius weiterging, bleibt ebenfalls weitgehend unklar. Angeblich wurde er im Jahre 21 von seinen eigenen Verwandten ermordet, weil er ihnen zu mächtig geworden war und sie befürchteten, er wolle selbst ein germanisches Reich gründen und dessen König werden.
Danach geriet er allmählich in Vergessenheit. Erst der Reformator Martin Luther, der sich ja selbst als Kämpfer gegen das Papsttum sah und damit gegen Rom, hat die Heldengestalt wieder ausgegraben und den Namen eingedeutscht. Weil man Arminius nicht übersetzen konnte, nannte Luther ihn den "Heeresmann", und daraus wurde dann "Hermann". Durchgesetzt hat sich diese Bezeichnung aber erst im 19. Jahrhundert. Selbst Ernst von Bandel, der Erbauer des Denkmals, hielt lange an dem Namen Arminius bzw. Armin fest, sprach von seinem Projekt als "Arminssäule". Erst bei der Fertigstellung schwenkte er um und nannte es "Hermannsdenkmal".

 

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FASZINIEREND: EINE BIZARRE FELSFORMATION

die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg

Horn-Bad Meinberg Externsteine
Titelfoto: Externsteine bei Horn-Bad Meinberg

 

 

Nur wenige Kilometer südöstlich des Hermannsdenkmals hat die Natur ein Denkmal erschaffen, das ebenfalls in Deutschland seinesgleichen sucht. Die Rede ist von den Externsteinen bei Horn-Bad Meinberg. Quasi zu Füßen des Barnacken, des mit 446 m höchsten Gipfels im Teutoburger Wald, erhebt sich eine bizarre Sandsteinformation. Sie ist vor Jahrmillionen durch tektonische Plattenverschiebung entstanden; Regen, Wind und Gletschereis taten ein Übriges, um den Felsen ihre heutige Gestalt zu verleihen. Manche Besucher glauben, dass den Externsteinen magische Kräfte innewohnen. Zumindest haben sie eine magische Anziehungskraft, denn ähnlich wie zum Hermannsdenkmal kommen auch hier Jahr für Jahr hunderttausende Besucher. Und denen wird Faszinierendes geboten.

Externsteine von fern
Annäherung (vom Parkplatz) an die Externsteine
Externstein Wackelsteinfels
Wackelsteinfels aus der Nähe
Externsteine Wackelstein
"Wackelstein" auf dem Wackelsteinfels
Externsteine Aufgang zum Turmfelsen
Aufgang vom Treppenfelsen zum Turmfelsen ...
Externsteine Abgang vom Turmfelsen
... und der Abgang
Externsteine Kreuzabnahme
Kreuzabnahmerelief am Grottenfels
Externsteine Nebengrotte Runen
Angebliches Runenzeichen in der Nebengrotte
Externsteine Grotte Gravur
Mythische Botschaft aus grauer Vorzeit oder moderne "Kunst" von Kinderhand?
Externsteine Grotte Fenster
Fenster in der Grotte
Externsteine von hinten
Rückseite der Externsteine

Reportage (produziert für Radio SWR4 RP, nicht gesendet):

Originalton 2:18

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Umgeben von einem Naturschutzgebiet, ragen die bizarren Felsen bis zu 40 Meter hoch aus dem Teutoburger Wald heraus. Aufgereiht wie an einer Perlenschnur. Eine hohe Konzentration an Erdstrahlung soll hier schon gemessen worden sein. Kein Wunder, dass die Externsteine auch Menschen anlocken, die an übernatürliche Kräfte glauben, und solche, die sich mit ihnen verbunden fühlen:

[O-Ton Besucher:]
"Es geht um die Menschen, die Menschen, die ich hier kennenlerne. Das sind sehr viele Esoteriker, die Leute machen Musik, das ist was anderes als acht Stunden arbeiten gehen."

Magie hin oder her – fest steht, dass die Externsteine schon in der Jungsteinzeit als Kultstätte dienten. Ein Beweis dafür: Das kreisrunde Loch an der Spitze des höchsten Felsens. Es wurde offenbar von prähistorischen Astronomen geschaffen, erzählt Gästeführerin Cornelia Müller-Hisje:

Externsteine Esoteriker
Externsteine ziehen Esoteriker an
Externsteine Himmelsloch
Loch zeigt Sommersonnenwende an
Externsteine Relief nah
Mittelalterliches Relief

[O-Ton Cornelia Müller-Hisje:]
"Zum Tag der Sommersonnenwende fällt durch dieses Loch tatsächlich der allererste Sonnenstrahl. Was aber noch viel interessanter ist, dass die nördlichste Mondumlaufbahn, die nur alle 18 Jahre ist, die haben wir auch da drin. Das ist ganz, ganz selten. Und derjenige, der dann weiß, wann die nächste Mondfinsternis ist, und er weiß, wann die nächste Sonnenfinsternis ist – ich denke mal, es gab Zeiten, da war das Macht, so etwas zu wissen."

Aus christlicher Zeit, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert, stammt ein Relief am sogenannten Grottenfels, das die Kreuzabnahme Christi zeigt. Es gilt als eines der bedeutendsten seiner Art. Und christlichen Ursprungs sind wohl auch die Grotten selbst, die in den Felsen gehauen wurden.

[O-Ton Cornelia Müller-Hisje:]
"Das Letzte, was wir wissen, ist, dass sie vermutlich als Kapellen gedient haben, dass hier also Eremiten waren, die das hier kirchlicherseits genutzt haben. Später, sagt man, hat hier auch der Holzmeister des Grafen drin gewohnt, und dann einige Zeit soll das hier als Gefängnis für die Stadt Horn genutzt worden sein."

Die Externsteine im Teutoburger Wald
Grottenfels
Treppenaufgang in den Fels der Externsteine
Auch ganz normale Besucher
Die Externsteine, gespiegelt im davorliegenden Weiher
Naturschutzgebiet um die Externsteine

Nichts Genaues weiß man nicht. Für Mythen und Mysterien bleibt also genug Raum. Doch die meisten Besucher der Externsteine kommen aus ganz profanen Gründen:

[O-Töne Besucher:]
"Für uns ist es gar kein magischer Ort, sondern einfach ein schönes Naturschauspiel."
"Das sind Kindheitserinnerungen. Man ist mit der Schule hier hingereist, und es ist eigentlich auch 'ne wunderschöne Gegend. Ich laufe hier gerne."

Und dazu bietet sich das Naturschutzgebiet um die Externsteine geradezu an. Ebenso wie der gesamte Teutoburger Wald.

[Atmo: Vogelgezwitscher]

 

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BEWEGEND: EIN DÜSTERES KAPITEL

die Wewelsburg bei Büren

Wewelsburg Luftbild
Titelfoto: Wewelsburg aus der Luft*)

                      

 

 

Die Wewelsburg ist eine von nur ganz wenigen Dreiecksburgen in Deutschland (und mit Sicherheit die schönste). Sie liegt zwar am äußersten Rand der Urlaubsregion Teutoburger Wald, im gleichnamigen Ortsteil von Büren, südwestlich von Paderborn. Aber ihre Geschichte ist zu bewegend, um sie an dieser Stelle außen vor zu lassen. Vor allem ihr düsterstes Kapitel: In der Zeit des Nationalsozialismus sollte auf der Burg nämlich ein ideologisches Zentrum von Hitlers sogenannter Schutzstaffel, der SS, entstehen. Erst die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg setzte den hochtrabenden Plänen ein Ende. Die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg beleuchtet die dunkle Vergangenheit. Ein Besuch lässt erahnen, wie es damals war und wie es noch hätte werden können.

Wewelsburg Ostfassade
Ostseite der Wewelsburg
Wewelsburg Modell Seitenansicht
Modell der Wewelsburg im Museum
Wewelsburg Modell von oben
Modell der Wewelsburg von oben
Wewelsburg Museum Häftlingsbericht Gerhard Claus
Häftlingsbericht Vol. 1
Wewelsburg Häftlingsbericht Joachim Escher
Häftlingsbericht Vol. 2
Wewelsburg Häftlingsbericht Paul Buder
Häftlingsbericht Vol. 3
Wewelsburg Häftlingsbericht Friedrich Klingenberg
Häftlingsbericht Vol. 4
Wewelsburg KZ-Gebäude
Ehem. KZ-Gebäude in Wewelsburg
Wewelsburg Ausblich auf Dorf
Blick von der Wewelsburg auf das gleichnamige Dorf zu ihren Füßen

Reportage (nur für diese Webseite):

Imposant thront die Wewelsburg auf einem Bergsporn über dem gleichnamigen Dorf. Ein Fürstbischof von Paderborn hat die einst mittelalterliche Burg zu einem Renaissance-Schloss umbauen lassen. Zeitweise kam er zum Jagen hierher, zeitweise nutzte er sie auch als Nebenresidenz. Später verfiel sie zusehends, bis die Nazis sie zum symbolischen Preis von einer Reichsmark pro Jahr vom Landkreis Büren anmieteten.

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"In den 30er Jahren, bevor der Krieg ausgebrochen ist, hat man hier sehr viel, ich sag' mal, so pseudowissenschaftlich gearbeitet. Es gab eine eigene Burgmannschaft hier, SS-Wissenschaftler, die hier gearbeitet haben, die archäologisch gegraben haben, Ahnenkunde betrieben haben, eigentlich alles so Ideen und Vorhaben, um die germanische Tradition als etwas Besonderes darzustellen, also germanische Ausgrabungen, die dann hochstilisiert, als eine höhere Kulturstufe dargestellt wurden."

Gefunden haben die SS-Archäologen nichts, was auf die Germanen hindeutete, erzählt Kirsten John-Stucke vom Kreismuseum Wewelsburg weiter. Stattdessen begann man 1939 mit den Bauarbeiten:

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Heinrich Himmler als Reichsführer der SS wollte die Wewelsburg zu einer Zentrale für seine SS umbauen lassen und hatte da riesige Pläne vor, richtig größenwahnsinnige Ideen; das ganze Dorf wäre platt gemacht worden und hätte einer ringförmigen riesigen Anlage weichen müssen, und dafür hat er das Konzentrationslager hier einrichten lassen, die Häftlinge mussten viel im Steinbruch arbeiten, extrem schwere körperliche Bedingungen, viele im Straßenbau und dann eben auch am Nordturm."

Einige Räume des Nordturms sind heute auch für Museumsbesucher begehbar. Darunter die sogenannte Gruft, die vermutlich dazu dienen sollte, Tote zu bestatten oder der Toten der SS zu gedenken.

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Man kann an dem Hall schon hören, dass es ein großer Kuppelbau ist. Diese Akustik ist natürlich so gewollt. Es sollte möglichst weihevoll hier wirken. In der Mitte des Raumes sollte vermutlich eine Flammenschale stehen, so eine Art ewige Flamme, die dann hier brennen sollte."

Über der Gruft befindet sich ein kreisrunder Raum, der als Obergruppenführersaal bezeichnet wurde. Vermutlich traf sich Himmler hier mit anderen SS-Größen im Juni 1941, eine Woche vor dem Russlandfeldzug.

Wewelsburg Südfassade
Wewelsburg
Wewelsburg Nordturm Gruft
Gruft unter dem Nordturm
Wewelsburg Obergruppenführersaal
"Obergruppenführersaal"

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Und da können wir dann belegen, dass die SS sich dann auch bemüht hat, hier sich ihrer eigenen Stärke nochmal zu vergewissern, nochmal zu sagen, wir ziehen jetzt gegen den 'Untermenschen' los und wir sind die 'Herrenmenschen', wir sind diejenigen, die die Vormachtstellung haben. Und das ist dann auf der Wewelsburg wirklich zelebriert worden."

Die Architektur des Obergruppenführersaals erinnert an eine Kirche mit romanischen Fensterbögen und zwölf Säulen. Auf dem Fußboden ein Mosaik, das ein zwölfspeichiges Sonnenrad darstellt.

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Das ist ein typisches Runensymbol, das von der SS gerne verwandt wurde. In dieser Form jetzt hier, dass es diese verwinkelten Speichen sind, das ist aber einzigartig. Das findet man hier vor allem in der Wewelsburg, dieses Zeichen, und seit den 90er Jahren wird dieses Symbol innerhalb der rechtsextremen und rechtsesoterischen Szene auch als 'Schwarze Sonne' bezeichnet."

Der Museumsleitung ist sehr daran gelegen, dass die Räume nicht von Besuchern aus der rechten Szene missbraucht werden. So will sie beispielsweise auch verhindern, dass sich Besucher auf das Sonnenrad stellen und Selfies machen.

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Deswegen haben wir bunte Sitzsäcke auf den Boden geworfen, und das funktioniert hier sehr gut. Als Einzelbesucher ist man erst mal irritiert, warum hier gerade Sitzsäcke rumliegen, und kann sich dann über die Broschüren informieren. Wenn wir hier mit Gruppen reinkommen, dann legen die sich natürlich erst mal in diese Säcke rein, und das ist genau das, was wir wollen – dass man seine Haltung verändert, dass man sich nicht ehrerbietig rund um dieses Sonnenrad versammelt, sondern dass man sich erst mal fläzt und eben keine stramme Haltung einnimmt."

Auch die Devotionalien in der eigentlichen Ausstellung "Ideologie und Terror der SS" werden so gezeigt, dass nicht der Eindruck der Verherrlichung entsteht. So ist beispielsweise die Beschriftung einer schwarzen Uniform so angebracht, dass die Runen auf den Exponaten verdeckt bleiben. Andere Exponate wie ein SS-Silberbesteck werden in schmucklosen Archivkartons gezeigt. Alles soll möglichst neutral und nüchtern wirken.

Wewelsburg Museum Uniform SS
SS-Uniform mit verdeckten Runen
Wewelsburg Museum Plakat Untermensch
NS-Propaganda
Wewelsburg Kirsten John-Stucke
Kirsten John-Stucke

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Bei den Totenkopfringen zeigen wir das Original neben der Fälschung. Da wird dem Teil natürlich auch so ein bisschen von seiner Aura genommen, weil man dann gar nicht mehr weiß, was ist denn jetzt das Original und die Fälschung, und schon versucht man eher analytisch dran zu gehen und nicht mit dieser weihevollen auratischen Idee."

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist dem Konzentrationslager gewidmet, dass Himmler im Dorf anlegen ließ, um immer genügend Arbeitssklaven für sein Projekt zur Verfügung zu haben. Insgesamt 3900 Menschen waren zwischen 1939 und 1945 in Wewelsburg interniert.

[O-Ton Kirsten John-Stucke:]
"Das waren 'Schutzhäftlinge', viele politische, viele aber auch als Zeugen Jehovas, die aus religiösen Gründen zum Beispiel sich geweigert haben sich in diese 'Volksgemeinschaft' einzugliedern, die den 'Führereid' verweigert haben. Die ganze Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas ist damals verboten gewesen, und alle die weiterhin Zeugen Jehovas blieben, sind dann halt ins Konzentrationslager eingewiesen worden. Ganz extrem dann aber ab 1942 sowjetische Kriegsgefangene, die hier in großen Gruppen hingekommen sind aus dem Ruhrgebiet häufig und dann hier im Steinbruch so schwer arbeiten mussten, dass die wirklich total schnell gestorben sind."

1285 Häftlinge kamen im Konzentrationslager Wewelsburg um. Aber alle Insassen machten Höllenqualen durch. Was sie darüber berichteten, ist in Auszügen an den Wänden des Museums zu lesen:

"Mit vier Mann ein Handtuch, das für das Gesicht und die Füße war, das war furchtbar. Und dann der Gestank, so und so viele Männer in einem Raum, ein jeder riecht anders aus dem Hals. Was das für ein Gestank war, ein Affenstall war nichts dagegen", erinnerte sich Friedrich Klingenberg.

Und Gerhard Claus: "Wir standen manchmal die Nacht auf dem Appellplatz, bei 20, 22 Grad Kälte, nichts drunter, nur diese Klamotten. Der Wind pfeift da durch. Das war wie eine Schafherde. Jeder wollte in die Mitte rein."

Wewelsburg gestreifte Häftlingsanzüge
Häftlingskleidung
Wewelsburg Häftlingsbericht Otto Preuss
Häftlingsbericht
Wewelsburg Gedenkstein
Gedenkstein

Von Joachim Escher stammen diese Zeilen: "Einmal war ein Häftling bei sehr starkem Nebel geflohen. Vier, fünf oder sechs Monate war der weg, bis er wieder kam … Im Lager musste alles antreten im Karree und er musste das abschreiten mit einer Pauke, einer Trommel: 'Ich bin froh, dass ich wieder da bin und so weiter. Dann kriegte er gleich den Fluchtpunkt auf den Rücken und dann hat er nicht mehr lange gelebt."

Die Ausstellung erschüttert, macht nachdenklich. Auch viele Schulklassen kommen hierher, und die Jugendlichen finden diese Art von Geschichtsunterricht gar nicht langweilig:

[O-Töne Schüler:]
"Eigentlich ist es ganz interessant zu hören, was damals so passiert ist."
"Es ist sehr interessant, dass hier viel ausgestellt wird, dass man auch sieht, wie die Leute sozusagen angezogen wurden, in welchen Gruppierungen die farblich auch waren, und ich find's auch gut, dass hier so'n Modell von dem Arbeitslager auch gezeigt wird."
"Das ist eigentlich ganz interessant."
- Was hast du denn hier erfahren über die Zeit, was du vorher noch nicht wusstest?
"Da vorne bei dem Konzentrationslager, wie das aufgebaut war und so und wie die behandelt wurden, in welche Kategorien, das finde ich eigentlich sehr interessant."

Ein Modell in der Ausstellung gibt einen Überblick über die gesamte KZ-Anlage. Vom Lager selbst ist heute nur noch ein einziges Gebäude erhalten. Ein Gedenkstein auf dem ehemaligen Gelände aber mahnt an die schrecklichste Episode in der Geschichte von Wewelsburg.

 

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Hinweis:

*) Foto mit freundlicher Genehmigung des Kreismuseums Wewelsburg

 

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DIE WEWELSBURG
- mehr als nur zwölf Jahre Nazi-Vergangenheit

Zwölf Jahre lang, von 1933 bis 1945, trieb die SS ihr Unwesen auf der Wewelsburg. Aber man würde der nach eigenen Angaben einzigen Dreiecksburg Deutschlands (was wohl Auslegungssache und deshalb umstritten ist) nicht gerecht, wenn man ihre reichhaltige Geschichte nur auf dieses düstere Kapitel reduzieren würde.
Tatsächlich hat sie wohl mindestens tausend Jahre vor dem "Tausendjährigen Reich" bestanden. In den Annalen des Abtes Arnold aus dem Kloster Berge bei Magdeburg heißt es, dass Graf Friedrich von Arnsberg ein Jahr vor seinem Tod 1124 die Wewelsburg, die schon zur Zeit der Hunnen bestanden habe und danach arg vernachlässigt worden sei, wieder aufgebaut habe. Doch "kaum war er tot, rissen die Bauern, die er zu den Bauarbeiten gezwungen hatte, das Bauwerk wieder ein".
Das mit den Hunnen ist vielleicht nicht ganz ernst zu nehmen, aber es scheint doch nahezulegen, dass die Burg deutlich älteren Ursprungs ist. Von den Arnsbergern jedenfalls kam sie durch Erbschaft in den Besitz des Grafen Otto I. von Waldeck, der sie 1301 an den Bischof von Paderborn verkaufte. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie von den Fürstbischöfen an verschiedene Lehnsherren vergeben.
Ihre charakteristische heutige Form erhielt die Wewelsburg bei einem radikalen Umbau in den Jahren 1603 bis 1609.

Originalton 0:49

[zum Anhören klicken: O-Ton Kirsten John-Stucke, Radio SWR4 RP, 02.06.2019]

"Die Wewelsburg ist in dieser Renaissance-Form als dreieckige Schlossanlage im 17. Jahrhundert erbaut worden von Dietrich [IV.] von Fürstenberg, dem Fürstbischof von Paderborn, und er hat die auf einer mittelalterlichen Vorgängeranlage erbauen lassen, und wichtig ist eben, dass die hier auf diesem Bergsporn errichtet wurde. Da konnte er schon zwei Seiten wunderbar verteidigen, und zur dritten Seite hin, da gab's verschiedene Wallanlagen, sodass das dann relativ abgesichert wurde. Allerdings ist sie dann doch im 30-jährigen Krieg erobert worden und auch schwer zerstört worden. Man hat sie dann wieder aufgebaut, und bis ins 19. Jahrhundert, solange wie das Fürstbistum bestand, ist sie immer die Nebenresidenz, ein Jagdschloss, für den Fürstbischof gewesen."

Im Zuge der Säkularisierung und der damit verbundenen Auflösung des Fürstbistums Paderborn am Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Wewelsburg in den Besitz des Königreichs Preußen. Der Zustand der Anlage war damals schon schlecht. Noch schlimmer wurde er 1815, als ein Blitz den Nordturm in Brand setzte und eine hohle, ausgebrannte Ruine hinterließ.
In den 1920er Jahren, zu Zeiten der Weimarer Republik, richtete der Kreis Büren auf der Burg ein Heimatmuseum und eine Jugendherberge ein. Es gab auch Pläne zum Wiederaufbau des Nordturms. Allein es fehlte am nötigen Geld. Deshalb kam das Interesse von Heinrich Himmler an der Burg sehr gelegen. Wie es dann während der Naziherrschaft weiterging, ist oben ausführlich beschrieben. Nicht erwähnt wurde allerdings, dass Himmler am 31. März 1945 befahl die Burg zu sprengen.
Nach dem Krieg machte man sich unverzüglich an den Wiederaufbau. Es sollte wieder eine Jugendherberge entstehen und dazu eine "politische Schulungsstätte in echt demokratischem Sinne". Auch wenn noch viele Jahre vergingen: Heute präsentiert sich die Wewelsburg wie in besten Zeiten. Neben der Jugendherberge ist dort das Historische Museum des Hochstifts Paderborn untergebracht und seit 2010 die Erinnerungs- und Gedenkstätte mit der oben beschriebenen Ausstellung "Ideologie und Terror der SS".

 

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