rolf fröhlings reisereportagen
Tansania
AFRIKA WIE IM BILDERBUCH
Seine Schneekappe hat ihn weltberühmt gemacht. Mit genau 5.895 Metern ist der Kilimandscharo der höchste Berg Afrikas. Und ihm zu Füßen liegt Tansania – ein Land, das nicht nur zu den politisch stabilsten, sondern zweifellos auch zu den schönsten des "Schwarzen Kontinents" zählt. Drum wird es bei Touristen immer beliebter. Und was sie zu sehen bekommen, ist Afrika wie im Bilderbuch. Eingebettet zwischen dem Indischen Ozean im Osten und dem Tanganjika-See im Westen erstreckt sich ein Gebiet, das zweieinhalbmal so groß ist wie Deutschland, die ehemalige Kolonialmacht. In seinen Grenzen findet man dichte Urwälder, grüne Hochebenen und baumlose Savannen. Seine Nationalparks wie die Serengeti weisen die größte Dichte an wilden Tieren in ganz Afrika auf, inklusive der so genannten "Big Five" – also Löwen, Leoparden, Elefanten, Nashörner und Büffel. Der Eintritt in diesen überdimensionalen zoologischen Garten ist zwar nicht ganz billig, hinterlässt aber unvergessliche Eindrücke.
Reportagen (Radio hr3, 03.07.2005, 04.06.2006):
Der Löwe ist der unumstrittene König der Tiere. Und wenn es ein Königreich der Löwen gibt, dann ist es der Ngorongoro-Krater im Nordwesten Tansanias. Dieser Vulkankessel mit rund 20 Kilometer Durchmesser zieht die Wildtiere der Umgebung an wie ein Magnet, denn die meiste Zeit des Jahres gibt es dort genügend Wasser. Auf dieser relativ kleinen Fläche tummeln sich Tausende von Gnus, Zebras und Antilopen. Ein reich gedeckter Tisch für Raubkatzen also. Deshalb leben dort auch mehr als 100 Löwen. Da gibt es fast so etwas wie eine Garantie, den König der Tiere in freier Wildbahn zu erspähen. Man muss bei der Pirschfahrt nur die Augen offen halten.
Reportage (Radio hr3, 03.07.2005):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Atmo Safari:]
"Albrecht, wartest du mal? Da drüben, das sind doch Löwen!"
"Wo? Wo sind da Löwen?"
"Da drüben unter dem Busch. Siehst du, wie der da mit dem Schwanz wackelt?"
[Geräusch: brüllender Löwe]
Es ist der Höhepunkt einer jeden Foto-Safari. Alle halten förmlich den Atem an. Der König der Tiere höchstpersönlich. Seit Tagen sind wir auf Pirschfahrt. Wir haben einen Leoparden gesehen, mehrere Geparde und auch etliche Löwinnen. Aber erst hier am Ngorongoro: der erste männliche Löwe. Ein Prachtexemplar mit langer, zotteliger Mähne. Und obwohl seine Majestät uns keines Blickes würdigt, strahlt er eine unwiderstehliche Faszination aus.
[O-Töne Touristen:]
"Für mich ist es das perfekte Symbol Afrikas."
"Sein stolzer Gang – majestätisch eben."
"Die Mischung aus Kraft, Eleganz und die Angst, die man davor hat."
"Mich ergreift das immer total, dass der so cool dahergeht und sich durch nichts beirren lässt. Der ist einfach der König der Tiere."
[Geräusch: brüllender Löwe]
Seine Coolness hängt aber wohl auch damit zusammen, dass wir im Landrover sitzen und seine Kreise nicht weiter stören. Das meint jedenfalls unser Reiseleiter, der promovierte Zoologe Albrecht Gorthner.
[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Von Löwen wird man im Auto einfach ignoriert. Es ist was anderes, wenn man aussteigen würde."
- Was würde dann passieren?
"Ein hungriger Löwe mit wenigen Sätzen bei uns. Also, ich kenn' kein Beispiel, aber ich würd's nicht versuchen."
Pinkelpausen also müssen wir uns verkneifen. Auch auf dem Dach darf diesmal keiner sitzen. Sicher ist sicher. Andererseits stehen wir Menschen nicht unbedingt auf dem Speiseplan der Löwen. Da hält der Ngorongoro ganz andere Leckerbissen bereit. Bis auf Giraffen, die den steilen Kraterrand nicht überwinden können, findet man hier so ziemlich die ganze Palette ihrer Beutetiere.
[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Die Löwen bevorzugen große Fleischbrocken, scheuen dabei keine Gefahr. Also gerade Büffel als wehrhaftes Tier und Zebras sind ihre Lieblingsspeise, während Warzenschweine verschmähen sie auch nicht. Aber das sind eher kleine Happen für einen männlichen Einzelgänger."
Und normalerweise jagen Löwen gerne im Rudel. Häufig lassen die Herren der Schöpfung sogar ihren Damen den Vortritt und greifen erst wieder ins Geschehen ein, wenn es ans Fressen geht. Dann sichern sie sich ihren Löwenanteil an der Beute. Das passiert allerdings meistens bei Nacht. Zeuge einer Jagdszene wird man als Tourist nur ganz selten. Meistens döst der König der Tiere faul vor sich hin. Aber egal: Wir wollten einen Löwen sehen und fotografieren. Und das ist uns gelungen. Reiseleiter Albrecht Gorthner hat nicht zuviel versprochen. Nirgendwo ist die Trefferquote besser:
[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Also, in der Serengeti und Ngorongoro würd' ich sagen, ist es 100 Prozent!"
[Geräusch: brüllender Löwe]
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DAS ERBE DES PROFESSOR GRZIMEK
Wildschutz in der Serengeti
Sein Film "Die Serengeti darf nicht sterben" wurde mit einem Oscar ausgezeichnet und machte Tansanias ältesten Nationalpark weltberühmt: Professor Bernhard Grzimek, ehemaliger "Tieronkel" im deutschen Fernsehen und Direktor des Frankfurter Zoos. Fast ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit der Dokumentarfilm in die Kinos kam. Aber Grzimeks Engagement wirkt bis heute nach. Noch immer unterstützt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Tierschutz in der Serengeti wie keine andere Organisation weltweit. Denn noch immer ist Grzimeks Erbe von Wilderern bedroht – wie damals schon, Ende der Fünfziger Jahre, als sein Film entstand.
Reportage (Radio hr3, 03.07.2005):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Filmausschnitt: "Serengeti darf nicht sterben"]
"Wir müssen heute gegen menschliche Hyänen zu Felde ziehen. Mit den Hütern des Nationalparks wollen wir Wilddiebe aufspüren, die den großen Herden den Weg versperren und Tausende von Tieren umbringen."
Der engagierte Tierschützer Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael hatten der Wilderei den Kampf angesagt. Mit Erfolg. Heute leben im Nationalpark mehr Tiere als damals, und es werden weniger getötet. Aber je stärker die Besiedelung an den Rändern der Serengeti zunimmt, desto mehr wird die Fleischwilderei wieder zum Problem. Vor allem auf Gnus haben es die Jäger abgesehen, erzählt Dr. Markus Borner von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, aber sogar vor Giraffen machen sie nicht Halt.
[O-Ton Dr. Markus Borner:]
"Die Giraffe ist ja das National-Tier von Tansania, und es waren sehr hohe Strafen auf die Wilderei. Heute werden auch extra Fallen gestellt, Schlingen in den Bäumen, wo Giraffen gefangen und für Fleisch verwertet werden."
Wenigstens die Trophäen-Wilderei scheint so gut wie besiegt. Schon seit zehn Jahren hat laut Markus Borner kein Elefant mehr in der Serengeti wegen seiner begehrten Stoßzähne sterben müssen. Das Elfenbein-Embargo zeigte offenbar Wirkung. Und auch die beinahe ausgerottete Nashorn-Population erholt sich langsam.
[O-Ton Markus Borner:]
"In der Serengeti gab's nur noch zwei nach der Wilderei – zwei Weibchen. Dann ist ein Männchen vom Krater 120 Kilometer von hier – die haben gestritten, das eine Männchen wurde aus dem Krater 'rausgejagt, ist dann schnurstracks in die Serengeti marschiert, hat dann beide Weibchen gefunden, heute haben wir wieder 14 Nashörner."
Die werden allerdings von Borners Leuten rund um die Uhr bewacht. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt gibt Jahr für Jahr rund anderthalb Millionen Euro für die Serengeti aus, sie stellt technisches Gerät zur Verfügung und schult die einheimischen Ranger. Nirgendwo sonst auf der Welt ist sie so engagiert wie hier. Und das aus guten Gründen:
[O-Ton Dr. Markus Borner:]
"Dass wir uns so konzentrieren auf die Serengeti, hat teilweise damit zu tun, dass eben der Bernhard Grzimek hier gearbeitet hat, dass sein Sohn Michael hier umgekommen ist, aber auch weil dies eines der tollsten Gebiete ist, die es in Afrika noch gibt, und drittens weil wir sehr viel Unterstützung von der Regierung von Tansania bekommen, diese Gebiete auch zu schützen."
Und Unterstützung braucht er auch, um die Ernährung der Menschen am Rande der Serengeti sicherzustellen. Borner will die Jagd außerhalb des Nationalparks liberaler regeln als bisher. Denn schon Professor Grzimek war klar: Wilderer töten oft aus purer Not.
[Filmausschnitt: "Die Serengeti darf nicht sterben"]
"Ob diese Männer wohl einsehen, dass sie zu Recht bestraft werden? Nur wenn wir die Einheimischen für den Schutz der Tiere gewinnen können, wird die Zukunft der Serengeti gesichert sein."
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DIE KRIEGER DER SAVANNE
Besuch in einem Massai-Dorf
Die meisten reisen nach Tansania wegen der interessanten Tiere. Aber es gibt natürlich auch interessante Menschen in dem ostafrikanischen Land. Zu den interessantesten gehören zweifelsohne die Massai, ein stolzes Volk von Hirten und Kriegern, das erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Norden in die Savannen des heutigen Tansania eingewandert ist. Einst waren sie Nomaden. Heute sind die meisten von ihnen sesshaft geworden. Doch an ihrer streng hierarchischen Kultur halten sie eisern fest. Die so genannten Segnungen der Zivilisation betrachten sie mit großer Skepsis. Autos und Fernsehapparate bedeuten ihnen nichts. Wichtig sind den Massai vor allem ihre Rinder und die enge dörfliche Gemeinschaft.
Reportage (Radio hr3, 03.07.2005):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Atmo: Massai-Gesänge]
Mit einem Willkommenslied werden wir in dem kleinen Dorf Irikeepusi empfangen. Und willkommen heißt uns auch der junge Krieger Obedi, der sich selbst als Assistent des Häuptlings bezeichnet.
[O-Ton Obedi: Begrüßuung in Massai-Sprache]
Er trägt wie alle Massai einen roten Umhang. Daran sind sie schon weitem zu erkennen. Und diese Farbe haben sie nicht ganz zufällig gewählt, wie uns Obedi in recht passablem Englisch erklärt.
[O-Ton Obedi:]
"The red colour means protection ...
Die rote Farbe bedeutet Schutz vor wilden Tieren. Deshalb tragen wir Rot. Wenn wilde Tiere uns von Ferne sehen, kriegen sie Angst, weil wir sie früher gejagt haben. Sie halten die rote Farbe für Blut.
... he sees it like blood."
Auch während unseres Gesprächs legt Obedi seine Waffen nicht ab. Er trägt den traditionellen Knüppel, mit dem die Massai ihre Rinder durch die Savanne treiben, und den ebenso traditionellen Speer, mit dem sie sich und ihr Vieh gegen Angreifer verteidigen. Früher durfte ein junger Krieger erst heiraten, wenn er einen Löwen getötet hatte. Aber jetzt ist das zumindest hier innerhalb des Ngorongoro-Schutzgebiets nicht mehr möglich.
[O-Ton Obedi:]
"Nowadays we are under Ngorongoro Conservation Area Authoritiy ...
Heutzutage verbietet uns die Parkverwaltung, Tiere ohne Erlaubnis zu töten. Wenn zum Beispiel ein Tier unsere Herden angreift, müssen unsere Krieger das dem Ngorongoro Headquarter melden. Dann wird der Löwe getötet oder von diesem Park in einen anderen Park gebracht.
... send the lion from this park to another park.
Gegen einen Obolus von umgerechnet etwa fünf Euro dürfen wir fotografieren und uns frei im Dorf bewegen. Irikeepusi, das sind nur ein paar einfachste Hütten aus Holz und Kuhmist. Innen ist es eng und düster. Der Rauch der Feuerstelle verpestet die Luft. In einer solchen Hütte leben oft zehn, zwölf Personen, streng nach Geschlechtern getrennt. "Schöner wohnen" sieht anders aus. Aber diese Lebensweise erregt bei uns Touristen nicht nur Abscheu, sie nötigt auch Respekt ab.
[O-Töne Touristen:]
"Obwohl sie für unsere Verhältnisse extrem primitiv leben, scheinen sie relativ selbstbewusst von ihrer Lebensart zu sein, die für uns ja sehr primitiv ist mit Hütten aus Kuhmist und ihrem Gebräu, was sie trinken aus Milch und Blut."
"Ich bin fasziniert, weil sie praktisch ihre Tradition aufrechterhalten, obwohl schon vor dreißig Jahren gesagt wurde, die Massai haben wenig Zukunft. Aber wie ich sehe, hat sich da wenig geändert, sie leben ihre traditionelle Lebensweise weiterhin wie vor vielen Jahren."
Und doch hat sich vieles bereits geändert. Junge Massai-Frauen dürfen nicht mehr beschnitten werden, junge Krieger verlassen ihre Dörfer und arbeiten als "Askaris" – als Wachmänner – in den Städten. Der Druck von außen wächst. Aber Obedi hofft, dass sein Volk noch lange widerstehen kann.
[O-Ton Obedi:]
"You know nowadays Maasai ...
Heutzutage gehen Massai in die Schule, sie wollen das tun, was andere Leute auch tun. Aber das ist nicht gut, denn wir sind doch so berühmt. Deswegen seid ihr hier. Ihr sollt ruhig kommen und die Traditionen der Massai kennen lernen, denn auf der ganzen Welt gibt es keinen Volksstamm, der seiner Kultur so treu ist wie die Massai.
... follow their culture like Maasai."
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Video:
"Lasset uns singen, tanzen und springen" – beim Begrüßungstanz hüpfen Massai-Männer aus dem Stand bis zu 80 cm hoch
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Was weder den meisten Einheimischen noch den meisten Urlaubern bewusst ist: Das heutige Tansania bildete mal den Kern der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Und zwar von 1885 bis 1918. Mit dem Ende des 1. Weltkriegs endete auch die so genannte Schutzherrschaft der Deutschen. Die Kolonie ging in britische Hände über und blieb britisch, bis das Land 1961 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Nur wenig erinnert heute noch an den alten Kaiser Wilhelm und seine Zeit, die leider geprägt war von Rassismus und Grausamkeiten gegen die eingeborene Bevölkerung. Aber zumindest in der ehemaligen Hauptstadt Bagamoyo sind die Relikte der kolonialen Vergangenheit unübersehbar. Deshalb machen besonders deutsche Touristen gerne einen Abstecher in die kleine Hafenstadt am Indischen Ozean.
Reportage (produziert für Radio hr3, nicht gesendet):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Atmo: jugendliche Straßenmusikanten]
Straßenmuskanten am Fischerhafen von Bagamoyo. Eine Handvoll Jugendliche vertreibt sich so die Zeit, denn sonst ist nicht viel los in der ehemaligen Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika. Ein paar Dhaus dümpeln im seichten Wasser, ein paar Frauen sortieren Meeresfrüchte am Strand. Und das alles im Schatten zweier imposanter Bauwerke, dem einstigen Zollhaus und dem einstigen Gouverneurspalast, der so genannten "Boma", wie unser Reiseleiter erklärt.
(O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:)
"Die Boma war ein Verwaltungssitz der Deutschen, ein befestigter Verwaltungssitz, war aber hier nur kurze Zeit in Funktion, weil Bagamoyo nur kurze Zeit Hauptstadt war. Wichtig ist der Seeweg, und da die größer werdenden Schiffe hier nicht anlanden konnten, musste man den größeren Hafen von Daressalam dem schöneren Bagamoyo vorziehen."
Deshalb hat der Gouverneur niemals in dem Palast residiert. Wenn man überhaupt von Palast reden kann – denn die Boma steht seit Jahren leer und ist seitdem zusehends verfallen. Das Gleiche muss man von dem ehemaligen Zollhaus sagen. Angesichts dieser grauen Ruinen wollen sich nostalgische Gefühle nicht so recht einstellen.
[O-Töne Touristen:]
"Ich nehm' das überhaupt nicht wahr, dass das hier mal 'ne Kolonialmacht war. Das ist einfach 'n verfallenes, kaputtes Gemäuer, das könnte irgendwas sein."
"Das ist verfallen, aber das ist auch in Ordnung, dass es verfallen ist, weil die Deutschen sind hier als Kolonialherren gewesen und nicht als freundliche Menschen."
Überraschend gut gepflegt wirkt dagegen der kleine Friedhof der deutschen Schutztruppe. Eingraviert in deutscher Sprache, kann man auf den Grabsteinen die traurigen Schicksale der Soldaten ablesen:
[Grabinschrift:]
"Hier ruht in Gott der Unterlieutenant zur See Max Schelle von Seiner Majestät Kreuzer 'Schwalbe'. 24 Jahre alt, fiel er am 19. Mai 1889 beim Sturm auf die befestigte Siedlung Bagamoyo, allen voran der erste im feindlichen Lager."
Aber diese kriegerischen Zeiten sind, Gott sei Dank, lange vorbei. Am Hafen strecken uns zwei junge Männer eine Handvoll Münzen entgegen. Es sind alte deutsche Münzen aus der Kaiserzeit – "5 Heller" ist darauf zu lesen und "1916 DOA" für Deutsch-Ostafrika. Offenbar bei vielen Touristen begehrte Sammlerobjekte. Sie haben sie von ihren Großeltern bekommen, erzählen die Männer. Von Ressentiments ist nichts zu spüren. Die Tansanier begegnen uns freundlich, manchmal sogar herzlich. Und das nicht nur in Bagamoyo.
[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Afrikaner sind sowieso fremdenfreundlich, und dass die Deutschen hier mal Kolonialmacht waren, ist eigentlich so gut wie in Vergessenheit geraten. Es gibt nur noch einzelne Schilder oder das Kisuaheli-Wort 'shule' zum Beispiel. Und so sind wir ganz normale Touristen, insofern alles paletti."
Die Deutschen haben eben auch die ersten Schulen im Land gegründet und die ersten Eisenbahnen gebaut. Diese positiven Erinnerungen sind wesentlich präsenter als die negativen. Und so geben die Straßenmusikanten am Hafen sogar eine Extravorstellung, als wir uns als Deutsche zu erkennen geben.
[Atmo Straßenmusikant:]
"We can play nice song for you."
"Where are you from?"
- Germany.
"Wonderful." (lacht)
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DAS ABENTEUER DER WILDNIS
Zelt-Safari mit Livingstone Tours
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er bekanntlich viel erzählen. Wer sich auf eine Zelt-Safari mit Livingstone Tours in Tansania einlässt, der kann ganze Romane erzählen. Ein Erlebnisurlaub, wie er im Buche steht sozusagen. Denn wie sein Namenspatron, der britische Forscher und Entdecker David Livingstone, sucht der schwäbische Spezialveranstalter nach der "Seele Afrikas". Und die Seele ist eben ganz tief drin, da wo das Abenteuer der Wildnis lockt. Da wo man nur noch mit dem Landrover hinkommt, wo Duschen und Toiletten immer seltener werden und seltsame Geräusche nachts den Schlaf rauben.
Reportage (Radio hr3, 03.07.2005, 04.06.2006):
[Musik: Intro "Africa" von Toto]
{zum Anhören klicken: Atmo prasselnder Regen]
Prasselnder Regen auf dem Zeltdach. Das wird doch wohl kein Unwetter werden!
[Musik: "I bless the rains down in Africa ..." aus "Africa" von Toto]
Es regnet nicht oft in Afrika, aber wenn, dann richtig. Zum Glück ist der nächtliche Spuk meistens schnell vorbei. Dann heißt es: 'raus aus dem Schlafsack. Manchmal schon vor Sonnenaufgang. "Carpe diem" ist das Motto – nutze den Tag!
[Geräusch: Zelt-Reißverschluss]
Im ersten Morgengrauen verarbeiten wir die Ereignisse der letzten Nacht. Das Prasseln des Regens war nicht das einzige Geräusch. Egmont hat noch was anderes gehört, Beunruhigenderes:
[O-Ton Tourist:]
"Also, das war 'ne Hyäne. Die ist da zwischen den Zelten durchgelaufen und hat irgendwelche Teile von den Alu-Kisten 'runtergezogen. Das hat furchtbar gescheppert. Und kurz drauf, irgendwo da hinten, hat man das Krachen von Ästen gehört. Ich hab' geglaubt, das war'n Elefanten gewesen."
Schluck! Na gut, ist ja nix passiert... Das gehört eben dazu zum Abenteuer der Wildnis. Und weil wir Tiere nicht nur hören, sondern vor allen Dingen auch sehen wollen, starten wir gleich durch.
[zum Anhören klicken: Atmo Landrover]
Die beiden Landrover von Reiseleiter Albrecht Gorthner sind im Dauereinsatz. Sie bringen uns überall hin. Wenn nicht einer von ihnen gerade mal wieder streikt. Denn die afrikanischen Straßen fordern ihren Tribut:
[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Es fing eigentlich an mit der Kupplung, Kupplungszylinder zunächst vermutet, später mussten wir dann 'ne ganze Kupplung einbauen lassen – logischerweise. Dann hatten wir 'n platten Reifen und die Heckklappe ist uns zweimal weggebrochen. Und jetzt haben wir noch 'n Problem mit der Kühlwassertemperatur."
Aber aufhalten lassen wir uns nicht. Irgendwie kommen wir immer an. Und dann suchen wir uns einen schönen Platz zum Campen. Manchmal mitten im Busch.
[Atmo: Einschlagen der Häringe]
Und wieder muss das Zelt aufgeschlagen werden. Nach der Kür die tägliche Pflicht. Auf Dauer nicht jedermanns Sache:
[O-Töne Touristen:]
"Also, mir gefällt nicht so arg, aber ich mache aus Liebe wegen meinem Mann."
"Hier in dieser Umgebung – ja. Hier ist es doch wirklich wunderschön, wir sind ganz alleine mitten in der Wildnis. Eben haben wir gerade ein paar Giraffen und 'n paar Zebras von unserem Zeltplatz verjagt. So stellt man sich doch Safaris und Abenteuer vor."
Und wenn dann noch ein köstlicher Essensduft herüberweht, geht es fast wie von alleine. Clement, unser einheimischer Koch, hat das Zwiebelmesser schon gewetzt.
[Geräusch: Zwiebeln schneiden]
[zum Anhören klicken: O-Ton Clement]
"Tonight we're having cheese noodles and cabbage salad."
Also, Käsespätzle mit Krautsalat gibt's heute Abend. Echt schwäbische Küche in der afrikanischen Wildnis. Clement selbst rührt sein Essen zwar nicht an, aber sogar die Schwaben unter uns haben an seinen Kochkünsten nichts auszusetzen.
[O-Ton Touristin:]
"Des isch ganz gut, überhaupt unter dene Umstände, wie's gefertigt wird. Also, da kammer sich net beklage."
Es wird früh dunkel so nah am Äquator. Im fahlen Petroleumlicht schlagen wir uns die Mägen voll. Danach vielleicht noch ein Kilimanjaro-Bier aus der Kühlbox. Dann aber zieht es uns schon wieder in den Schlafsack. Mal sehen, welche seltsamen Geräusche die kommende Nacht für uns bereit hält.
{zum Anhören klicken: Atmo Zikaden]
In der Dunkelheit, da offenbart sie sich mehr noch als am helllichten Tag: die Seele Afrikas!
[Musik: "Hurry boy, it's waiting there for you..." aus "Africa" von Toto]
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