Bückeburg Schloss außen

rolf fröhlings reisereportagen

Schaumburg-Lippe (Nds.)

                       


RÖSSER, DINOS, LAUSEBENGEL
- Entdeckungsreise im einstigen Duodez-Fürstentum

Der Heimatdichter Hermann Löns hat es in seiner Satire "Duodez" mit Hohn und Spott überschüttet: Das kleine Fürstentum Schaumburg-Lippe westlich von Hannover war für ihn der Inbegriff deutscher Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs hat es bestanden, Fürst Adolf II. dankte nur widerwillig ab. Danach war Schaumburg-Lippe ein Freistaat im Deutschen Reich und ging nach dem Zweiten Weltkrieg im Bundesland Niedersachsen auf. 1975 sprachen sich die Schaumburg-Lipper in einer Volksabstimmung zwar für die politische Eigenständigkeit aus, doch der Bundesgesetzgeber sagte "nein". Heute gehört das einstige Duodez-Fürstentum größtenteils zum Kreis Schaumburger Land. Aber noch immer gibt es einen Fürsten. Alexander zu Schaumburg-Lippe heißt der derzeitige Herr auf Schloss Bückeburg – und der braucht sich nicht verspotten zu lassen, denn in seinem schönen Ländchen und drumherum gibt es für Besucher viel Interessantes zu entdecken: unter anderem edle Rösser, urzeitliche Dinos und rotzfreche Lausebengel.

Bückeburg Schloss außen
Titelfoto: Fürstliches Schloss in Bückeburg
Schaumburg-Lippe historische Landkarte
Karte mit den historischen Grenzen des Fürstentums Schaumburg-Lippe
Fürst Adolf II. Schaumburg-Lippe Foto
Fürst Adolf II. und gleichzeitig letzte regierende Souverän von Schaumburg-Lippe
Stadthagen Schloss Innenhof Weserrenaissance
Schloss Stadthagen - ehem. Residenz der damaligen Grafen von Schaumburg-Lippe und Musterbeispiel für den Architekturstil der Weserrenaissance
Stadthagen Schloss Schlosspark
Blick vom Park auf das Schloss in Stadthagen
Stadthagen Marktplatz
Marktplatz in Stadthagen, der heutigen Kreisstadt des Landkreises Schaumburg
Stadthagen Fachwerkhäuser
Fachwerk in Stadthagen
Rinteln Weser Hindenburgbrücke
Hindenburgbrücke über die Weser in Rinteln
Rinteln Marktplatz Nordseite
Blick von Südosten über den Marktplatz in Rinteln (das zwar nicht zum Fürstentum Schaumburg-Lippe gehörte, aber zum heutigen Landkreis Schaumburg gehört)
Rinteln Marktplatz Ostseite
Blick von der Klosterstraße auf die Nordostseite des Marktplatzes in Rinteln
Rinteln Marktplatz Nikolaikirche
Südostseite des Marktplatzes von Rinteln mit der Nikolaikirche im Hintergrund
Rinteln Glasbläserbrunnen
Glasbläserbrunnen auf dem Kirchplatz in Rinteln
Rinteln Weserstraße
Weserstraße in Rinteln
Rinteln Sturmiuskirche
Kirche St. Sturmius in Rinteln
Rinteln Schaumburg von fern
Die Schaumburg bei Rinteln - namensgebend für das Schaumburger Land

Reportagen (Radio hr4, 20.07.2013):

ARTISTEN AUF VIER HUFEN

die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg

Bückeburg Hofreitschule Kapriole
Titelfoto: Hofreitschule in Bückeburg

                         

 

 

Die Spanische Hofreitschule in Wien ist weltberühmt. Sie wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet und gehört heute zu den größten Attraktionen der österreichischen Hauptstadt. Nicht ganz so berühmt ist die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg, dabei ist sie nur wenige Jahrzehnte jünger und gehört heute zu den größten Attraktionen von Schaumburg-Lippe. Nachdem die alte Tradition mehrere Jahrzehnte brach lag, hat Fürst Alexander sie 2004 wieder aufleben lassen. Seither wird im Bückeburger Schloss wieder die Hohe Schule der Reitkunst nach barockem Vorbild gepflegt. Die edlen Rösser in den Marställen sind täglich zu bewundern, und bei häufigen Vorführungen im Reithaus können die Artisten auf vier Hufen vor Publikum zeigen, was sie gelernt haben. Da wird hohe Kunst und großer Sport zugleich geboten.

Bückeburg Hofreitschule außen
Hofreitschule in Bückeburg
Bückeburg Hofreitschule Vorführung
Reitvorführung in der Hofreitschule
Bückeburg Hofreitschule Hohe Kunst
Hohe Kunst
Bückeburg Hofreitschule Vorführung Schlussapplaus
Ende der Vorführung
Bückeburg Hofreitschule Diana Krischke Maestoso Amata
Diana Krischke mit ihrem Lieblingspferd "Maestoso Amata" Vol. 1
Bückeburg Hofreitschule Diana Krischke Lieblingspferd
Diana Krischke mit ihrem Lieblingspferd Vol. 2
Bückeburg Hofreitschule Degengefecht zu Pferd
Die Hohe Kunst des Reitens diente vor allem militärischen Zwecken
Bückeburg Hofreitschule Kapriole nah
Kapriole
Bückeburg Hofreitschule Gruppenbild
Das Team von der Hofreitschule vor dem Bückeburger Schloss
Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe Gemälde
Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, der mit seinen Schwarzen Reitern den Ruhm der Hofreitschule begründet hat
Bückeburg Schlossteich Herbst
Schlosspark in Bückeburg
Bückeburg Schlosspark Pavillon
Pavillon im Schlosspark Bückeburg
Bückeburg Schloss Festsaal
Festsaal im Schloss Bückeburg
Bückeburg Schloss Goldener Saal
Goldener Saal im Schloss Bückeburg
Bückeburg Schlosskapelle innen
Schlosskapelle in Bückeburg
Bückeburg Marktplatz
Marktplatz in Bückeburg
Bückeburg Rathaus
Blick auf das Rathaus
Bückeburg Schlosstor
Schlosstor
Bückeburg Stadtkirche außen
Stadtkirche
Bückeburg Stadtkirche Abendlicht
Stadtkirche im Abendlicht
Bückeburg Herminen Palais
Herminen-Palais
Bückeburg Hubschraubermuseum innen
Hubschraubermuseum Vol. 1
Bückeburg Hubschraubermuseum Innenaufnahme
Hubschraubermuseum Vol. 2
Bückeburg Hubschraubermuseum Modell
Hubschraubermuseum Vol. 3
Bückeburg Hubschraubermuseum Militärhubschrauber
Hubschraubermuseum Vol. 4

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013:)

Originalton 2:32

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Höfischer Glanz erfüllt das Bückeburger Reithaus, wenn die eleganten Reiter auf ihren eleganten Hengsten die Hohe Schule präsentieren. Und selbst der Laie erkennt sofort: Das sind keine gewöhnlichen Reitpferde.

[O-Ton Diana Krischke:]
"Diese Pferde sind Balletttänzer, die ganz viel Kraft auf einem Platz ballen können und dann mit explosionsartiger Geschwindigkeit in die Luft gehen und dann wieder sofort entspannen können. Und das ist eine ganz andere Sorte Pferd, eine ganz andere Sorte Muskeln, die da beansprucht werden, als bei einem Warmblüter zum Beispiel."

Bückeburg Hofreitschule Reitvorführung
Vollblutreiter auf Vollbluthengsten*)
Bückeburg Hofreitschule Ballett
"Ballett" in der Hofreitschule*)
Pferdegangart Mezair Bildliche Darstellung
Barocke Gangart Mézair

Diana Krischke und ihre Eltern betreiben gemeinsam die Fürstliche Hofreitschule. Nur die edelsten Pferderassen kommen ihnen unter den Sattel. Mit am besten geeignet für die Hohe Schule sind die Lipizzaner, aber sie fordern ihren Reitern auch einiges ab:

[O-Ton Diana Krischke:]
"Ein Lipizzaner braucht die volle Aufmerksamkeit, muss absolut bei der Sache sein. Also, wenn ich nicht absolut, 100 Prozent, meine Gedanken beim 'Amata' habe zum Beispiel, dann geht nichts, funktioniert nichts. Aber wenn ich dabei bin, dann kann der so was von 100 Prozent geben, also schöner kann kein anderes Pferd laufen."

Ursprünglich diente die Hofreitschule militärischen Zwecken. Im Zeitalter des Barocks ritten die adligen Offiziere noch ihren Truppen voran. Vor allem im Nahkampf mussten sie sich voll und ganz auf ihre Pferde verlassen können.

[O-Ton Diana Krischke:]
"Ganz typisch barock sind die galoppen Gangarten, die man heute nirgends mehr sieht, zum Beispiel das 'Terre-à-Terre' oder das 'Mézair'. Das ist ein Galopp an der Stelle, den man braucht zum Fechten, und da ist unser 'Raisulih' zum Beispiel der Spezialist, der kann sogar eine Sarabande springen. Eine Sarabande ist ein kreuzförmiger Tanz, wo das Pferd vorwärts, rückwärts und seitwärts dieses 'Mézair' springt, also immer im Galopp bleibt, und diese Sachen sind eben speziell im Barock zur Blüte getrieben worden."

Bückeburg Hofreitschule Diana Krische Amata
Diana Krischke mit "Amata"
Bückeburg Museum Schwarzer Reiter
"Schwarzer Reiter"
Bückeburg Hofreitschule Reitvorführung Verbeugung
Verbeugung vor dem Publikum

Die Pferdedressur geradezu meisterhaft beherrscht haben seinerzeit die so genannten Schwarzen Reiter. Sie bildeten die Leibgarde des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe.

[O-Ton Diana Krischke:]
"Die haben ganze Kriege entschieden mit unter 100 Mann, und sie waren alle beritten auf schwarzen oder dunklen Andalusierpferden, was für damalige Verhältnisse unheimlich viel Reichtum bedeutete, und diese Pferde und Reiter, die haben wir eben wiederbelebt für unsere heutige Vorführung, und wir versuchen eben das wieder so ein bisschen zu erforschen, wie man damals geritten ist, warum man das gemacht hat und so weiter."

Die Schwarzen Reiter würden staunen, wie gut Diana Krischke und Kollegen ihre Kunst beherrschen. Das spürt auch das Publikum. Am Ende der Vorführung sind die Kommentare jedenfalls eindeutig:

(O-Töne Publikum:)
"Wunderbar, hervorragend." – "Super, sehr schön." – "Wunderbar, klasse, ich komm’ wieder."

[Atmo: Reitvorführung]

 

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Hinweis:

*) Foto von Nils Stappenbeck

 

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DER ALTE GRAF UND DAS "MEER"

eine Fahrradtour um das Steinhuder Meer

Steinhuder Meer Insel Wilhelmstein von fern
Titelfoto: Steinhuder Meer mit Insel Wilhelmstein

                      

 

 

Der Name "Steinhuder Meer" klingt fasst schon ein bisschen nach Hochstapelei. Mit 32 Quadratkilometer Wasserfläche ist es zwar der größte Binnensee Niedersachsens, verglichen mit einem echten Meer aber eben doch nur eine Pfütze. Früher markierte das Steinhuder Meer die Nordgrenze des Fürstentums Schaumburg-Lippe, und im 18. Jahrhundert erhielt es sogar strategische Bedeutung. Graf Wilhelm (der mit den "Schwarzen Reitern") ließ im Steinhuder Meer eine künstliche Insel anlegen und darauf eine Festung bauen. Die Insel Wilhelmstein ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Beliebt sind auch Fahrradtouren rund um den See. Egal ob herkömmliche Drahtesel oder moderne E-Bikes – Verleihstationen gibt es genug. Und bei einer solchen Tour zeigt sich, dass die "Pfütze" sogar manche Ähnlichkeiten mit einem echten Meer aufweist.

Steinhuder Meer Steinhude Yachthafen
Vorbereitungen für einen Segetörn auf dem Steinhuder Meer
Steinhuder Meer Segeltörn Start
Und los geht's ...
Steinhuder Meer Auenwald Holzsteg
Holzsteg durch den Auenwald am Ostufer zur Vogelbeobachtungsstation
Steinhuder Meer Auenwald Sumpfpflanzen
Vegetation im Feuchtgebiet des Auenwalds
Steinhuder Meer Vogelschutzgebiet
Vogelschutzgebiet am Ostufer des Steinhuder Meeres
Steinhuder Meer Fahrradtour Rast
Kurze Rast am Nordufer des Sees
Steinhuder Meer Nordufer Yachthafen
Bootshafen am Nordufer
Steinhuder Meer Mardorf
Kurzer Zwischenstopp in Mardorf
Steinhuder Meer Vogelbeobachtungsstation
Vogelbeobachtungsstand am Westufer
Steinhuder Meer Hochlandrinder
Begegnung mit schottischen Hochlandrindern
Steinhuder Meer gelbe Schwertlilien
Schwertlilien am Seeufer
Steinhuder Meer Blick auf Insel Wilhelmstein
Bootssteg mit Ausblick auf die Insel Wilhelmstein
Steinhuder Meer Wilhelmstein halbtotal
Insel Wilhelmstein inmitten des Steinhuder Meeres (stark herangezoomt)
Steinhuder Meer Steinhude von fern
Annäherung an Steinhude - Start und Ziel der Fahrradtour ums Steinhuder Meer
Steinhuder Meer Schiff Schaumburg-Lippe innen
Fahrt mit dem Fahrgastschiff "Schaumburg-Lippe" von Steinhude zur Insel Wilhelmstein
Steinhuder Meer Schiff Schaumburg-Lippe außen
Ankunft auf der Insel Wilhelmstein
Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein Museum innen
Im Museum der Festung Wilhelmstein
Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein Museum Kerker
Blick in den Kerker der Festung
Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein Museum Kanonenkugeln
Ein Keller voller Kanonenkugeln
Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein U-Boot
Modell des "Steinhuder Hechts" - nach dem Entwurf für das erste U-Boot der Welt (erdacht von Graf Wilhelm und entworfen von dem schaumburg-lippischen Ingenieur und Offizier Jakob Chrysostomus Praetorius anno 1762)
Steinhuder Meer Insel Wilhelmstein Blick auf Steinhude
Blick von der Insel Wilhelmstein auf Steinhude
Steinhuder Meer Haubentaucher
Haubentaucher
Steinhuder Meer Segelboot
Auf der Rückfahrt von der Insel Wilhelmstein nach Steinhude
Steinhuder Meer Windsurfer
Windsurfer vor Steinhude

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013):

Originalton 2:31

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

In Steinhude empfängt uns eine steife Brise wie am Meer, jede Menge Segelboote und Windsurfer tummeln sich auf dem Wasser. Aber es ist eben doch nur Süßwasser und gerade mal zwei Meter tief. Eigentlich will das Steinhuder Meer auch gar kein richtiges Meer sein. Warum es trotzdem so heißt, hat uns Schaumburg-Lippe-Experte Sigmund Graf Adelmann tags zuvor erklärt:

[O-Ton Sigmund Graf Adelmann:]
"In Norddeutschland heißen im Grunde – zumindest auch auf Plattdeutsch – alle Seen 'Meer', und das Meer ist die 'See'. Die Nordsee zum Beispiel, da findet sich das ja auch wieder. Also, es gibt noch andere Meere in Niedersachsen auch. Das Steinhuder Meer ist einfach ein See, weil der Ausdruck 'Meer' für See verwendet wird."

Der Radweg um den See führt nur selten direkt am Ufer entlang. Stattdessen fahren wir immer wieder durch sumpfige Auenwälder, die Lebensraum für eine Vielzahl von Vögeln sind. Mehrmals halten wir kurz an und machen einen Abstecher zu einer der Beobachtungsstationen:

Steinhuder Meer Windsurfer Vorbereitungen
Viele Segler und Surfer
Steinhuder Meer Fahrradweg
Radweg durch Auenwald
Steinhuder Meer Storch am Himmel
Kein Adler, aber ein Storch

[O-Ton Sigmund Graf Adelmann:]
"Da gibt es Adler, da gibt es Vögel, die dort nur Zwischenstation machen, es gibt den Eisvogel, also viele seltene Arten, die sich dort rund um das Steinhuder Meer aufhalten."

Unsere E-Bikes rollen fast von alleine, wir haben quasi eingebauten Rückenwind. Und in kaum drei Stunden sind wir zurück in Steinhude. Da bleibt genügend Zeit für eine Bootsfahrt hinüber zur künstlichen Insel, die bis heute in fürstlichem Besitz ist.

[O-Ton Sigmund Graf Adelmann:]
"Die Insel Wilhelmstein war eine Idee des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe im 18. Jahrhundert. Sehr zum Leidwesen der Steinhuder, denn sie mussten Hand- und Spanndienste leisten und mussten so lange Material ins Steinhuder Meer kippen, bis eine Insel daraus entstanden war. Und seine Idee war, dort eine Militärschule einzurichten – der berühmteste Schüler war Scharnhorst – und sie als kleine Rückzugsfestungsanlage für sich zu haben und für seine kleine Herrschaft."

Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein außen
Festung Wilhelmstein
Steinhuder Meer Festung Wilhelmstein Kanone
Kanonen gegen hessische Truppen
Steinhuder Meer Steinhude Fischlokal außen
Fischlokal in Steinhude

Einmal wurde die Seefestung sogar attackiert – von hessischen Truppen! Aber sie hielt dem Angriff stand. Die Kanonen von damals sind noch heute zu sehen. Und ein kleines Museum dokumentiert die kuriose Geschichte der Insel Wilhelmstein. Danach aber fordert der leere Magen seinen Tribut. Graf Adelmann hat die Steinhuder Fischlokale empfohlen, allerdings mit einer Einschränkung:

(O-Ton Sigmund Graf Adelmann:)
"Wenn man Zander isst in Steinhude, bekommt man dort wirklich einheimischen Zander, was beim Aal, den es auch im Steinhuder Meer gibt, nicht immer sichergestellt ist."

Na, dann eben Zander. Hauptsache, ein leckeres Fischgericht zum Abendessen. Da fühlt man sich doch gleich wirklich wie am Meer.

 

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Video:
Steife Brise – Windsurfer auf dem Steinhuder Meer geht ab wie "Schmidts Katze"

 

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DIESSEITS DER STILLE

das Geburtshaus Wilhelm Buschs in Wiedensahl

Wiedensahl Wilhelm Busch Museum außen Schild
Titelfoto: Wilhellm-Busch-Museum in Wiedensahl

                        

 

Wiedensahl Wilhelm Busch Foto
Foto von Wilhelm Busch im Museum
Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Max und Moritz Buchdeckel
Mit "Max und Moritz" wurde Busch weltbekannt
Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Weltkarte Übersetzungen Max und Moritz
Export-Hit "Max und Moritz" wurde in fast 300 Sprachen dieser Welt übersetzt
Wiedensahl Wilhelm Busch Denkmal
Wilhelm-Busch-Denkmal in seinem Geburtsort Wiedensahl
Wiedensahl Cafe Busch Keller außen
Café "Busch-Keller" in Wiedensahl
Wiedensahl Backsteinhäuser
Dörfliche Idylle in Wiedensahl Vol. 1
Wiedensahl Dorfteich
Dörfliche Idylle in Wiedensahl Vol. 2
Wiedensahl Kirche Friedhof
Dörfliche Idylle in Wiedensahl Vol. 3

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013):

Originalton 2:38

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

"Ach, was muss man of von bösen
Kindern hören oder lesen,
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen."

Sie haben Wilhelm Busch weltberühmt gemacht. Die "Bubengeschichte in sieben Streichen" wurde in fast 300 (!) Sprachen und Dialekte übersetzt. In Buschs Geburtshaus sind Kostproben zu hören – zum Beispiel auf Persisch:

Wiedensahl Wilhelm Busch Museum max und Moritz Buchtitel
Sie machten W. Busch weltberühmt
Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Frommhage
Museumsleiterin G.-S. Frommhage
Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Blick aus Fenster
Ausblick von Buschs Zimmer

[Sprecher liest aus "Max und Moritz":]
"Dieses war der erste Streich,
Doch der zweite folgt sogleich."

Max und Moritz ebneten Wilhelm Busch den Weg. Danach hat er unzählige weitere Bildergeschichten geschrieben: "Die fromme Helene" etwa, "Fipps, der Affe" oder "Hans Huckebein, der Unglücksrabe". Es waren quasi die ersten Comics der Weltgeschichte. Nicht nur die Art zu zeichnen wurde zum Vorbild, erklärt Museumsleiterin Gudrun-Sophie Frommhage, auch die lautmalerische Sprache:

[O-Ton Gudrun-Sophie Frommhage:]
"Klirrbatsch, da liegt der Blumentopf, und rack, da haben wir den Zahn. Rummbumm. Klackeraplickping."

Manche seiner Zeichnungen kamen aber auch ganz ohne Worte aus. Häufiges Thema: Die Tücke des Objekts. Als Beispiel zeigt die Museumsleiterin auf die Bildergeschichte von dem jungen Mann, der sturzbetrunken nach Hause kommt und dann von einer Katastrophe in die nächste stolpert.

(O-Ton Gudrun-Sophie Frommhage:)
"Was er sich vorne aufgebaut hat, reißt er mit dem Hintern wieder um, so nach dem Motto, fällt er also über sein Kehrblech oder versucht sich hochzuziehen, reißt natürlich den Haken ab, und er fällt mit dem Hintern in die Kerze rein, die Kerze fällt um. Das ist eben dieses typische Papiertheater."

Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Zeichnung
Tod und Verderben
Wiedensahl Wilhelm Busch Selbstporträt
Selbstbildnis von Wilhelm Busch
Wiedensahl Wilhelm Busch Museum Witwe Bolte
Witwe Bolte

[Sprecher liest aus "Max und Moritz":]
"Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe."

Da nämlich fällt der Betrunkene aus dem Bett und bricht sich das Genick. Tod und Verderben – ebenfalls typisch für Wilhelm Busch. Max und Moritz wurden zum Schluss in der Mühle zermahlen. Und anderen seiner Helden erging es nicht besser:

[O-Ton Gudrun-Sophie Frommhage:]
"Die fromme Helene, die hat zu viel Likör getrunken, die fällt um, verbrennt ja nachher. Fipps, der Affe, wird übrigens erschossen. Also, all die Protagonisten, denen geschieht was Übles, weil Wilhelm Busch ja wusste, dass die Leute es angenehm finden, wenn es anderen schlechter geht. Er hatte schon damals das Gespür, dass die Leute Lust hatten an Schadenfreude. Und er hat ja die menschlichen Schwächen auf den Punkt gebracht durch seine Bildergeschichten."

Es ging ihm also nicht um die Moral von der Geschicht'. Statt erziehen wollte Busch karikieren: Selbstgerechtigkeit, Spießbürgertum, Scheinheiligkeit. Auf die Witwe Boltes und Lehrer Lämpels dieser Welt hatte er es abgesehen. Und weil die wohl nie aussterben werden, sind seine Bildergeschichten heute so aktuell wie eh und je.

 

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EIN STEINBRUCH VOLLER DINOS

die Fußstapfen der Urviecher auf dem Bückeberg

Bückeberg Dinosaurier grafische Darstellung
Titelfoto: Ein Platz für Dinos am Bückeberg

                   

 

 

Quasi die letzte Erhebung des Weserberglands, bevor die norddeutsche Tiefebene beginnt, ist der Bückeberg bei Obernkirchen. Seit mehr als tausend Jahren wird dort Sandstein abgebaut. Sogar im Kölner Dom steckt Material vom Bückeberg. Aber erst 2007 wurden im Steinbruch Fußabdrücke von Dinosauriern entdeckt – und zwar so viele, kreuz und quer, dass die Paläontologen sich an das Gescharre auf einem Hühnerhof erinnert fühlten. Ganze Herden von Dinos, ausgewachsene wie Jungtiere, müssen über den Boden des heutigen Schaumburger Lands spaziert sein. Unter Experten gilt der Bückeberg deshalb als eine der bedeutendsten Dino-Fundstätten in ganz Deutschland. Bei einer Führung kann man buchstäblich in die Fußstapfen der Urviecher treten, und es werden Erinnerungen wach an das berühmte Filmspektakel "Jurassic Park".

Bückeberg Steinbruch
Steinbruch auf dem Bückeberg bei Obernkirchen
Bückeberg Iguanodons Fußspuren
Eine Iguanodon-Fußspur neben der anderen
Bückeberg Wiebke Klapp
Dino-Führerin Wiebke Klapp
Bückeberg Fußspur Raubsaurier
Zur besseren Sichtbarkeit umreißt Wiebke Klapp eine Raubsaurier-Spur mit Kreide
Bückeberg Fußspur Iguanodon groß
Wenn sich eine Pfütze im (Iguanodon-)Fußabdruck gebildet hat, ist er auch ohne Kreide zu erkennen
Bückeberg Iguanodon Spielzeug
So etwa sahen sie aus, die Iguanodons
Bückeberg Dinos Grafik
Grafische Darstellung der Dinos vom Bückeberg

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013):

[Musik: Soundtrack aus "Jurassic Park"]

Wir reisen zurück in der Zeit, weit zurück, in die Unterkreide, vor etwa 140 Millionen Jahren. Es herrscht ein feucht-warmes Tropenklima. Den Bückeberg, den gibt's noch nicht. Stattdessen eine flache Lagunenlandschaft mit vielen kleinen Inseln, Sand und Geröll. So beschreibt es Dino-Führerin Wiebke Klapp:

Originalton 0:24

[zum Anhören klicken: O-Ton Wiebke Klapp]

"Da tummeln sich Krokodile, fünf bis acht Meter lang. Es gibt Schildkröten, Muscheln sind im feuchten Sand. Die ersten Libellen schwirren in der Luft, und zwischen diesen Inseln bewegen sich dann die Iguanodon-Herden. Und diese Fährtenzüge, wie die Iguanodons von Insel zu Insel ziehen, die Abdrücke können wir hier auf der Fährtenplatte sehen."

Gewaltige Echsen waren das, die Iguanodons. Pflanzenfresser zwar, aber bis zu fünf Meter hoch, acht Meter lang und fünf Tonnen schwer. Sie hatten einen kurzen Hals und eine Art Entenschnabel. Eine weitere Besonderheit waren ihre Gliedmaßen:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"Es waren Tiere, die sich auf zwei Beinen bewegten, auf den Hinterbeinen. Die Vorderbeine oder die Hände dienten nur zur Abstützung, wenn's unsicher wurde, was man hier sehr schön sehen kann auf der Fährtenplatte. Die Hände selber waren auch fünfgliedrig wie unsere jetzigen auch, allerdings waren die drei mittleren Finger in einer Haut zusammen. Der kleine Finger war sehr beweglich, diente zum Abreißen von Blättern. Und der Daumen war eher wie ein Stachel ausgebildet."

Bückeberg Steinbruch halbtotal
Steinbruch auf dem Bückeberg
Bückeberg Dino Fußspur Größenvergleich
Fußstapfen eines Iguanodons
Bückeberg Allosaurus Spielzeug
Allosaurus und Iguanodon

Schließlich mussten sie sich verteidigen. Gegen Fressfeinde. Denn auch die hat es am Bückeberg gegeben: Raptoren und Allosauren – urzeitliche Bestien, die mächtig Appetit hatten auf Iguanodons. Ihre Fußabdrücke unterscheiden sich deutlich von denen der Vegetarier:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"Die Fährten der Pflanzenfresser sind rund, drei runde Zehen, sehr behäbig, so kann man's ausdrücken. Die Fleischfresser mussten natürlich schnell sein, wendig, es waren schlanke Zehen, und man kann sogar die Krallenabdrücke sehen, es ist eine ganz andere Trittsiegelform."

Dass die Abdrücke so gut erkennbar sind, ist wohl dem damaligen Klima zu verdanken, das auch schon so manche Wetterkapriolen bereithielt:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"In dem Moment, wo die Iguanodon-Herden hier langgelaufen sind, muss seit mindestens einer Woche etwa kein Regen gewesen sein, weil der Boden angetrocknet war. Das kann man sich vorstellen wie im Watt. Wenn das Wasser weggeht, trocknet diese Wattlandschaft ja so ein bisschen an und wird brüchig. Wenn man aber drauftritt, sinkt man ein. Danach kam sehr wahrscheinlich eine große Sturmflut und brachte nicht nur so ein bisschen Regen, sondern ganz viel Sand und Geröll, sodass diese Vertiefungen wie ausbetoniert wurden und so erhalten geblieben sind. Sie sind nicht verwaschen, und das ist ziemlich einmalig, so gute Funde."

[Musik: Soundtrack aus "Jurassic Park"]

 

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