Saar-Hunsrück-Steig

rolf fröhlings reisereportagen

Saar-Hunsrück-Steig (Saarl./RLP)

                        

NICHT NUR DES MÜLLERS LUST
- Deutschlands schönster Fernwanderweg 2009


Das Wandern ist längst nicht mehr nur des Müllers Lust. Wandern liegt voll im Trend, und das Angebot an Wanderwegen – auch so genannten Premium-Wanderwegen – wird immer größer. Zum Glück gibt es das Deutsche Wanderinstitut. Mit seinem Wandersiegel honoriert es geprüfte Qualität und sorgt für ein wenig Orientierung im Wanderwege-Dschungel. Außerdem kürt das Institut alljährlich Deutschlands schönsten Fernwanderweg.
2009 erhielt diese Auszeichnung der Saar-Hunsrück-Steig. Er ist 184 Kilometer lang, führt in zwölf Tagesetappen von der Saarschleife bei Mettlach über die Höhen des westlichen Hunsrücks wahlweise hinunter in die Nahestadt Idar-Oberstein oder in die Moselstadt Trier.

Saar-Hunsrück-Steig
Titelfoto: Wanderer auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Saar-Hunsrück-Steig (Saarland/Rheinland-Pfalz) 1 - 3


NICHT NUR DES MÜLLERS LUST
- Deutschlands schönster Fernwanderweg 2009

Das Wandern ist längst nicht mehr nur des Müllers Lust. Wandern liegt voll im Trend, und das Angebot an Wanderwegen – auch so genannten Premium-Wanderwegen – wird immer größer. Zum Glück gibt es das Deutsche Wanderinstitut. Mit seinem Wandersiegel honoriert es geprüfte Qualität und sorgt für ein wenig Orientierung im Wanderwege-Dschungel. Außerdem kürt das Institut alljährlich Deutschlands schönsten Fernwanderweg.
2009 erhielt diese Auszeichnung der Saar-Hunsrück-Steig. Er ist 184 Kilometer lang, führt in zwölf Tagesetappen von der Saarschleife bei Mettlach über die Höhen des westlichen Hunsrücks wahlweise hinunter in die Nahestadt Idar-Oberstein oder in die Moselstadt Trier. Meist auf schmalen Naturpfaden, selten auf breiten Forstwegen und so gut wie nie über asphaltierte Straßen. Dabei passiert er zahlreiche landschaftliche und kulturelle Attraktionen. Ganz gleich, ob man ihn komplett erwandert oder ob man sich auf einzelne Etappen beschränkt – der Saar-Hunsrück-Steig stillt nicht nur des Müllers Wanderlust.

Saar-Hunsrück-Steig
Titelfoto: Wanderer auf dem Saar-Hunsrück-Steig
Saar-Hunsrück-Steig extra1
Stadtbesichtigung von Trier am Tag nach der Tour - hier die Porta Nigra am Morgen
Saar-Hunsrück-Steig extra2
Hauptmarkt in Trier
Saar-Hunsrück-Steig extra3
Palastgarten mit dem Kurfürstlichen Schloss und der Konstantinbasilika im Hintergrund
Saar-Hunsrück-Steig extra4
Kaisertherme
Saar-Hunsrück-Steig extra5
Geburtshaus von Karl Marx
Saar-Hunsrück-Steig extra6
Blick vom Hauptmarkt zum Dom am Abend
Saar-Hunsrück-Steig extra7
Dom St. Peter
Saar-Hunsrück-Steig extra8
Chorprobe der Domsingknaben
Saar-Hunsrück-Steig extra9
Blick durch die Simeonstraße zur Porta Nigra
Saar-Hunsrück-Steig extra10
Porta Nigra am Abend

Reportagen (Radio hr4, 22.05.2010):

PANORAMA UND PORZELLAN

vor Orscholz nach Britten

Saarland Orscholz Saarschleife Gegenlicht
Titelfoto: Saarschleife bei Orscholz

                         

 

 

Jeder fängt mal klein an, heißt es gemeinhin. Für den Saar-Hunsrück-Steig gilt das nicht. Er fängt gleich ganz groß an – mit dem wohl spektakulärsten Panorama des Saarlands und einem der schönsten Panoramen in Deutschland überhaupt. Tief im Tal unterhalb des Mettlacher Ortsteils Orscholz ändert die Saar ihre Richtung, sie wendet sich um 180 Grad und bildet dabei ein gigantisches U. In schwindelnder Höhe, knapp 200 Meter oberhalb des Wendepunkts der Saarschleife, beginnt er, Deutschlands schönster Fernwanderweg. Hier ist der Start für die erste, gut 18 Kilometer lange, Tagesetappe nach Britten. Ein Einstieg, der Eindruck macht.

Saarland Orscholz Saarschleife Aussichtspunkt
Blick auf die Saarschleife vom Aussichtspunkt Cloef im Morgendunst
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer mit Hund
Wanderer auf dem Saar-Hunsrück-Steig zwischen Orscholz und Mettlach
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer überquert Bach
Improvisierte Bachüberquerung
Saar-Hunsrück-Steig Saarschleife Aussichtspunkt
Ein weiterer Ausblick auf die Saarschleife
Saarland Saarschleife Paddelboot
Kanufahrer auf der Saar
Saarland Mettlach Alter Turm Fliesen
Fliesenkunstwerk mit Blick auf den Alten Turm in Mettlach
Saarland Mettlach Villeroy & Boch außen
Ehem. Benediktinerabtei und heutiger Sitz der Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch in Mettlach
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Tafelgeschirr Alt Luxemburg
Tafelgeschirr "Alt-Luxemburg" im Museum von Villeroy & Boch
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Skulpturen aus Porzellan
Porzellanskulpturen im Museum von Villeroy & Boch
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Badewanne
Badezimmereinrichtung im Museum von Villeroy & Boch
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Cafe
Gefliestes Museumscafé bei Villeroy & Boch
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Cafe Fliesen
Bemalte Fliesen im Museumscafé
Saarland Mettlach Schloss Ziegelberg außen
Schloss Ziegelberg bei Mettlach

Reportage (Radio hr4, 22.05.2010):

Originalton 2:43

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[O-Töne Wanderer:]
"Wunderbar."
"Vorzüglich, also beeindruckend, einmalig."
"Traumhaft schön."

Das Panorama am Aussichtspunkt Cloef löst Begeisterung aus. Nirgendwo sonst kann man die Saarschleife so gut überblicken. Zu unseren Füßen ein blaues Band, das sich tief in den Schiefer des Hunsrücks eingegraben hat. Formvollendet, als wäre es das Werk eines Bildhauers, und mitten in der Natur.

[O-Ton Peter Klein:]
"Wir sehen das jetzt auch heute Morgen, dass es hier sehr ruhig ist, dass diese natürliche Stille die Landschaft prägt, diese Aussicht auch mit beeinflusst, und wir haben hier tatsächlich die glückliche Situation, dass sowohl die Eisenbahn wie auch die Autostraße eben nicht entlang des Flusses durch die Schleife geführt wurden und von daher die Schleife tatsächlich dem Wanderer, dem Radfahrer und dem stillen Betrachter überlassen."

Saar-Hunsrück-Steig Blick auf Saarschleife
Ausblick auf die Saarschleife
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer auf Waldpfad
"Pfadige" Passagen
Saarland Mettlach Villeroy & Boch von der Saarbrücke
Porzellan-Manufaktur Villeroy & Boch

Nur schwer können wir uns von dem Aussichtspunkt trennen, aber Peter Klein, unser ortskundiger Führer, kündigt noch weitere herrliche Panoramen an. Auf dem Weg nach Mettlach öffnen sich immer wieder Lücken im Wald, die Ausblicke auf die Saarschleife gewähren. Nicht nur deshalb gehört die erste Etappe des Saar-Hunsrück-Steigs zu Peter Kleins Lieblingsetappen:

"Als Wanderer mag ich besonders diese pfadigen Passagen, die wie hier jetzt entlang der Saar wirklich den Weg zu einem kontemplativen Erlebnis machen. Wenn man jetzt auch nicht in einer größeren Gruppe, sondern alleine oder mit wenigen Personen wandert, hier tatsächlich ein ruhiges, ein stilles, ein besinnliches Erlebnis auf diesen Pfaden hat, was man so auf vielen anderen Wanderwegen gar nicht mehr erlebt."

Nach rund anderthalb Stunden erreichen wir Mettlach. Die ganze Gemeinde ist geprägt von der traditionsreichen Porzellan-Manufaktur Villeroy & Boch. Das Museum des Unternehmens zeigt weltbekannte Produkte aus mehr als zwei Jahrhunderten – vom edlen Tafelgeschirr bis zur schlichten Badezimmer-Keramik. Aber auch weniger Bekanntes, zum Beispiel kunstvoll bemalte Fliesen.

Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Tischkeramik
Tischkeramik
Saarland Mettlach Villeroy & Boch Museum Bertold Lackas
Fliesen aus Mettlach
Saarland Mettlach Schloss Ziegelberg Bettsäächer Salat
Bettsäächer-Salat

[O-Ton Museumsführer Bertold Lackas:]
"Man hat dann ein Fliesenwerk hier gebaut in Mettlach, 1869, das größte Fliesenwerk der Welt damals. Da haben nur in dieser Fliesenfabrik 3700 Menschen gearbeitet. Diese Fliesen waren in ganz Europa in Kathedralen, ob in Köln oder bis St. Petersburg. Sogar in Russland hießen diese Fliesen Mettlachi. Und dieses Intarsienmosaik, da können Millionen Menschen drüber laufen, das geht nie kaputt."

Das Museumscafé ist komplett mit solchen Fliesen ausgekleidet. Hier nehmen wir eine kleine Erfrischung zu uns. Mittagessen aber gibt es erst auf Schloss Ziegelberg, früher Wohnsitz der Industriellenfamilie Boch, heute ein Restaurant mit echt saarländischen Spezialitäten. "Bettsäächer-Salat" etwa aus frühlingsfrischem Löwenzahn.

Und eine solche Stärkung können wir gut gebrauchen, denn bis zum Etappenziel in Britten sind noch zwölf Kilometer zu laufen.

 

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BADESEE UND BÄRENFELS

von Britten nach Scheiden

Saarland Blick auf Losheimer See mit Hyazinthen und Osterglocken
Titelfoto: Kurze Rast am Losheimer See

                      

 

 

Der Hunsrück ist nicht mit den Alpen zu vergleichen. Allzu große Höhenunterschiede sind deshalb nicht zu überwinden, die Tagesetappen selten länger als zwanzig Kilometer. Und so kommen auch ungeübte Wanderer auf dem Saar-Hunsrück-Steig gut zurecht. Deutschlands schönster Fernwanderweg ist weder anspruchslos noch allzu anspruchsvoll. Das gilt auch für die zweite Etappe im nördlichen Saarland, die 18 Kilometer weit von Britten nach Scheiden führt. Da bleibt genügend Zeit für ausgedehnte Rasten und am Ende vielleicht sogar genügend Kondition, um vom vorgezeichneten Wege abzuschweifen.

Saar-Hunsrück-Steig Wanderer im Wald
Wanderer auf der Etappe von Britten nach Scheiden
Saarland Losheimer See blühender Kirschbaum
Kirschblüte am Losheimer See
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer im Cafe mit Wanderkarte
Einkehrschwung am Losheimer See
Saarland Blick vom Cafe auf Losheimer See
Einkehr mit Seeblick
Saarland Losheimer See Tretboote
Tretboote am Losheimer See
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer auf Ruhebank
Kurze Verschnaufpause unterwegs
Saarland Scheiden Pension Paradies außen
Saftige Wiese mit Kühen an der Pension "Paradies"
Saar-Hunsrück-Steig Panorama bei Scheiden
Traumhafter Blick über den Hunsrück
Saar-Hunsrück-Steig Traumschleife Felsenweg
Felsformation an der "Traumschleife Felsenweg" Vol. 1
Saar-Hunsrück-Steig Felsenweg
Felsformation an der "Traumschleife Felsenweg" Vol. 2
Saarland Scheiden Pension Leineweber außen
Unser Etappenziel Pension Leineweber in Scheiden

Reportage (Radio hr4, 22.05.2010):

Originalton 2:55

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Von der milden Morgensonne beflügelt, machen wir uns zeitig auf den Weg. Der Start der zweiten Etappe im Hunsrückdorf Britten ist nicht ganz so spektakulär wie der am Vortag in Orscholz. Das Flusstal der Saar haben wir weit hinter uns gelassen. Heute, verspricht unser Begleiter Peter Klein, werden wir ganz neue Facetten des Saar-Hunsrück-Steigs erleben.

[O-Ton Peter Klein:]
"Wir haben Waldpassagen, wirklich intensive, dunkle Waldpassagen. Wir haben offene Landschaften, die über Streuobstwiesen in Waldrandbereichen mit weiten Aussichten entlangführen. Wir haben Wegeabschnitte in Bachtälern, über Felsen. Das heißt, der Steig ist tatsächlich in erster Linie von seiner Vielfalt, von seiner Unterschiedlichkeit der Landschaften geprägt, und das unterscheidet ihn auch von vielen anderen Wanderwegen.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 ist die Streckenführung des Steigs immer wieder verändert worden, um sie für den Wanderer noch attraktiver zu machen. Leider hinkt die Beschilderung an einigen Stellen hinterher. Prompt haben wir uns schon nach einer halben Stunde im Wald verirrt, auch andere Wanderer sind gelegentlich verwirrt:

Saarland Bergen von fern
Blick auf das Dorf Bergen
Saar-Hunsrück-Steig Wanderer auf Waldweg
Dunkle Waldpassagen
Saarland Losheimer See Bootsanlegesteg
Losheimer See

[O-Töne Wanderer:]
"Die Kilometeranzeigen stimmen nicht immer. Der letzte Kilometer war wie drei Kilometer, vorher sind wir fünf Kilometer in 'ner halben Stunde, den letzten Kilometer quasi auch in 'ner Stunde, das passte nicht. Ansonsten muss man viel Weitsicht haben, man muss immer fünf Bäume vorwärts gucken, damit man das Schild sieht."
"Also, teilweise sehr eng beschildert und dann teilweise wieder Strecken, wo wirklich welche fehlen."

Mit Hilfe der Wanderkarte finden wir auf den rechten Weg zurück. Und um die Mittagszeit erreichen wir den Losheimer See. Der idyllisch gelegene Stausee bietet Möglichkeiten zum Baden, zum Tretboot fahren oder einfach zum gemütlichen Rasten.

[O-Ton Achim Laub:]
"Der Losheimer See ist als Rast für die Wanderer des Saar-Hunsrück-Steigs ideal geeignet. Er hat nämlich fünf Betriebe, die sich als Qualitätsgastgeber 'Wanderbares Deutschland' zertifiziert haben, also 'ne Karte haben, die auf Wanderer zugeschnitten ist und auch natürlich wanderfreundliche Öffnungszeiten haben. Alle die Betriebe haben ganzjährig jeden Tag ohne Ruhetag geöffnet."

Saar-Hunsrück-Steig Logo an Baum
Beschilderung
Saarland Losheimer See Wanderzentrum Achim Laub
Achim Laub im Wander-Info-Zentrum
Saar-Hunsrück-Steig Traumschleife Felsenweg Bärenfels
Bärenfels

Achim Laub leitet das Wander-Info-Zentrum am See. Er empfiehlt uns einen Abstecher auf den Felsenweg, eine so genannte Traumschleife, die vom Saar-Hunsrück-Steig abzweigt.

[O-Ton Achim Laub:]
"Der Felsenweg hat viele sehr interessante Felsformationen, die wir auch teilweise freigelegt haben, die wir erlebbar gemacht haben, hat aber neben diesen Felsformationen auch einige andere, ganz starke Passagen. Er hat zwei wunderbare Bachtäler, in eng geschnittenen Tälern, wo man über drei Kilometer ständig das Wasser rauschen hört, teilweise direkt am Bach entlang geht. Er hat eine der schönsten Fernsichten des Saar-Hunsrück-Steigs, auf der Scheidener Höhe, wo man übers ganze Saarland bis nach Frankreich und Luxemburg sieht, und er hat ’n sehr hohen Pfadanteil."

Und so kraxeln wir über das Ruinenfeld der Römerburg, über den Adelsfelsen und den Bärenfels, bevor wir müde und abgekämpft das Etappenziel Scheiden erreichen. Aber in der Dorfkneipe spielt am Abend eine Jazz-Kapelle auf. Und ihre Swing-Melodien geben neuen Schwung für die nächste Etappe.

[Swing-Musik]

 

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RIESLING UND RÖMER

von Riveris nach Trier

Waldrach Ruwer Wolfgang Mertes
Titelfoto: Ruwer-Winzer Wolfgang Mertes

                   

 

 

Nach der fünften Etappe*), zwischen Kell am See und Hermeskeil in Rheinland-Pfalz, teilt sich der Saar-Hunsrück-Steig in zwei unterschiedlich lange Äste. Hier muss man sich entscheiden: Der längere Ast führt in nordöstlicher Richtung über den höchsten Berg des Hunsrücks, den Erbeskopf, nach Idar-Oberstein an der Nahe. Der kürzere Ast in nordwestlicher Richtung nach Trier an der Mosel. Wer sich für die zweite Variante entscheidet, lernt Deutschlands schönsten Fernwanderweg auf den letzten 15 Kilometern von Riveris nach Trier noch einmal von einer ganz neuen Seite kennen.

Hunsrück Riveris Talsperre Staumauer
Staumauer der Riveris-Talsperre
Saar-Hunsrück-Steig Wald bei Riveris
Auf der Waldetappe zwischen Riveris und Waldrach
Waldrach Ruwer Wolfgang Mertes im Weinberg
Ruwer-Winzer Wolfgang Mertes in seinem Wingert bei Waldrach
Waldrach Ruwer Wolfgang Mertes Weinkeller
Wolfgang Mertes in seinem Weinkeller
Waldrach Blick von Brücke auf Ruwer
Das Flüsschen Ruwer, das einem ganzen Weinbaugebiet seinen Namen verdankt
Hunsrück Morscheid Schloss Marienlay außen
Schloss Marienlay bei Morscheid
Hunsrück Morscheid blühende Kirschbäume
Durch das frühlingshafte Morscheid
Trier Ampitheater Blick auf Weinberg
Auf dem letzten Kilometer kurz vor dem Trierer Amphitheater
Trier Amphitheater Arena nah
Blick in das Trierer Amphitheater
Trier Amphitheater Hans Josef Rolinger
Gästeführer Hans-Josef Rolinger im Amphitheater
Trier Amphitheater in der Arena
In der Arena

Reportage (Radio hr4, 22.05.2010):

Originalton 2:58

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Eingebettet zwischen bewaldeten Hügeln liegt er da wie ein norwegischer Fjord: Der Riveris-Stausee ist der Anfang vom Ende unserer Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig.

Am Riveris-Bach entlang marschieren wir Richtung Norden, am Dorf Riveris vorbei nach Waldrach an der Ruwer. Bald sehen wir die ersten Weinberge auf der gegenüberliegenden Seite des Tals. In Waldrach angekommen, treffen wir Winzer Wolfgang Mertes. Der hat schon eine kleine Kostprobe vorbereitet:

[Atmo-Ton Wolfgang Mertes:]
"Zum Wohl. Ein leichter Riesling, Kabinett halbtrocken aus dem Jahrgang 2008, hier aus dem Waldracher Sonnenberg."

Riesling ist die bevorzugte Rebsorte, die an der Ruwer angebaut wird. Heutzutage wird er zwar als "Mosel" vermarktet, aber trotzdem, meint Wolfgang Mertes, hat der Ruwerwein einen ganz eigenen Charakter – schon wegen des schieferhaltigen Erdreichs.

Hunsrück Riveris Talsperre
Riveris-Stausee
Waldrach Ruwer Steillagen
Ruwer-Steillagen bei Waldrach
Hunsrück Morscheid von fern
Morscheid im Ruwertal

[O-Ton Wolfgang Mertes:]
"Bei den jungen Weinen sind es eher Aromen wie weiße Früchte, aber auch dieses Schiefrige, klassisch für diesen Boden, diese Mineralität, und dann die typische Leichtigkeit. Selbst in Jahren mit hohen Öchslegraden wird ein Ruwer-Riesling nie breit und dick. Das ist immer ein schöner, leichter Wein, der sehr beschwingt, gerade wie heute, wenn man schönes Wetter hat, auf der Terrasse – eigentlich ein idealer Sommerwein."

Vielleicht ein bisschen zu beschwingt verabschieden wir uns vom Weingut Mertes. Denn vor uns liegt noch eine lange Wegstrecke. Fast wie im Rausch wandern wir Kilometer um Kilometer. Vielleicht liegt es nur am Alkohol, vielleicht aber auch an der berauschenden Landschaft, die immer neue Überraschungen bereithält.

[O-Ton Wanderer:]
"Am Anfang sind es vor allem Waldgebiete, und da ist es dunkel, da muss man an Felsenformationen vorbei, und jetzt hier läuft man durch die Weinberge und hat einen unheimlich weiten Panoramablick auf Trier runter und diese Weinberge. Es ist also auch sehr reizvoll, aber ganz anders."

Das Ziel ist zum Greifen nahe, aber der Weg durch die Trierer Vororte ins Zentrum zieht sich gewaltig. Wir sind ziemlich groggy, als wir das Amphitheater erreichen; eine Führung durch das Weltkulturerbe lassen wir uns trotzdem nicht entgehen. In der Arena aus dem 1. Jahrhundert nach Christus war zur Römerzeit im wahrsten Sinne des Wortes der Bär los – und nicht nur der:

Trier Amphitheater Eingang
Weltkulturerbe Amphitheater
Trier Amphitheater Gladiatorenkämpfe grafische Darstellung
Gladiatorenkämpfe zur Römerzeit
Trier Amphitheater Arena von oben
Gute Akustik bis in oberste Ränge

[O-Ton Hans-Josef Rolinger:]
"Es gab Festumzüge, öffentliche Veranstaltungen, aber auch eben diese Gladiatorenkämpfe oder Tierhatzen. Hier kämpfte man Mann gegen Mann, man kämpfte Menschen gegen Tiere, man ließ Tiere unter sich kämpfen – so 'n Bär mit 'm Esel, war 'n bisschen unfair, man hat ja gewusst, wer gewinnt – es wurden auch Kriegsgefangene hingerichtet, und es wurden Christen hier verfolgt."

Gästeführer Hans-Josef Rolinger demonstriert uns auch die exzellente Akustik. Er stellt sich mitten in die Arena und seine Worte sind bis in die obersten Ränge zu verstehen:

"Ave Caesar, morituri te salutant!"

Für die alljährlichen Antikenfestspiele wird das Trierer Amphitheater noch heute genutzt. Doch für uns ist hier Ende der Vorstellung. Natürlich hat Deutschlands älteste Stadt noch viel mehr zu bieten: die Porta Nigra, die Kaiserthermen, den Dom und und und. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

 

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Hinweis:

*) Um abzukürzen (aus Zeit- und Lustmangel) haben wir die Etappen 3 bis 5 ausgelassen und sind von Scheiden mit dem Taxi nach Riveris gefahren. Öffentliche Verkehrsmittel standen leider nicht zur Verfügung.

 

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