rolf fröhlings reisereportagen
Regensburg (Bayern)
DAS WELTERBE IN DER OBERPFALZ
Tourismus-Strategen würden wahrscheinlich zu einer Änderung des Namens raten, denn Regensburg klingt ja nicht gerade verheißungsvoll, wettertechnisch gesehen. Dabei regnet es in Regensburg keineswegs öfter als anderswo. Seinen Namen hat der Regierungssitz der Oberpfalz vielmehr von dem Fluss Regen, der hier in die Donau mündet. Und dessen Name ist wahrscheinlich vom keltischen Wort reg abgeleitet, was schlicht "Fluss" bedeutet.
Statt besonders viel Regen hat Regensburg besonders viel romanische und gotische Bausubstanz – angeblich die umfangreichste nördlich der Alpen. Sie blieb auch im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Seit 2006 ist die gesamte Altstadt mit mehr als tausend historischen Gebäuden UNESCO-Weltkulturerbe. Dort und unmittelbar drum herum gibt es viel zu entdecken:
Reportagen (Radio hr4, 14.07.2012; rbb-INFOradio, 24.11.2012):
SPATZEN UND ENGEL
geflügelte Wesen im Dom St. Peter
Mehr als hundert Meter ragen seine beiden Türme in den Himmel: Der Regensburger Dom St. Peter ist weithin sichtbar und das Wahrzeichen der Stadt. Schon im frühen Mittelalter gab es an gleicher Stätte einen romanischen Vorgänger. Nachdem er durch ein Feuer zerstört worden war, entstand ab 1273 eine neue Bischofskirche im Stil der französischen Gotik. Spätere barocke Umgestaltungen wurden im 19. Jahrhundert entfernt, sodass sich der Regensburger Dom heute wieder in seiner weitgehend ursprünglichen Form präsentiert und als bedeutendstes gotisches Bauwerk im süddeutschen Raum gilt. Ganz wesentlich zu seiner Bedeutung beigetragen hat neben der Architektur vor allem sein Knabenchor. Die "Regensburger Domspatzen" sind nicht die einzigen "geflügelten Wesen" von St. Peter, aber sie machen einen Besuch des Doms auch zum akustischen Genusserlebnis.
Reportage (Radio hr4, 14.07.2012; rbb-INFOradio, 24.11.2012):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Musik: Domspatzen singen "Hosanna filio David" von Tomás Luis Victoria]
Wie Spatzen klingt das eigentlich nicht. Eher wie Nachtigallen. Oder wie die himmlischen Chöre der Cherubim und Seraphim. Jeden Sonntag beim Hochamt in St. Peter lassen die Domspatzen ihren Gesang erschallen. Seit mehr als tausend Jahren sind sie fester Bestandteil der Liturgie und mittlerweile das wohl bekannteste Aushängeschild von Regensburg. Konzertreisen führen sie rund um den Erdball. Und da wurden sie schon gefeiert wie Popstars. Zum Beispiel in der Hauptstadt von Taiwan, erzählt Chormanager Christof Hartmann:
[O-Ton Christof Hartmann:]
"In dem einen Konzert in Taipeh, in der großen Konzerthalle, da war das so, wie wenn jetzt Michael Jackson auftreten würde. Und hinterher, da wollen die Autogramme. Das ist für unsere Buben etwas ungewohnt gewesen, aber es war eine schöne Erfahrung."
Der weltbekannte Knabenchor ist die größte, doch nicht die einzige Attraktion des Regensburger Doms. Faszinierend sind auch seine kunstvoll gestalteten Farbfenster, die nur gedämpftes Licht hereinlassen und für eine fast schon mystische Atmosphäre sorgen. Die ältesten stammen aus dem 13. Jahrhundert. Meist zeigen sie biblische Motive.
[O-Ton Sabine Kobler:]
"Den 'Blauen Esel von Regensburg' sieht man hier. Sehr hellblau eigentlich. Und dargestellt ist die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Interessant ist da vor allem die perspektivische Darstellung, find' ich, des Raums. Das ist fast schon so ein Fluchtpunkt, von der Perspektive her, so zentralperspektivisch fast schon aufgebaut. Das ist zu der Zeit doch schon recht bemerkenswert."
Neben den bunten Kunstwerken aus Glas weckt Domführerin Sabine Kobler auch Begeisterung für die bildhauerischen Schmuckstücke. Ebenfalls schon rund 700 Jahre alt ist eine Figur des so genannten Erminoldmeisters. Sie stellt den Erzengel Gabriel dar und wird der "Lachende Engel" genannt.
[O-Ton Sabine Kobler:]
"Weil er lacht, weil er so lebensnah dargestellt ist, so fröhlich. Wenn man nahe hingeht, sieht man sogar die Zähnchen: Oder wenn man sich die Füße anschaut, die sind besonders nett, wie die Zehen sich so hochwölben. Diese Lebendigkeit, die da drin steckt."
Der "Lachende Engel" schmückt einen Stützpfeiler in der Mitte des Doms und ist nicht zu übersehen. Ganz anders zahlreiche kleinere Figuren, die fast schon versteckt in die Wände eingelassen sind und dem flüchtigen Betrachter leicht entgehen. Nicht aber Sabine Kobler, der Domführerin. Ihre Lieblingsfiguren sind der "Teufel und seine Großmutter" am Westportal:
[O-Ton Sabine Kobler:]
"Da sehen Sie so ein geflügeltes Wesen mit 'ner Fratze, Schwanz und Krallen – und das soll heißen: Andere Dämonen, verzieht euch, wir sind schon da. Auf der anderen Seite hat man dann die Großmama, also 'ne weibliche Gestalt. Hier oben sieht man so 'ne Flechtfrisur und ein Tuch, das sich hier so rumlegt. Und auch wieder mit Schwanz und Krallen und geflügelt, die Oma."
Die beliebtesten und berühmtesten geflügelten Wesen des Regensburger Doms sind und bleiben jedoch die "Spatzen". Und warum das so ist, demonstrieren sie – begleitet von der größten freihängenden Orgel der Welt – immer wieder sonntags um 10 beim Hochamt in St. Peter.
[Musik: Domspatzen singen "Lasst uns singen dem Herrn" von Fritz Schieri]
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VON PALESTRINA BIS JANIS JOPLIN
- mehr über die Regensburger Domspatzen
Ihr Repertoire reicht von Kirchenmusik des italienischen Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina bis zu Rock-Klassikern wie Janis Joplins "Mercedes Benz". Die Regensburger Domspatzen sind ein Knabenchor voller Überraschungen. Keine verklemmten Chorknaben, die mit dem Gebetbuch unterm Kopfkissen schlafen, sondern ganz "normale" Jugendliche mit Gelfrisuren und I-Phone. Der einzige Unterschied: Sie haben eine besondere Begabung – das Singen.
Während meines Besuchs in Regensburg hatte ich Gelegenheit bei einer Chorprobe dabei zu sein und war von ihrer hohen Professionalität beeindruckt. An einem strahlenden Juninachmittag, wenn es andere Jungs eher ins Schwimmbad oder ins Eiscafé zieht, konzentrierten sie sich 90 Minuten voll auf ihren "Job". Zusammen mit Domkapellmeister Roland Büchner bereiteten sie sich auf den sonntäglichen Gottesdienst vor und verpassten ihrem "Kyrie eleison" den letzten klanglichen Schliff.
Hier eine kleine Kostprobe:
[zum Anhören klicken: Atmo Chorprobe]
Im Anschluss konnte ich mit Chormanager Christof Hartmann ein ausführliches Gespräch führen. Dabei erzählte er, dass der Knabenchor schon 1976 sein 1000-jähriges Jubiläum feierte.
Im 10. Jahrhundert gründete der damalige Bischof Wolfgang (der nach seinem Tod heiliggesprochen und zum Namenspatron des Wolfgangsees im Salzkammergut wurde) in Regensburg eine Domschule mit Chor. Aber erst vor etwa hundert Jahren ist der Name "Domspatzen" entstanden. Von 1964 bis '94 war Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI., Chorleiter. Heute haben die Domspatzen mehr als 400 Mitglieder zwischen 11 und 18 Jahren. Sie alle besuchen das Musikgymnasium in der Regensburger Reichsstraße.
Im Mittelpunkt meines Interviews stand die Frage: Wie wird man eigentlich ein Domspatz?
[zum Anhören klicken: Zusammenschnitt aus meinem Interview mit Christof Hartmann]
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Heute, im 3. Jahrtausend nach Christus, ist Regensburg eine gemütliche Provinzstadt mit rund 150.000 Einwohnern. Fernab der politischen und wirtschaftlichen Metropolen Deutschlands. Doch in früheren Zeiten nahm es eine viel bedeutsamere Stellung ein: Schon zu Beginn des 1. Jahrtausends ließ der römische Kaiser Marc Aurel hier sein Legionslager Castra Regina errichten, als Bollwerk gegen die Germanen nördlich der Donau. Gegen Ende des 1. Jahrtausends machten bajuwarische Herzöge und ostfränkische Karolingerkönige die Stadt zum Zentrum ihrer Reiche. In der Frühzeit des 2. Jahrtausends wurde sie von Staufer-Kaiser Friedrich II. zur Freien Reichsstadt erhoben. Immer wieder fanden hier Reichsversammlungen statt, bei denen wichtige staatspolitische Entscheidungen getroffen wurden. Zeitweise war Regensburg sogar Sitz des "Ständigen Reichstages". Gekrönte Häupter und ausländische Gesandte gaben sich ein Stelldichein. Man kann also sagen, Regensburg war lange Zeit die heimliche Hauptstadt Deutschlands. Und die ehemalige große Bedeutung ist im historischen Stadtkern noch heute an jeder Ecke sichtbar. Bei einem geführten Rundgang durch die Jahrtausende wird sie wieder lebendig.
Reportage (Radio hr4, 14.07.2012; rbb-INFOradio, 24.11.2012):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Die geballte Geschichte von zwei Jahrtausenden – wo soll man da anfangen? Am besten ganz vorne: beim ältesten Bauwerk von Regensburg, der Porta Praetoria. Sie ist neben der Porta Nigra in Trier das einzige erhaltene römische Stadttor auf deutschem Boden. Heute unweit des Doms gelegen, begrenzte sie zu Zeiten Marc Aurels das Lager Castra Regina, erläutert Stadtführerin Michaela Ederer:
[O-Ton Michaela Ederer:]
"Die Porta Praetoria war eben das Nordtor dieses 'Castra Reginas', wo man eben dem Feinde zugewandt auch dieses imposanteste Tor gestaltet hat mit zwei Flankentürmen, zwei Bögen, die sie verbunden haben, und von hier aus eben die germanischen Feinde bewachen konnte."
Dass sie noch so gut erhalten ist, war ein wichtiges Kriterium für die Anerkennung Regensburgs als Weltkulturerbe. Aber bei weitem nicht das einzige. Denn keine andere deutsche Großstadt hat noch so viel gut erhaltene mittelalterliche Bausubstanz aufzuweisen. Da sind die engen Gassen mit ihren windschiefen Giebeln, die sich beinahe berühren. Da sind die Patrizierhäuser mit ihren in den Himmel ragenden Geschlechtertürmen nach italienischem Vorbild. Und da ist vor allem das trutzig wirkende Alte Rathaus aus dem 13. Jahrhundert, in dessen Ratssaal Kaiser, Fürsten und Stände ihre Reichstage abhielten.
[O-Ton Michaela Ederer:]
"Ganz vorne unterm Baldachin mit dem Doppelkopfadler der Thron des Kaisers. Rechts und links daneben auf den roten Bänken dann die Kurfürstensitze. Dann eben auf den langen Bänken – drum auch der Spruch: 'etwas auf die lange Bank schieben', denn wenn die Entscheidungen nicht getroffen wurden, dann wurde das halt vertagt, also auf die lange Bank geschoben, wo die Fürsten ihren Sitz hatten. Und dann eben auf den unteren Bänken die Reichsstände, Reichsstädte, die hier auf den etwas erniedrigten Sitzen gesessen haben."
Nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt ist das älteste Hotel der Stadt, "Zum goldenen Kreuz". Hier stieg schon Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert ab, wenn er in Regensburg weilte. Und andere Herrscher folgten ihm.
[O-Ton Michaela Ederer:]
"Im 'Goldenen Kreuz' gibt's ja heute noch den Kaisersaal, der den Namen heute noch trägt, wo eben auch viele Jahre eine ganz berühmte Köchin, die Marie Schandri, diese Könige bekocht hat – im 19. Jahrhundert allerdings dann erst – und wo König Ludwig zum Beispiel von dieser Frau auch bekocht wurde, und da gibt's heute noch in Regensburg das Marie-Schandri-Kochbuch mit den ursprünglichen Rezepten auch dieser Frau."
Im "Goldenen Kreuz" steigen zwar nur noch Normalsterbliche ab, es wird aber nach wie vor als Hotel genutzt. Und überhaupt ist die Regensburger Altstadt kein Freilichtmuseum, sondern verknüpft die glorreiche Geschichte mit dem modernen Leben. Als Paradebeispiel nennt Michaela Ederer die alte Schnupftabakfabrik. Sie wurde im 19. Jahrhundert in einem mittelalterlichen Patrizierhaus und späteren Wohnsitz der Fürstenfamilie von Thurn und Taxis eingerichtet. Auch diese Fabrik gibt es nicht mehr, aber das Gebäude lebt sozusagen fort.
[O-Ton Michaela Ederer:]
"Ganz modern eben jetzt hier in diesen Innenräumen zwei Cafés, wo die Leute sich schön entspannen können. In den Etagen dann die Privatwohnungen, Firmenräume, also ganz moderne Nutzung dieser alten Häuser. Das ist, glaub' ich, einzigartig."
Noch fast 17.000 Menschen leben im historischen Zentrum von Regensburg. Wenn sie ihr Weltkulturerbe weiterhin schützen und pflegen, wird es vielleicht auch dieses dritte Jahrtausend schadlos überstehen.
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BRATWÜRSCHTL UND KIPFERL
traditionelle Spezialitäten in der "Wurstkuchl"
Regensburg rühmt sich, die Stadt mit der größten Gastronomiedichte in ganz Deutschland zu sein. Tatsächlich reiht sich ein Lokal an das andere, vom bayerischen Biergarten über die italienische Eisdiele bis hin zur orientalischen Shisha-Bar reicht die Palette. Gutes Essen und Trinken hat Tradition in Regensburg. Als ältestes Wirtshaus der Stadt gilt die historische "Wurstkuchl" am Donau-Ufer, gleich neben der malerischen Steinernen Brücke. Schon im Mittelalter haben sich dort Steinmetze und Hafenarbeiter nach einem anstrengenden Arbeitstag gestärkt. Seit rund 250 Jahren wird sie von der Familie Schricker-Meier geführt. Heute ist die "Wurstkuchl" ein Kult-Lokal für Einheimische wie für Touristen. Besonders beliebt sind die echten Regensburger Spezialitäten: Bratwürschtl und Kipferl.
Reportage (Radio hr4, 14.07.2012; rbb-INFOradio, 24.11.2012):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Aus der Küche dringen dichte Rauchschwaden und ein verführerischer Duft – nach frischer Bratwurst vom Holzkohlegrill. Zwei Köchinnen mit weißer Schürze stehen vor dem glühend heißen Rost mit etwa hundert brutzelnden Würstchen. Eine ist pausenlos damit beschäftigt sie zu wenden, bis sie knusprig-braun sind. Die andere befüllt die Teller. Eine dritte Köchin gibt Sauerkraut aus einem großen Topf dazu. Der Laden brummt. Alle wollen sie probieren, die Original Regensburger Würschtl von der "Wurstkuchl".
[O-Ton Andreas Meier:]
"Unsere Bratwürschtl in Regensburg werden gemacht aus dem Hinterschinken, also aus dem Schweineschlegel, und aus dem Rückenspeck vom Schwein, ganz pur, wenig Gewürze, und die werden dann auf dem Holzkohlerost gegrillt, und da bekommen's halt praktisch des Finish, den letzten Geschmack. Also dieses einfache rohe Produkt braucht dieses Rauchige von der Holzkohle, damit wirklich der Originalgeschmack dann zustande kommt."
"Wurstkuchl"-Wirt Andreas Meier will das Rezept natürlich nicht verraten. Nur so viel: Im Gegensatz zu den Nürnberger Bratwürstchen werden die Regensburger ohne Majoran zubereitet. Dafür täglich frisch in der hauseigenen Metzgerei. Gereicht wird dazu süßer Senf, ebenfalls aus eigener Herstellung, und eine weitere Regensburger Spezialität: die "Bratwurscht-Kipferl". Kein Weihnachtsgebäck, sondern herzhafte Semmeln aus Roggen- und Weizenmehl, mit Kümmel gewürzt.
[O-Ton Andreas Meier:]
"Jedes Kipferl wird mit der Hand geformt, jedes sieht anders aus. Und des hat sich mit der Zeit so rauskristalliert, dass des Kipferl mit dem Würschtl zusammenwächst (lacht), und daraus resultiert im Laufe der Zeit halt des Bratwurscht-Kipferl."
Dieses ganze Gericht aber wäre eine trockene Angelegenheit ohne das passende Getränk dazu.
[O-Ton Andreas Meier:]
"Klassisch is' a Bier natürlich, Bier, Weizen – auch a Glaserl Wein, Weißwein passt auch gut zum Sauerkraut. Des ergänzt sich aa ganz nett. Aber, wie gesagt, in der Masse is' es scho' das Bier."
Die Kombination aus Bratwurst, Sauerkraut, Kipferl und Bier haben sich schon Generationen von Gästen in der "Wurstkuchl" schmecken lassen. Darunter auch viele prominente, wie die Fotos an der Wand beweisen. Auf einen Gast ist Andreas Meier besonders stolz:
[O-Ton Andreas Meier:]
"Des war der Hans Moser – da gibt's aa a Schwarzweißaufnahme davon, grad' mit der Familie: mei Urgroßtante ganz links, mei Oma, im Hintergrund dann der Hans Moser, die Tante Elsa und der Onkel Hans, alle vor der 'Wurstkuchl', a schönes Bild. Und wer is' da noch alles? Der Herr Strauß, Ministerpräsident von früher. Der is' öfter unangemeldet gekommen, der wollt' sein' Frieden haben und einfach Würschtl essen. Und vorn der Herr Höcherl, war aa Minister. Ja, des war'n so die Wichtigsten, die an der Wand hängen, dät i mal sagen."
So, jetzt aber genug der Worte, sonst werden die Würschtl auf dem Teller kalt. Nur eines bleibt noch zu sagen, bevor die Verkostung endlich beginnen kann: Mahlzeit!
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KANT UND HEINE
bedeutende "Teutsche" in der Walhalla
Eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten im Umland von Regensburg ist die Walhalla bei Donaustauf – ein monumentales Bauwerk aus weißem Kalkstein, im Stil des Parthenon auf der Akropolis in Athen. Bayernkönig Ludwig I. hat es Mitte des 19. Jahrhunderts errichten lassen, als Ruhmeshalle für bedeutende Persönlichkeiten "teutscher Zunge". Namhafte Bildhauer wie Johann Gottfried Schadow schufen eine stattliche Sammlung von Büsten und Gedenktafeln, die bis heute ständig erweitert wird.
Fast genauso alt wie der Ruhmestempel selbst ist der Schiffsverkehr zwischen Regensburg und der Walhalla. Mehrmals täglich pendeln Ausflugsdampfer über die Donau zu den bedeutenden "Teutschen" wie Kant, Heine und Bismarck. Eine im doppelten Sinne beschauliche Tour, die den Besuch der Welterbestadt erst richtig abrundet.
Reportage (Radio hr4, 14.07.2012; rbb-INFOradio, 24.11.2012):
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[Atmo: Schiffsglocke]
Die Schiffsglocke ertönt, und die "Regensburg" setzt sich gemächlich in Bewegung. Erst seit 2003 ist sie auf der Donau unterwegs. Und dass Europa heute weitgehend ohne Grenzkontrollen auskommt, hat es auch diesem Schiff zu verdanken, erzählt Susanne Völkl, die Gechäftsführerin der Reederei.
[O-Ton Susanne Völkl:]
"Es heißt zwar jetzt 'Regensburg', hat aber ehemals 'Princesse Marie Astrid von Luxemburg' geheißen, und auf diesem Schiff ist am 15. Juni 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet worden von den fünf Unterzeichnerstaaten. Es war damals in Schengen gelegen, in Luxemburg, man hat einen neutralen Ort gewählt, mitten in der Mosel, und da ist es unterzeichnet worden. Also, es ist europäischer Boden auf dem Wasser, wenn Sie so wollen, und da sind wir mächtig stolz drauf, dass wir mit ihr fahren dürfen."
Stolz können auch die Passagiere sein, wenn sie auf der Fahrt ihr ganz persönliches Steuermannspatent erwerben. Und so ein Donaudampfschifffahrtskapitänsstellvertreter werden ist gar nicht mal schwierig, verspricht der Donaudampfschifffahrtskapitän:
[O-Ton Kapitän Christian Gohs:]
"Man muss einfach nur fahren, ich bin ja daneben und erklär' dann, wie man steuern muss und alles – links oder rechts oder geradeaus – und mehr braucht's eigentlich net.
Aber spätestens, wenn die Walhalla in Sichtweite kommt, sollte man das Steuer wieder dem Fachmann überlassen. Wie ein griechischer Tempel thront sie auf einer Anhöhe über der Donau. Von Kaiser Otto dem Großen über Goethe und Einstein bis Sophie Scholl sind hier alle vertreten, die Bedeutendes geleistet haben. Hans Weber, der für die Walhalla zuständige Behördenleiter in Regensburg, hat einen erklärten Favoriten – die Büste des Philosophen Immanuel Kant:
[O-Ton Hans Weber:]
"Es ist eine Büste von Schadow, und ich finde, dieser Ausdruck, diese asketische Prägung dieser Persönlichkeit hier doch sehr eindrucksvoll."
Als bislang Letzter eingezogen ist 2010 der Dichter Heinrich Heine. Ausgerechnet er, der zu Lebzeiten Spottschriften über den Ruhmestempel verfasst und den Zorn des königlichen Erbauers erregt hatte. Dafür vermisst Hans Weber einen anderen großen "Teutschen":
[O-Ton Hans Weber:]
"Ich könnte mir auch noch vorstellen einen Alexander von Humboldt zum Beispiel hier aufgenommen zu wissen, den ich als großartigen Naturwissenschaftler hier doch als geeignet sehen würde, diese prominente Reihe zu ergänzen."
Wer in die Walhalla aufgenommen wird, entscheidet der bayerische Ministerrat. Aber auch der muss feste Regeln beachten:
[O-Ton Hans Weber:]
"Grundvoraussetzung für die Auswahl ist ja zunächst einmal, dass der oder die, die hier aufgenommen werden soll in der Büstenform, dass die zumindestens 20 Jahre tot ist. Das heißt, das ist schon einmal ein Zeitraum, der eine gewisse Bewertung, eine Nachhaltigkeit, eine Würdigung dann auch zulässt. Da werden vielleicht manche dann auch ausscheiden, weil die dann doch etwas schneller in Vergessenheit geraten sind, als man in der Tagesaktualität ableiten möchte zunächst."
Ob auch die Büsten einer Angela Merkel, eines Franz Beckenbauer oder gar eines Dieter Bohlen eines Tages hier aufgestellt werden, ist also sehr fraglich. Die allermeisten vermeintlichen Größen werden wohl nur als Besucher in die Walhalla kommen und genau wie wir mit dem Schiff zurückfahren nach Regensburg.
[Atmo: Schiffsglocke]
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