Nordirland Nordküste Frühling

rolf fröhlings reisereportagen

Nordirland

                   

NORDIRISCHER FRÜHLING
- ein ehemaliges Krisengebiet blüht auf

Jahrzehntelang herrschten in Nordirland bürgerkriegsähnliche Zustände. Bombenterror und Straßenschlachten bestimmten damals die Schlagzeilen weltweit. Die Hintergründe aber waren vielschichtig und können deshalb an dieser Stelle nur verkürzt wiedergegeben werden: Im Wesentlichen kämpfte die katholische Minderheit für die Gleichberechtigung bzw. den Anschluss an die Republik Irland, die protestantische Mehrheit für den Machterhalt und den Verbleib im Vereinigten Königreich von Großbritannien.
1998, also vor 15 Jahren (Stand: 2013), schlossen die verfeindeten Parteien endlich einen Friedensvertrag, der bis heute weitgehend eingehalten wird. Während (Süd-)Irland schon lange ein beliebtes Urlaubsziel ist, war Nordirland vor dem Friedensschluss eine No Go Area. Auch in den ersten Jahren danach überwog bei vielen die Skepsis. Erst jetzt blüht das einstige Krisengebiet touristisch auf. Landschaftlich und kulturell steht der Norden dem Süden kaum nach. Und wem gelegentliche Regenschauer nichts ausmachen, wird den nordirischen Frühling – im jahreszeitlichen wie im politischen Sinne – aus vollem Herzen genießen.

Nordirland Nordküste Frühling
Titelfoto: Frühling an der Nordküste Nordirlands
Nordirland Armagh Innenstadt
Stadtzentrum von Armagh
Nordirland Lough Neagh
Lough Neagh - (Nord-)Irlands größter Binnensee
Nordirland Downhill House
Ruine von Downhill House bei Castlerock
Nordirland Schaf
Schaf auf dem Gelände des Mussenden-Tempels
Nordirland Dunluce Castle
Dunluce Castle bei Portballintrae
Nordirland Dunluce Castle Ausblick
Blick vom Dunluce Castle auf die schroffe Küstenlandschaft
Nordirland Portballintrae Seeblick Frühling
Portballintrae
Nordirland Bushmills Brennerei innen
In der Bushmills Whiskey-Brennerei
Nordirland Carrick-a-Rede Rope Bridge
Küste an der Carrick-a-Rede Rope Bridge
Nordirland auf der Carrick-a-Rede Rope Bridge
Auf der Carrick-a-Rede Rope Bridge
Nordirland Ballymoney Denkmal Joey Dunlop
Denkmal für den Motorradrennfahrer Joey Dunlop in seiner Geburtsstadt Ballymoney
Belfast Albert Memorial Clock Tower
Blick auf den Albert Memorial Clock Tower - eines der Wahrzeichen von Belfast
Belfast Rathaus
Rathaus von Belfast
Belfast St. Anne's Cathedral
Anglikanische St. Anne's Cathedral in Belfast
Belfast Kathedrale Stricknadel
"Stricknadel" auf dem Dach der anglikanischen Kathedrale von Belfast
Belfast Universität
Queen's University in Belfast
Belfast Big Fish
Die Skulptur "The Big Fish" am Donegall Quay in Belfast
Belfast Duke of York innen
Im Belfaster Pub "The Duke of York"
Nordirland Ulster Folk and Transport Museum Eisenbahnen
Historische Eisenbahnen im Ulster Folk and Transport Museum bei Belfast
Nordirland Ulster Folk and Transport Museum DeLorean
DeLorean im Ulster Folk and Transport Museum - einziges in Nordirland gebautes Auto und bekannt aus dem Film "Zurück in die Zukunft"
Nordirland Ulster Folk and Transport Museum Gyrocopter
Tragschrauber "McCandless M4 Gyrocopter" im Ulster Folk and Transport Museum
Nordirland Portavogie Hafen
Fischkutter im Hafen von Portavogie
Nordirland Fähre Portaferry Strangford
Auf der Fähre von Portaferry nach Strangford
Nordirland Ardglass Hafen
Hafen von Ardglass
Nordirland Slieve Donard
Blick auf den Slieve Donard (mit 849 m der höchste Berg Nordirlands) in den Mourne Mountains

Reportagen (Radio hr4, 15.06.2013; rbb-INFOradio, 29.06.2013):

DER MYTHOS DES OZEANRIESEN

Besuch im "Titanic"-Museum von Belfast

Belfast Titanic Museum außen total
Titelfoto: Blick auf das Museum "Titanic Belfast"

                   

 

Ausgerechnet seine mittlerweile größte Attraktion bringen nur die wenigsten mit Nordirland in Verbindung: die "Titanic", den legendären Ozeanriesen, der im April 1912 auf der Jungfernfahrt von Southampton nach New York mit Mann und Maus versank. Es ist die berühmteste Schiffskatastrophe aller Zeiten. Kaum bekannt ist allerdings, dass die "Titanic" in der nordirischen Hauptstadt Belfast gebaut wurde – bei Harland & Wolff, der damals größten Schiffswerft der Welt. Jahrzehntelang hat man sich dort geschämt für die Katastrophe, aber inzwischen ist erwiesen, dass nicht Konstruktionsfehler schuld waren, sondern viele Faktoren zusammenkamen. Und so wurde genau 100 Jahre nach dem Unglück, im April 2012, das Museum "Titanic Belfast" auf dem ehemaligen Werftgelände eröffnet. Das fast 100 Millionen Pfund teure Bauwerk gilt schon jetzt als Ikone der Architektur. Es hat die Form von vier Schiffsbugs, die sternförmig aufgefächert sind – eine Reminiszenz an die "Titanic"-Reederei "White Star Line". Binnen eines Jahres zählte das neue Museum schon mehr als 800.000 Besucher. Die vielfach verfilmte Geschichte des Ozeanriesen ist eben zum Mythos geworden und bewegt heute noch Alt und Jung.

Belfast Titanic Museum nah
Museum "Titanic Belfast"
Belfast Titanic Museum innen first step
Im Museum "Titanic Belfast"
Belfast Titanic Museum innen Foto Docks
Historisches Foto der "Titanic"-Werft in Belfast
Belfast Titanic Museum Foto Werftarbeiter
Werftarbeiter
Belfast Titanic Museum Zeichnung Schiffsschrauben
Konstruktionszeichnung der Schiffsschrauben
Belfast Titanic Museum Foto Rumpf
Der fertige Rumpf der "Titanic" verlässt das Dock
Belfast Titanic Museum Foto fertiges Schiff
Historisches Foto der "Titanic"
Belfast Titanic Museum 3. Klasse Waschbecken
Sanitäre Anlagen in der Dritten Klasse
Belfast Titanic Museum Rettungsboot
Rettungsboot der "Titanic"
Belfast Titanic Museum Jacob Astor
"Titanic"-Opfer John Jacob Astor
Belfast Titanic Museum White Star Line Plakat
Werbeplakat der "White Star Line"
Belfast Titanic Museum Filmplakate
Werbeplakate für verschiedene "Titanic"-Verfilmungen
Belfast Titanic Walking Tour
"Titanic Walking Tour"
Belfast Titanic Trockendock
Ehem. Trockendock, wo der Innenausbau der "Titanic" stattfand
Belfast Harland & Wolff Verladekräne
Heutiges Gelände des Schiffsbau-Unternehmens Harland & Wolff

Reportage (Radio hr4, 15.06.2013:)

[Musik: Titelmelodie aus dem Film "Titanic" von 1997]

Wer erinnert sich nicht an das herzzerreißende Filmepos mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio? Ein überdimensionales Poster der beiden hängt gleich neben dem Eingang zur Ausstellung. Dabei will das Museum nicht die Hollywood-Version erzählen, sondern die wahre Geschichte der "Titanic". Und die beginnt bei Harland & Wolff in Belfast.

(O-Ton Eimear Lewis:)
"We're now at the top …
Wir stehen jetzt ganz oben auf dem Gerüst, in dem die "Titanic" einst gebaut wurde, erklärt Museumsfrau Eimear Lewis. Es ist nur eine Nachbildung und gerade mal ein Drittel so groß, aber es gibt trotzdem eine Vorstellung, in welcher Höhe die Leute arbeiten mussten. Gesundheit und Sicherheit wurden damals nicht sehr ernst genommen. Es gab eine Reihe von Unfällen, aber wenn man überlegt, wie viele Menschen in den vier Jahren hier gearbeitet haben, gab es relativ wenig Todesfälle.
… people that lost their lives."

Die "Titanic" sollte der größte und modernste Passagierdampfer der Welt werden, ein Fünf-Sterne-Hotel auf dem Wasser. Das Belfaster Museum zeigt, wie die Menschen an Bord untergebracht waren.

Belfast Titanic Museum Eimear Lewis
Museumsführerin Eimear Lewis
Belfast Titanic Museum Nieten
3 Millionen Nieten
Belfast Titanic Museum Thomas Andrews
Opfer Thomas Andrews

[O-Ton Eimear Lewis:]
"We have a luxury stateroom …
Wir haben eine Luxuskabine im Stil einer Suite in der ersten Klasse. Alle Möbel sind exakte Nachbildungen. Sie können sehen, wie die Passagiere sich gefühlt haben müssen. Wir haben auch Kabinen aus der zweiten und dritten Klasse. Und obwohl die dritte Klasse sehr einfach ausgestattet war, setzte sie neue Maßstäbe für die damalige Zeit. Sie hatte fließendes Wasser, Elektrizität – alles Dinge, die die Leute zu Hause nicht hatten.
… their own home in those days."

Leider konnten sie die Annehmlichkeiten nur wenige Tage genießen. Dann wurden die Kabinen für viele Passagiere zum Sarg. "Titanic Belfast" erinnert auch an die Opfer des Unglücks und gibt ihnen einen Namen.

[O-Ton Eimear Lewis:]
"One that's very closely linked to Belfast …
Einer, der sehr eng mit Belfast verbunden war, war Thomas Andrews, der Chefkonstrukteur des Schiffes. Jahrelang hatte er mit seinem Team bei Harland & Wolff an dem Projekt gearbeitet. Sie können sich vorstellen, was es für ihn bedeutete, als ihm klar wurde, was passieren würde. Er ging mit dem Schiff unter, aber ihm und seinen Leuten ist es zu verdanken, dass der Untergang hinausgezögert werden konnte. Damit retteten sie viele Menschenleben, weil sie das Schiff so genau kannten.
… knowing the 'Titanic'-story."

Belfast Titanic Museum 1. Klasse Suite
Nachbau einer First-Class-Suite
Belfast Titanic Museum Robert Ballard
"Titanic"-Entdecker Robert Ballard
Belfast Titanic Museum Wrack am Meeresgrund
Bug der "Titanic" am Meeresgrund

Es dauerte 73 Jahre, bis der Amerikaner Robert Ballard das Wrack am Grund des Nordatlantiks aufspürte. Im Museum können die Besucher mit dem Meeresarchäologen auf virtuelle Entdeckungsreise gehen.

Originalton 0:17

[zum Anhören klicken: O-Ton Eimear Lewis]

"Here we have the glass floor ...
Hier haben wir den Glasboden. Tausende Fotos von Dr. Ballard wurden zusammengefügt, und Sie können sehen, wie das Schiff heute aussieht, so wie ein Taucher, der über die 'Titanic' hinwegschwimmt. Das gibt Ihnen einen unglaublichen Einblick in die 'Titanic' heute.
... an insight in the 'Titanic' now."

Viel ist allerdings nicht übrig geblieben vom einstigen Stolz der christlichen Seefahrt. Und doch wird der Mythos weiterleben. Hollywood sei Dank!

[Musik: Titelmelodie aus dem Film "Titanic" von 1997]

 

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Hinweis:

Wer nach einem Besuch des Museums Blut geleckt hat und noch mehr über die Herkunft der "Titanic" wissen will, der kann sich auch einer "Titanic Walking Tour" anschließen. Sie startet vor dem Eingang des Museums und führt in rund anderthalb Stunden über das ehemalige Werftgelände von Harland & Wolff, das teils umzäunt und für die Öffentlichkeit ansonsten nicht zugänglich ist. 
Höhepunkt der Tour ist das einstmals größte Trockendock der Welt, in dem hauptsächlich der Innenausbau der "Titanic" vorgenommen wurde. Dort lässt sich am besten erahnen, wie riesig der Ozeanriese gewesen sein muss.
Das Erlebnis "Titanic" in Belfast wird erst komplett durch eine Kombination von Museumsbesuch und "Walking Tour". Deshalb unbedingt zu empfehlen!

 

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ECHTE FUNDE, WAHRE SCHICKSALE
- die "Titanic"-Ausstellung in Speyer (Rheinland-Pfalz)

Ca. 2.200 Menschen waren an Bord der "Titanic", als sie unterging. 2.200 Schicksale. Einige überlebten, viele fanden den Tod. Mehr noch als das Belfaster Museum versucht die Wanderausstellung "Titanic – Echte Funde, wahre Schicksale" den abstrakten Zahlen konkrete Gesichter zu geben. Nachdem sie schon in den europäischen Metropolen Paris, Amsterdam und Brüssel zu sehen war, wird die Ausstellung vom 21. Dezember 2014 bis 28. Juni 2015 erstmals in Deutschland gezeigt und zwar im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.
Dort richtet sich der Blick auch ganz bewusst auf die deutschen bzw. deutschstämmigen Passagiere an Bord wie den bayerischen Pfarrer Benedikt Peruschitz, der Gottesdienste an Bord abhielt, oder den hessischen Bäcker August Meyer, der in die USA auswandern wollte. Auch unter der Besatzung waren Deutsche wie der Steward Alfred Theissinger, der Dolmetscher Louis Müller oder die Küchenhilfe Karlo Tietz. Hinter all diesen Namen stecken Geschichten, die in der Ausstellung mehr oder weniger ausführlich erzählt werden.

Allen voran die Geschichte des Ehepaars Isidor und Ida Straus. Sie waren Passagiere der ersten Klasse und bewohnten auf der "Titanic" die Nachbarkabine des Hotel-Magnaten John Jacob Astor. Der Geschäftsmann Isidor Straus war im pfälzischen Otterberg bei Kaiserslautern geboren, mit den Eltern nach Amerika ausgewandert und mit der Kaufhauskette Macy's steinreich geworden. Auch die Familie seiner Frau stammte aus Deutschland. Ida wurde in Worms am Rhein geboren. Nach einem Heimatbesuch buchte das Ehepaar Straus die Rückreise auf der "Titanic". Als das Schiff sank und Ida Straus nach dem Motto "Frauen und Kinder zuerst" ein Rettungsboot besteigen sollte, weigerte sie sich ihren Mann allein zurückzulassen. "Wir haben viele Jahre zusammen gelebt. Wo du hingehst, da gehe auch ich hin", soll sie gesagt haben. Und so überlebte nur ihr Dienstmädchen Ellen Bird, dem die Nachwelt die rührende Geschichte verdankt. Isidor und Ida Straus dagegen fanden gemeinsam den Tod.

Ein glücklicheres Ende hatte die Seereise für Millvina Dean. Die Engländerin war erst wenige Wochen alt, als sie sich mit ihren Eltern und ihrem zweijährigen Bruder Bertram auf der "Titanic" einschiffte. Ihr Vater wollte in die USA emigrieren und in Kansas einen Tabakladen eröffnen. Die Deans gehörten zu den ersten Passagieren der dritten Klasse, die den sinkenden Ozeanriesen verließen. Die beiden Kinder wurden zusammen mit der Mutter in ein Rettungsboot gesetzt und überlebten. Das zu Hilfe geeilte Schiff "Carpathia" nahm sie auf und brachte sie nach New York. Der Vater kam wie die meisten Männer bei dem Unglück ums Leben. Millvina Deans Schicksal wird vor allem deshalb in der Ausstellung geschildert, weil sie nicht nur der jüngste Passagier, sondern am Ende ihrer Tage auch die älteste und letzte Überlebende der "Titanic" war. Sie starb erst 2009 im Alter von 97 Jahren. Ihr Bruder war bereits 1992 gestorben – am 14. April, also auf den Tag genau 80 Jahre nach dem Untergang der "Titanic".

Kapitän Edward J. Smith: Für den erfahrenen Seemann der "White Star Line" sollte die Jungfernfahrt der "Titanic" die letzte große Fahrt vor dem wohlverdienten Ruhestand sein. Er ging mit seinem Schiff unter.

Der Heizer Augustus Stanbrook ging mit der "Titanic" unter.

Der junge Kohlentrimmer George Kearl ging mit der "Titanic" unter.

Die Schauspielerin Dorothy Gibson war ein amerikanischer Stummfilmstar. Sie überlebte das Unglück und spielte in der ersten "Titanic"-Verfilmung von 1912 sich selbst.

 

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DIE "TITANIC"
- 10 Gründe für den Mythos

Der Untergang der "Titanic" war nicht die erste Schiffskatastophe in der Geschichte der Seefahrt und auch nicht die letzte. Mit rund 1.500 Toten war es nicht einmal die schlimmste. Beim Untergang der "Wilhelm Gustloff" in der Ostsee kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs kamen mehr als 9.000 (!) Menschen ums Leben.
Trotzdem ist keine Schiffskatastrophe nur annähernd so legendär geworden wie die der "Titanic". Woran mag das wohl liegen? Warum kamen innerhalb eines Jahres nach der Eröffnung des Museums "Titanic Belfast" schon fast doppelt so viele Besucher wie erwartet?
Ich habe 10 Gründe gefunden, die zur Erklärung des Mythos' beitragen könnten (vielleicht gibt es noch mehr?):

01) Die "Titanic" war das seinerzeit größte und modernste Passagierschiff der Welt.

02) Die "Titanic" galt als unsinkbar.

03) Die "Titanic" sank auf der Jungfernfahrt.

04) Das Unglück passierte vermeintlich auf der Jagd nach dem "Blauen Band" für die schnellste Atlantik-Überquerung (ist aber wohl nur eine Legende). Immer wieder wurde diskutiert, ob die Katastrophe hätte gemildert oder gar vermieden werden können, wenn die "Titanic" langsamer unterwegs gewesen wäre.

05) Die "Titanic" rammte einen Eisberg, von dem ja bekanntlich nur ein Siebtel aus dem Wasser ragt. Damit wurde eine Urangst vieler Schiffsreisenden vor den unsichtbaren Gefahren des Ozeans bestätigt.

06) Die "Titanic" hatte zu wenige Rettungsboote.

07) Die "Titanic" hatte viele der seinerzeit Reichen und Berühmten an Bord.

08) Die "Titanic" war von England nach Amerika unterwegs. Das brachte ihr mehr Aufmerksamkeit ein, als wenn sie in irgendeinem anderen Teil der Welt gesunken wäre.

09) Es dauerte mehr als 70 Jahre, bis das Wrack der "Titanic" gefunden wurde.

10) Kein anderes Schiffsunglück wurde so oft verfilmt (mind. 11 mal). Allerdings stellt sich hier gleich die nächste Frage von Ursache und Wirkung: Ist der Untergang der "Titanic" so legendär, weil er so oft verfilmt wurde, oder wurde er so oft verfilmt, weil er so legendär ist?

 

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DIE ZEUGNISSE DES KONFLIKTS

Taxi-Tour auf den Spuren der "troubles"

Belfast Wandgemälde Helden und Märtyrer
Titelfoto: Wandgemälde mit "Helden" und "Märtyrern"

                          

 

Verglichen mit den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, geht es in Belfast heute ruhig und friedlich zu. Auf den ersten Blick ist die nordirische Hauptstadt eine Stadt wie jede andere in Europa. Aber dann fallen immer wieder teils martialische Malereien an Mauern und Häuserwänden ins Auge. Sie stammen aus der Zeit der so genannten "Troubles" und waren Ausdruck stummen Protests. Die Bilder zeigen Szenen aus dem Bürgerkrieg, Konterfeis der jeweiligen "Helden" und "Märtyrer" – oder auch eindeutige Friedensappelle. Viele Wandgemälde sind weit mehr als Graffiti, sie sind fast schon als Kunst zu bezeichnen. Um diese Zeugnisse des Konflikts zu sehen, bietet sich eine "Black Cab Tour" an. Mit einem der typisch britischen buckligen Taxis geht es auch in die abseits des Stadtzentrums gelegenen Wohnviertel, wo Protestanten und Katholiken noch heute meist streng getrennt voneinander leben. Und die Taxis selbst spielten schon während der "Troubles" eine wichtige Rolle.

West Belfast
Straße im ehemals umkämpftem West Belfast
Belfast Peace Wall nah
"Peace Wall" zwischen verfeindeten Wohngebieten in West Belfast
Belfast Peace Wall Detail
Detail der Friedensmauer
Belfast Wandgemälde nah
Politisches Wandgemälde Vol. 1
Belfast Wandgemälde Tommy Sands Moya Fionan
Politisches Wandgemälde Vol. 2
Belfast Wandgemälde palästinensische Gefangene
Politische Wandgemälde Vol. 3
Belfast Wandgemälde Marian Price
Politische Wandgemälde Vol. 4
Belfast Wandgemälde Black Taxi Tour
Politische Wandgemälde Vol. 5

Reportage (Radio hr4, 15.06.2013; rbb-INFOradio, 29.06.2013):

Originalton 2:53

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Taxifahrer Billy Scott ist ein stämmiger Ire, den anscheinend nichts aus der Ruhe bringen kann. Gelassen steuert er sein Taxi durch den Feierabendverkehr in Richtung West Belfast, einst eine Hochburg des Terrors. Dort waren solche "Black Cabs" zeitweise das einzige öffentliche Verkehrsmittel.

[O-Ton Billy Scott:]
"At the start of the troubles here …
Zu Beginn der Unruhen Ende der 60er Jahre haben sie die Omnibusse in Brand gesteckt und als Barrikaden benutzt. Deshalb wurde ein neues Transportsystem ins Leben gerufen, der Taxi-Bus-Service. Diese Taxen durften auf der Busspur fahren. Das System wurde von der republikanischen Partei, der Sinn Féin, mitgetragen. Die Fahrer mussten einen Teil ihrer Einnahmen an die Partei abführen. Dieses Taxi hier, das ich fahre, ist ein normales Taxi. Wir bedienen beide Seiten, Katholiken und Protestanten – und seit dem Ende der 'Troubles' auch zunehmend Touristen, die mehr erfahren wollen über die Mechanismen des Konflikts, über seinen Ursprung und vor allem über die Lösung.
… as the resolution of conflict."

Die Spuren des Konflikts an den Häuserwänden jedenfalls sind nicht zu übersehen. Wir fahren am Bildnis von Bobby Sands vorbei, einem katholischen IRA-Kämpfer, der im Gefängnis in den Hungerstreik trat und an den Folgen starb. Wir sehen auch Wilhelm III. von Oranien, einen protestantischen englischen König, der Ende des 17. Jahrhunderts seinen katholischen Widersacher Jakob II. aus Irland verjagte. Wandgemälde mit viel Konfliktstoff also. Es geht aber auch anders:

Belfast Black Cab Tour Billy Scott
Taxifahrer Billy Scott
Belfast Wandgemälde Bobby Sands
Katholische Wandmalerei
Belfast protestantisches Wandgemälde
Protestantische Wandmalerei

[O-Ton Billy Scott:]
"This painting here was done …
Dieses Bild hier wurde von Protestanten und Katholiken gemeinsam gemalt. In der Mitte sehen wir den Schriftsteller Frederick Douglass, dann Barack Obama, die Filmheldin Rosie the Riveter, Martin Luther King, Nelson Mandela, Bob Marley ist ebenfalls dabei.
… Bob Marley is well there as he is."

Leider wurde der Konflikt nicht nur mit Farbe und Pinsel ausgetragen, sondern auch mit Waffengewalt. Um Heckenschützen zu stoppen, wurde zwischen zwei verfeindeten Wohnvierteln eine acht Meter hohe Mauer errichtet, zynisch "Peace Wall" – Friedensmauer – genannt. Sie steht noch immer da, als hässlicher Schandfleck. Aber heute macht man es anders, meint Billy Scott:

Belfast Black Cab von hinten
Wandgemälde mit B. Obama und F. Douglass
Belfast Black Cab Peace Wall
"Peace Wall" in West Belfast
Belfast Arthur Square
"Spirit Of Belfast" auf dem Arthur Square

[O-Ton Billy Scott:]
"Instead of building walls …
Statt Mauern bauen wir Einkaufszentren und Gewerbegebiete als Pufferzonen. Die Beschäftigten müssen je zur Hälfte Protestanten und Katholiken sein. Das nennt man 'positive Diskriminierung'. So sorgt man dafür, dass die Leute zusammen arbeiten, zusammen einkaufen und Kontakte knüpfen. Erst wenn die mentalen Barrieren gefallen sind, können wir die physischen Barrieren einreißen.
… then pulling down the physical barriers."

Er ist auch ein kleiner Philosoph, unser Taxifahrer, und ein großer Optimist: Vor allem für die jungen Leute spiele die Religion eine immer geringere Rolle. Und so hofft er, dass sich mit der Zeit in Nordirland vieles zum Besseren wendet.

 

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DER DAMMBAU DES RIESEN

Besuch der Basaltsäulen von Giant's Causeway

Nordirland Giant's Causeway Basaltsäulen Besucher
Titelfoto: Sechseckige Basaltsäulen am Giant's Causeway

                     

 

Viele alte Mythen und Sagen ranken sich um ihn: den Giant's Causeway an der rauen Nordküste von Nordirland. Dieser "Damm des Riesen" ist das meistbesuchte Naturwunder des Landes und gehört zum Unesco-Welterbe. Tausende von sechseckigen Basaltsäulen stehen wie Orgelpfeifen meterhoch in der Brandung. Seit Jahrhunderten kommen Menschen von weither und rätseln, wie diese seltsamen Felsformationen entstanden sind. Wollte wirklich ein Riese einen Damm hinüber nach Schottland bauen? Oder gibt es eine natürliche geologische Erklärung?
Um alle Fragen zu beantworten, wurde im Juli 2012 ein neues Besucherzentrum am Giant's Causeway eröffnet. Und doch wandert man am besten selbst zu den Basaltsäulen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Nordirland Küste am Giant's Causeway
Küstenlandschaft am Giant's Causeway
Nordirland Giant's Causeway von fern
Viele Besucher am Giant's Causeway
Nordirland Giant's Causeway nah
Spaziergang über die Basaltsäulen
Nordirland Giant's Causeway Basaltsäulen Brandung
Brandung an den Basaltsäulen
Nordirland Giant's Causeway Basaltsäulen im Hinterland
Basaltsäulen auch abseits des Ufers
Nordirland Giant's Causeway Basaltsäulen Größenvergleich
Größenvergleich
Nordirland gelbe Primeln nah
Primeln am Wegesrand
Nordirland Giant's Causeway Ginster
Blick über Ginsterbüsche die Steilküste am Giant's Causeway
Nordirland Giant's Causeway Steilküste von oben
Steilküste am Giant's Causeway
Nordirland Giant's Causeway Kamel von oben
"Kamel" des Riesen Finn McCool

Reportage (Radio hr4, 15.06.2013; rbb-INFOradio, 29.06.2013):

Originalton 3:02

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

"Hallo, herzlich willkommen am Causeway ..."

Man kann mit dem Audioguide am Ohr zu den Basaltsäulen wandern – oder mit einem Guide aus Fleisch und Blut. So einem wie Gavin Lapworth. Der spricht zwar nicht deutsch, dafür scheint er mit typisch britischem Humor gesegnet. Als wir wissen wollen, wie dieser Damm aus sechseckigen Säulen entstanden ist, behauptet er doch tatsächlich, den hat der Riese Finn McCool gebaut. Er wollte nach Schottland hinüber und seinem Rivalen Benandonner eine Lektion erteilen. Dabei sah Finn McCool, dass der schottische Riese noch riesiger war als er selbst, und kehrte schleunigst um.

[O-Ton Gavin Lapworth:]
"When he got to his house …
Als er nach Hause kam, sagte er seiner Frau Oona: 'Schnell, schnell, ich muss mich verstecken.' Sie schlug vor, er solle sich als Baby verkleiden und ins Bett legen. Dann tauchte  Benandonner auf und Oona sagte: 'Finn ist auf die Jagd gegangen. Du kannst ja so lange warten.' Nach einer Weile fragte sie ihn, ob er das Baby sehen wolle. Sie gingen zusammen ins Schlafzimmer, und als Benandonner dieses 17 Meter große Baby sah, dachte er: Oh, mein Gott! Wie groß muss dann erst der Vater sein? Da drehte er sich um, rannte zurück nach Schottland und zerstörte hinter sich den Damm.
… the causeway up as he went."

Nordirland Giant's Causeway Besucher Audioguide
Besucher mit Audioguide
Nordirland Giant's Causeway Gavin Lapworth
Causeway-Guide Gavin Lapworth
Nordirland Giant's Causeway Stiefel
"Stiefel des Riesen"

Eine coole Geschichte also, das mit Finn McCool. Aber ist sie auch wahr? Klar, meint unser Guide, in Schottland könne man das andere Ende des Dammes sehen. Und er präsentiert noch einen handfesten – oder besser: fußfesten – Beweis:

[O-Ton Gavin Lapworth:]
"Well, where we're standing now …
Wo wir gerade stehen, sieht man eine Felsformation, das heißt manche Leute glauben, es sei eine Felsformation, aber wir wissen, dass es Finn McCools Stiefel ist. Das ist ganz deutlich zu sehen. Wir haben ihn vermessen, und er hat die Schuhgröße 93 ½. Daraus kann man schließen, dass der Besitzer 17 Meter groß gewesen sein muss.
… you need to be 54 feet tall."

Und er zeigt uns eine weitere vermeintliche Felsformation: das Kamel, mit dem Finn McCool einst sein schweres Baumaterial transportierte. Das alles ist in der Tat sehr überzeugend. Und trotzdem gibt es offenbar phantasielose Menschen – so genannte Wissenschaftler – die Gavin Lapworth' Version von der Entstehung des Damms als bloße Legende abtun.

Nordirland Giant's Causeway Kamel nah
"Finn McCools Kamel"
Nordirland Giant's Causeway Basaltsäulen vertikal
Säulen aus erkalteter Lava
Nordirland Giant's Causeway sechseckige Säulen von oben
Sechseckige Säulen

[O-Ton Gavin Lapworth:]
"The scientific explanation is …
Die wissenschaftliche Erklärung ist, dass der Causeway ein Flusstal war, das sich mit Lava und Magma füllte, vor ungefähr 16 Millionen Jahren. Weil sie nur sehr langsam abkühlte, brach sie auf, wie Schlamm aufbricht, wenn er trocknet. So wurden die sehr charakteristischen Säulen geformt, von denen wir mehr als 40.000 haben, die Sie hier sehen.
… that you see around this now."

Das wiederum klingt doch eigentlich nicht unvernünftig. Aber unser Guide schüttelt nur mitleidig den Kopf. Er bevorzugt die Mythen und Sagen. Alles andere ist für ihn nur geologischer Unsinn:

[O-Ton Gavin Lapworth:]
"Well, I, of course, prefer the myths and legends and none of that scientific and geological nonsense for us."

Und das sagt immerhin der Fachmann. Wer könnte da noch widersprechen?

 

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DIE STADT MIT SCHRÄGSTRICH

Mauer-Rundgang in Derry/Londonderry

Nordirland Londonderry Peace Bridge Guildhall Abendlicht
Titelfoto: Blick von der Peace Bridge auf die Guildhall

                         

 

Nach Belfast die zweitgrößte Stadt Nordirlands heißt – tja, da fängt das Problem schon an: Die Katholiken nennen sie "Derry", die Protestanten "Londonderry". Politisch korrekt wird sie "Derry/Londonderry" genannt. Der Schrägstrich (englisch: stroke) brachte ihr deshalb den Spitznamen "Stroke City" ein. Auch hier tobte während des Bürgerkriegs der Terror, doch davon hat sich die Stadt weitgehend erholt. Sie wurde sogar zur "Britischen Kulturhauptstadt 2013" gekürt.
Größte Attraktion von Derry/Londonderry ist die einzige komplett erhaltene Stadtmauer in ganz Irland. Bei einem geführten Rundgang auf der begehbaren Mauer kann man alle wichtigen Punkte der Stadt sehen. Und dabei erfährt man auch, woher der unselige Namensstreit kommt.

Nordirland Londonderry Guildhall nah
Die Guildhall mit dem Glockenturm in Derry/Londonderry
Nordirland Londonderry Mauerspaziergang
Spaziergang auf der historischen Stadtmauer Vol. 1
Nordirland Londonderry auf der Stadtmauer
Spaziergang auf der Stadtmauer Vol. 2
Nordirland Londonderry Stadtmauer Kanone
Kanone auf der Stadtmauer
Nordirland Londonderry Blick auf Bogside
Blick von der Stadtmauer auf das katholische Viertel Bogside
Nordirland Londonderry Bogside Entering Free Derry
Im ehemals umkämpften katholischen Stadtteil Bogside
Nordirland Londonderry Bogside Wandgemälde Cicil Rights
Wandgemälde aus der Zeit der "Troubles" in der Bogside Vol. 1
Nordirland Londonderry Bogside Wandgemälde Che Guevara
Wandgemälde in der Bogside Vol. 2
Nordirland Londonderry Bogside Wandgemälde Bloody Sunday nah
Wandgemälde in der Bogside Vol. 3
Nordirland Londonderry protestantisches Wandgemälde
Wandgemälde in der protestantischen Altstadt
Nordirland Londonderry Kathedrale außen
Protestantische St. Columb's Cathedral
Nordirland Londonderry St. Augustine außen
Anglikanische St. Augustine's Church
Nordirland Londonderry Foyle Peace Bridge
Peace Bridge über den Fluss Foyle
Nordirland Londonderry First Presbyterian Church außen
First Derry Presbyterian Church von Reverend David Latimer
Nordirland Londonderry First Presbyterian Church innen
In der First Derry Presbyterian Church
Nordirland Londonderry Foyle Books außen
Typisch britisch-irischer Eingang in knalligen Farben
Nordirland Londonderry Grand Central Bar außen
Grand Central Bar im Stadtzentrum
Nordirland Londonderry Molly's Cafe außen
Café in der Fußgängerzone
Nordirland Londonderry Kriegerdenkmal
Kriegerdenkmal im Stadtzentrum
Nordirland Londonderry Irish Pub innen
Irischer Pub

Reportage (Radio hr4, 15.06.2013; rbb-INFOradio, 29.06.2013):

Originalton 3:13

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Der Glockenschlag des Uhrturms am Rathaus klingt wie der berühmte "Big Ben" in London. Und das ist kein Zufall, denn die "Guildhall", wie das stolze Rathaus genannt wird, wurde von Londoner Kaufmannsgilden gestiftet. Der Glockenschlag soll die lange Verbundenheit mit der britischen Hauptstadt symbolisieren. Ihre Wurzeln reichen weit zurück, erzählt Stadtführer Thomas Carlin:

[O-Ton Thomas Carlin:]
"The ancient City of Daire …
Das alte Daire (gespr: Darrath) – in  irisch – oder Derry – in englisch – war eine klösterliche Siedlung. Anfang des 17. Jahrhunderts hat der englische König Jakob I. Irland erobert. Er beschloss die Insel zu kolonisieren, indem er Protestanten aus England und Schottland hier ansiedelte. Um die Stadt gegen die Iren zu verteidigen, ließ er eine Mauer bauen. Und er überredete die Kaufleute von London die Stadtmauer zu finanzieren. Das Projekt wurde 1613 begonnen, und zur selben Zeit fügten sie "London" dem Namen der Stadt hinzu. Daher haben wir die unterschiedlichen Bezeichnungen Derry und Londonderry.
… Derry and the Londonderry from."

Es dauerte kaum 100 Jahre, erfahren wir auf unserem Rundgang, da wurde die Stadtmauer schon einer harten Bewährungsprobe unterzogen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts versuchte der katholische König Jakob II. die Stadt einzunehmen. Dass ihm dies nicht gelang, hat die Stadt ihren Lehrbuben zu verdanken, den so genannten "Apprentice Boys". Sie werden noch heute am Jahrestag für ihr entschlossenes Handeln damals gefeiert.

Nordirland Londonderry Stadtmauer Kanone Guildhall
Blick von der Mauer auf die "Guildhall"
Nordirland Londonderry Stadtmauer Fußgänger
Stadtmauer
Nordirland Londonderry Stadttor
Ehem. Stadttor

[O-Ton Thomas Carlin:]
"These young boys that were apprentices …
Diese jungen Lehrbuben, die meist aus London kamen, beobachteten, wie das englische Heer sich näherte. Als die Bürger sich nicht entscheiden konnten, was sie tun sollten, schlossen die Lehrlinge die Tore. Danach begann eine achtmonatige Belagerung.
… which lasted about eight months."

Die Bürger leisteten aber tapfer Widerstand und wurden schließlich vom protestantischen Gegenkönig Wilhelm III. befreit. Die historischen Kanonen auf den Mauerzinnen erinnern noch heute an die Belagerung. Und nach wie vor leben innerhalb der Stadtmauer überwiegend Protestanten, außerhalb Katholiken. Bei unserem Rundgang schauen wir runter auf das katholische Viertel Bogside. Auch dort erinnern viele Wandgemälde an die "Troubles" der 70er Jahre. Unser Stadtführer hat die schlimme Zeit selbst miterlebt:

Nordirland Londonderry Thomas Carlin
Stadtführer Thomas Carlin
Nordirland Londonderry Bogside Wandgemälde Civil Rights von fern
Wandgemälde in der Bogside
Nordirland Londonderry Peace Bridge von oben
Peace Bridge

[O-Ton Thomas Carlin:]
"All the gates and the walls …
Alle Tore und Mauern waren von Soldaten besetzt. Sämtliche Taschen wurden nach Bomben durchsucht. Es herrschte eine unglaubliche Anspannung in der Stadt, vor allem die Angst, dass wieder eine Bombe explodieren könnte. Es gab zwar nur wenige Tote innerhalb der Mauer, trotzdem hat das Zentrum sehr gelitten. 1975 waren fast drei Viertel der Gebäude beschädigt. Das war also keine sehr angenehme Zeit, um in der Stadt zu leben.
… pleasant time to live in the city."

Aber auch Thomas Carlin ist zuversichtlich, dass der Frieden hält. Symbol dafür ist die 2011 eingeweihte "Peace Bridge" über den Fluss Foyle. Die Fußgängerbrücke verbindet den überwiegend katholischen Westen mit dem protestantischen Osten der Stadt. Und ihre gebogene Form soll widerspiegeln, wie sich zwei Menschen friedlich die Hand reichen.

 

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DER ÖKUMENE EINE CHANCE
- Interview mit Reverend David Latimer

Sind all die Friedensoptimisten nur Friedensphantasten? Nicht, wenn es mehr solcher Menschen gibt wie Reverend David Latimer. Der protestantische Pfarrer der "First Derry Presbyterian Church" ist ein unermüdlicher Prediger und Propagandist für den Frieden in Nordirland. Als charismatischer Redner und charismatische Persönlichkeit setzt er sich seit 25 Jahren für den Ausgleich zwischen den Konfessionen ein. Zwar war aller Anfang schwer, und er musste mitansehen, wie seine Kirche und sein Auto mit Steinen beworfen wurden. Inzwischen aber ist Latimer auch in katholischen Kreisen anerkannt und geachtet. Der Sinn-Féin-dominierte Stadtrat hat sogar einen Millionenbetrag zur Sanierung seiner Kirche bewilligt. Und den ehemaligen IRA-Chef Martin McGuinness zählt Latimer heute zu seinen Freunden.

Bei meinem Besuch in Derry/Londonderry (Mai 2013) hatte ich Gelegenheit mit dem Reverend ein Interview zu führen. Er nutzte es für einen flammenden Friedensappell im Stile eines Martin Luther King. Hier ein Ausschnitt (in leicht verständlichem Englisch):

Originalton 10:11

[zum Anhören klicken: Interview mit David Latimer, englisch]

 

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DER HEILIGE MIT KULTSTATUS

Besuch im Saint Patrick Centre von Downpatrick

Nordirland Downpatrick Kathedrale außen
Titelfoto: Kathedrale von Downpatrick

                            

 

Überall auf der Welt, wo Iren in größerer Zahl ansässig sind, wird am 17. März der St. Patrick's Day gefeiert: mit Gottesdiensten, Wallfahrten, teilweise sogar mit bunten Paraden und Feuerwerken. Der 17. März des Jahres 461 gilt als Todestag von St. Patrick, dem Schutzpatron und Nationalheiligen der Iren. Er ist eine Art männliche Madonna, denn der Kult, der um ihn getrieben wird, erinnert stark an die Marienverehrung in Südeuropa. Und nicht nur die Katholiken verehren ihn, sondern (in fast schon ökumenischer Eintracht) auch die protestantischen Anglikaner der Church of Ireland*). Vor allem im Norden der Insel, wo Patrick im 5. Jahrhundert lange Zeit gelebt und gewirkt hat, gibt es viele historische Stätten zu besichtigen.
Wer die irische Seele verstehen will, kommt um ihre geistige Vaterfigur nicht herum. Die beste Adresse dafür ist das Saint Patrick Centre in Downpatrick, dem Sterbeort des Schutzpatrons, eine knappe Autostunde südlich von Belfast. In dem modernen, multivisionalen Museum erfährt man alles Wissenswerte über Irlands Heiligen mit Kultstatus.

Nordirland Downpatrick Innenstadt
Stadtzentrum von Downpatrick
Nordirland Downpatrick St. Patrick Church
Blick von der anglikanischen Kathedrale auf die katholische Kirche St. Patrick
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre außen
Saint Patrick Centre
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre innen überlieferte Schrift
Überlieferte Schrift von St. Patrick im St. Patrick Centre Vol. 1
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre innen Escape
Überlieferte Schrift von St. Patrick Vol. 2
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre innen Bekenntnis
Überlieferte Schrift von St. Patrick Vol. 3

Reportage (Radio hr4, 15.06.2013; rbb-INFOradio, 29.06.2013):

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

Originalton 0:40

[zum Anhören klicken: O-Ton Tim Campbell vom St. Patrick Centre]

"St. Patrick was a young man from Roman Britain …
St. Patrick war ein junger Mann aus dem römischen Britannien, der von Iren gekidnappt wurde, berichtet Tim Campbell, der Direktor des St. Patrick Centres. Wir wissen, dass er um das Jahr 410 nach Christus lebte. Damals gingen die Römer zurück nach Rom, um Angriffe der Barbaren abzuwehren, und Menschen wie Patrick und seine Familie waren Raubzügen der Iren schutzlos ausgeliefert. Er wurde entführt, als er 16 war, wurde nach Irland verschleppt und musste als Sklave das Vieh hüten. Er fand Trost im Glauben, konnte fliehen, kam später zurück nach Irland und verbreitete das Christentum.
… came back to Ireland and who brought christianity here."

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre innen Raub
Raub des jungen Patrick
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre innen Vermächtnis
Schriftliches Vermächtnis
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre Mission
Verbreitung des Christentums

[O-Ton Tim Campbell:]
"We know so much about Patrick …
Wir wissen so viel über Patrick, weil er uns sein Vermächtnis schriftlich hinterlassen hat. Wenn wir Irland als Land der Heiligen und Gelehrten betrachten, ist er der erste Heilige, aber er ist auch der erste Gelehrte. Geschichte ist das, was niedergeschrieben wird, und das geschriebene Wort beginnt in Irland mit Patrick. Diese Schriften sind mehr als 1.500 Jahre alt, und in seinen Bekenntnissen berichtet er, wie er als junger Mann nach Irland entführt wurde und was er hier erlebt hat.
… and he tells us about his experiences here."

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

[O-Ton Tim Campbell:]
"Patrick has become important for Ireland …
Patrick wurde für Irland so bedeutend, vor allem weil er das Christentum auf die Insel brachte. Im finsteren Mittelalter kam mit ihm die Erleuchtung nach Irland. Von hier aus verbreitete sich der Glaube über den Kontinent. Viele unserer Mönche aus dem Norden Irlands zogen an den Rhein und weiter in die Schweiz bis nach Norditalien. So gab Patrick auch den Impuls für eine christliche Bewegung, um das Christentum zurück in das mittelalterliche Europa zu bringen.
… back to dark age Europe."

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

Nordirland Armagh Kathedrale außen
Kathedrale von Armagh
Nordirland Downpatrick Grabmal St. Patrick
Grab von St. Patrick
Nordirland Downpatrick Saint Patrick Centre Tim Campbell
Tim Campbell

[O-Ton Tim Campbell:]
"There is a trail in the Northern part of Ireland …
Es gibt einen Wanderweg in Nordirland, den St. Patrick’s Trail. Er ist 150 Kilometer lang und führt von Armagh, dem gesamt-irischen geistigen Zentrum von Katholiken und Anglikanern, über Newry, durch die Berge von Mourne nach Downpatrick und hinauf nach Bangor, das auch "Tal der Engel" genannt wird, weil von dort aus so viele Missionare nach Europa ausgesandt wurden.
… because it brought so many missionaries into Europe."

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

(O-Ton Tim Campbell:)
"Downpatrick is at the heart of the whole thing …
Downpatrick ist der Mittelpunkt der Route, denn im Umkreis von zwei Kilometern um das St. Patrick Centre haben wir das Grab von St. Patrick, wir haben die mittelalterliche Kathedrale St. Patrick. Wir haben in einem Dorf namens Saul die erste Kirche Irlands, die seit fast 1.600 Jahren als Gebetsstätte genutzt wird. Wir haben die ersten heilsamen Quellen in Irland, wir haben die höchste Statue von St. Patrick – alles im Umkreis von zwei Kilometern von Downpatrick.
… all within two kilometres of Downpatrick."

[Musik: "Steps" – traditionelle irische Klänge von der Band Kila]

 

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Hinweis:

*) Die Protestanten in Nordirland sind keine homogene religiöse Gruppe wie die Katholiken. Sie gehören verschiedenen Kirchen an. Nach einem Zensus von 2001 (Quelle: Wikipedia) ergibt sich folgende Aufteilung der Religionen:

- Katholiken                   40,3 %
- Presbyterianer             20,7 %
- Anglikaner                   15,3 %
- Methodisten                  3,5 %
- andere prot. Kirchen      6,1 %
- sonstige / keine           13,2 %

 

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