rolf fröhlings reisereportagen
Neapel
SEHEN UND STERBEN?
"Vedi Napoli e poi muori" – ein altes italienisches Wortspiel, das zweierlei bedeuten kann. Entweder: "Sieh Neapel und dann stirb." Oder: "Sieh Neapel und dann Muori." Gemeint ist ein kleiner Ort namens Muori in der Nähe von Neapel. Deutsche Romantiker aber haben sich nur die erste Interpretation zueigen gemacht, um die unvergleichlich schöne Lage der süditalienischen Stadt zu preisen: Wer Neapel gesehen hat, kann sich getrost zum Sterben hinlegen, weil ihm im Leben nichts Besseres mehr widerfahren kann. Aber ist es nicht viel mehr so, dass ein Besuch von Neapel unweigerlich zum Tode führt, weil die Stadt ein Hort des Verbrechens ist? Dies also eine weitere Version. Beide sind natürlich stark übertrieben, aber es liegt auch ein Fünkchen Wahrheit darin.
Reportage (Radio hr3, 30.01.2000; hr4, 25.02.2006; hr-iNFO, 04.03.2006):
Neapel war schon ein Traumreise-Ziel vieler Mitteleuropäer, als es das Wort "Tourismus" noch gar nicht gab. "Napoli" – allein der Name klang verheißungsvoll: nach Sonne und blauem Meer, nach südländischer Lebensfreude. Auch Goethe konnte sich der Faszination nicht entziehen: "Neapel in seiner Herrlichkeit, die meilenlange Reihe von Häusern am flachen Ufer des Golfs hin, die Vorgebirge, Erdzungen, Felswände, dann die Inseln und dahinter das Meer war ein entzückender Anblick", schrieb der Dichterfürst im März 1787. Seither hat sich sicher viel verändert, aber die Herrlichkeit, die Goethe beschreibt, scheint unvergänglich zu sein.
Reportage (Radio hr3, 30.01.2000; hr4, 25.02.2006; hr-iNFO, 04.03.2006):
[Musik: "Mia bella Napoli" von Peter Kraus]
Nicht erst seit Peter Kraus gehört Neapel zu den meistbesungenen Städten. Kein Wunder. Auch mir genügt ein Blick von der Höhe des Castel Sant'Elmo, und ich bin dieser Stadt verfallen. "Million dollar view" würden die Amerikaner zu diesem Panorama sagen: Rechts das Meer mit den dunklen Silhouetten von Capri und Ischia, im Hintergrund der geheimnisvolle Vulkankegel des Vesuv und direkt unter mir die roten Dächer der Altstadt.
[Atmo: Straßenlärm, Vespa-Roller]
Dort unten allerdings, in den schmalen Gassen, regiert die Anarchie. Motorroller, Autos, Fußgänger und Straßenhändler auf engstem Raum. Ein ständiges Miteinander, Nebeneinander, Gegeneinander. Doch für uns Mitteleuropäer unvorstellbar – es geht fast immer gut. Unfälle sind die Ausnahme. Das gilt auch für die Spaccanapoli, die Hauptschlagader Neapels. Kaum breiter als die übrigen Gassen, aber ungleich berühmter.
[O-Ton Salvatore Calzanella:]
"La Spaccanapoli e famosa perché ...
Die Spaccanapoli ist so berühmt, weil hier im Laufe der Jahrhunderte ständig neue Bauten entstanden, doch die kerzengerade Linie wurde nie durchbrochen. Obwohl sich Neapel ständig veränderte, wurde sie nie angetastet. Die Architekten waren sich der Struktur dieser Stadt bewusst, die schon 600 vor Christus von den Griechen gegründet wurde.
... sei secoli avanti Cristi."
Und Salvatore Calzanella vom Fremdenverkehrsamt zeigt mir die vielen Sehenswürdigkeiten um die Spaccanapoli herum: Kirchen, Klöster, Palazzi und die Katakomben des antiken Neapolis. Ich bin beeindruckt, die Zuneigung wächst. Aber echte Leidenschaft entfachen nicht etwa die herrlichen Baudenkmäler, sondern die Gassen der Altstadt selbst. Trotz – oder gerade wegen des Chaos', das dort herrscht. Anderen Mitteleuropäern ergeht es offenbar ähnlich.
[O-Töne österr. Studenten:]
"Geheimtipps sind sicher die kleinen Straßen, die in keinem Reiseführer stehen, und dort die winkligen Hinterhöfe, wo dann ineinander verschlungene Doppeltreppen und Stiegenhäuser sind und ähnliche Dinge, die man so auf Anhieb nicht findet."
"Gerade Neapel is' eine Stadt, die nicht von den Prunkstraßen lebt, sondern eben in die kleinen Gassen gehen und auch in Viertel, die nicht so bekannt sind, die nicht so überlaufen sind! In kleine Trattorien, in kleine einheimische Lokale und solche Sachen."
Denn dort, wo der Putz bröckelt, wo die Wäscheleinen von Hauswand zu Hauswand gespannt sind, wo es nach frisch gefangenem Fisch riecht ebenso wie nach Abgas und Müll, dort zeigt Napoli sein wahres Ich. Eine überaus vitale, aber keine makellose Schönheit. Vom Leben gezeichnet, deshalb nicht weniger attraktiv, sondern umso liebenswerter. Also doch Neapel sehen und sterben?
[O-Töne österr. Studenten:]
"Äh, ich würd' mal sagen, es gibt noch einige andere Flecken auf der Welt, die ich zuerst sehen muss, bevor ich sterben will."
"Kann ich vom Grundmotiv her nicht zustimmen. Am besten gar nicht sterben!"
Nun, sterben geht mir auch ein bisschen zu weit. Aber Neapel sehen auf jeden Fall. Das kann ich mit Gewissheit sagen. Dazu hören, riechen und schmecken! Aber das ist eine andere Geschichte ...
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BUON APPETITO
kleine Schlemmertour "alla napoletana"
Was wäre Italien ohne seine exzellente Küche? Okay, Sonne, Meer und historische Baudenkmäler in allen Ehren – aber die wahre Liebe zu Italien geht bei vielen doch hauptsächlich durch den Magen. Und gerade die neapolitanische Küche hält besonders leckere Gaumenfreuden bereit. Vor allem, wenn man die Spezialitäten kennt und genau weiß, wo sie am besten zubereitet werden. Gabriella Vitiello und Frank Helbert, Reisebuch-Autoren aus Wiesbaden, leben seit mehreren Jahren in Neapel und müssen quasi von Berufs wegen verkosten, verkosten und nochmals verkosten. Eine beneidenswerte Aufgabe, bei der man sie doch gerne begleitet.
Reportage (Radio hr3, 30.01.2000; hr4, 25.02.2006; hr-iNFO, 04.03.2006):
[Musik: "'Na tazzulella 'e caffè" von Pino Daniele]
'Na tazzulella 'e caffè – ein Tässchen Kaffee. Pino Daniele, die "Stimme Neapels", besingt keinen x-beliebigen Espresso. Der neapolitanische Kaffee ist eine Weltanschauung. Und das gilt ganz besonders für das traditionsreiche Caféhaus "Gambrinus" am ehemaligen Königspalast. Gabriella Vitiello und Frank Helbert machen mich mit dem Geschäftsführer bekannt. Der hat zwar angeblich überhaupt keine Zeit. Dann aber, als wir ihn auf den Mythos des Kaffees ansprechen, ist er nicht mehr zu bremsen.
[O-Ton Arturo Sergio:]
"Tanti fattori perchè ...
Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, sagt Arturo Sergio, damit der neapolitanische Kaffee so wird, wie er sein soll – wenig, aber gut. In der Tasse ist nicht viel, aber das ist sehr cremig und geschmackvoll. Wichtig ist auch die Kunst der richtigen Mischung, die wir seit vielen Jahren verwenden. Das sind arabische und brasilianische Kaffeesorten, die geschickt miteinander kombiniert werden. Der süße und der bittere Geschmack ergeben zusammen das ausgewogene Aroma.
... che piace buono."
Und so genießen die Neapolitaner ihren wunderbaren Kaffee nicht nur zum Frühstück, sondern auch mittags, abends und zwischendurch. Es muss nicht immer das vornehme "Gambrinus" sein. Kleine Caféhäuser gibt es an jeder Ecke. Und die locken noch mit anderen Köstlichkeiten – leckeren Gebäckteilchen, von denen Frank sich allzu gerne verführen lässt, wie die "sfogliata".
[O-Ton Frank Helbert:]
"Das ist ein herz- oder muschelförmiges Gebäckteilchen, außen knusprig, mit Puderzucker bestäubt, innen mit einer Mischung aus Ricotta-Käse und Zitronat/Orangeat gefüllt. Das ist eigentlich die Spezialität von Neapel."
Ich kann mich nur wundern, dass Frank und Gabi so schlank geblieben sind, denn auch beim Mittagessen langen die beiden ordentlich hin. Die Glastheke ihrer Lieblings-Trattoria "Da Fiorenzano" im Spanischen Viertel ist prall gefüllt. Mit verschiedenen Pasta-Gerichten, mit Meeresfrüchten und einer üppigen Auswahl an Gemüsen von den fruchtbaren Hängen des Vesuvs. Wie soll man sich da entscheiden? Zum Glück habe ich fachkundige Begleitung dabei.
[O-Ton Gabriella Vitiello:]
"Mein Leibgericht sind Artischocken, so wie meine Großmutter sie immer zubereitet hat und sie eigentlich ja auch zubereitet werden. Und zwar werden die Spitzen abgeschnitten, die Artischocke 'n bisschen geöffnet, gefüllt mit Petersilie, Knoblauch, Salz und Pfeffer, dann wieder zugedrückt und im Topf ungefähr eineinhalb Stunden bei mittlerer Flamme gedünstet."
Schaut verdammt gut aus, was Gabi da auf dem Teller hat. Aber auch Franks "melanzane alla parmigiana" lacht mich an: Auberginen, Tomaten, ein wenig Mozzarella aus echter Büffelmilch und viel, viel Parmesan oben drauf. Ich versuche beides und gelobe beim Abendessen kürzer zu treten. Doch als es soweit ist, schwinden schon beim Duft der "pizza margherita" alle guten Vorsätze.
[O-Ton Gabriella Vitiello:]
"Die Pizza hier in Neapel wird im Holzbackofen gebacken, noch auf echter Kohle beziehungsweise neben dem Feuer, ist ziemlich groß – noch größer als der Teller. Der Teig ist weich und fest, und belegt ist sie, wenn's dann traditionell ist, nur mit Tomate und Mozzarella."
Wir sitzen in der "Antica pizzeria Port'Alba", wahrscheinlich die älteste Pizzeria der Welt. So genau weiß das nicht mal Gennaro Luciano, der Wirt. Aber die älteste Pizzeria Neapels sei es allemal.
[O-Ton Gennaro Luciano:]
"La pizzeria è fondata ...
Die Pizzeria wurde 1738 gegründet, erzählt er uns stolz, und war zunächst nur eine Pizza-Bäckerei, denn damals gab es noch keine Pizzerien. Die Straßenhändler haben sich die Pizza hier abgeholt und dann in der Stadt verkauft. 1830 wurde es zu einer richtigen Pizzeria mit Tischen und Stühlen auf zwei Etagen. Im Obergeschoss entstand dann das eigentliche Lokal.
... pizzeria che conosciamo."
Die Jahreszahl 1738 steht über dem Eingang. Eher unauffällig – grelle Neonreklame hat die "Antica pizzeria" nicht nötig. Die Neapolitaner kennen sie eh, und dass sie über Neapel hinaus bekannt wird, dafür wollen Gabi und Frank in ihrem Reiseführer sorgen. Dann also: "Buon appetito!" Und zum Abschluss unserer kleinen Schlemmer-Tour – na, was wohl?
[Musik: "'Na tazzulella 'e caffè" von Pino Daniele]
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Hinweis:
*) Foto: Frank Helbert
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GANGSTA'S PARADISE
sehen und sterben (Version B)
Kaum eine andere Großstadt in Europa verzeichnet so viele Morde wie Neapel. Die Camorra, Neapels Mafia, hält die Stadt im Würgegriff. Auch Kleinkriminalität wie Handtaschenraub ist an der Tagesordnung in den Gassen der Altstadt. Besonders Jugendliche auf ihren Motorrollern treiben dort ihr Unwesen. Müssen Touristen also Angst haben, Neapel nicht mehr lebend zu verlassen? Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, aber es besteht kein Grund zur Panik.
Reportage (Radio hr3, 30.01.2000):
[Musik: "Gangsta's Paradise" von Coolio]
Ich muss zugeben, ein flaues Gefühl im Magen hab' ich schon, als ich in Neapel aus dem Flugzeug steige. Die Wertsachen in der Innentasche der Jacke verstaut, den kleinen Tagesrucksack fest im Griff. Man kann ja nie wissen... Und auf dem Weg ins historische Zentrum trägt Taxifahrer Antonio nicht gerade dazu bei, das flaue Gefühl zu verscheuchen. Im Gegenteil.
[O-Ton Taxifahrer Antonio:]
"Sehr gefärrlich. Viele Bandide', Camorra, Mafia. Gelde gestohle', Portemonnaie, Kette', Uhre'. Verstand', was isch mein'? Alles! Alles!"
Ob er auch schon Kontakt mit der Mafia hatte, frage ich Antonio weiter. Nein, winkt er ab. Für die kleinen Leute interessiert sie sich nicht und für die Touristen auch nicht, fügt er in beruhigendem Ton hinzu. Ja, wer muss denn Angst vor der Camorra haben?
[O-Ton Taxifahrer Antonio:]
"Ja, die Leute Kapitaliste'. So aus die Fabrike'. Erst wenn isch hab' so zwanzisch Bus', zwanzisch Bus', dann jede' Monat bezahl' ich Mafia. Sonst – bumm! Bumm! Verstand', was isch mein'? Eine Bombe. Das ist sehr scheiß', mein Freund."
Spricht's und lässt bald darauf selbst die Bombe platzen: Fast doppelt so viel, wie der Taxameter anzeigt, verlangt er. Der Aufpreis sei fürs Gepäck und in Neapel so üblich. Zähneknirschend reiche ich die Scheine 'rüber und beschließe, künftig nur noch Bus zu fahren.
[Musik: "Gangsta's Paradise" von Coolio]
Diese erste negative Erfahrung bleibt allerdings die einzige in dieser Woche. Keiner trachtet mir nach dem Leben, keiner raubt mich aus, keiner betrügt mich. Andere Touristen können das nur bestätigen.
[O-Töne österr. Studentinnen:]
"Ich könnte mir Kriminalität im Grunde nur vorstellen, wo sie und wie sie existiert, aber persönlich hab' ich in dieser Stadt noch keine Erfahrungen damit gemacht."
"Ich glaube, es is' am Abend und in der Nacht vielleicht nicht ganz ratsam, als Frau alleine nach Hause zu gehen. Aber die Art von Gefahr, auf die überall hingewiesen wird, mit der bin ich nicht konfrontiert worden."
Im vergangenen Jahr allerdings hat ein Fall für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Weg zu seinem Hotel kam ein japanischer Geschäftsmann ums Leben. Vor einer Metro-Station wurde er überfallen und zu Tode geprügelt. Die Gangster hatten es auf seinen Aktenkoffer abgesehen. Es stellte sich aber heraus, dass sie gar nicht aus Neapel kamen, sondern aus Osteuropa. Salvatore Calzanella vom Fremdenverkehrsamt will den Fall deshalb auch nicht überbewerten.
(O-Ton Salvatore Calzanella:)
"Non credo che sia pericoloso ...
Ich glaube nicht, dass Neapel für Touristen sehr gefährlich ist, sagt er. Sie müssen wissen, dass es in New York oder Los Angeles ebenso gefährlich – sogar noch gefährlicher ist als hier.
... che a New York o che a Los Angeles."
[Reportage an dieser Stelle von der Redaktion gekürzt]
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Die unvergleichliche Schönheit des Golfs von Neapel rührt nicht zuletzt von der majestätischen Bergkulisse des Vesuvs her. Der einzige noch aktive Vulkan auf dem europäischen Festland thront über der Stadt und der Bucht. Er strahlt geradezu eine magnetische Anziehungskraft aus und gleichzeitig eine latente Bedrohung. Dabei schaut er auf den ersten Blick so harmlos aus. Auf seinen fruchtbaren Hängen gedeihen Obst, Gemüse und Wein. Kaum zu glauben, dass von diesem Berg einst eine tödliche Gefahr ausging und immer noch ausgeht.
Reportage (hr3, 30.01.2000; hr4, 25.02.2006):
Man schrieb den 24. August des Jahres 79 nach Christus. Es war früh am Morgen, die meisten Pompejaner lagen noch in ihren Betten und träumten süß. Der Vesuv hatte seit Jahrzehnten keinen Mucks mehr von sich gegeben.
[Geräusch: Eruption]
Da plötzlich eine gewaltige Explosion, begleitet von heftigen Erdstößen. Der schlafende Riese war erwacht. Er spuckte glühende Lava und begrub das 10 Kilometer entfernte Pompeji unter einer dicken Schicht aus Asche und Bimsstein. Viele der rund 20.000 Bewohner konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen.
[O-Ton Ciri Favicchio:]
"Questa era una zona sismica ...
Das war ein Erdbebengebiet, erklärt der Archäologe Ciri Favicchio. Deswegen dachten die Leute, es handle sich um eines der üblichen Beben. Sie sind auf die Straße gegangen, weil sie Angst hatten, dass ihre Häuser einstürzen, und haben alle Sachen liegen lassen, wie sie sie gerade in der Hand hatten.
... in posizione attiva."
Und in diesem Zustand verharrten die Gegenstände, bis die versunkene Stadt im 18. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Heute befinden sich die meisten sicher verwahrt im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel. In Pompeji geblieben sind die steinernen Zeugnisse. Und auch die ergeben überraschende Einblicke in das einstmals pralle Leben. Tempel, Theater, Thermen und Tavernen – ebenso wie Bordelle. Erotische Wandmalereien lassen keinen Zweifel: Die Pompejaner waren nicht nur Lebens-, sondern auch Liebeskünstler.
[O-Töne österr. Studenten:]
"Das Notwendigste ist drin – ein Bett, wie sich das nun mal für ein Bordell gehört. Und, naja, sehr authentisch, zumal die Wandmalereien doch sehr stimulierend wirken sollten."
"Es ist nicht anders als das Leben anderswo – oder?"
"Anhand der Bilder hatten sie noch ein tolles Leben in der Hinsicht."
- Und was hat dich am meisten beeindruckt?
"Ja, eben diese ganze Organisation, die man schon hatte zu dieser Zeit. Das ist phantastisch, wie alles organisiert war, wie die Straßen funktionierten, wie das mit den Kanälen funktionierte, wie die Häuser zum Teil dekoriert waren. Das ist faszinierend, wenn man bedenkt, dass diese Stadt ja vor Christus gebaut wurde."
Lebendige Geschichte einer Hochkultur also, die in nur wenigen Stunden ausgelöscht wurde. Und die Bedrohung bleibt. Erst vor wenigen Monaten registrierten Wissenschaftler eine verstärkte seismische Tätigkeit des Vulkans. Doch die Sorglosigkeit bei Anwohnern wie Touristen scheint sich seit Pompeji kaum verändert zu haben.
[O-Ton österr. Student:]
"Ich glaube in dem Fall an die Wissenschaft. Ich glaube, dass die Wissenschaftler vom Observatorium am Vesuv ihre Arbeit gut machen und auch die Bevölkerung alarmieren, wenn eine Gefahr bestünde."
Exakte Vorhersagen von Vulkanausbrüchen allerdings sind nach wie vor unmöglich.
[Reportage an dieser Stelle von der Redaktion gekürzt]
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