Luzern Reuß Kapellbrücke Schwäne

rolf fröhlings reisereportagen

Luzern (Schweiz)

                      

LEUCHTENDER STERN ZWISCHEN ZÜRICH UND BERN

Ob der Name Luzern tatsächlich vom lateinischen lux, lucis (das Licht) herrührt, ist nicht restlos geklärt. Es gibt auch andere Theorien. Aber eine Legende besagt, dass einst ein Engel den ersten Bewohnern von Luzern mit einem Licht die Stelle gewiesen hat, wo sie zu Ehren von St. Nikolaus, dem Patron der Fischer und Schiffsleute, eine Kapelle errichten sollten. Rund um die Kapelle ist eine Stadt entstanden, die rund 70.000 Einwohner zählt und pro Jahr ein Vielfaches dieser Zahl an Besuchern begrüßen kann. Luzern ist eines der beliebtesten touristischen Ziele in der Schweiz. Woran das liegt? Zum einen sicher an der einzigartigen Lage – am Nordrand des Vierwaldstättersees und zu Füßen des mehr als 2.100 Meter hohen Hausberges Pilatus. Zum zweiten an der herrlichen Kulisse – mit Seepromenade, Flussufer, mittelalterlichen Türmen und Brücken. Und nicht zuletzt am weltoffenen Flair – mit Festivals, Konzerten und Ausstellungen von internationalem Rang. Zwischen Zürich und Bern jedenfalls leuchtet kein Stern heller als der Stern von Luzern.

Luzern Reuß Kapellbrücke Schwäne
Titelfoto: Die Kapellbrücke, das Wahrzeichen von Luzern
Luzern Vierwaldstättersee Hofkirche
Blick vom Kultur- und Kongresszentrum über den See auf die Hofkirche
Luzern Hofkirche Türme
Die katholische Hofkirche
Luzern Hofkirche innen
In der Hofkirche
Luzern Altstadt Fachwerkhäuser
Fachwerkhäuser in der Altstadt
Luzern Museggmauer Heuturm Luegislandturm
Historische Stadtmauer - Museggmauer genannt - mit Heuturm (links) und Luegislandturm
Luzern Schirmerturm
Schirmerturm an der Stadtmauer
Luzern Vierwaldstättersee Schiffstour
Schiffsausflug auf dem Vierwaldstättersee
Luzern Vierwaldstättersee Dampfer Schiller
Begegnung mit dem Raddampfer "Schiller"
Vierwaldstättersee Rigi
Annäherung an den Berg Rigi
Vierwaldstättersee Vitznau
Blick auf Vitznau zu Füßen des Rigi
Vitznau Rigibahn Talstation
Talstation der Bergbahn zum Gipfel des Rigi
Luzern Verkehrshaus Convair 990 A Coronado
Convair 990 A Coronado von Swissair im Museum "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Flugzeugmodelle
Flugzeugmodelle im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Gebrüder Wright Modell
Modell des Flugzeugs der Pioniere Gebrüder Wright im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Straßenverkehr Außenaufnahme
Haus des Straßenverkehrs im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Sportwagen
Sportcoupés im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Rinspeed
Prototyp des Schweizer Unternehmens Rinspeed im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Monteverdi
Luxuskarossen des ehem. Schweizer Herstellers Monteverdi im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Oracle Red Bull Racing
Formel-eins-Bolide des brit. Rennstalls Oracle Red Bull Racing im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Schienenverkehr
Haus des Schienenverkehrs im "Verkehrshaus"
Luzern Verkehrshaus Modelleisenbahn
Modelleisenbahn im "Verkehrshaus"

Reportagen (rbb-INFOradio, 01.12.2007):

RIESENHAFT

klassische Stadtführung mit Rebecca Sisler

Luzern Stadtführerin Rebecca Sisler
Titelfoto: Luzern-Führerin Rebecca Sisler

                   

 

Als sie 1993 niederbrannte, war die ganze Welt erschüttert. Luzerns hölzerne Kapellbrücke aus dem Mittelalter ist UNESCO-Welterbe und wohl berühmtestes Bauwerk der Stadt. Zum Glück konnte sie rekonstruiert und schon ein Jahr später wieder eingeweiht werden. Seitdem überbrückt sie wie eh und je die Reuß, verbindet die Luzerner Altstadt mit der Neustadt. Die Kapellbrücke gilt neben dem Matterhorn als meistfotografierte Sehenswürdigkeit der Schweiz. Und sie ist nur eine Attraktion von vielen. Bei einem klassischen Rundgang von zwei Stunden schaffen es Luzerner Stadtführer wie Rebecca Sisler bei weitem nicht, alle Highlights vorzustellen. Nur die ganz großen – und davon gibt es einige in Luzern, riesenhafte sogar.

Luzern Stadtführung Kapellbrücke
Stadtführung an der Kapellbrücke mit Blick auf Neustadt und Jesuitenkirche
Luzern Picasso Museum innen
Deckenmalerei im Picasso-Museum
Luzern Seeufer Sonnenanbeter
Sonnenanbeter am Seeufer

Reportage (rbb-INFOradio, 02.12.2007):

Originalton 5:03

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo-Ton Stadtführerin Rebecca Sisler:]
"Also, ich begrüße Sie im Namen von Luzern Tourismus recht herzlich in Luzern, eine der schönsten Städte auf der Welt..."

Understatement scheint nicht Rebecca Sislers Sache. Aber Übertreibung auch nicht. Den Beweis will sie in den kommenden zwei Stunden liefern. Ausgangspunkt ihrer Führung ist das neue Kultur- und Kongresszentrum am Ufer des Vierwaldstättersees. Ein riesenhafter Koloss des Stararchitekten Jean Nouvel. In der gläsernen Fassade spiegelt sich die Silhouette der Altstadt. Und dorthin führt nun unser Weg, zu ihrem Wahrzeichen, dem achteckigen Wasserturm. Seine gut 700-jährige Geschichte hat auch manch finsteres Kapitel.

[O-Ton Rebecca Sisler:]
"Im Wasserturm hat es unterhalb des Wasserspiegels ein Verlies. Die Mauern sind viereinhalb Meter dick, es ist dunkel, es ist feucht, und es hat keine Fenster. Und die Häftlinge, die mussten auf einem Seil sitzen, man hat sie da hinuntergelassen, das Seil hochgezogen und das Verlies mit einem Gitter geschlossen. Aber bevor man sie hinuntergelassen hat, hat man diese Leute noch gefoltert, weil gleich darüber befand sich die Folterkammer."

Zum Wasserturm führt die hölzerne Kapellbrücke, die ebenfalls schon im 14. Jahrhundert gebaut wurde. Malereien unter ihrem Dach dokumentieren die Stadtgeschichte. Gleich die erste zeigt den legendären Ur-Luzerner, einen Riesen, genannt: der "Wilde Mann".

[O-Ton Rebecca Sisler:]
"Ein Bauer in der Nähe von Luzern, in Reiden, der hat sein Feld gepflügt, und er ist auf riesige Knochen gestoßen. Und er hat gedacht, dass unsere Vorfahren Riesen waren. Natürlich waren's Mammutknochen, aber zu dieser Zeit hat noch nie jemand von einem Mammut gehört." 

Luzern Seeufer Stadtführung
Rebecca Sisler bei der Stadtführung
Luzern Wasserturm Kapellbrücke vom Rathausquai
Turm war Folterkammer und Verlies
Luzern Kapellbrücke Bildnis Wilder Mann
"Wilder Mann" auf der Kapellbrücke

Ein Riesenirrtum also, aber die Luzerner konnten fortan mit ihrem riesenhaften Ahnen prahlen und den Nachbarn ein bisschen Angst einjagen. Wir aber lassen uns vom "Wilden Mann" nicht abschrecken und schlendern über die Brücke von der Neustadt hinüber in die Altstadt. An den prächtigen Patrizierhäusern aus der Zeit der Renaissance wird deutlich, dass Luzern früher eine reiche Handelsstadt war. Und auch hier haben sich etliche Künstler verewigt. Kunterbunt zum Beispiel ist das Fritschi-Haus am Sternenplatz, dessen Front über und über mit Figuren der Luzerner Fasnacht bemalt ist. So gleicht ein Gang durch die Altstadt dem Besuch einer riesenhaften Gemäldegalerie. Besucher sind fasziniert:

[O-Ton Touristin:]
"Es hat wunderschön bemalte Häuser, das hab' ich noch selten in einer Stadt gesehen. Die Fassaden sind herrlich und die leuchten noch immer so. Das ist wunderschön."

Eines der bedeutendsten Baudenkmäler ist das Am-Rhyn-Haus in der Furrengasse – außen zwar nicht bemalt, aber innen ebenfalls voller Kunstwerke. Moderne Malerei in historischem Gemäuer.

[O-Ton Rebecca Sisler:]
"In diesem Haus ist das Picasso-Museum, also es sind vorwiegend Picasso-Gemälde und eine Fotogalerie von Picasso, gemacht von Douglas Duncan. Der war der einzige, der Picasso jemals fotografieren durfte. Es sind über 100 Fotografien von Picasso ausgestellt."

Über einen zweiten Holzsteg, die Spreuerbrücke, kehren wir von der Altstadt in die Neustadt zurück – von der Renaissance in die Zeit des Barock. Auffälligstes Bauwerk aus dieser Zeit ist die Jesuitenkirche, ihre Innenwände ganz in weiß gehalten mit roter Stukkatur. Die eindrucksvollen Deckengemälde zeigen Stationen aus dem Leben des Jesuiten und Asiens-Missionars Francicsco de Xavier. Jede der sechs Seitenkapellen ist einem Heiligen gewidmet, eine davon dem einzigen Schweizer Heiligen: Nikolaus von Flüe, genannt: der "Bruder Klaus".

[O-Ton Rebecca sisler:]
"Bruder Klaus war ein Bauer, hatte zehn Kinder, war im Militärdienst, war in der Politik, bis er eines Tages eine Vision hatte und 19 Jahre als Einsiedler lebte und mit seinen guten Ratschlägen Kriege verhinderte."

[Atmo: Kirchenglocken]

Das Zwölf-Uhr-Läuten läutet auch das Ende unserer Stadtführung ein. Rebecca Sisler hat nicht zu viel versprochen: Luzern ist wirklich eine der schönsten Städte der Welt – zumindest eine der schönsten dieser Größenordnung. Einfach riesenhaft, das kleine Luzern – da sind sich die Gäste einig, auch die aus Übersee.

Luzern Fritschi Haus Fassade
Fritschi-Haus
Luzern Picasso Museum Eingang
Picasso-Museum
Luzern Jesuitenkirche Altar
Jesuitenkirche

[O-Ton Tourist:]
"From what I've seen so far ...
Nach allem, was ich bisher gesehen habe, hat sie absolut recht. Es ist eine wunderschöne Stadt. Alt, aber so strahlend, man sieht so viele Blumen, und an einem sonnigen Tag wie heute wirkt sie besonders schön.
... looking at the beauty of the city."

[O-Ton Tourist:]
"It's very beautiful. I just like ...
Es ist sehr schön. Ich finde es toll, wie sie die alten Gebäude erhalten haben, es wirkt so friedlich, und ich liebe die Berge und das Panorama.
... the mountains and the view around here."

[O-Ton Touristin:]
"Ich finde es schön. Ich finde die Häuserfront schön, die wir gesehen haben von der Kapellbrücke, die ist wirklich irrsinnig schön. Und der See... Na ja, ich liebe Seen und Berge, ich finde keine Stadt schön, die keinen See hat. Also, mir gefällt's!"

Und unserer Stadtführerin gefällt es, dass es uns so gut gefallen hat.

(Atmo-Ton Rebecca Sisler:)
"Ich hoffe, ich konnte auch etwas zeigen, etwas weitergeben, und dass Sie wieder mal kommen nach Luzern. Es gibt noch so viel zu sehen. Vielen Dank und schönen Tag und gute Reise."

 

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GEISTERHAFT

gespenstische Themenführung mit Irène Weber

Luzern Stadtführung Eier Rösi
Titelfoto: Gespensterführung mit dem "Eier-Rösi"

                  

 

Luzern ist so prall gefüllt mit Geschichte und Geschichten, dass eine zweistündige Stadtführung nur einen kleinen Bruchteil vermitteln kann. Wer tiefer einsteigen will, kann an einer ganzen Reihe von Themenführungen teilnehmen, auch "Stadtführungen à la carte" genannt. Die Palette reicht vom Weinbummel über den Schokoladenbummel und den Shoppingbummel bis hin zum Quizbummel für Kinder. Eine Themenführung, die im wahrsten Sinne des Wortes "begeistert", ist der Nachtgespenster-Bummel mit Irène Weber. Im Gewand des "Eier-Rösi", eines Luzerner Marktweibs und Originals, wandert sie mit Besuchern durch die engen Gassen und gibt alte Gruselgeschichten zum Besten: von Geistern, Nachtmahren und Scheintoten, die der Überlieferung nach in Luzern ihr Unwesen getrieben haben sollen. Nicht alle Geschichten sind historisch verbürgt, aber alle gut erzählt. Leider wird diese "geistreiche" Themenführung nur für Gruppen angeboten und nur in Schweizerdeutsch, weil sonst viel von ihrer Originalität verloren ginge.

Luzern Kapellplatz Fritschibrunnen
Fritschibrunnen am Kapellplatz
Luzern Weinmarkt Eier Rösi
Gespensterführung auf dem Weinmarkt
Luzern Stadtführung Bahnhofstraße
Gespensterführung in der Bahnhofstraße

Reportage (nur für diese Webseite produziert):

Originalton 6:25

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo-Ton Stadtführerin Irène Weber:]
"Sie, wisset Sie überhaupt, wo Sie da ständ'...?"

Irène Weber geht in ihrer Rolle als "Eier-Rösi" völlig auf. In Luzerner Mundart, mit weißer Schürze, roter Haube und einem Korb in der Hand sieht sie aus wie ein Marktweib und redet auch so daher. Ihre Gespensterführung beginnt auf dem Kapellplatz, wo früher der erste Friedhof der Stadt war. Heute steht hier der Fritschi-Brunnen. Das Fritschi, eine Gestalt aus der Luzerner Fasnacht, ähnelt mit seinen hässlichen Zahnlücken zwar einem Gespenst, ist aber keins, sondern die Symbolfigur der Safranzunft, erzählt das "Eier-Rösi". Das erste "richtige" Gespenst begegnet uns in der Furrengasse. Leider verstehe ich von der Legende nur die Hälfte, deshalb muss Irène Weber sie noch einmal auf Hochdeutsch wiederholen.

(O-Ton Irène Weber:)
"Das Furrengassgespenst, das war ein Gespenst, das jeweils plötzlich aufgetaucht ist vor 400 Jahren, mehrmals im Sommer, und sich dann verändert hat und dann plötzlich wieder verschwunden war. Es sah auch immer grässlicher aus, ist immer mehr in die Höhe gewachsen, hat einen langen Schwanz hinter sich hergezogen. Es war nicht bösartig, aber es sah schrecklich und scheußlich aus." 

Gespenstisch ging es in der Zeit der Renaissance auch auf dem Weinmarkt zu. Dort wurden alljährlich Passionsspiele abgehalten. Eine große Wandmalerei zeugt noch heute davon. Das Problem war: Keiner wollte den Judas spielen, den Verräter Jesu, denn der musste sich am Ende erhängen. Um den armen Schauspieler nicht wirklich zu opfern, hatten die Luzerner eine geistreiche Idee:

[O-Ton Irène Weber:]
"Er hatte dann unter seinem Wams, wir nennen das 'Gstaltli', diese Riemen, die die Kletterer auch tragen – und ein Teufel hat dann den Judas an einem Seil zu einem 'gstumperten' Baum, zu einem zurechtgesägten Baum, geführt, dann sind sie dann 'Stieglen' herauf, das waren dann so Treppen. Zuoberst hat der Teufel das Seil befestigt, und Judas musste sich nur noch 'reinhängen, der Teufel hat dann mit einer Kralle von hinten das Wams aufgekratzt, und unter seinem Wams hatte der Judas ein Federvieh mit Eingeweide, und das ist dann so herausgehangen und die Federn sind fortgeschwebt, und das war dann die Seele des Judas, die entwichen ist."

Luzern Fritschibrunnen nah
Hässlicher Fritschi-Kopf
Luzern Fassadenmalerei Passionsspiele
Passionsspiele
Luzern Stadtführung Irene Weber
Das "Eier-Rösi" in seinem Element

Am Mühlenplatz zeigt uns Irène Weber ein Patrizierhaus, wo im 18. Jahrhundert der Politiker Franz Ludwig Pfyffer lebte. Von seiner schönen jungen Frau erzählt man sich, dass auch sie als Gespenst umging – als ein trauriges Gespenst.

[O-Ton Irène Weber:]
"Sie ist relativ früh gestorben, und ihr Gatte Franz Ludwig hat sie dann begraben lassen in den schönsten Gewändern und vor allem reich beschmückt. Und diese ganze Pracht ist dann auch dem Totengräber nicht entgangen, er ist dann nachts wieder auf den Friedhof geschlichen, hat dann das Grab der Frau Pfyffer wieder geöffnet, hat ihr alles geraubt, den Schmuck, die Kleider. Und als sie dann so dalag, sozusagen nur noch mit dem Nachthemd, dem Unterhemd, bekleidet, hat sie plötzlich – zack – die Augen geöffnet und ist dann sozusagen nur noch mit dem Leichentuch bedeckt den ganzen Weg durch die Stadt gewandelt zum Mühlenplatz herunter und dort in ihrem Haus verschwunden. Warum war das möglich? Sie war eben nur scheintot und hat dann aber anschließend noch 20 Jahre gelebt, aber nie mehr gelächelt."

Diese tragische Spukgeschichte noch im Ohr, überqueren wir auf der steinernen Reußbrücke den Fluss in Richtung Neustadt. Sie ist zwar längst nicht so pittoresk wie die hölzerne Kapellbrücke, aber die älteste Brücke von Luzern. Hier wurde einst ein furchtbarer Lindwurm gesichtet.

[O-Ton Irène Weber:]
"Dieser Lindwurm ist ungefähr vor 600 Jahren, kam der vom See heruntergeschwommen und ist da unter dieser Reußbrücke durch, dann reußabwärts geschwommen und hatte ein solches Tempo drauf, dass die Leute nicht mal die Länge schätzen konnten. Und was ganz unangenehm war: Gleichzeitg am Himmel ist ein Stierenkopf erschienen mit einem leuchtenden Stern zwischen den Hörnern, und das hat sogar geleuchtet bis ins Elsass. Und diese zwei Dinge, wenn man die miteinander sah, waren das Vorzeichen für ein bevorstehendes Unheil. Und es hat dann auch prompt 14 Tage später eine Pestilenz, also eine Seuche, das Volk ergriffen und ein paar Leute dahingerafft."

Luzern Gespensterführung Teilnehmer
Themenführung gut frequentiert
Luzern Reußbrücke Ausblick
Reußbrücke
Luzern Reuß Wasserturm Nachtaufnahme
Gespensterführung besser nachts

In der Neustadt angekommen, führt uns das "Eier-Rösi" alias Irène Weber in eine enge Gasse, wo des Nachts zwielichtige Gestalten herumgeistern sollen – das horizontale Gewerbe, verrät sie hinter vorgehaltener Hand. Tagsüber ist es hier sehr ruhig, und so kann sie ungestört ihre letzte Gespenstergeschichte erzählen: die vom "Toggeli". Es erscheint in Gestalt einer Katze, nähert sich mit einem schlurfenden Geräusch den Schlafenden, springt ihnen mit einem Satz auf die Brust und würgt seine Opfer, bis sie kaum noch atmen können. Um dieses Nachtmahr zu verteiben, werden unterschiedliche Mittel empfohlen – in Luzern benutzt man dazu ein Bajonett.

[O-Ton Irène Weber:]
"Da gibt's die Geschichte von einer Dame im Altersheim, das war noch in den 1990er Jahren, wurde mir von einem Pfleger erzählt, er hat das hautnah miterlebt: Diese Dame wollte unbedingt ein Bajonett zwischen die Beine gelegt haben, damit sie geschützt ist vor dem 'Toggeli', und als Schutz wurde dieses Bajonett eben mit einer Mullbinde umwickelt, und dann kam noch eine Sicherheitsmaßnahme oben drauf, das war eine Kernseife, die ans Fußende gelegt wurde, dass wenn im Fall das Bajonett nichts genutzt hätte, dann wäre wenigstens das 'Toggeli' auf der Seife ausgerutscht und hätte nicht auf sie sich setzen können."

[Atmo: Applaus]

Am Ende, als der ganze Spuk vorbei ist, erntet Irène Weber viel Applaus für ihre kleine Horrorshow. Schade nur, dass sie am hellichten Tage stattgefunden hat und nicht zur Geisterstunde. Das finden auch einige aus dem Kreis der Zuhörer. Ansonsten sind alle begeistert von dieser etwas anderen Stadtführung durch Luzern.

[O-Töne Touristen:]
"Ich glaub', die andere Art war das Spezielle daran. Ich denke, die Atmosphäre wär' abends im Dunkeln noch ein bisschen spezieller, speziell zu dem Thema."
"Sehr gut, eben weil es anders war. War sehr interessant. Man fühlt sich zurückgesetzt und bekommt trotzdem die Stadt zu sehen, sehr schön."
"Die Frau war sehr gut, sehr lebendig und hat das sehr gut durchgebracht. Was vielleicht schade war, die Geistergeschichten wären vielleicht am Abend, wenn es dunkel ist, mit Nebel und so, ja , das wäre das Tüpfchen auf dem I."

[Geräusch: Spukgelächter]

 

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