Lake District Keswick Strand mit Booten

rolf fröhlings reisereportagen

Lake District (England)

                   

HOHE BERGE, TIEFE SEEN
- unterwegs in der "Englischen Schweiz"

Wenn es eine Misswahl für die schönste Region ihres Landes gäbe, würden die meisten Engländer wohl für den Lake District stimmen. Denn keine Region ist bei Urlaubern so beliebt wie der Nationalpark in der Grafschaft Cumbria – ganz oben im Nordwesten gelegen, an der Grenze zu Schottland. Im Lake District gibt es nicht nur Englands größten natürlichen See (Lake Windermere) und den tiefsten See (Wast Water), es gibt auch die höchsten Berge. Die haben zwar kein alpines Format, sondern eher das Niveau deutscher Mittelgebirge, aber höhere Gipfel im Vereinigten Königreich können nur Schottland und Wales für sich reklamieren. Im Hochsommer und an Wochenenden wimmelt es von Touristen im Lake District, doch wer diese Stoßzeiten meidet, kann ein Stückchen England genießen, das zu Recht auch die "Englische Schweiz" genannt wird.

Lake District Keswick Strand mit Booten
Titelfoto: Boote auf dem Derwentwater
Lake District Bowness on Windermere Seeufer mit Touristen
Lake Windermere
Lake District Bowness on Windermere Bootssteg
Bootshafen in Bowness-on-Windermere
Lake District Lake Windermere Kanuten
Wassersport auf dem Lake Windermere
Lake District Lake Windermere Schiff Cumbria
Ausflugsschiff auf dem Lake Windermere
Lake District Cerwentwater Keswick Totale von oben
Blick auf Keswick am Derwentwater
Lake District Keswick Fußgängerzone
Keswick am Derwentwater
Lake District Derwentwater Pärchen auf Bank am Seeufer
Am Derwentwater bei Keswick
Lake District Keswick Ruderboote und Gänse
Ruderboote am Derwentwater
Lake District Derwentwater Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Derwentwater
Lake District Keswick Steinkreis
Steinkreis von Castlerigg bei Keswick
Lake District Wast Water
Wast Water
Lake District Coniston Water Fahrt mit Motorboot
Motorbootfahren auf dem Coniston Water
Lake District Barrow in Furness Naturschutzgebiet
Naturschutzgebiet South Walney bei Barrow-in-Furness
Lake District Barrow in Furness Leuchtturm
Leuchtturm bei Barrow-in-Furness an der Irischen See
Lake District Barrow in Furness Piel Castle
Blick von Walney Island auf Piel Castle

Reportagen (Radio hr4; hr-iNFO; rbb-INFOradio):

ATEMBERAUBEND

Aufstieg zum Aussichtsberg Great Gable

Lake District Great Gable Ausblick vom Gipfel
Titelfoto: Atemberaubender Ausblick vom Great Gable

                    

 

Im Lake District, so scheint es, gibt es mehr Outdoor-Geschäfte als Supermärkte. Wandern steht ganz hoch im Kurs bei den Engländern. Die Region bietet eine schier unerschöpfliche Auswahl an geeigneten Wegen. Und der Ausblick ist oft atemberaubend. Zwar misst der höchste Gipfel, der Scafell Pike, gerade mal 978 Meter und ist damit kaum höher als die Wasserkuppe in der Rhön, dennoch ragen die Berge des Lake Districts vermeintlich hoch in den Himmel, weil das Niveau der Täler ringsum fast auf Meereshöhe liegt. Eine Bergwanderung dort ist also kein Sonntagsspaziergang, sondern kann durchaus eine sportliche Herausforderung sein. Das gilt auch für den Great Gable (899 Meter). Hier aber soll die Aussicht besonders schön sein, sagen die Einheimischen – zumindest wenn das Wetter mitspielt.

Lake District Bergführer Tim Mosedale
Bergführer Tim Mosedale mit Wanderkarte
Lake District Great Gable Bach
Gebirgsbach auf dem Weg zum Gipfel
Lake District Great Gable Panorama
Bergpanorama im Lake District
Lake District Great Gable Wanderer
Dem Gipfel schon sehr nahe
Lake District Great Gable Gipfel mit Wanderern
Geschafft: Ausblick vom Gipfel des Great Gable (899 m)

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

Originalton 3:01

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Der Blick aus dem Fenster verleiht Kraft und Elan: Strahlendblauer Himmel über dem Lake District. Einen schöneren Tag zum Wandern kann es kaum geben. Also schnell die Stiefel geschnürt und los geht’s. Die Auswahl an Gipfeln ist riesengroß, doch unser Bergführer hat den Great Gable vorgeschlagen:

[O-Ton Tim Mosedale:]
"It’s a mountain that stands pretty much …
Das ist ein Berg, der ziemlich frei steht, und er bietet herrliche Ausblicke auf das Zentralmassiv des Lake Districts. Der Weg hinauf ist gut zu bewältigen. Es gibt schwierigere Wege für Leute, die es abenteuerlicher lieben, und es gibt eben solche, die weniger Abenteuer bieten, aber einen guten Blick auf die schöne Landschaft.
… to get a view of the beautiful scenery."

Tim Mosedale hat schon den Mount Everest bestiegen – und der ist fast zehnmal so hoch wie der Great Gable. Diese Tour mutet also geradezu lächerlich an für einen Bergführer seines Kalibers, aber das würde er nie zugeben.

[O-Ton Tim Mosdale:]
"No, not at all. Every mountain ...
Nein, überhaupt nicht. Jeder Gipfel stellt eine ganz eigene Herausforderung dar. Und ich genieße jeden Tag in den Bergen. Hier ist es einfach nur anders.
... in the hill. So it is different."

Unser Weg vom Honister Pass aus führt steil bergan. Anfangs begleitet uns ein rauschender Bach. Wir marschieren über grüne Matten, auf denen Schafe weiden. Später wird der Untergrund steinig und noch steiler. Doch nach knapp drei Stunden haben wir es geschafft. Und nicht nur wir, sondern auch andere Gipfelstürmer sind von dem Panorama überwältigt.

Lake District Great Gable Bergführer Tim Mosedale
Tim Mosedale
Lake District Great Gable Wanderer am Bach
Erfrischung am Wildbach
Lake District Blick vom Great Gable zum Scafell Pike
Scafell Pike (Bildmitte)

[O-Ton Wanderin:]
"Fantastic. It’s so clear, you can see for miles." 

Fantastisch, sagt sie. Man kann meilenweit schauen. Und er freut sich, dass keine Wolken den Ausblick trüben.

[O-Ton Wanderer:]
"It’s nice to have it walked when you get to the top and you can see other mountains instead of clouds."

Gleich drei große Seen können wir von hier oben ausmachen, dazu mehrere kleine. Und direkt gegenüber liegt der Scafell Pike, der höchste Berg Englands. Nur nach einem zünftigen Berggasthof, da halten wir vergeblich Ausschau. Dabei wäre ein kühles Bier jetzt eine willkommene Erfrischung.

[O-Ton Tim Mosedale:]
"I don’t know. We just do not build …
Ich weiß nicht, sagt Tim Mosedale, wir bauen einfach nicht auf unseren Gipfeln. Wir betrachten es vielleicht als eine Art Sakrileg. Auf dem Snowdon in Wales gibt es ein Café. Aber wenn ihr sehen würdet, wie monströs das Gebäude wirkt, würdet ihr verstehen, warum wir auf anderen Bergen keine Pubs und Restaurants haben wollen.
… hostels and pubs and restaurants."

Dann trinken wir unser Bier eben unten im Tal. Denn nach gut zwei Stunden haben wir den Parkplatz am Honister Pass wieder erreicht. Etwas erschöpft, aber bester Dinge. Mit dem Mount Everest ist der Great Gable zwar nicht zu vergleichen, aber atemberaubend war es trotzdem. Und es hat Spaß gemacht – auch unserem Himalaya-erprobten Bergführer, schon wegen des ganz und gar unenglischen Wetters.

[O-Ton Tim Mosedale:]
"I’ve enjoyed myself and I hope you’ve also enjoyed yourself and I need it very well to take a good weather. Hope to see you again in the Lake District."

Ja, wir wollen gerne wiederkommen. Aber nur bei so strahlend blauem Himmel wie heute.

 

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GESCHICHTSTRÄCHTIG

Seekreuzfahrt mit dem Dampfer "Gondola"

Lake District Coniston Water Gondola vom Ufer
Titelfoto: Dampfer "Gondola" auf dem Coniston Water

 

Neben dem Wandern wird im Lake District der Wassersport ganz groß geschrieben. Segeln, rudern, Kanu fahren gehören auf den Seen für viele Urlauber selbstverständlich dazu. Und auch wer es weniger sportlich, sondern etwas gemütlicher mag, kommt auf seine Kosten. Zum Beispiel bei einer Dampferfahrt. Aber alle diese so genannten Dampfer werden in Wirklichkeit von Dieselmotoren angetrieben. Alle bis auf einen: Die "Gondola" auf dem Coniston Water fährt tatsächlich noch mit Dampf. Mitte des 19. Jahrhunderts transportierte sie Eisenerz und Kohle für ein Bergbauunternehmen. Danach lange Zeit vergessen und abgewrackt, wurde sie 1980 als Passagierschiff wieder in Betrieb genommen. Seither kreuzt der geschichtsträchtige Dampfer mehrmals täglich auf dem drittgrößten See des Lake Districts – wie in alten Zeiten.

Lake District Coniston Water Gondola Paul Stearne
"Gondola"-Steuermann Paul Stearne
Lake District Coniston Water Gondola Heizkessel
Heizkessel der "Gondola"
Lake District Coniston Water Brantwood House innen
Im Museum von Brantwood House
Lake District Coniston Water Blick von Brantwood House
Blick über den See auf den Ort Coniston
Lake District Coniston Water Segelboot
Segelboot auf dem Coniston Water
Lake District Coniston Water Gondola von hinten
"Gondola"

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

Originalton 2:55

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Tuten der "Gondola"]

Ein lautes Tuten und die Pleuel im Bauch des Schiffes setzen sich in Bewegung. Früher wurde die "Gondola" mit Kohle befeuert, heutzutage – umweltfreundlich – mit Holzabfällen. Nicht nur ihr Dampfantrieb macht sie einzigartig, sondern auch die ungewöhnliche Form einer venezianischen Gondel.

[O-Ton Paul Stearne:]
"There isn’t another gondola of this style …
Es gibt auf der ganzen Welt keine Gondel wie sie, sagt Paul Stearne, der Steuermann. Nicht mal in Venedig haben sie so ein Boot. Wir hatten mal ein paar Venezianer an Bord, die staunten nicht schlecht. Auch bei ihnen sind die Dampfer durch Motorboote ersetzt worden. Diese Gondel ist die letzte. Es gibt keine mehr wie sie.
… there’s not another one like it."

86 Passagiere fasst die "Gondola", und die können in aller Gemütsruhe die herrliche Kulisse des südlichen Lake Districts an sich vorüberziehen lassen. Das Ufer des Coniston Water ist kaum besiedelt und deshalb noch fast so naturbelassen wie in den Jugendtagen der "Gondola", im Zeitalter von Queen Victoria. Am meisten beeindruckt der gut 800 Meter hohe Hausberg, der Coniston Old Man.

Lake District Coniston Water Gondola Feuer im Kessel
Befeuerung mit Holzabfällen
Lake District Coniston Water Gondola Paul Stearne am Steuer
Paul Stearne
Lake District Coniston Old Man
Blick auf den Coniston Old Man

[O-Ton Paul Stearne:]
"We've got lots of people ...
Es gibt viele Leute, die klettern hoch, sitzen auf dem Gipfel, sehen die "Gondola" vorbeifahren und hören das Tuten. Dann denken sie, oh, da wollen wir auch mitfahren. Sie kommen runter, steigen aufs Boot und es ist wunderbar.
... on the boat and it's wonderful."

So gemächlich wie mit der "Gondola" ging es allerdings nicht immer zu auf dem Coniston Water. Ende der 1960er Jahre versuchte ein gewisser Donald Campbell den Geschwindigkeitsrekord für Wasserfahrzeuge zu brechen. Er bezahlte den Versuch mit seinem Leben.

[O-Ton Paul Stearne:]
"He was returning from the south end …
Er war auf dem Weg zurück vom Südende des Sees zum Nordende. Nur rund 150 Meter vor dem Ziel verunglückte er. Und erst vor ein paar Jahren haben Taucher das Boot auf dem Grund des Sees gefunden. Ich glaube, es wird restauriert und soll bald hierher zurückkommen, damit die Leute es sich im Museum von Coniston anschauen können.
… for people to come and see."

Lake District Coniston Water Brantwood House Schlafzimmer
In der Villa von John Ruskin
Lake District Coniston Water Brantwood House Garten
Garten von Brantwood House
Lake District Coniston Water Brantwood House von fern
Blick zurück auf Brantwood House

Kurz vor dem Ende der Kreuzfahrt machen wir Station am Brantwood House. Wir gehen von Bord und besuchen die ehemalige Villa von John Ruskin. Er war Dichter, Denker, Maler und Kunstmäzen. Ein Teil seiner Sammlung wird noch immer hier aufbewahrt und kann besichtigt werden. Fast noch schöner als die Gemälde aber sind der Garten um das Haus und der herrliche Seeblick.

[O-Ton Sheila Clark:]
"Ruskin bought this house because …
Ruskin kaufte das Haus, weil er den Lake District gut kannte, erzählt Sheila Clark vom Museum in Brantwood House. Er war mit sieben Jahren zum ersten Mal hier. Deshalb kannte er die Gegend und war sehr beeindruckt von ihr. Wegen der tollen Aussicht hat er das Haus gekauft.
.… for the view he bought it."

Leider bleibt kaum Zeit, wie einst John Ruskin die Aussicht über den Coniston Water auf das Dorf Coniston und den Coniston Old Man so richtig zu genießen. Denn die "Gondola" unten am Bootssteg, sie wartet nicht.

[Atmo: Tuten]

 

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GEISTESGEGENWÄRTIG

Besuch des Spukschlosses Muncaster Castle

Lake District Muncaster Castle außen
Titelfoto: Spukschloss Muncaster Castle

                        

 

Am helllichten Tag deutet nichts darauf hin, dass es hier des Nachts spuken soll. Muncaster Castle liegt inmitten eines weitläufigen Parks voller Rhododendren ganz im Westen des Lake Districts, an der Mündung des Esk River in die Irische See. Das Schloss aus dem 13. Jahrhundert ist seit Generationen im Besitz der Familie Pennington. Innen voller kostbarer Möbel, Gemälde, Wandteppiche und Chinoiserien. Doch die meisten Besucher kommen nicht allein deshalb hierher, sondern weil Muncaster Castle in dem Ruf steht, eines der am meisten von Geistern heimgesuchten Schlösser Großbritanniens zu sein. Seit Jahren schon versuchen Erforscher übernatürlicher Phänomene den Spukgeschichten auf den Grund zu gehen. Einige Phänomene (zum Beispiel sonderbare Temperaturschwankungen trotz geschlossener Fenster und Türen) konnten sie bestätigen, eine Erklärung dafür fanden sie allerdings nicht. Die Attraktivität von Muncaster Castle hat dies eher noch erhöht. Statistisch glaubt fast jeder zweite Engländer an Geister. Auch wenn es keiner offen zugibt, so hoffen doch viele Besucher, endlich mal einen leibhaftigen Schlossgeist zu Gesicht zu bekommen.

Lake District Muncaster Castle Eule groß
Eule
Lake District Muncaster Castle Park mit Touristen
Schlosspark
Lake District Muncaster Castle Rhododendren
Rhododendren im Schlosspark

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

Originalton 2:48

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Steinkauz]

Etwas schaurig klingt er schon, der Steinkauz. Unmittelbar neben dem Schloss hat die Familie Pennington ein großes Eulengehege angelegt. Mehr als 40 Arten aus aller Welt sind dort zu bewundern. Täglich gibt es Vorführungen im Park. Dort steht auch ein 600 Jahre alter Kastanienbaum, einst der Lieblingsplatz des Hofnarren Tom Skelton, genannt "Tom Fool". Er spielte den Leuten gerne böse Streiche.

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"Tom Skelton used to sit…
Tom Skelton saß gerne unter diesem Baum, erzählt Schlossherr Peter Frost-Pennington, und wenn Sie ihn als Reisender damals nach dem Weg gefragt hätten, hätte er Sie nicht zur sicheren Furt durch den Fluss geschickt, sondern in die gefährlichen Treibsände an den Ufern.
... the quick sands either side."

Ein Gemälde von Tom Fool in Lebensgröße zeigt ihn mit finsterem Blick. Er gilt als eine Art erster böser Geist von Muncaster Castle. Nach seinem Tod jedenfalls begann es im Schloss zu spuken. Besonders in einem der Schlafzimmer, dem Tapestry Room, hören Gäste des Nachts manchmal ein unheimliches Kinderlachen.

[Geräusch: unheimliches Kinderlachen]

Lake District Muncaster Castle Vogelschau mit Eule
Eulenshow im Schlosspark
Lake District Muncaster Castle Peter Frost-Pennington vor Gemälde Tom Fool
P. Frost-Pennington mit "Tom Fool"
Lake District Muncaster Castle Tapestry Room
Tapestry Room

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"Many people think it is the ghost ...
Viele glauben, es ist der Geist des einzigen Kindes des vierten Lord Muncaster. Das Mädchen starb mit 11, und es schlief in diesem Raum. Viele Leute meinen, es sei das Porträt von Margaret Pennington dort über dem Bett, das immer noch schreit.
... still crying in her bedroom."

Wer mutig und bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, kann im Tapestry Room übernachten, um vielleicht selbst Zeuge des mysteriösen Phänomens zu werden. Peter Frost-Pennington würde das niemals tun, sagt er. Aber dem Spuk ganz aus dem Weg gehen, kann er auch nicht.

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"I have experienced various other things …
Mir sind andere Dinge im Schloss widerfahren. Ich glaube, Tom Fool spielt mir Streiche. Er ist sehr gut darin, technische Geräte kaputt zu machen. Manchmal hört man Schritte, und Türen gehen ohne jeden Grund auf und zu; Klinken bewegen sich und man denkt, jemand kommt herein, aber da ist niemand. Solche Sachen eben. Dieser Türknauf hier hat sich gedreht, aber es war niemand im Zimmer.
... there was no one in the room."

[Geräusch: quietschende Tür]

Lake District Muncaster Castle Halle
Halle von Muncaster Castle
Lake District Muncaster Castle Bibliothek
Bibliothek
Lake District Muncaster Castle Park mit Touristen auf Bank
Blick zum Fluss

 

Bei unserem Rundgang durch Muncaster Castle allerdings ist es verdächtig ruhig. Die Geister bleiben in ihrem Versteck. Und auch anderen Besuchern haben sie sich nicht gezeigt.

[O-Ton Tourist:]
"I have not met a ghost today ...
Ich hab’ keinen Geist gesehen. Wahrscheinlich alles dummes Zeug. Aber sogar der Schlossherr will in diesem Zimmer nicht schlafen. Anscheinend ist er sehr ängstlich.
... more afraid than anything else." 

[O-Ton Touristin:]
"Not when we were wandering quite now …
Kein Spuk heute. Aber in dem einen Schlafzimmer herrscht wirklich eine seltsame Atmosphäre. Wahrscheinlich kommt der Geist nur von Zeit zu Zeit.
… visiting from time to time." 

[O-Ton Touristin:]
"I’m afraid not. The sun is definitely shining too much."

Die Sonne scheint einfach zu hell. Vielleicht sollte man doch bei Dunkelheit wiederkommen, um die merkwürdigen Geräusche zu hören. Vielleicht aber sind es auch nur die Eulen.

[Atmo: Steinkauz]

 

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ZWERCHFELLERSCHÜTTERND

Besuch des Geburtsrorts von Stan Laurel

Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Foto Dick und Doof
Titelfoto: Dick und Doof

                 

 

Ganz im Süden des Lake Districts liegt die kleine Stadt Ulverston. Ein Marktflecken mit historischem Kern wie viele andere in Nordengland. Einen See gibt es hier nicht und auch keine Berge, die diese Bezeichnung verdient hätten. Dennoch zieht der Touristenstrom an Ulverston nicht gänzlich vorbei. Denn hier wurde der weltberühmte Komiker Stan Laurel geboren. Zusammen mit seinem Partner Oliver Hardy verkörperte er das kongeniale Duo Dick & Doof. Mit dieser Rolle wurde er zur Ikone der späten Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit. Arthur Stanley Jefferson, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, erblickte am 16. Juni 1890 das Licht der Welt. Später wurde er Schauspieler, ging nach Hollywood und machte Karriere. Mit seinen Späßen brachte Laurel Millionen von Zwerchfellen zum Beben. Und tut es noch heute, gut 40 Jahre nach seinem Tod. Lange Zeit schien sich in seinem Geburtsort keiner für den großen Sohn zu interessieren, bis 1983 Bill Cubin, ein Bürger und großer Fan des Komiker-Duos, das Laurel & Hardy Museum eröffnete. Seitdem entwickelt sich Ulverston mehr und mehr zur Pilgerstätte für die zahlreichen Freunde von Dick & Doof.

Lake District Ulverston Blumenladen außen
Ulverston
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Poster
Im Laurel & Hardy Museum
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Dick und Doof als Puppen
Laurel & Hardy Museum
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Hut
Stan Laurels Hut im Museum
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Dick und Doof Figuren
Laurel & Hardy Museum
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Familienbild
Altes Familienfoto im Museum
Lake District Ulverston Geburtshaus Stan Laurel außen
Stan Laurels Geburtshaus in Ulverston
Lake District Ulverston Geburtshaus Stan Laurel Gedenktafel
Gedenktafel an Stan Laurels Geburtshaus

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

Originalton 3:12

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Filmausschnitt:]
"Junge, bin ich blöd heute."
"Heute?"

Nein, eigentlich immer. Stan Laurel spielte den tollpatschigen Trottel so urkomisch und doch so überzeugend wie wohl keiner vor ihm und keiner nach ihm. Im Museum von Ulverston laufen die alten Dick-und-Doof-Filme nonstop in einem eigens eingerichteten kleinen Kino. Doch im richtigen Leben war Stanley alles andere als doof:

[O-Ton Marion Graves:]
"Stan was very much the brains …
Stan war das Gehirn in ihrer Partnerschaft. In seinen Filmen spielte er zwar den Trottel, aber tatsächlich kamen die Ideen meistens von ihm. Er schrieb auch Drehbücher und führte Regie. Und ich glaube, noch heute halten viele Komiker Laurel und Hardy für die ersten und besten.
... as the first and the best."

Marion Graves hat das Museum von ihrem verstorbenen Vater Bill Cubin übernommen. Jahrzehnte lang sammelte er alles, was er über Laurel und Hardy finden konnte. Stan Laurels Geburtsurkunde, einen Hut, den er bei seiner England-Tournee getragen hat, einen Rasierer und vieles mehr. Sämtliche Wände, Decken und Tische sind voller Fotos und  Plakate. Sogar auf der Toilette findet man Erinnerungsstücke.

Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum außen
Museum in Ulverston
Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Marion Graves
Museumsleiterin Marion Graves
Ulverston Laurel & Hardy Museum Klodeckel
Stan Laurels Toilette

[O-Ton Marion Graves:]
"We even have the toilet seat ...
Wir haben den Original-Klodeckel von Stans Geburtshaus. Und dazu andere Dinge wie das Klavier von dort oder den Kamin. Ach, es gibt so vieles in unserem Museum, schauen Sie sich nur um.
... so much to see about."

Wenn man sich in der Stadt Ulverston umsieht, muss man allerdings genau hinschauen, um Spuren ihres großen Sohnes zu entdecken. An seinem Geburtshaus hängt eine unscheinbare Gedenktafel, die dem Museumsgründer Bill Cubin zu verdanken ist. Ansonsten gibt es noch einen Pub, den Stan Laurel Inn, und neuerdings auch ein ebensolches Bier. Gebraut wird es von Paul Swann und Anita Garnett.

[O-Ton Anita Garnett:]
"There was a carnival where a lot …
Das war mal an Karneval, als viele Dick-und-Doof-Fans durch die Stadt zogen und Party machten. Am Ende sangen alle die Filmmusik aus´Trail Of The Lonesome Pine’. Als wir auf dem Heimweg waren, kamen Paul mehrere Filmtitel in den Sinn, die ideale Namen für Biersorten abgeben würden.
... would make ideal for beer."

Lake District Ulverston Laurel & Hardy Museum Kinosaal
Nonstop-Kino im Museum
Lake District Ulverston Stan Laurel Inn außen
Stan Laurel Inn
Lake District Ulverston Anita Garnett Paul Swann
Bierbrauer A. Garnett und P. Swann

Und so brauen Anita und Paul inzwischen fünf Biere, die nach Filmen von Stan und Ollie benannt sind. Kosten kann man sie in den Kneipen der Umgebung und natürlich im Stan Laurel Inn. Stan wird auch in Ulverston langsam zur Kultfigur. Marion Graves, die Museumsleiterin, will für ihren Helden sogar ein Denkmal errichten. Dem vergleichsweise unbekannten Historiker John Barrow hat die Stadt Ulverston schließlich auch eines gesetzt. Warum also nicht dem weltberühmten Komiker Stan Laurel?

[O-Ton Marion Graves:]
"Everybody knows Stan Laurel …
Jeder kennt einen Stan Laurel. Jeder hat jemanden in der Familie, bei dem alles schief läuft. Dann die Freundschaft zu Oliver Hardy, die in den Filmen zum Ausdruck kommt. Okay, sie haben sich geprügelt und vieles ging daneben, aber grundsätzlich ist es ein freundlicher Humor, ein liebenswerter Humor, und das spürt man in den Filmen.
... comes through on the films."

2009 soll das Denkmal vor der Tourist Information aufgestellt werden. Es wird aus Spenden finanziert. Die Stadt gibt keinen Penny dazu. Wenn sie das wüssten, würde wohl auch Stan und Ollie das Lachen vergehen.

[Filmausschnitt:]
"Hahaha."
"Was lachst du denn noch?"
"Hab' ich nicht Grund zum Lachen?"

 

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Hinweis:

Das Denkmal gibt es inzwischen tatsächlich. Ein Foto sehen Sie hier.

 

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