rolf fröhlings reisereportagen
Koblenz (RLP)
EINE STADT BLÜHT AUF
- Besuch der Bundesgartenschau 2011
"Confluentes" – so nannten die alten Römer ihr Kastell, das sie dort errichteten, wo heute die Stadt Koblenz ist. Confluentes, weil hier Rhein und Mosel zusammenfließen. Von seiner Lage her gehört Koblenz damit schon seit jeher zu den schönsten Städten Deutschlands. Aber erst im Zuge der Bundesgartenschau 2011 hat sich auch das Stadtbild der vorteilhaften Lage angepasst. Für viel Geld wurden die drei großen Bereiche, die als BUGA-Gelände vorgesehen waren, saniert und aufgepeppt: Rheinufer und Deutsches Eck mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., das Kurfürstliche Schloss nebst Vorgarten, der so genannten Schlosskrone, und nicht zuletzt die Festung Ehrenbreitstein auf der gegenüberliegenden Rheinseite mit ihrem weiträumigen Hochplateau. Wo früher Autos parkten (Rheinufer, Schloss), sind heute Grünanlagen und Blumenbeete. Wo früher Fußballplätze waren und dichtes Gestrüpp drum herum (Ehrenbreitstein), sind heute offene Rasenflächen mit eingestreuten Blumenrabatten. Viele Koblenzer erkennen ihre Stadt kaum noch wieder, so sehr ist sie – im wahrsten Sinne – aufgeblüht. Und auch alle anderen werden feststellen, dass sich ein Koblenz-Besuch noch nie so sehr gelohnt hat wie gerade jetzt zur Bundesgartenschau.
Reportagen (Radio hr4, 23.04.2011):
Die Koblenzer Bundesgartenschau 2011 ist ein Mega-Event. Langeweile kann hier praktisch nicht aufkommen. Zwischen dem 15. April und dem 16. Oktober gibt es rund 3.000 Veranstaltungen: Konzerte, Ausstellungen, Installationen und und und. Das imposante Schloss – ehemals Residenz des letzten Kurfürsten von Trier und zuletzt Sitz diverser Bundesbehörden – wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der Festung Ehrenbreitstein findet Naturkundeunterricht für jedermann statt. Auf der Showbühne am Deutschen Eck sorgen Stars und Sternchen für Unterhaltung von früh bis spät. Aber all das ist nur Beiwerk, denn die wahren Stars sind die Blumen – und die gibt es in millionenfacher Ausfertigung. Die BUGA in Koblenz lässt Blütenträume wahr werden.
Reportage (Radio hr4, 23.04.2011):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[Musik: Koblenz-BUGA-Lied 2011]
"2011 strahlt die BUGA übers ganze Land.
Koblenz, du Koblenz,
Erblüh' im vollen Glanz …"
"Erblüh' im vollen Glanz" – das offizielle BUGA-Lied hat das Ziel vorgegeben. Und die BUGA-Macher haben sich daran gehalten. Allein 600.000 Tulpenzwiebeln wurden in die Erde gesteckt, dazu Stiefmütterchen gepflanzt, Tausendschön, Goldlack, Mohn. Alles in allem etwa zwei Millionen Blumen. Und alle stehen pünktlich zur Eröffnung in voller Blüte. Der viel zitierte Begriff von den "Blühenden Landschaften" – in Koblenz ist er Realität:
[O-Ton Rainer Berger:]
"Dieser Begriff Gartenschau, das ist hier ganz, ganz deutlich geworden. Wir haben überall sehr, sehr viele gärtnerische Themen, sehr viele blühende Flächen, wo der Besucher gleich am Eingang mit knalligen Farben empfangen wird, sodass er sofort den Eindruck hat, jetzt bin ich auf einer Gartenschau, jetzt such' ich mir die anderen Themen, die mich auch noch interessieren."
Rainer Berger und die anderen BUGA-Gärtner wollten sich nicht dem Vorwurf aussetzen, dass es zu wenige Blumen gibt. Bei früheren Bundesgartenschauen stand häufig die Landschaftsarchitektur im Vordergrund, und dafür hatten die Besucher nicht immer Verständnis. Auf der BUGA 2011 ist alles anders. Hier sind sie hellauf begeistert:
[O-Töne Besucher:]
"Ich finde, es sind fantastisch viele Blumen da, ein richtiges Blumenmeer von Tulpen. Überall, wo man hinkommt, sind fantastische Blumenbeete."
"Sehr zufrieden mit der ganzen Ausstattung hier, einmalig, toll!"
"Es ist eine Labsal für die Augen, also richtig harmonische Farbkompositionen. Ganz schön, wirklich!"
Und es sind tatsächlich Farbkompositionen, nicht einfach alles bunt durcheinander. Jeder der drei großen BUGA-Bereiche hat sein ganz spezielles Spektrum:
[O-Ton Rainer Berger:]
"Zum Beispiel am Deutschen Eck haben wir ein blaues Band. Da hat der Planer die Aufgabe gehabt, so ein kleines bisschen zu versuchen pflanzlich den Zusammenfluss Rhein und Mosel darzustellen – also weiße Farben, Schaumkronen, ganz viele blaue, hellblaue Farben, ab und zu mal ein paar farbliche Einstreuer, aber das ist so dieses blaue Band. In der Schlosskrone selber, da sind wir – Krone – golden, gelbe, pastellfarbene Töne, ab und zu mal ein richtig knalliges Rot dazu mit Stiefmütterchen, um Edelsteine darzustellen. Hier oben auf dem Plateau, da sind wir eher von der Vielfalt, von Farbkombinationen, richtig knallige Farben sieht man hier und das in allen Bereichen."
Zu dem Meer von Blüten auf den Freilandbeeten kommen noch rund 20.000 Schnittblumen in den Hallen, dazu Hunderte von Topfpflanzen – unter ihnen echte Sonderlinge wie zum Beispiel Fleisch fressende Pflanzen:
[O-Ton Rainer Berger:]
"Das ist schon was Exotisches, was man sich auch mal als Idee ins eigene Zimmer holen kann, um die Fliegen, Mücken oder Sonstiges wegzufangen."
Noch bis Oktober soll es auf es auf der Bundesgartenschau grünen und blühen. Schon im Mai werden die Frühjahrsblumen gegen Sommerblumen ausgetauscht. Damit die Besucher immer neue Eindrücke mit nach Hause nehmen können – und damit das offizielle BUGA-Lied auch in diesem Punkt Recht behält:
[Musik: Koblenz-BUGA-Lied 2011]
"Wer einst zu Gast bei dir war,
Kommt immer wieder gern hier hin,
Kommt immer wieder gern hier hin."
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Die wahren Stars auf der Bundesgartenschau in Koblenz sind, wie gesagt, die Blumen. Aber da gibt es etwas, das ihnen ernsthaft Konkurrenz macht, und das ist die BUGA-Seilbahn! Weil die Ausstellungsflächen in der linksrheinischen Innenstadt und auf dem Plateau der rechtsrheinischen Festung Ehrenbreitstein zu weit voneinander entfernt sind, musste eine schnelle Verbindung geschaffen werden. Als die Idee aufkam eine Seilbahn zu bauen, wurde sie erst einmal belächelt – zu teuer, zu aufwändig, meinten die Kritiker. Bedenken meldete auch das Unesco-Welterbe-Komitee an, das eine Verschandelung des romantischen Mittelrheintals befürchtete. Dann aber machte der österreichische Weltmarktführer Doppelmayr ein Angebot, das alle überzeugte. Entstanden ist die größte Kabinenseilbahn Europas außerhalb der Alpen. Schon während des Probebetriebs im Sommer 2010 erwies sie sich als echte Attraktion. Und auch jetzt, im Regelbetrieb, will sich kaum ein BUGA-Besucher die Chance entgehen lassen, im Schwebezustand den Rhein zu überqueren.
Reportage (Radio hr4, 23.04.2011):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Eine lange Schlange hat sich vor der Talstation der Seilbahn gebildet. Und doch geht es ruckzuck. Bis zu 3.500 Personen pro Stunde kann die Bahn vom Deutschen Eck hinauf zur Festung Ehrenbreitstein befördern – und wieder zurück. Dass sie so ein Renner geworden ist, macht Melanie Straubenmüller, die verantwortliche Bauleiterin, schon ein bisschen stolz:
[O-Ton Melanie Straubenmüller:]
"Ja, klar, weil das einfach ein Riesenprojekt war und es eben am Anfang viele Skeptiker gab und ob wir das genehmigt kriegen und auch in der Zeit schaffen und weil die baulichen Abläufe auch sehr kompliziert waren mit der Promenade unten, ob wir das alles hinbekommen. Aber wir haben's geschafft, und das war ein großes Erlebnis, als ich das erste Mal mit der Bahn dann fahren durfte."
Es handelt sich um eine so genannte Dreiseilumlaufbahn mit zwei Tragseilen und einem Zugseil. Ein sehr stabiles System sei das. Die Seile verlaufen nur über zwei Stützen – eine an der Berg- und eine an der Talstation. Sie überbrücken den gesamten Rhein auf einer Länge von knapp 900 Metern. Aus luftiger Höhe hat man einen herrlichen Panoramablick:
[O-Ton Melanie Straubenmüller:]
"Es ist halt schön einfach den Rhein auf- und abwärts zu schauen. Man kann auch ins Moseltal reingucken, und man hat einen direkten Blick auf das Deutsche Eck, das Wahrzeichen von Koblenz."
Wenn die BUGA-Seilbahn überhaupt einen Nachteil hat, so ist es die kurze Fahrzeit – sie beträgt gerade mal vier Minuten. Dennoch hat Melanie Straubenmüller von den Fahrgästen bisher nur Lob eingeheimst:
[O-Ton Melanie Straubenmüller:]
"Durchweg Begeisterung. Also alle sagen, wie toll das ist über den Rhein zu schweben, eine andere Perspektive zu haben. Viele sagen, oh, ich hab' Höhenangst, kann ich überhaupt reingehen? Aber jeder sagt, da hat man überhaupt keine Angstgefühle, jeder fühlt sich sicher, es ist ruhig, sie fährt absolut ruhig und alle sind begeistert."
Dennoch soll die Seilbahn nur noch dieses und nächstes Jahr fahren und danach wieder abgebaut werden. So ist es mit der Unesco vereinbart. Ansonsten würde der Welterbe-Status des Oberen Mittelrheintals gefährdet. Aber für die Besucher der BUGA steht schon jetzt fest: Da muss noch mal drüber verhandelt werden.
[O-Töne Besucher:]
"Ich hoffe, dass sie bleibt und dass sie nach drei Jahren nicht wieder abgebaut werden muss."
"Das war die beste Idee, die sie seit langem hatten, und ich hoff', dass die Seilbahn noch lange Zeit bei uns bleibt."
"Ich find's gigantisch, und ich würde wirklich plädieren dafür, weil das ist traumhaft, und ich würde mir für die Koblenzer und alle Übrigen wünschen, dass sie bleibt."
Die Bauleiterin denkt wohl ähnlich, auch wenn sie es zurückhaltender formuliert:
[O-Ton Melanie Straubenmüller:]
"Man muss sehen, wie sie ankommt. Es ist natürlich ein sehr großes Projekt, was auch finanziell sehr aufwändig ist, wenn man das betreibt, und man muss dann – BUGA ist ja eine Sonderveranstaltung – das Jahr 2012 abwarten, wie sehr sich das lohnt. Aber ich glaube, es ist schon wichtig die Verbindung zu schaffen zwischen Stadt und Plateau oben und auch insbesondere der Festung, die ja sich sehr herausgeputzt hat jetzt und für viel Geld auch saniert wurde und ein toller Bereich ist."
Ein Schwebezustand also auch im übertragenen Sinne. Vielleicht sollte sie alle Entscheidungsträger zu einer Probefahrt einladen. Wir jedenfalls haben die Tour hinauf zur Ehrenbreitstein sehr genossen, und wir freuen uns schon auf die Talfahrt.
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Hinweis:
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2025. Noch immer ist die Koblenzer Seilbahn in Betrieb und noch immer ist der der Schwebezustand nicht ganz beseitigt. Zwar hat die UNESCO die ursprünglich genehmigte Laufzeit von nur drei Jahren auf vielfachen Wunsch bis zum Ende dieses Jahres verlängert. Um aber eine Dauerbetriebserlaubnis zu erteilen, soll die Talstation umgestaltet werden. Der angeblich überdimensionierte Bau mit seinem gewellten Dach nehme die Sicht auf die mittelalterliche Basilika St. Kastor, bemängelte ein UNESCO-Komitee. 2024 hat die Stadt Koblenz deshalb einen Architektenwettbewerb ausgerufen. Der Siegerentwurf wurde den Welterbehütern vorgelegt, aber noch gibt es seitens der UNESCO keine Entscheidung.
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