rolf fröhlings reisereportagen
Kentucky (USA)
MEHR ALS NUR "FRIED CHICKEN"
Wenn wir "Kentucky" hören, denken die meisten von uns sicher zu allererst an fritierte Hähnchenteile einer großen amerikanischen Fast-food-Kette. KFC mit Firmensitz in Louisville/Kentucky betreibt schließlich mehr als 11.000 Restaurants rund um den Erdball. Als Reiseziel dagegen ist der 15. US-Bundesstaat hierzulande noch wenig populär. In den Buchhandlungen gibt es nicht mal einen deutschsprachigen Spezial-Reiseführer zu kaufen. Und in den allgemeinen USA-Führern wird Kentucky – wenn überhaupt – nur ganz am Rande erwähnt. Ein Grund könnte sein, dass es geographisch schwer zuzuordnen ist: Es liegt weder im Norden noch im Süden, weder im Osten noch im Westen der Vereinigten Staaten. Auch nicht direkt im Zentrum, sondern irgendwo zwischendrin. Fußballer würden wohl sagen: im halbrechten Mittelfeld. Außerdem gibt es keine direkte Flugverbindung von Deutschland aus. Doch dieses touristische Schattendasein hat Kentucky nicht verdient, denn es bietet weit mehr als nur "fried chicken".
Reportagen (Radio hr3, 12.10.2003):
LEXINGTON
das Zentrum der schnellen Pferde
Alles Glück der Erde liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde. Das gilt besonders für das Blue Grass Country, die Gegend rund um Lexington, Kentucky. Hier gibt es an die 500 Gestüte, in denen Vollblüter gezüchtet werden. Saftige grüne Wiesen und weiße Weidezäune aus Holz bestimmen die Szenerie. Hier grasen die Derby-Sieger von morgen. Lexington selbst nennt sich stolz "The Horse Capital Of The World", die Welthauptstadt der Pferde.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[zum Anhören klicken: Atmo Pferderennbahn]
Zweimal im Jahr steht ganz Lexington Kopf. Dann pilgern mehr als 25.000 Galoppsport-Fans zum Keeneland Race Track. Die Herren im feinen Zwirn, die Damen mit breitkrempigem Hut. Unter den Gästen jede Menge Promis. Sogar die Queen war schon hier. Keeneland ist die eleganteste Rennbahn der USA, sozusagen die amerikanische Antwort auf Ascot.
[O-Ton Pressesprecherin Keeneland:]
"At Keeneland one of the things ...
In Keeneland ist ein Rennwochenende ebenso sehr ein gesellschaftliches Ereignis wie ein sportliches. Die Rennen finden ja nur zweimal im Jahr statt – im April und im Oktober. Und da ist das dann eben ein ganz besonderer Event. Die Leute machen sich zurecht, sie sind aufgeregt. Für die meisten ist dies wahrscheinlich das einzige Pferderennen im Jahr, das sie besuchen.
... of the races all year."
Aber auch zwischen den Renntagen ist Keeneland ein Magnet für Liebhaber edler Rosse.
[Atmo: galoppierendes Pferd]
Hier kann man den Jockeys beim Training zuschauen, einen Plausch mit den Stallburschen halten oder – wenn man Glück hat – eine Auktion beobachten.
[zum Anhören klicken: Atmo Pferdeauktion in Keeneland
Dabei geht es um viel Geld. Das bisher teuerste Pferd in Keeneland wechselte für gut 13 Millionen Dollar den Besitzer, als gefragter Zuchthengst aber hat es diese Summe locker wieder eingespielt.
[O-Ton Pressesprecherin Keeneland:]
"The flipside to that …
Die Kehrseite der Medaille ist: Der zweithöchste Preis, der bei einer Vollblüter-Auktion hier in Keeneland erzielt wurde, war 10 Millionen Dollar. Dieser Hengst aber ist auf den Rennbahnen meistens hinterher gelaufen und auch als Samenspender brachte er nicht viel zustande. Seine 10 Millionen war er auf keinen Fall wert. Und das zeigt, dass dieses ganze Geschäft ein reines Glücksspiel ist.
… a gamble in this business."
Die Siegertypen in diesem Spiel zeigt Lexingtons Kentucky Horse Park. Das ist eine Art Mega-Gestüt zum Anfassen mit Ruhmeshalle der lebenden Legenden auf vier Hufen.
[zum Anhören klicken: Atmo Ankündigung "John Henry"]
So zum Beispiel der mittlerweile greise "John Henry" - mit 6,5 Millionen Dollar Siegprämien einer der erfolgreichsten Galopper des 20. Jahrhunderts. Für Sam Ruben, seinen Besitzer, war er ein echtes Schnäppchen, zumindest im Nachhinein. Und dabei hatte dieser Mann von Pferden keinen blassen "Schimmel":
[O-Ton Pressesprecherin Keeneland:]
"When Sam purchased him ...
Als Sam ihn kaufte, fragten ihn die Leute, ob er verrückt sei, 25.000 Dollar für einen dreijährigen Wallach auszugeben. 'Wieso?', fragte Sam zurück. Und: 'Welche Farbe hat eigentlich ein Wallach?'
… what color is a gelding?"
[zum Anhören klicken: Geräusch wieherndes Pferd]
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"BELLE OF LOUISVILLE"
eine Legende unter Volldampf
Die Nordgrenze von Kentucky markiert ein langer ruhiger Fluss: der Ohio River. Breit und gemächlich wälzt er sich zum Mississippi hin. Vorbei an Louisville, Kentuckys größter Stadt. Und auch eine ihrer Attraktionen hat mit dem Fluss zu tun: die "Belle Of Louisville", ein Schaufelraddampfer aus der guten alten Zeit. Sie hat schon fast ein Jahrhundert auf dem Buckel und versieht immer noch fleißig ihren Dienst. Bei ihren Kreuzfahrten auf dem Ohio River wird die Welt von Tom Sawyer und Huckleberry Finn wieder lebendig.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[Atmo: Signalhorn]
Leinen los und mit Volldampf voraus. Das Schaufelrad am Heck des Schiffes beginnt zu rotieren. Mühsam stemmt sich die "Belle of Louisville" gegen die Strömung des Ohio.
[Atmo: Schaufelrad]
Die Passagiere rekeln sich auf dem Sonnendeck oder schwingen im Ballsaal das Tanzbein.
[Atmo: Musik an Bord]
Oben auf der Brücke steht Kevin Mullen, der Käpt'n. Fesch sieht er aus in seiner blütenweißen Uniform. Ein Offizier und Gentleman. Seit 23 Jahren dampft er auf dieser schwimmenden Legende über den Ohio. Vielleicht nicht ganz so spannend wie auf einem Ozeanriesen, trotzdem möchte Mullen mit keinem anderen Kapitän tauschen.
[O-Ton Kevin Mullen:]
"I’m very proud ...
Ich bin sehr stolz, Mitglied dieser Crew zu sein. Es gibt wahrscheinlich keine andere Besatzung, die sich so eng mit ihrem Schiff verbunden fühlt wie unsere. Und das ist wirklich was Besonderes. Denn dies ist der älteste noch im Dienst befindliche Schaufelraddampfer der Vereinigten Staaten, und er ist einer der letzten seiner Art.
... last of her kind."
[zum Anhören klicken: Atmo Schaufelrad]
Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts beherrschten Dampfschiffe die Szenerie auf dem Ohio. Sie sind untrennbar mit der amerikanischen Geschichte verbunden.
[O-Ton Kevin Mullen:]
"There was no interstate ...
Es gab ja damals keine Autobahnen. Die Wasserstraßen des Mississippi und seiner Nebenflüsse waren die wichtigsten Verkehrsadern, um die Besiedlung vom Osten der USA ins Landesinnere auszudehnen. Und alle kamen sie den Ohio runter. Ursprünglich waren sie in Kanus und flachen Holzbooten unterwegs. Erst als die Dampfschiffe aufkamen, ab 1811, konnten die Leute endlich auch bequem stromaufwärts fahren. Sie brauchten nicht mehr zu rudern oder die Boote an Seilen zu ziehen. Die Dampfkraft machte die Schiffe vielseitiger verwendbar.
... gave the boats versatility."
[Geräusch: Schaufelrad]
Auch die "Belle of Louisville" hat eine vielseitige Vergangenheit. In ihrer Jugend diente sie als Fähre auf dem Mississippi, sie war Frachtkahn und Schubschiff. In den Fünfziger Jahren wurde sie aufwendig restauriert. Ein reicher Jurist erkannte in dem alten Dampfer die Attraktion, die er heute ist, und ersteigerte ihn. Seither schippert er als "Die Schöne von Louisville" nostalgische Touristen über den Ohio River. Und wenn es nach Captain Mullen geht, soll das noch eine ganze Weile so bleiben.
[O-Ton Kevin Mullen:]
"This boat will be ...
Dieses Schiff wird im Oktober 2014 hundert Jahre alt. Und wir tun alles dafür, damit es zumindest an seinem Geburtstag noch im Dienst ist. Wir wollen auch die nächste Generation dafür ausbilden, das Schiff weiter zu betreiben. So lange es bis dahin keine Katastrophe gibt – ein Feuer an Bord oder eine Kollision. Wenn wir auch weiterhin vom Staat finanzielle Unterstützung bekommen und wir sie technisch am Laufen halten können, wird sie definitiv bis dahin weiter fahren.
... shall last it definitely."
[Atmo: Signalhorn]
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In der einen Hand das Schießeisen, in der anderen ein Glas Bourbon – so kennt man die Cowboys im Western-Saloon. Auch die Ewings auf der Southfork Ranch ertränken ihre Sorgen gerne in einem Gläschen Bourbon. So unterschiedlich die Personen und das Ambiente – der Whiskey kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit in beiden Fällen aus Kentucky. Denn dort wird der meiste Bourbon hergestellt. Einige Destillerien blicken auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück und lassen sich gerne bei der Arbeit zuschauen. So wie die Maker’s Mark Distillery in der Nähe von Louisville. Sie ist laut Guinness-Buch der Rekorde die älteste Bourbon-Brennerei der Welt.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[Musik: "Blue Moon Of Kentucky" von Bill Monroe & The Bluegrass Band]
Wenn der Tag geht und der blaue Mond über Kentucky aufzieht, dann kann man sich ruhig mal einen Bourbon genehmigen. Oder auch zwei oder drei. So sieht das jedenfalls David Pickerell von Maker's Mark. Am besten mit Freunden gemütlich vor dem Kamin. Ob mit Soda oder gemixt als "Manhattan" – da habe jeder so seine eigenen Vorlieben, erlaubt sei, was gefällt.
[O-Ton David Pickerell:]
"The way I like it ...
Ich mag ihn am liebsten pur mit zwei, drei Eiswürfeln. Oder geschüttelt mit Eis und dann pur getrunken. So bleibt er kalt und kriegt nur ein ganz klein wenig Wasser ab, um den vollen Geschmack zu entfalten.
... to open up the taste."
Die Herstellung von Whiskey ist natürlich eine Wissenschaft für sich. Maker's Mark macht aus seinem Erfolgsrezept kein Geheimnis: gerösteter Mais, gemalzte Gerste und – als besondere Zutat – roter Winterweizen statt Roggen. Das ergibt angeblich einen milderen Geschmack. Ebenso wichtig für das Aroma: immer wieder frisches Holz für die Fässer und die nötige Geduld:
[O-Ton David Pickerell:]
"Our maturation will take …
Unsere Reifezeit beträgt im Schnitt etwa sechs Jahre. Aber das ist unterschiedlich, denn ein heißer Sommer und ein kalter Winter lassen den Whiskey schneller reifen als ein kühler Sommer und ein milder Winter. Wir variieren das Alter immer ein wenig, um den Temperaturschwankungen Rechnung zu tragen.
... the seasonal variances."
Maker’s Mark steht im Guinness-Buch der Rekorde als älteste noch bestehende Bourbon-Destille der Welt. Vor fast 200 Jahren wurde sie gegründet. Bei Besuchern steht sie hoch im Kurs. Sechs Führungen täglich sind notwendig, um den Ansturm zu bewältigen. Die Leute wollen natürlich vor allem Hochprozentiges verkosten, aber sie kommen auch wegen der parkähnlichen Idylle:
[O-Ton David Pickerell:]
"The site is designed ...
Die Anlage ist konstruiert wie ein viktorianisches Dorf. So wie es hier am Ende des amerikanischen Bürgerkriegs ausgesehen hat. Und darüberhinaus haben wir ein Arboretum mit heimischen Baumarten, das sich unsere Besucher ebenfalls anschauen können.
... native setting as well."
Kurioserweise liegt die Maker's Mark Distillery in einem so genannten "dry county". Hier ist der Handel mit Alkohol streng verboten. Ausgerechnet in Kentucky, wo der meiste Bourbon produziert wird, gibt es viele dieser trockenen Landkreise. Die Lobby der Alkoholgegner ist mächtig:
[O-Ton David Pickerell:]
"Half of the people ...
Die Hälfte der Leute, die Kentucky trocken halten wollen, führt dafür religiöse Gründe an, denn Kentucky ist traditionell ein tief religiöses Land. Die andere Gruppe, die versucht, es trocken zu halten, sind die Alkohol-Schmuggler und die 'moonshiners’, die Schwarzbrenner. Die sehen im legalen Alkoholhandel eine Konkurrenz. Und so tun sich in Kentucky die Schmuggler und die Schwarzbrenner mit den religiösen Leuten zusammen, um zu verhindern, dass der Alkoholhandel in vielen Countys freigegeben wird.
... in many of the counties."
Zum Glück ist das Trinken noch nicht verboten. Und so kann sich David Pickerell ruhig mal einen genehmigen. Spätestens wenn der Tag geht und der blaue Mond über Kentucky aufzieht.
[Musik: "Blue Moon Of Kentucky"]
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MAMMOTH CAVE
eine Expedition ins Reich der Finsternis
Mit fast zwei Millionen Besuchern jährlich ist der Mammoth Cave National Park Kentuckys Touristenmagnet No. 1. Unter seiner Oberfläche verbirgt sich das längste Höhlensystem der Welt. Mammoth Cave ist ein Labyrinth von unterirdischen Gängen. 350 Meilen davon sind erforscht. Geologen vermuten aber, dass es tatsächlich etwa 600 Meilen sein könnten. Es gibt also noch viel zu entdecken. Drum starten täglich ganze Horden von lichtscheuen Gestalten zu einer Expedition ins Reich der Finsternis.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[Atmo: Tropfsteinhöhle]
Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt der Volksmund. Und so hat sich das Wasser auch durch den porösen Kalkstein im Herzen von Kentucky gegraben. Dabei schuf es ein gigantisches Verbundystem von Kanälen, Schächten und Kammern. Eine wahre Mammuthöhle also. Obwohl sie schon vor 4.000 Jahren von Ureinwohnern entdeckt wurde, begann die systematische Erforschung vor nicht mal 100 Jahren. Und dabei hat sich ausgerechnet ein Deutscher hervorgetan:
[O-Ton Chuck DeCroix:]
"Max Kämper came here …
Max Kämper kam 1908 als Tourist hierher und erkannte sofort, dass er es mit einem riesigen Höhlensystem zu tun hatte. Statt, wie geplant, einen Tag, blieb er acht Monate, und in dieser Zeit kartographierte er Gänge von insgesamt 35 Meilen Länge. Die meisten hatte er selbst entdeckt zusammen mit seinem Guide und Assistenten Ed Bishop.
... and assistant Ed Bishop."
Chuck DeCroix ist Ranger im Mammoth Cave National Park und führt Besucher durch das unterirdische Labyrinth. Mehrere Touren stehen zur Auswahl. Die beliebteste führt zu der Tropfsteinformation mit dem klangvollen Namen "Frozen Niagara". Sie sieht nämlich aus wie ein gefrorener Wasserfall. Chuck selber aber favorisiert eine andere Tour:
[O-Ton Chuck DeCroix:]
"My personal favourite ...
Ich persönlich mag am liebsten die sogenannte Wild Cave Tour. Sie führt sechseinhalb Stunden lang durch die Dunkelheit. Die Teilnehmer bringen eigene Stiefel mit und Kleidung, die ruhig dreckig werden kann. Wir statten sie mit Helmen, Lampen und Knieschützern aus. Auf fünf Meilen Länge bewegen wir uns nur kriechend voran, teilweise auch kletternd. Die Leute robben auf dem Bauch durch den Schmutz und finden es dennoch großartig. Die Tour ist ziemlich anstrengend, aber am Ende weiß man, dass man etwas geleistet hat.
... you’ve done something."
Mit etwas Glück trifft man dabei auch auf tierische Höhlenbewohner, die sich der totalen Finsternis perfekt angepasst haben. Dazu gehören Fische und Krabben, die keine Augen haben und vollkommen weiß sind, weil sie dort unten keine Pigmentierung brauchen. Kentuckys einziger Nationalpark ist eine ebenso geheimnisvolle wie faszinierende Welt. Sie steht unter dem Schutz der Vereinten Nationen.
[O-Ton Chuck DeCroix:]
"Mammoth Cave is a world ...
Mammoth Cave gehört zum UNESCO-Welterbe und ist außerdem ein internationales Biosphärenreservat. Damit ist auch ein besserer Schutz für die Höhle und den Park drumherum verbunden. Es soll einfach klar machen: Mammoth Cave ist keine rein amerikanische Angelegenheit. Es geht die ganze Welt an und es sollte erhalten werden.
... should be preserved."
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Spätestens seit dem James-Bond-Abenteuer "Goldfinger" ist er in aller Welt bekannt: der Goldtresor von Fort Knox. Dort lagert ein Großteil der amerikanischen Goldreserven und noch vieles mehr. Fort Knox gilt nicht nur als größter Tresor der Welt, sondern auch als der sicherste. Er liegt inmitten eines Militärstützpunkts südlich von Louisville, Kentucky. Für Besucher gibt es ein Museum auf dem Gelände. Der eigentliche Tresor jedoch ist für sie tabu. Bewacht wird er von Tausenden von Soldaten. Damit niemand auf dumme Gedanken kommt.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[Musik: "Goldfinger" aus dem gleichnamigen James-Bond-Film]
[Filmausschnitt:]
"Das ist meine Bank, Gentlemen, der Goldtresor von Fort Knox. Dort lagern Goldbarren im Wert von vielen Billionen Dollar – die gesamten Goldreserven der Vereinigten Staaten."
"Sie wollen Fort Knox ausrauben? Hahaha."
Es erscheint in der Tat geradezu lächerlich, was Gert Fröbe alias Goldfinger da versucht hat: Diese Festung aus Granit, Stahl und Beton zu knacken. Und doch wäre es ihm fast gelungen, hätte da nicht ein gewisser James Bond seine Pläne vereitelt. Einen solchen Versuch aber hat es bisher wohl nur im Kino gegeben. Zumindest sei nie einer an die Öffentlichkeit gedrungen, meint der Fort-Knox-Experte Gary Kempf.
[O-Ton Gary Kempf:]
"If it were direct here ...
Wenn Sie direkt hier über dem Gebäude eine Atombombe abwerfen würden, könnten Sie den Tresor vielleicht zerstören, aber selbst das bezweifle ich. Die meisten Sicherheitsvorkehrungen sind zwar geheim, doch ich glaube, ein Versuch, den Tresor zu knacken, lohnt sich nicht. Es würde viel zu lange dauern, das Gold herauszuholen, denn es wiegt ja eine ganze Menge. Außerdem würde binnen weniger Minuten eine ganze Armee von schwer bewaffneten Soldaten hier sein, um die Räuber zu stoppen.
… attempting to stop you."
[Musik: Sound-track aus "Goldfinger"]
Goldfingers Attacke auf Fort Knox ist deshalb zur Legende geworden. Auch hier am Schauplatz des Leinwand-Spektakels. Und Gary Kempf kann sich sogar noch an die Dreharbeiten erinnern, vor gut vierzig Jahren:
[O-Ton Gary Kempf:]
"Portions of it were ...
Teile des Films wurden tatächlich hier in Fort Knox gedreht. Insbesondere die Szene, in der Pussy Galore mit ihren Pilotinnen über das Gelände fliegt und Nervengas auf die Truppen versprüht. Als Statisten setzten sie echte Soldaten ein, die hier in Fort Knox stationiert waren. Die Szenen im Gold-Tresor dagegen sind nicht hier entstanden. Das Filmteam durfte den Tresorraum nicht betreten. Doch die Außenaufnahmen wurden alle hier gedreht.
… were shot right here."
Das Filmteam durfte nicht rein und Besucher leider auch nicht. Die müssen sich an ein Modell des Tresors im Museum von Fort Knox halten. Die Goldbarren kriegen allenfalls wenige ausgesuchte Beamte des US-Finanzministeriums zu sehen. Nur ein einziges Mal hatten gewöhnliche Sterbliche Zutritt:
[O-Ton Gary Kempf:]
"I think it was in the 1950s ...
Das muss in den Fünfziger Jahren gewesen sein. Ich hab’ mit einigen gesprochen, die dabei waren. Damals wurde ein High-School-Football-Team angeheuert, um die Goldbarren von einer Etage des Tresors in eine andere zu schaffen. Die Jungs brachten ganze Tage im Tresor zu, einer neben dem andern, und schichteten das Gold um.
… one vault to another."
Wieviel Gold genau dort lagert, ist streng geheim. Es ist auf jeden Fall viele Milliarden Dollar wert. Und es sollen nicht nur die amerikanischen Goldreserven sein, sondern Gerüchten zufolge auch die von anderen Staaten wie der Schweiz oder Deutschland. Eine offizielle Bestätigung aber gibt es nicht, und auch Gary Kempf kann nur spekulieren.
[O-Ton Gary Kempf:]
"I do know that certain ...
Ich weiß, dass bestimmte Wertgegenstände im Tresor aufbewahrt wurden, aus Sicherheitsgründen. Im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel eine Original-Kopie der Magna Charta. Auch die ungarischen Kronjuwelen wurden hier eine Zeit lang verwahrt. Was jedoch das Gold anderer Nationen betrifft, weiß ich nicht Bescheid. Ich glaube nicht daran, aber ich kann mich irren.
... I could be wrong."
Fort Knox ist und bleibt nicht nur der größte Tresor der Welt, sondern auch eines der bestgehüteten Geheimnisse. Und das hat bisher nur einer beinahe gelüftet:
[Musik: "Goldfinger"]
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Hessen, noch mal aufgepasst! Im letzten Teil unserer Kentucky-Rundreise geht es nach Frankfort. Nein, nicht nach Frankfurt. Nach Frankfort: Hauptstadt des 15. Bundesstaats der USA. Im Gegensatz zu Frankfurt am Main alles andere als eine Metropole mit gerade mal 28.000 Einwohnern. Frankfort ist klein, aber fein. Es liegt malerisch im Tal des Kentucky River und sein historischer Stadtkern aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert ist fast komplett erhalten. Bei einem geführten Rundgang durch Old Frankfort gibt Russ Hatter einen Einblick in Geschichte und Geschichten der Stadt.
Reportage (Radio hr3, 12.10.2003):
[Atmo-Ton Stadtführer Russ Hatter:]
"Welcome to the capital of Kentucky, folks …"
Willkommen in der Hauptstadt von Kentucky. Egal ob ihr aus Chicago, Illinois, kommt oder aus Frankfurt, Germany, sagt der ehemalige Radio-Moderator. Die historische Tracht aus dem 18. Jahrhundert steht ihm gut. So als würde er nie etwas anderes tragen. Doch bevor Russ Hatter mit der Führung beginnt, will er erstmal ein paar wesentliche Dinge klären. Zum Beispiel, warum gerade Frankfort Regierungssitz des Staates Kentucky wurde:
[O-Ton Russ Hatter:]
"The question is: why not Lexington …
Die Frage ist doch, warum nicht Lexington, warum nicht Louisville. Die Leute sind oft erstaunt, warum ausgerechnet dieses kleine Nest die Hauptstadt von Kentucky ist. Nun, wir haben den Regierungssitz bekommen auf typisch amerikanische Art: Wir haben ihn gekauft.
... we bought it."
Mit 3.000 Dollar – Geld, das seine Bürger gespendet hatten – stach Frankfort die Mitbewerber aus und wurde Hauptstadt. 1792 war das genau. Erst wenige Jahre zuvor war Frankfort gegründet worden. Und sein Name geht nicht etwa auf Frankfurt am Main zurück, erklärt Russ Hatter mit leichtem Bedauern in der Stimme, sondern auf ein Ereignis aus der Zeit, als Kentucky noch Indianerland war.
[O-Ton Russ Hatter:]
"If you went anywhere ...
Wer damals von Lexington nach Louisville reiste, musste irgendwo den Kentucky River durchqueren. Eine der seichtesten Stellen war hier hinter dieser Biegung. Und die Indianer wussten natürlich auch, dass die Siedler genau hier durch den Fluss kommen würden. Sie lauerten ihnen auf, brachten ein paar von ihnen um und klauten ihre Sachen. Im März 1780 töteten sie einen Mann namens Steven Frank. Und seit dieser Zeit hieß die Gegend 'Franks Furt'.
… referred to as Frank’s ford."
Nachdem diese wesentlichen Dinge geklärt sind, nimmt uns Russ Hatter mit auf seine Tour durch die Altstadt von Frankfort. Er zeigt uns das alte Staatskapitol, Kirchen, Villen und Denkmäler. Dabei hören wir die Geschichte eines ehemaligen Gouverneurs, der nach nur drei Tagen im Amt von seinen politischen Gegnern erschossen wurde. Oder die Geschichte von der Eisenbahn, die noch heute mitten über den Broadway rumpelt.
[Geräusch: Eisenbahn]
[O-Ton Russ Hatter:]
"The railway that ran between …
Die Eisenbahn zwischen Frankfort und Lexington war die zweite Bahnlinie überhaupt in den Vereinigten Staaten. Die erste Fahrt dauerte 2 Stunden und 29 Minuten. Dabei waren es nur ein paar Meilen. Sie brauchten deshalb so lange, weil sie keine Lokomotive hatten. Die Eisenbahnwagen wurden noch von Pferden gezogen.
... train-car from that distance."
Nach gut zwei Stunden wissen wir mehr über Frankfort als wir über Frankfurt je wussten. Nur ein paar Geschichten hätte Russ Hatter gerne noch vertiefen können. Zum Beispiel die mit dem angeblichen Geisterhaus in der Wilkinson Street. Sogar Funk und Fernsehen in den USA sollen darüber berichtet haben. Aber unser Stadtführer zuckt nur geheimnisvoll mit den Schultern und setzt dem Spuk ein rasches Ende:
[zum Anhören klicken: Atmo-Ton Russ Hatter]
"Well, it's been a great visit, folk. I hope you have a chance to see us again in the United States. Russ Hatter says: So long, farewell."
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