rolf fröhlings reisereportagen
Hegau-Bodensee (BW)
TOSKANA TRIFFT RIVIERA
Der Hegau ist eine Region, die sich an die nordwestlichen Ufer des Bodensees schmiegt. Seine Grenzen jedoch sind nicht klar umrissen. Im engeren Sinne wird nur das Gebiet um Singen am Hohentwiel als Hegau bezeichnet, im historischen und weitesten Sinne reicht der Hegau im Süden bis hinunter nach Konstanz, im Westen bis nach Schaffhausen in der Schweiz. Wieder andere wählen die goldene Mitte und sagen, der Hegau sei geographisch in etwa mit dem heutigen Landkreis Konstanz gleichzusetzen. Doch Einigkeit herrscht zumindest darin: Die liebliche Hügellandschaft des Hegaus erinnert sehr an die italienische Toskana und der Bodensee wegen seines fast schon mediterranen Klimas an die italienische Riviera. Für Urlauber jedenfalls hat die Hegau-Bodensee-Region viel zu bieten: vor allem bizarre Vulkangipfel, malerische Städte und eine üppige Vegetation.
Reportagen (Radio SWR4 RP, 07.10.2018):
... sind "des Herrgotts Kegelspiel". So nennt jedenfalls der Volksmund die Hegau-Vulkane. Denn wie Kegel ragen sie aus der ansonsten sanften Hügellandschaft heraus und machen sie einzigartig. Typischerweise tragen die Vulkane Namen, die mit Hohen- beginnen: Hohenhewen, Hohenkrähen, Hohenstoffeln und so weiter. Einer der markantesten und über die Region hinaus be-kanntesten dieser Hohendingsbumse ist der Hohentwiel bei Singen. Nicht zuletzt, weil sein 686 m hoher Gipfel von der größten Burgruine Deutschlands gekrönt ist.
Im Gebiet der Hegau-Vulkane gibt es viele Wanderrouten, darunter auch Premium-Wanderwege wie den "Hohentwieler". Dreimal dürfen Sie raten, wo der wohl hinführt ...
Reportage (Radio SWR4 RP, 07.10.2018):
Auf halber Höhe, an der Domäne Hohentwiel, marschieren wir los. Eine kleine Wandergruppe, die ganz nach oben will. Begleitet werden wir unter anderem von Dr. Hubertus Both, der die Domäne 20 Jahre lang geleitet hat. An der Nordseite des Hohentwiels öffnet sich der Blick auf die anderen Hegau-Gipfel. Im geologischen Sinn allerdings sind es gar keine echten Vulkane, erklärt uns Dr. Both, sondern erstarrte Magmasäulen, die als einzige den Eiszeitgletschern getrotzt haben:
[O-Ton Hubertus Both:]
"Das, was wir heute haben, sind im Endeffekt nicht die Vulkane, sondern bloß noch die Füllungen, die sozusagen in der Landschaft stehen, und das macht den Reiz dieser Landschaft, denn Sie können eigentlich kreuz und quer durch diese Hegau-Vulkane wandern, und je weiter Sie nach hinten kommen, desto weniger haben Sie von diesem Massentourismus."
Der Wanderweg zum Hohentwiel hinauf ist gesäumt von grünen Matten, die von den Schafen der Domäne abgeweidet wurden. Stehen lassen haben sie nur Disteln und Kräuter, die ihnen nicht schmecken wie Thymian oder den violett blühenden Ysop. Außer den Schafen setzt die Domäne auch Ziegen als tierische Landschaftspfleger ein:
[zum Anhören klicken: O-Ton Hubertus Both]
"Sie kennen das Märchen 'Tischlein, deck' dich', da sagt die Ziege: 'Ich bin so satt, ich mag kein Blatt.' Das sagt was übers Fressspektrum der Ziegen aus. Die fressen Blätter, die fressen Knospen, die fressen Rinde, und wenn Sie die gezielt einsetzen, dann können Sie die Verbuschung stoppen oder zurückdrängen."
Erst in Gipfelnähe geht die Graslandschaft in einen Wald aus Eschen und Robinien über. Und ganz oben thront die mittelalterliche Festung. Sie wurde in ihrer langen Geschichte niemals eingenommen, erst als Napoleon mit seinen Truppen kam, gab die Besatzung der Burg freiwillig auf, erzählt unser Wanderführer Hans-Jörg Baumann:
[O-Ton Hans-Jörg Baumann:]
"Napoleon hat zugesagt, dass der Hohentwiel nicht zerstört wird, und die haben dann daraufhin den Bestand übergeben, und dann hat er sich irgendwann kurzfristig anders besonnen und hat gesagt, die Burg wird geschleift, damit der Nimbus der Uneinnehmlichkeit dann weg wäre."
Nicht zerstört wurde der Turm der Festung. Der 360-Grad-Blick von dort oben ist unübertroffen, findet diese junge Dame aus Singen, die nicht zum ersten Mal heraufgekommen ist:
[O-Ton Besucherin:]
"Man sieht die Alpenkette. Hier 'rüber kann man den Säntis sehen, die Sieben Churfirsten. Hier 'rüber kann man den Montblanc sehen, bei richtig gutem Wetter, und auch in die andere Richtung im Winter sehr schön den schneebedeckten Feldberg im Schwarzwald. Also, von der Rundumsicht ist das perfekt."
Heute ist die Sicht leider nicht ganz so perfekt. Ein guter Grund aber, um irgendwann noch mal wiederzukommen.
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... sind die schönsten Städt' der Welt. Diesen Schulbuchreim kennt im Hegau jedes Kind. Der Verfasser ist unbekannt, deshalb ist auch nicht überliefert, wie viel er von der Welt gesehen hatte, als er den Vers ersann. Doch zumindest, was die kleine Welt des Hegaus betrifft, spielen Engen, Tengen und Blumenfeld in der ersten Reihe mit. Alle drei sind klein*), aber oho, und liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Alle drei nennen ein Schloss bzw. eine Burg ihr Eigen und haben ein gut erhaltenes mittelalterliches Stadtbild aufzuweisen. Besonders Engen, das ab 1975 aufwändig saniert und dafür auch mit einem Preis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, zieht viele Besucher in seinen Bann – und nicht nur die …
Reportage (Radio SWR4 RP, 07.10.2018):
[zum Anhören klicken: O-Ton Bürgermeister Johannes Moser]
"Ich freu' mich jeden Tag, wenn ich in das historische alte Rathaus gehen darf und dort den Fußweg von meiner Wohnung hier in die Stadt rein. Das ist immer schön, durch die schönste – eine der schönsten – Städte der Welt zu gehen."
... sagt der Bürgermeister von Engen, Johannes Moser. Und was macht das 6.000-Einwohner-Städtchen im Hegau so schön? Vor allem natürlich die schmucken Fassaden aus dem 15. und 17. Jahrhundert. Aber nicht nur. Bei der Sanierung hat man auch die mittelalterliche Brunnenkultur wiederaufleben lassen und teilweise modern interpretiert – so wie beim preisgekrönten Brunnen des Künstlers Lutz Brockhaus.
[O-Ton Johannes Moser:]
"Das sind drei Wassertröge. Dort werden die alten Teile der Wasserversorgung dargestellt. Als erstes Trinkwasser, dann wurde das Wasser für das Waschen von Wäsche verwendet, und zum Schluss hat es das Vieh zum Trinken bekommen."
Die Brunnenfiguren – ein Feuerwehrmann, eine Wäscherin und eine Passantin – sollen zeigen, dass die Brunnen auch eine soziale Funktion hatten.
[O-Ton Johannes Moser:]
Dort hat man sich getroffen, hat nicht nur Wäsche gewaschen oder Wasser geholt, sondern man hat miteinander gesprochen, Nachrichten ausgetauscht. Das war so 'ne Art Kommunikationszentrale, 'Facebook' im Mittelalter einer Stadt.
Wenn es um Schönheit geht, darf auch die sogenannte "Venus von Engen" nicht unerwähnt bleiben. Das prähistorische Figürchen kann man im Städtischen Museum bewundern. Es wurde vor den Toren der Stadt ausgegraben und vor rund 14.000 Jahren geschaffen.
[O-Ton Johannes Moser:]
"Das waren Steinzeitmenschen, es waren Nomaden, und die haben dort sehr gute Jagdgründe vorgefunden. So haben sie Zeit gehabt sich in ihrer Freizeit auch künstlerisch zu betätigen, und die haben aus Gagat, einem fossilen Stein, eine stilisierte Frauenfigur geschaffen. Und alle Frauenfiguren, die man so in der Steinzeit findet, die bekommen einen Namen, und dieser Name ist immer Venus, und in dem Fall ist es die 'Venus von Engen'."
Wie die Welt der Ur-Engener ausgesehen hat, kann man im "Eiszeitpark" am Fundort der Venus erleben. Dort wurde eine Landschaft gestaltet, wie sie vor 14.000 Jahren ausgesehen hat. Für die Bewohner war es vielleicht damals schon der schönste Ort auf der Welt ...
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Hinweis:
*) Tengen und Blumenfeld nahmen sogar mal für sich in Anspruch, die jeweils kleinste Stadt Deutschlands zu sein. Im Fall Tengen geht es dabei allerdings nur um den heutigen Stadtteil Tengen-Hinterburg, der von 1275 bis 1876 eine selbstständige Stadt war und am Ende ganze 45 Einwohner zählte.
Seit 1973 ist auch Blumenfeld nicht mehr selbstständig, sondern ein Stadtteil von Tengen. Zuvor hatte es seit dem Mittelalter eigenes Stadtrecht besessen. Zum Zeitpunkt der Eingemeindung lebten dort gerade mal 150 Menschen.
Heute (2018) hat die Stadt Tengen mit Blumenfeld und allen eingemeindeten Dörfern drum herum insgesamt etwa 4.500 Einwohner.
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… alle Blumen welken. So begann früher mancher Eintrag in Poesiealben. Und vergänglich sind auch die Blumen auf der Bodensee-Insel Mainau, unweit von Konstanz. Aber bevor sie gänzlich verwelken, werden sie stets durch neue ersetzt. So bleibt das Touristenziel Nr. 1 in der Region das ganze Jahr über attraktiv. Schon seit den 1930er Jahren, als der neue Besitzer, der schwedische Graf Lennart Bernadotte, die Mainau für Besucher öffnete, erfreuen sich Scharen von Blumenfreunden an dem bunten Blütenmeer im "Schwäbischen Meer". Inzwischen kommen rund eine Million Besucher jährlich. Viele erwerben sogar eine Dauerkarte. Und ein Heer von GärtnerInnen sorgt dafür, dass es niemals langweilig wird.
Reportage (Radio SWR4 RP, 07.10.2018):
Markus Zeiler ist Gartendirektor auf der Insel Mainau und damit Herr über Millionen Blüten. Zwar kann er sich auf ein 60-köpfiges Team stützen, aber zum Beispiel wenn es darum geht, welche Blumen gepflanzt werden, spricht der Chef ein gewichtiges Wörtchen mit. Über die Frage, was denn seine persönlichen Lieblingsblumen sind, muss er aber erst mal nachdenken, bevor er antwortet:
[zum Anhören klicken: O-Ton Gartendirektor Markus Zeiler]
"Ich find', die Zwiebelblumen haben mir's eigentlich angetan, das heißt Tulpe und Narzisse im Frühjahr, auch später dann Gladiole zum Beispiel, wo aus so einer kleinen Kugel was Wunderschönes entstehen kann. Gräser find' ich eigentlich ganz spannend, ja, und dann die Kombination aus allem, das macht's dann."
Der Spätsommer auf der Mainau steht ganz im Zeichen der Dahlien. Auch hier macht es die Kombination: Aus 270 Sorten in unterschiedlichsten Farben und Formen wird ein kunterbunter Blütenteppich geknüpft. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Diese Frage reicht Markus Zeiler gerne ans Publikum weiter.
[O-Ton Markus Zeiler:]
"Der Besucher kann hier zur Hauptblüte im September seine Lieblingsdahlie wählen, wir nennen das dann die Mainau-Dahlienkönigin. Wir machen das schon über 65 Jahre, mit attraktiven Preisen, also 'ne Geschichte mit 'ner ganz langen Tradition und bei den Besuchern immer wieder sehr beliebt."
Tradition hat inzwischen auch schon das Jahresmotto. In diesem Jahr heißt es "Faszination Afrika". Dazu gehören Palmen und tropische Früchte ebenso wie eine Sandskulptur in Form der ägyptischen Sphinx.
[O-Ton Markus Zeiler:]
"Im nächsten Jahr steht die Insel unter dem Jahresmotto 'Sonne, Mond und Sterne'. Anlass ist unter anderem der 50-jährige Jahrestag der Mondlandung, und die Gestirne, allen voran die Sonne und der Mond, prägen eigentlich unser gärtnerisches Tun. Der Lauf der Sonne sorgt für Tag und Nacht, sorgt für die Ausbildung der Jahreszeiten, die für uns Gärtner mehr als relevant sind, und insofern ist es für uns einfach mal legitim die Gestirne als Jahresmotto zu wählen."
Vorher steht aber noch der Winter an. Da blüht es zwar deutlich weniger, aber Attraktionen warten auch in der kalten Jahreszeit auf die Besucher. Das Arboretum beispielsweise mit exotischen Baumriesen. Oder das Schmetterlingshaus, wo man sich im künstlichen Regenwaldklima zwischendurch mal aufwärmen kann. Und die tropischen Falter dort sehen fast so aus wie bunte Blüten ...
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VOM RITTER ZUM RITTERSPORN
- wie die Mainau zur Blumeninsel wurde
Nicht immer war das Schloss auf der Insel Mainau von einem Blütenmeer umgeben. Und nicht immer war die Insel im Besitz der Grafen Bernadotte, die dem schwedischen Königshaus entstammen. Zuvor gehörte sie seit dem Mittelalter dem Deutschen Ritterorden. 530 Jahre lang, vom 13. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, waren Ordensritter hier ansässig. Sie waren es auch, die zwischen 1739 und 1746 die barocke Schlossanlage erbauen ließen – und zwar von dem deutsch-italienischen Baumeister Johann Caspar Bagnato.
In der Deutschordenszeit wurde die Mainau landwirtschaftlich genutzt. Es gab Wiesen, Getreidefelder, nach Süden hin einen Weinberg und in unmittelbarer Nähe zum Schloss einen Küchen- und Gemüsegarten. Da wurde das angebaut, was für die Versorgung der Ritter nötig war.
Nach der Säkularisierung des Ordens 1803 begann eine wechselvolle Geschichte für die Mainau. Mehrfach innerhalb weniger Jahrzehnte wechselten die Besitzer. Von 1827 bis 1830 war der ungarische Fürst Nikolaus von Eszterhazy Herr der Insel. Er begann die mittelalterlichen Befestigungsanlagen zurückzubauen und brachte die ersten fremdländischen Pflanzen mit. Ein Tulpenbaum im Arboretum soll noch aus dieser Zeit stammen.
1853 erwarb Großherzog Friedrich I. von Baden die Mainau als privaten Sommersitz. Er war leidenschaftlicher Pflanzensammler, leidenschaftlicher Gärtner und ließ den Park um das Schloss verschönern. Wege, auf denen man flanieren konnte, wurden angelegt ebenso wie Sitzplätze an Aussichtspunkten. Exotische Bäume wurden gepflanzt, die den Grundstock für das heutige Arboretum bildeten. Zu Beginn der 1860er Jahre kam ein Blumengarten im italienischen Stil hinzu. Die streng geometrische Linienführung war gerade in Mode. Der Großherzog hatte sie bei mehreren Reisen nach Italien kennen und schätzen gelernt. Aus dieser Anlage ist der heutige Rosengarten hervorgegangen.
Großherzog Friedrich war verheiratet mit Großherzogin Luise, einer preußischen Prinzessin. Ihr Vater war ab 1871 der Deutsche Kaiser Wilhelm I. Entsprechend war Luise die Schwester von Kaiser Friedrich III. und die Tante von Wilhelm II. Das Ehepaar hatte gemeinsam drei Kinder. Der erste Sohn, Prinz Ludwig, starb früh, und der zweite Sohn Friedrich II. von Baden trat 1907 nach dem Tod des Vaters das Erbe an. Seine Mutter, Großherzogin-Witwe Luise, verfügte, dass im Park von Mainau nichts verändert werden solle.
Danach folgte eine Phase, in der der Park verwilderte. Großherzog Friedrich II. vermachte dann die Insel an seine Schwester Viktoria. Diese Viktoria wurde durch Heirat schwedische Kronprinzessin und später schwedische Königin. Ihr Bruder Friedrich II. übergab ihr die Mainau mit der Bedingung, sie möge dafür sorgen, dass nach ihrem Ableben die Insel in den Besitz ihres zweitgeborenen Sohnes Wilhelm kommt. Prinz Wilhelm wiederum war verheiratet mit der russischen Großfürstin Maria Pawlowna aus der Zaren-Dynastie der Romanows. Die Ehe wurde zwar früh geschieden, dennoch gab es einen Nachkommen, nämlich einen gewissen Prinz Lennart. Nach der Scheidung der Eltern wuchs Lennart, der 1909 auf die Welt gekommen war, bei seiner Großmutter Königin Viktoria im Stockholmer Stadtschloss auf und besuchte mit ihr schon in Kindertagen die Urgroßmutter Luise auf der Insel Mainau.
Prinz Lennart schlug gemeinsam mit seinem Vater die Hände überm Kopf zusammen, als sie 1930 erfuhren, dass sie die Mainau geerbt hatten. Später schrieb er in seinen Memoiren, sein Erbe sei ein "schwimmender Dschungel" gewesen. Es gab im Schloss nur wenige Fenster, von denen aus man den Bodensee sehen konnte, weil nach mehr als 20 Jahren ohne gärtnerische Pflege alles zugewuchert war.
1932 heiratete Lennart die bürgerliche Fabrikantentochter Karin Nissvandt. Wegen dieser morganatischen Ehe musste er auf sämtliche Thronansprüche verzichten und auch auf seine Apanage. Der königliche Prinz nannte sich fortan Graf Bernadotte, kehrte Schweden den Rücken und machte die Insel Mainau zu seinem ständigen Wohnsitz. Er wollte seinen Lebensunterhalt eigentlich aus den Erlösen von Land- und Forstwirtschaft bestreiten, hat dann aber schnell festgestellt, dass man auch mit dem Tourismus Geld verdienen kann. Es kamen die ersten Besucher auf die Mainau. Einer wollte einen Kaffee trinken, der zweite ein Würstchen essen und der dritte eine Postkarte schreiben. Graf Lennart kam den Wünschen entgegen, fotografierte selber, denn er war ein guter Fotograf, nahm Parkmotive auf und verkaufte sie als Postkarten. So begründete er das Tourismus-Unternehmen Mainau. Schon vor dem 2. Weltkrieg öffnete er die Insel sukzessive für Besucher. Während des Krieges ging er zurück nach Schweden, setzte aber seine Pläne nach Kriegsende fort. In den Zeiten des Wirtschaftswunders wurde die Mainau ausgebaut, der Park erweitert, Graf Lennart und sein Team pflanzten Blumen im großen Stil und machten die Mainau zu dem, was sie heute ist, nämlich das größte Tourismus-Unternehmen am Bodensee.
Seit Lennart Bernadotte 2004 im Alter von 95 Jahren starb, ist sein Sohn aus zweiter Ehe, Graf Björn, der Herr über die Blumeninsel. Er leitet die Mainau GmbH gemeinsam mit seiner Schwester, Gräfin Bettina.
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