Main-Radweg bei Neustadt

Rolf Fröhlings Reisereportagen

Franken, Tour de

             

SCHLÖSSER, SCHIFFE UND SCHNEEWITTCHEN
- der Main-Radweg von Würzburg nach Aschaffenburg

Nicht nur für viele Hessen selbst ist der Main der hessische Fluss schlechthin. Tatsächlich aber fließt er weit überwiegend durch Bayern – oder besser gesagt: durch Franken. Und dabei scheint er es nicht eilig zu haben, hessischen Boden zu erreichen, denn zuvor windet er sich in zahlreichen Schleifen, als könne er sich nicht entscheiden, wo er eigentlich hin will. Das gilt ganz besonders für den unterfränkischen Abschnitt zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Knapp 200 Flusskilometer, die es in sich haben. Gesäumt von einer malerischen Landschaft mit malerischen Städten und Dörfern, bahnt sich der Main seinen verschlungenen Weg. Dabei ist der Main-Radweg sein ständiger Begleiter. Gut ausgebaut und ausgeschildert, folgt er getreulich den Mäandern des Flusses.
Wer zu einer „Tour de Franken“ starten will, kann auch die Dienste des Main-Radweg Services in Anspruch nehmen. Dazu gehört die Unterbringung in freundlichen Hotels und Gasthöfen, ein zuverlässiger Gepäcktransport von Etappenziel zu Etappenziel, auf Wunsch auch die Bereitstellung von tourentauglichen Leihfahrrädern. Dann also aufgesattelt und losgestrampelt. Denn es gibt viel zu sehen entlang des Mains in Unterfranken: vor allem Schlösser, Schiffe – und sogar das Schneewittchen!

Main-Radweg bei Neustadt
Titelfoto: Main-Radweg zwischen Lohr und Neustadt

Reportagen (Radio hr4, 25.07.2009):

ROKOKO, TIEPOLO UND UNESCO

Prolog: die Residenz in Würzburg

Würzburg Residenz Parkseite
Titelfoto: Residenz in Würzburg

                       

 

Keine Tour de France ohne einen Prolog, der noch vor der ersten Etappe am jeweiligen Startort des Radrennens ausgetragen wird. Und auch bei einer "Tour de Franken" mit Start in Würzburg wäre es geradezu sträflich, diese schöne Stadt gleich wieder zu verlassen, ohne sie zuvor ausgiebig erkundet zu haben. Deshalb empfiehlt es sich, einen Tag früher anzureisen, dann bleibt genügend Zeit für einen Rundkurs (schon per Rad oder noch zu Fuß) in der Perle Unterfrankens. Denn es gibt eine Fülle von Sehenswürdigkeiten – allen voran die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe. Sie gilt als eine der bedeutendsten Barockschlösser Europas und wird oft in einem Atemzug mit Versailles bei Paris und Schönbrunn bei Wien genannt. Das Meisterwerk des seinerzeit noch unbekannten Architekten Balthasar Neumann wurde später im Stil des Rokoko ausgebaut, vom damals schon berühmten italienischen Künstler Giovanni Battista Tiepolo ausgemalt und 1981 von der Unesco als Weltkulturerbe ausgewiesen.

Würzburg Residenzplatz
Blick vom Residenzplatz auf die Residenz in Würzburg
Würzburg Alte Mainbrücke Brückenheiliger Pippin
Frankenkönig Pippin der Kurze als Brückenheiliger auf der Alten Mainbrücke
Würzburg Alte Mainbrücke Brückenheiliger Borromäus
Auf der Alten Mainbrücke (links der Brückenheilige Karl Borromäus)
Würzburg Mainufer Alter Kranen
Alter Kranen am Mainufer
Würzburg Festung Marienburg Morgenlicht
Blick über den Main auf die Festung Marienberg und die Kirche St. Burkard
Würzburg Festung Marienberg Tor
Tor zur Festung Marienberg
Würzburg Festung Marienberg Türme
Festung Marienberg über Würzburg
Würzburg Käppele von fern
Blick von der Festung Marienberg auf die Wallfahrtskirche Käppele
Würzburg Festung Marienberg Panorama
Blick von der Festung Marienberg auf Main und Stadt Würzburg

Reportage (Radio hr4, 25.07.2009):

Originalton 2:37

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Barockmusik]

Barocke Klänge liegen förmlich in der Luft, wenn man den prächtigen Palast betritt. Erst noch piano im eher gedrungen wirkenden Vestibül, dann zu einem crescendo ansteigend, wenn man vor dem Treppenhaus mit seinem imposanten Deckengewölbe steht. Der Venezianer Tiepolo hat dort eines der größten Fresken der Welt gemalt. An den Seiten die vier damals bekannten Kontinente, symbolisch dargestellt.

[O-Ton Florian Brunn:]
"Links in der Ecke, da ist jemand mit 'ner roten Kappe auf dem Kopf, der so 'n bisschen nach vorne linst, und das ist Giovanni Battista Tiepolo. Europa als Kontinent der Kunst und der Kultur, da darf er natürlich als Maler des Freskos auch nicht fehlen."

Unser Gästeführer Florian Brunn geleitet uns durch die prunkvollen Gemächer – den Weißen Saal, den Kaisersaal und natürlich das Spiegelkabinett. Nach Ansicht der Unesco ist es eines der vollkommensten Raumkunstwerke des Rokoko, doch das wissen offenbar nicht alle Besucher zu schätzen.

Würzburg Residenz Treppenhaus
Treppenhaus mit Tiepolo-Fresko*)
Würzburg Residenz Kaisersaal
Kaisersaal*)
Würzburg Residenz Spiegelkabinett
Spiegelkabinett*)

[O-Ton Florian Brunn:]
"Nach sechseinhalb Jahren Gästeführung kann ich sagen, dass die Reaktion eigentlich immer so ausfällt: Die Gäste kommen ins Spiegelkabinett, sind erstmal begeistert von dem ganzen Gold, das sie sehen, jedoch kann man sagen, im Schnitt nach 15 Sekunden findet eigentlich jeder, dass es sehr überladen, sehr kitschig ist, und bisher in der Geschichte der Führungen war nur eine österreichische Gruppe, die zu 100 Prozent das Spiegelkabinett wirklich gemocht haben."

Am Barock scheiden sich eben die Geister. Die ganz mit Gold und Marmor ausgeschmückte Hofkirche der Residenz ist heute die beliebteste Hochzeitskapelle in Würzburg. Florian Brunn allerdings teilt die Begeisterung nicht wirklich:

[O-Ton Florian Brunn:]
"Ich kann Ihnen nur sagen, dass eben der Großteil der Hochzeiten hier stattfindet, was dazu führt, dass an manchen Vormittagen hier wirklich eine Braut der anderen die Klinke in die Hand gibt, schon die nächste Hochzeitsgesellschaft draußen wartet. Ich denke, ich würde 'nein' sagen wahrscheinlich in der Kirche, aber das liegt wohl daran, dass es wirklich zu viel und zu barock für mich ist."

Würzburg Residenz Kapelle innen
Schlosskapelle
Würzburg Residenz Florian Brunn
Schlossführer Florian Brunn
Würzburg Residenz Schlosspark
Symmetrie auch im Garten

Dann also doch lieber hinaus in den Hofgarten. Denn von außen, meint unser Gästeführer, macht die Residenz am allermeisten Eindruck – und braucht sich hinter ihrem französischen Vorbild nicht zu verstecken:

[O-Ton Florian Brunn:]
"Ich find’ die Würzburger Residenz, ohne hier übertreiben zu wollen, durch ihre Kompaktheit wesentlich schöner als Versailles. Versailles ist, wenn Sie es von vorne sehen, so unübersichtlich, uneinheitlich, eigentlich gar nicht typisch für den Barock, weil Barock ist Symmetrie ganz stark, und das hat man hier in der Residenz eigentlich viel besser gelöst."

Und die Symmetrie erstreckt sich auch auf die Gartenanlagen. Na, dann setzen wir uns doch ganz adagio auf eine Bank und lassen das barocke Gesamtkunstwerk auf uns wirken, ehe wir morgen mit dem Rad auf große Tour gehen.

[Barockmusik]

 

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*) © Bayerische Schlösserverwaltung
        www.schloesser.bayern.de  

 

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SPENGLER, SPESSART UND EIN SPASSBAD

erste Etappe: von Würzburg nach Marktheidenfeld

Karlstadt Main Totale
Titelfoto: Main bei Karlstadt

                

 

Nach so viel Kultur geht es nun also hinaus in die Natur. Die 1. Etappe unserer "Tour de Franken" entlang des Mains führt von Würzburg nach Marktheidenfeld. Sie ist fast neunzig Kilometer lang, aber auch für ungeübte Radfahrer durchaus zu bewältigen, denn es gibt unterwegs praktisch keine Steigungen. Trotzdem sollte man immer mal wieder eine Pause einlegen.
An Gelegenheiten dazu mangelt es nicht. Auf der Strecke gibt es viele interessante Orte, wo man Zwischenstation einlegen kann – ob im romantischen Karlstadt mit seinem einzigartigen Museum des Spengler-Handwerks, ob im nicht weniger romantischen Lohr, dem "Tor zum Spessart", wo auch das Schneewittchen zu Hause ist, oder schließlich am Zielort Marktheidenfeld mit seinem idyllisch gelegenen Spaßbad "Maradies".

Main Radweg bei Karlstadt 2 Radfahrer
Main-Radweg zwischen Würzburg und Karlstadt
Karlstadt Main Stadtzentrum
Karlstadt am Main
Karlstadt Main Klempnermuseum innen
Europäisches Klempner- und Kupferschmiedemuseum in Karlstadt
Main-Radweg bei Gemünden Gruppe von Radfahrern
Main-Radweg zwischen Karlstadt und Gemünden
Gemünden Main Saalebrücke
Brücke über die Fränkische Saale in Gemünden
Lohr Main Schloss außen
Schloss in Lohr am Main
Lohr am Main Rathaus
Rathaus von Lohr
Lohr Main Fußgängerzone
Fußgängerzone in Lohr
Lohr Main Hauptstraße
Blick durch die Hauptstraße von Lohr auf die Kirche St. Michael
Lohr Main Hotel Krone außen
Hotel Krone - schönes Fachwerkhaus in Lohr
Marktheidenfeld Maradies Totale
Spaßbad "Maradies" in Marktheidenfeld
Marktheidenfeld Maradies Nahaufnahme
Im Spaßbad "Maradies"

Der Blick aus dem Fenster macht richtig Laune. Die Festung Marienberg leuchtet in der Morgensonne. Unser Hotel liegt ihr zu Füßen, direkt am Mainufer. Noch schnell das Gepäck an der Rezeption abstellen, wo es im Laufe des Tages abgeholt wird, dann aber nichts wie los.
Nach gut zwei Stunden erreichen wir Karlstadt.

[Musik: "Ich bin Klempner von Beruf" von Reinhard Mey]

Hier erwartet uns das "Europäische Klempner- und Kupferschmiedemuseum". Es birgt eine ungewöhnliche Sammlung der Klempner-, auch Spenglerkunst genannt, die in Karlstadt Tradition hat.

Originalton 0:18

[zum Anhören klicken: O-Ton Spengler Mario Bott]

"Des sin' die Geräusche von 'nem Spengler, wenn er 'ne Turmkugel treibt. Das heißt, er treibt hier Blech, von 'nem Grabenblech macht er 'ne Kugel. Die muss er innen drin treiben. Das isses Geräusch, wo mer hört, auf'm Eisenstock, und außen stauchen mit 'nem Holzhammer."

Mario Bott, selbst ein Klempner von Beruf, zeigt uns, was mit dem Werkstoff Metall noch alles möglich ist. So zum Beispiel ein Teekännchen in Setzkastengröße, das aus einem einzigen Kupferpfennig gedengelt wurde:

[O-Ton Mario Bott:]
"Auch der Henkel, beweglich, und da gehört schon viel Handarbeit dazu und wahrscheinlich kein großer Hammer, um so was herzustellen, auch keine normalen Lötgeräte."

Karlstadt Main Klempnermuseum außen
Klempnermuseum in Karlstadt
Karlstadt Main Klempnermuseum Mario Bott
Museumsführer Mario Bott
Karlstadt Main Klempnermuseum Teekännchen
Teekännchen aus einem Pfennig

Nichts für Grobmotoriker wie uns. Drum radeln wir weiter nach Lohr. Vor dem Schloss, das eine tolle Kulisse für einen Märchenfilm abgeben würde, treffen wir Julia Winter. Die junge Frau im Schneewittchen-Kostüm nennt uns gute Gründe, warum das echte Schneewittchen ein gewisses Freifräulein von Erthal aus Lohr am Main gewesen sein soll.

Originalton 0:23

[zum Anhören klicken: O-Ton "Schneewittchen" Julia Winter]

"Das ist zum Beispiel die Familiengeschichte mit Vater, Mutter und Stiefmutter. Und die sieben Berge mit den Bergwerken dahinter, nach Bieber, in denen früher kleine Leute gearbeitet haben. Dann gibt es zum Beispiel in Lohr eine Glasmanufaktur, die den entsprechenden Spiegel und auch den Glassarg hergestellt haben könnte."

...und die Gebrüder Grimm kamen ja ebenfalls aus dem Spessart.
Dessen Hänge im Blick, nähern wir uns jetzt dem Etappenziel. Viele Radfahrer begegnen uns, und alle können den Main-Radweg nur empfehlen:

Lohr Main Schneewittchen
"Schneewittchen" in Lohr
Neustadt Main Kloster von fern
Main bei Neustadt
Marktheidenfeld Maradies Kneippbecken
Kneipp-Kur im "Maradies"

[O-Töne Radfahrer:]
"Man begegnet wenig Autos. Er führt immer direkt am Main entlang, man kann links- und rechtsmainisch fahren, also ich finde das hervorragend."
"Ich bin normale Radfahrerin und kein Extrem gewohnt, aber das ist also auf jeden Fall zu leisten."
"Für jede Altersklasse ist der Weg geeignet – ebenerdig, schön, gemütlich."

Doch in Marktheidenfeld angekommen, spüren wir schon die vielen Kilometer, die wir in den Knochen haben. Zum Glück gibt es im Spaßbad "Maradies" eine Kneipp-Anlage.

[Geräusch: Kneippkur]

Da werden müde Beine wieder munter – wenn man’s so macht, wie der Schwimmmeister empfiehlt.

Originalton 0:18

[zum Anhören klicken: O-Ton Schwimmmeister Michael Jannek]

"Man muss halt auch die Füße wieder hochnehmen, richtig aus’m Wasser, dass die Gefäße sich aufmachen und wieder schließen. Einfach durchlaufen bringt nicht viel, sondern man muss wie ’n Storch durchs Wasser staksen, dass dieser Wärme-/Kältereiz, dass der dann vorhanden is'."

Also kneippen wir fleißig, schwimmen noch ein paar Bahnen und ruhen uns hinterher auf der Liegewiese ein bisschen aus. Damit wir morgen genug Kraft haben für die zweite Etappe.

[Atmo: Schwimmbad]

 

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REBEN, RIESEN, RITTERSLEUTE

zweite Etappe: von Marktheidenfeld nach Miltenberg

Miltenberg Alter Marktplatz Morgensonne
Titelfoto: Alter Marktplatz in Miltenberg

               

 

Der Spessart hat uns schon im letzten Drittel der ersten Etappe begleitet, und wir werden ihn von nun an nicht mehr aus den Augen verlieren. Der Main umschließt das Gebirge wie ein gekräuseltes U. Die zweite Etappe unserer "Tour de Franken" ist nicht ganz so lang wie die erste, nämlich "nur" knapp 60 Kilometer, aber auch hier heißt es: beizeiten losradeln, um genug Zeit für die vielen Attraktionen am Wegesrand mitzubringen. Auf dem Tagesplan stehen diesmal unter anderem die Steillagen-Reben des Kallmuth in Homburg, das schmale Häuschen der Rittersleute von Zobel in Wertheim und schließlich das historische Gasthaus "Riesen" am Etappenziel in Miltenberg.

Triefenstein Kloster von fern
Blick über den Main auf Kloster Triefenstein
Main-Radweg bei Homburg
Fahrt entlang der Weinberge bei Homburg
Trennfeld Main von oben
Blick vom Kallmuth bei Homburg auf den Ort Trennfeld
Wertheim Burg von unten
Blick auf Burg Wertheim
Wertheim Fußgängerzone
Fußgängerzone in Wertheim
Wertheim Marktplatz Fachwerk
Fachwerkhäuser am Markt
Wertheim Marktbrunnen
Unsere Fahrräder am Marktbrunnen
Wertheim Stiftskirche innen Grafengräber
Grabmäler der Grafen von Löwenstein-Wertheim in der Stiftskirche
Wertheim Weißer Turm
Weißer Turm in Wertheim
Wertheim Tauber
Tauberufer in Wertheim
Wertheim Tauber Burgblick
Blick über die Tauber Richtung Burg Wertheim
Miltenberg Riesen außen
Gasthaus "Riesen" in Miltenberg
Miltenberg Hotel zum Riesen Schild
Nasenschild am Gasthaus "Riesen"
Miltenberg Riesen Cornelius Faust
"Riesen"-Wirt Cornelius Faust mit Bier aus eigener Brauerei
Miltenberg Hauptstraße
Hauptstraße in Miltenberg
Miltenberg Jakobuskirche außen
Pfarrkirche St. Jakobus in Miltenberg
Miltenberg Burg von unten
Blick auf Burg Miltenberg
Miltenberg Mainufer Frühling
Miltenberger Mainufer im Frühling

Reportage (Radio hr4, 25.07.2009):

Originalton 3:16

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Über Nacht sind Wolken aufgezogen. Es sieht nach Regen aus, als wir morgens in die Pedale steigen. Doch erstmal bleibt es trocken.
Nach einer halben Stunde taucht das Fachwerkschlösschen Homburg vor uns auf. Es thront idyllisch auf einem Felsen über dem Main. In der Gemeinde wird seit mindestens 900 Jahren Frankenwein angebaut. 

[O-Ton Lothar Huller:]
"Sie hat eine Weinlage, den Kallmuth, der einen Klang hat unter den Weinfreunden – man kann sagen, auf der ganzen Welt. Eine denkmalgeschützte Terrassenweinlage, Steilhang, mit an die zwanzig Kilometer Mauern und Treppen. Und dieser Berg ist schon von Alters her berühmt ob seines eigenartigen Geschmacks..."

…womit der Homburger Winzer Lothar Huller vor allem die erdigen Silvaner meint, die am Kallmuth reifen. Eine ungewöhnliche Bodenmischung aus Muschelkalk und Buntsandstein sorgt für das besondere Aroma. Gerne würden wir jetzt eine Weinprobe machen, aber dafür ist es leider noch zu früh am Tag. Stattdessen radeln wir weiter nach Wertheim, wo wir schon erwartet werden.

[Atmo-Ton Udo Klüpfel:]
"Herzlich willkommen in Wertheim. Mein Name ist Udo Klüpfel. Wir werden einen Spaziergang durch die weit über tausendjährige Stadtgeschichte machen und beginnen hier am Spitzen Turm."

Homburg Main Schloss von fern
Blick auf Schloss Homburg
Homburg Main Kallmuth Lothar Huller
Winzer Lothar Huller im Weinberg
Wertheim Marktplatz Rehbein
Ankunft in Wertheim

Der Turm ist nicht nur spitz, sondern auch schief – so wie viele Gebäude in der Altstadt. Udo Klüpfel zeigt uns manche bauliche Kuriosität. So zum Beispiel das "Schmale Haus der Ritter von Zobel". Sie wollten unbedingt am Markt wohnen, obwohl da gar kein Platz mehr war. Deshalb quetschten sie ihr Häuschen einfach an die Ecke zur Kapellengasse.

[O-Ton Udo Klüpfel:]
"Natürlich musste die Grundfläche hier entsprechend schmal gehalten werden, um noch einen Durchgang durch die Kapellengasse frei zu haben. Nach oben konnte man etwas breiter werden und auch ein bisschen mehr Wohnfläche von Stockwerk zu Stockwerk gewinnen. Interessant ist auch ab dem ersten Stock die Anlage der Fenster hier, nach drei Seiten hin, sodass die Ritter von Zobel den Marktplatz in seiner ganzen Länge und Breite überblicken konnten."

Über eine Fußgängerbrücke gelangen wir ans andere Ufer der Tauber, die bei Wertheim in den Main mündet. Von dort haben wir die beste Aussicht auf die mächtige Grafenburg hoch über der Stadt. Udo Klüpfel meint, wir sollten unbedingt noch zur Burg hinaufsteigen.

[O-Ton Udo Klüpfel:]
"Sie haben einen wunderbaren Ausblick auf Main und Tauber, auf die Ausläufer des Spessarts und des Odenwalds, auf die Altstadt, auf den Main, wenn die Schiffe vorbeifahren. Man fühlt sich wie im Legoland und unten ist so ’ne Miniaturstadt, aber Wertheim live."

Wertheim Altstadt Udo Klüpfel
Stadtführer Udo Klüpfel
Wertheim Marktplatz Schmales Haus
Schmales Haus der Ritter von Zobel
Miltenberg Gaststätte Riesen außen
Gasthaus "Riesen" in Miltenberg

Doch es ist schon recht spät, außerdem fängt es jetzt kräftig an zu regnen. Deshalb gehen wir nicht zur Burg, sondern zum Bahnhof und verfrachten unsere Fahrräder in den Zug (!) nach Miltenberg. So sind wir rechtzeitig zum Abendessen im "Riesen". Er ist das angeblich älteste Gasthaus Deutschlands und besteht schon seit dem 12. Jahrhundert. Seit 2001 heißt der Wirt Cornelius Faust – und dem ist es gelungen, Tradition mit Moderne zu verbinden:

[O-Ton Cornelius Faust:]
"Wenn Sie unsere Speisekarte sehen, dann sehen Sie natürlich Gerichte wie die 'Miltenberger Rossäppel', ein typisches altes Gericht – Leber und Klöße mit Sauerkraut und Soße. Sie finden aber genauso moderne, leichte Gerichte wie Salate, also das ist alles gegeben."

Wir entscheiden uns für die herzhaften Käsespätzle und dazu ein naturtrübes Bier aus der hauseigenen Brauerei. Auch das gibt Kraft für unsere dritte und letzte Etappe.

 

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KONZERTE, KURFÜRST, KETTENSCHLEPPER

dritte Etappe: von Miltenberg nach Aschaffenburg

Aschaffenburg Main Schloss von fern
Titelfoto: Main bei Aschaffenburg

               

 

Hinter Miltenberg ändert sich die Landschaft. Die Berge links und rechts des Mains werden flacher, der Verlauf des Flusses gerader. Hier setzen wir zum Endspurt unserer "Tour de Franken" an. Die dritte und letzte Etappe nach Aschaffenburg ist nur noch gut 40 Kilometer lang. Drum muss man gar nicht spurten, im Gegenteil: Eile mit Weile ist angesagt. Denn auch auf der Zielgeraden unserer Fahrradtour gibt es viele gute Gelegenheiten für den einen oder anderen Boxenstopp. Zum Beispiel das Schloss Löwenstein in Kleinheubach, das für Konzert-Events bekannt ist. Oder das Schifffahrtsmuseum in Wörth, wo man unter anderem das Modell eines so genannten Kettenschleppers bewundern kann. Und last but not least das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg, die ehemalige Sommerresidenz der Mainzer Kurfürsten.

Kleinheubach Schloss Löwenstein außen
Schloss Löwenstein in Kleinheubach
Kleinheubach Schloss Löwenstein Treppenhaus
Treppenaufgang im Schloss Löwenstein
Kleinheubach Schloss Löwenstein Marmorsaal
Marmorsaal im Schloss Löwenstein
Kleinheubach Schloss Löwenstein Deckengemälde
Deckenmalerei im Schloss Löwenstein
Kleinheubach Mainufer
Main zwischen Kleinheubach und Wörth
Wörth Main Schiffahrtsmuseum außen
Eingang zum Schiffahrts- und Schiffbaumuseum in Wörth
Wörth Main Schiffahrtsmuseum Wolf Rüdiger Kramer
Museumsführer Wolf-Rüdiger Kramer
Wörth Main Schiffahrtsmuseum innen Schiffsmodelle
Schiffsmodelle im Schifffahrts- und Schiffbaumuseum Wörth
Wörth Main Schiffahrtsmuseum Modell KBKS No. 1
Schiffsmodell im Museum
Wörth Main Schiffahrtsmuseum Modell Nicolaus Kaufer
Modell eines Binnenschiffs mit den Privaträumen der Schiffer
Wörth Main Schiffahrtsmuseum Foto Kettenschlepper
Altes Foto eines Kettenschleppers auf dem Main bei Aschaffenburg
Aschaffenburg Nilkheimer Park Trinkbrunnen
Trinkbrunnen im Nilkheimer Park bei Aschaffenbuirg
Aschaffenburg Schloss nah
Schloss Johannisburg in Aschaffenburg
Aschaffenburg Schloss Gemälde Kurfürst von Erthal
Friedrich Carl Joseph von Erthal, letzter Kurfürst von Mainz und Schlossherr in Aschaffenburg
Aschaffenburg Schloss Gemäldesammlung
Kunstsammlung im Schloss Johannisburg
Aschaffenburg Stiftskirche außen
Stiftskirche in Aschaffenburg
Aschaffenburg Stiftsbrunnen
Platz vor der Stiftskirche mit Stiftsbrunnen
Aschaffenburg Ruine zum Heiligen Grab
Kirchenruine zum Heiligen Grab im Aschaffenburger Park Schöntal

Reportage (Radio hr4, 25.07.2009):

Das Regenwetter hat sich wieder verzogen. Am Morgen strahlt über Miltenberg die Sonne. Am Mainufer liegen die Ausflugsdampfer abfahrbereit.

Also schwingen auch wir uns aufs Rad und starten Richtung Kleinheubach. Dort, im Schloss Löwenstein, lebt die gleichnamige fürstliche Familie. Übers Jahr verteilt, lädt sie immer wieder zu kulturellen Veranstaltungen im barocken Ambiente: Theater, Comedy und Konzerte mit erstklassigen Künstlern. Sogar der britische Popstar Elton John ist schon in Kleinheubach aufgetreten.

[Musik: "Candle In The Wind" von Elton John]

Im repräsentativen Marmorsaal des Schlosses finden zudem regelmäßig klassische Konzert-Events statt, erzählt uns der Hausherr, Prinz Hubertus.

Originalton 0:21

[zum Anhören klicken: O-Ton Hubertus zu Löwenstein]

"Wir veranstalten selber ein Konzert, vom Hause Löwenstein aus, wobei wir in München Musiker haben, die darauf spezialisiert sind, aus verschiedenen Fürstenhäusern oder ehemaligen regierenden Häusern Komponisten zu finden, die dort gearbeitet haben, deren Stücke weltweit ausfindig zu machen und dann an den alten Höfen sozusagen wieder aufzuführen."

Miltenberg Mainufer
Ausflugsdampfer abfahrbereit
Kleinheubach Schloss Löwenstein außen Totale
Schloss Löwenstein in Kleinheubach
Kleinheubach Schloss Löwenstein Prinz Hubertus
Prinz Hubertus zu Löwenstein

Da müssen wir wohl noch mal wiederkommen. Jetzt aber radeln wir weiter nach Wörth. Dort werden wir von einem Konzert ganz anderer Art empfangen.

[Atmo: Schiffswerft]

Das Hämmern dringt von der Werft in Erlenbach herüber. Jahrhunderte lang aber wurden auch in Wörth selbst Binnenschiffe gebaut. Davon zeugt das Schiffahrts- und Schiffbaumuseum in einer ehemaligen Kirche. Hier lernen wir alles über die Geschichte der Mainschifffahrt. Museumsführer Wolf-Rüdiger Kramer zeigt uns zahlreiche Modelle. Besonders angetan hat es ihm der Kettenschlepper aus dem 19. Jahrhundert, im Volksmund die "Mainkuh" genannt:

Originalton 0:22

[zum Anhören klicken: O-Ton Wolf-Rüdiger Kramer]

"Es war eine Kette verlegt auf dem Maingrund zwischen Bamberg und der Mainmündung, und ein Schiff hat diese Kette aufgenommen, über das Deck geführt, über ein Spulwerk, und in das Wasser gelassen, und an dieser Kette hat sich dieses Schiff den Main emporgezogen, und im Schlepptau hat es dann sechs, acht Lastkähne gezogen."

Mit eigener Muskelkraft bestreiten wir die letzten Radkilometer zum Zielort Aschaffenburg. Von der Mainbrücke aus sehen wir schon das gewaltige Renaissance-Schloss Johannisburg. Es diente einstmals den Mainzer Kurfürsten und Erzbischöfen als Sommerresidenz, erklärt uns die Schlossführerin Christine Fröhlich:

Erlenbach Main Schiffswerft
Werft in Erlenbach
Wörth Main Schiffahrtsmuseum Mainkuh
Kettenschlepper "Mainkuh"
Aschaffenburg Schloss Johannisburg
Kurfürstliches Schloss in Aschaffenburg

Originalton 0:13

"Die Mainzer hatten einen sehr reichen Hof, einen der reichsten Höfe in Europa. Man sprach Französisch hier im Hause. Ich stell’ mir das immer sehr lustig vor, wenn die Mainzer Hofbeamten hier mit ihrem Dialekt auch Französisch gesprochen haben."

Originaltöne aus dieser Zeit sind leider nicht überliefert, dafür die große Kunstsammlung, die die Mainzer zusammengetragen haben.

[O-Ton Christine Fröhlich:]
"Man hat sich seine Räumlichkeiten schön ausgestattet, man hat sich’s was kosten lassen, man wollte ja auch repräsentativ wohnen, ja und da ist ein bisschen Geld hineingeflossen. Es sind vor allem auch schöne Stillleben hier."

Originalton 0:27

[zum Anhören klicken: Atmo Glockenspiel]

Das Glockenspiel der Turmuhr von Schloss Johannisburg läutet das Ende unserer "Tour de Franken" ein. Mit einer fürstbischöflichen Residenz hat sie begonnen und mit einer fürstbischöflichen Residenz klingt sie nun aus.

 

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