Nevada Wüste Highway mit Motorrädern

rolf fröhlings reisereportagen

Easy Rider (USA/CDN)

                

DEN BOCK ZUM REISEPARTNER GEMACHT
- 3000 Meilen mit dem Motorrad durch Amerikas Westen

Ende der Sechziger Jahre war das Motorrad als Fortbewegungsmittel quasi tot. Dann kam der Kultfilm "Easy Rider" mit Dennis Hopper und Peter Fonda: Zwei schräge Vögel sagen dem Establishment "good-bye" und tuckern auf ihren Harleys der untergehenden Sonne entgegen. Seither ist das Motorrad wieder "in" und alle, alle wollen wenigstens einmal im Leben – und sei es nur für ein paar Wochen – auf Hoppers und Fondas Spuren wandeln. Zur Not sogar pauschal. Wer Bock hat und den Bock zum Reisepartner machen will, muss allerdings das nötige Kleingeld haben. Relativ günstig ist da das Angebot von Biketours aus Kirchhundem im Sauerland*): Und so wird gespart: statt große Harley Davidson kleine Yamaha XT 600, statt komfortablen Hotels schlichtes Camping. Dafür im Angebot enthalten: "Easy rider"-Feeling pur.

 

Nevada Wüste Highway mit Motorrädern
Titelfoto: Fahrt durch die Wüste von Nevada

Reportagen (Radio hr3, 17.08.1997):

HIGHWAY-RITTER (TEIL A)

von San Francisco zum Grand Canyon

Arizona Old Route 66 Visitor Center außen
Titelfoto: Old Route 66 Visitor Center in Arizona

                       

 

 

Wir sind neun Deutsche – vier Frauen und fünf Männer – mit unterschiedlicher Motorraderfahrung. Dazu ein Reiseleiter von Biketours, der im Begleit-Van hinterherfährt. 3.000 Meilen liegen vor uns: von San Francisco in Kalifornien bis Vancouver im kanadischen British Columbia. Nicht auf dem direkten Weg, sondern in einem großen Bogen, vorbei an den größten Sehenswürdigkeiten des amerikanischen Westens – den schönsten Naturwundern und den faszinierendsten Städten.

Reportage (Radio hr3, 17.08.1997):

[Musik: Titelmusik aus "Die Straßen von San Francisco"]

Die vielleicht schönste Stadt der Welt – Golden Gate, Alcatraz, Chinatown. Jeder kennt San Francisco aus zahllosen Kinofilmen und Fernsehserien. Keine andere Stadt eignet sich besser für spektakuläre Verfolgungsjagden, denn keine bietet atemberaubendere Straßen. Sie sind so steil, dass ein eigenes Verkehrsmittel dafür erfunden werden musste. Heutzutage ist es zwar nur noch eine Touristen-Attraktion, aber was für eine! Da kommen sogar eingefleischte Biker ins Schwärmen.

[O-Ton Motorrad-Tourist Guido:]
"Am schönsten war für mich eigentlich die Fahrt mit der Cable Car durch die Stadt. Es war halt schönes Wetter, und es war – da ich draußen auf dem Trittbrett gestanden hatte – war das wie so 'n Fliegen durch die Stadt. Und das war so einer meiner schönsten Eindrücke."

[Atmo: Cable Car]

(O-Ton Motorrad-Tourist Hans):
"Allein schon mit dieser Cablecar da durchfahr'n, das war aufregend. Also, wie Achterbahn fahr'n, nur stehend, ne?"

Die kalifornische Weltstadt am Pazifik ist Ausgangspunkt unserer dreiwöchigen Tour. Von dort geht es zunächst in südöstlicher Richtung zum Yosemite Nationalpark. Wir müssen hoch hinauf über die Gipfel der Sierra Nevada, dann ganz hinunter ins "Tal des Todes". Und weiter, immer schnurgeradeaus durch die Wüste von Nevada. Der Fahrtwind bläst wie ein heißer Fön, die Landschaft ist an Monotonie kaum zu überbieten, der Highway scheint kein Ende zu nehmen. Und dennoch fühle ich mich wie im Rausch.

[Musik: "Good Morning Starlight" aus dem Musical "Hair"]

Dieser Song aus dem Musikfilm "Hair" geht mir nicht aus dem Sinn. In der Szene fahren die Hippies im offenen Wagen durch die unendliche Weite irgendwo im Südwesten der USA – und sie sind unheimlich gut drauf. Ich summe die Melodie stundenlang vor mich hin. Motorradfahren hat mir niemals mehr Spaß gemacht.

San Francisco Cablecar
Cablecar in San Francisco
Yosemite Landschaft mit Motorrad am Straßenrand
Yosemite N.P.
Sierra Nevada USA schneebedeckter Gipfel von fern
Sierra Nevada

[Atmo: Spielcasino, klingende Münzen]

Welcher Kontrast bietet sich uns in der Glitzerwelt von Las Vegas! Wie eine Fata Morgana ist das Mekka der Glücksritter plötzlich aus dem Wüstensand aufgetaucht. Und jetzt sind wir mittendrin. Bunte Neonlichter machen die Nacht zum Tag. Die Spielcasinos übertrumpfen sich gegenseitig mit immer neuen Attraktionen. Da rasen Achterbahnen um die Spieltische herum, da werden weiße Tiger weggezaubert und ganze Seeschlachten inszeniert. Die perfekte Show, ganz im Dienste der Einarmigen Banditen. Wohl dem, der da widerstehen kann.

[O-Ton Motorrad-Touristin Anke:]
"Es is' faszinierend, aber nix für mich (lacht). Man kann sich's mal anschauen, aber das war wohl nix für mich."

[Musik: "Viva, Las Vegas"  von Elvis Presley]

Wir lassen uns von Glitter und Glamour nicht blenden, die Dollars bleiben in der Tasche. Nach einer Nacht in Las Vegas ist sich die Gruppe weitgehend einig.

[O-Töne Motorrad-Touristen Britta und Guido:]
"Mehr Schein als Sein. Des isch überhaupt net meine Stadt."
"Das is' artificial bullshit. Das is' nicht meine Natur. Ich bin da durchgegangen und hab' gestaunt. Ja, und das war's dann auch. Und ich war froh, wie ich wieder rausgefahr'n bin."

Death Valley Badwater Schild mit Tourist
Death Valley
Las Vegas Tourist vor Spielautomat
Las Vegas
Grand Canyon USA Totale von oben
Grand Canyon

Zurück zur Natur. Nach der gigantischsten Spielhölle der Welt erwartet uns nun das gigantischste Loch – der Grand Canyon im Norden von Arizona. Dort, wo sich der Colorado-Fluss kilometertief in den roten Sandstein gefressen hat.

[O-Ton Motorrad-Tourist Hans:]
"Wenn man bedenkt, wieviel Millionen Jahre es gebraucht hat, um so auszusehen. Das is'... Wahnsinn is' das!"

[Atmo: Dokumentarfilm]

Und weil man nur zu Fuß der gewaltigen Schlucht auf den Grund gehen kann, nicht aber mit dem Motorrad, schauen wir uns den Dokumentationsfilm im Besucherkino an. Erst auf der Großbildleinwand wird die ganze Dimension des Canyons sichtbar. Wie klein und vergänglich sind wir dagegen! Es fällt schwer, sich von dem einmaligen Naturwunder loszureißen, doch wir müssen weiter. Die Zeit drängt, und Amerika hat ja noch sooo viel im Angebot ...

 

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DER GANZ NORMALE WAHNSINN

der Tag zwischen Zelt und Bike

Touristinnen bauen Zelt auf
Titelfoto: Allabendliches Zeltaufbauen

               

 

Wie läuft sie ab – eine Biker/Camping-Tour durch den amerikanischen Westen? Eigentlich ganz normal. Und doch der totale Wahnsinn. Morgens raus aus dem Schlafsack. Abends wieder rein in den Schlafsack. Und dazwischen: biken, biken und nochmals biken. Eine monotone Vielseitigkeit oder eine vielseitige Monotonie – das kommt ganz auf das Auge des Betrachters an.

Reportage (Radio hr3, 17.08.1997):

(Geräusch: Zelt-Reißverschluss)

Reißverschluss auf, erst mal schauen, wie das Wetter heute ist. Zwar erst halb sieben, aber die Sonne brennt schon wieder unbarmherzig vom Himmel herab.

[Atmo Motorrad-Touristen Hans und Herbert:]
"Moin, moin, Jungs. Wie geht's euch?"
"Gu'n Moign. Seid's aa scho' wach?"

Das waren Hans aus Ostfriesland und Herbert aus Oberbayern. Also, raus aus dem Zelt. Roger, unser Reiseleiter wartet sicher schon mit dem Frühstück. Er sieht aus wie Seewolf Raimund Harmstorf, kommt aus der Schweiz und hat trotzdem nicht die Ruhe weg. Jeden Morgen drängelt er, dass wir endlich los kommen, denn die Tagestouren sind manchmal ganz schön lang.

[Atmo Motorrad-Tourguide Roger:]
"Heutige Etappe ungefähr 310 Kilometer. Campingplatz raus, links ..."

Während die letzten noch an ihren Sandwichs oder Muffins kauen, setzt Roger schon zum morgendlichen "briefing" an. Damit sich auch keiner unterwegs verirrt und alle seine Schäfchen abends am Etappenziel den Campingplatz finden.

[Atmo Motorrad-Tourguide Roger:]
"... die 64 Richtung Grand Canyon."

Jetzt noch schnell den Schlafsack einrollen, das Zelt abbauen und die Gepäcktaschen vor den Van stellen, damit Roger sie einladen kann. Auf dem Motorrad mitnehmen müssen wir nur, was wir tagsüber so brauchen. Die Regenkombi gehört (heute jedenfalls) nicht dazu. Schon eher eine große Flasche Mineralwasser, bei der Hitze.

[Geräusch: startende Motorräder]

Und ab geht's durch die Mitte. Wie immer in zwei Gruppen. Das hat sich irgendwie so ergeben und ist auch praktischer als alle Neune hintereinander her zu fahren. Vor allem beim Überholen. Knapp fünf Stunden sitzen wir so im Sattel unserer Yamahas, nur von zwei, drei Tankstopps und einer Mittagsrast unterbrochen. Als wir schließlich am späten Nachmittag das Tagesziel erreichen, fühlen wir uns ziemlich geschlaucht.

Motorrad-Touristen bauen Zelt ab
Morgens Zelt abbauen
Motorradtour USA Camping Küche
Rogers Camping-Küche
Motorradtour USA Abendessen
Fütterung der Raubtiere

[O-Ton Motorrad-Tourist Herbert:]
"Wenn mer längere Zeit foahrt, dut der Hintern weh."

Jetzt ein kühles Bier aus Rogers eisgekühlter Getränkebox. Dann fällt das lästige Zeltaufbauen leichter. Manchmal jedenfalls.

[Atmo-Ton Motorrad-Tourist Hans:]
"Alte Scheiße, nee du! Die Häringe geh'n wieder schwer rein!"

Und während wir uns noch abmühen, die widerspenstigen Dinger in den beinharten Erdboden zu treiben, steigt uns bereits ein köstlicher Duft in die Nase.

[Atmo-Ton Motorrad-Tourguide Roger:]
"Die Speise wird gereicht! Kommen Sie, kommen Sie, kommen Sie!"

Gebratenen Lachs gibt's heute, mit Reis und Salat. Roger hat sich wieder mal selbst übertroffen. Seine Kochkünste versetzen uns immer wieder aufs Neue in Erstaunen.

[O-Ton Motorrad-Touristin Britta:]
"Ich hab' echt erwartet, dass es jeden Tag – nicht mal unbedingt Steaks gibt, sondern irgendwas aus der Dose. Bohnen oder Eintopf oder solche Sachen. Aber der Roger kocht wirklich super."

Zum Glück hab' ich heute keinen Spüldienst. Und so kann ich mit ein paar anderen nach dem Abendessen zum gemütlichen Teil übergehen. Das Lagerfeuer knistert schon, Guido packt seine Bongo-Trommel aus, und wir fühlen uns wie eine Horde Sioux, die müde, aber erfolgreich vom Kriegspfad zurückgekehrt ist.

[Atmo: Bongo-Trommel und Indianer-Gesänge]

 

 

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HIGHWAY-RITTER (TEIL B)

vom Grand Canyon nach Vancouver

Monument Valley USA
Titelfoto: Monument Valley in Utah

                

 

Gut 1000 Meilen haben wir hinter uns, dabei einige der berühmtesten Attraktionen des amerikanischen Westens abgehakt, aber immer noch zwei Drittel unserer Strecke vor uns. Ein weites Land. Was das bedeutet, wird uns jetzt erst richtig bewusst. Doch zumindest die Fahrtrichtung ändert sich von nun an. Der Wegweiser zeigt nach Norden und dann – naja, nicht immer – geradeaus.

Reportage (Radio hr3, 17.08.1997):

[Musik: indianische Gesänge]

Das Grenzgebiet zwischen Arizona und Utah ist Indianerland. Ärmlich wirkende Navajos bieten am Straßenrand bunte Wolldecken und handgemachten Silberschmuck an, aber die meisten Touristen fahren achtlos vorbei. Den stolzen Ureinwohnern Amerikas ging es schon mal besser. Einen wertvollen Schatz aber hat der weiße Mann ihnen gelassen: das Monument Valley. Umso bereitwilliger zahlen wir die paar Dollar Eintritt für eine grandiose Western-Kulisse.

[Musik: Western-Musik]

Wo einst ein weites Hochplateau war, ragen heute nur noch ein paar rote Felsen wie Monumente aus der Ebene heraus. Wie schon am Grand Canyon haben Wind und Wetter ganze Arbeit geleistet. Die geballte Kraft der Erosion macht uns fassungslos und weckt ganz bestimmte Assoziationen.

[O-Töne Motorrad-Touristen Britta und Herbert:]
"Jede Werbung mit Marlboro und Camel. Und es is' total beeindruckend ..."
"... Weil, weil, weil ich des net versteh'n kann. So, so, so im flachen Land – is' ja eigentlich – so große Monstrümmer da, so große Türme da. Weil ich des kaum versteh'n kann, wie's so was gibt."

[Musik: sphärische Klänge]

Auch im Arches Nationalpark zeugen bizarre Statuen und natürliche Brücken von den Urgewalten der Natur. Zum Glück brauchen sie für ihr Werk Millionen von Jahren, denn Regen und Wind setzen jetzt auch uns immer mehr zu. Außerdem wird es kühler, je weiter wir nach Norden kommen. Meine Lederjacke reicht bald nicht mehr aus. In Jackson, Wyoming, ist ein warmer Pullover fällig. Ausgerechnet dort, wo sich andere Leute mit Cowboyhüten und Westernboots eindecken.

Monument Valley Motorradfahrer
Monument Valley
Arches National Park USA
Arches N.P.
Yellowstone Bison
Bison im Yellowstone N.P.

[Atmo: Saloon]

Der Wilde Westen lebt – zumindest im Saloon von Jackson Hole. Die Band spielt Country Music, die Gäste tanzen Square Dance oder kippen Whiskeys an der Bar. Sie tragen karierte Hemden und Fransenjacken, auf dem Kopf den traditionellen Stetson. Es ist fast wie in der guten alten Zeit. Fehlt eigentlich nur eine ordentliche Schießerei, und die Illusion von "Bonanza" wäre perfekt.

[Atmo: Saloon]

Auf der Fahrt durch den Yellowstone Nationalpark kriegen wir dann sogar eine Büffelherde zu sehen. Die mächtigen Bisons grasen ganz friedlich um Old Faithful, den berühmten Geysir, herum.

(Atmo: Geysir)

Alle zwei Stunden schießt die kochend heiße Fontäne gen Himmel. Als die nächste Eruption angekündigt wird, stehen schon Hunderte von Schaulustigen parat.

[O-Ton Motorrad-Tourist Herbert:]
"Jedesmal, wenn der Geysir angefangen hat zu spucken, so ganz leicht, so Vorgeplänkel, da haben's jedesmal die Kamera gezückt, dann war's wieder nix, dann wieder weg. Also, das war für mich das Schönste – also nicht der Geysir, sondern die Leute."

Hier auf 2000 Meter liegt noch eine dichte Schneedecke. Trotzdem zieht Yellowstone die Besucher in Scharen an. Die Tierwelt scheint sich dran gewöhnt zu haben. Selbst unsere erste Begegnung mit einem Grizzly-Bären findet vor reichlich Publikum statt.

[O-Ton Motorrad-Touristin Birgit:]
"Es war natürlich 'n Riesen-Touristenaufkommen und dementsprechend hat's von der Natürlichkeit 'n wenig eingebüßt. Aber es war schon beeindruckend, den so zu sehen und aus 'ner relativ kurzen Distanz auch. Wie im Zoo, nur natürlicher."

Yellowstone Grizzlybär von fern
Grizzly im Yellowstone N.P.
Glacier National Park USA mit Motorradgabel und Motorradhelm
Glacier N.P.
Motorradtour USA Biker in Regenbekleidung
Ankunft in Vancouver

Nach dem Yellowstone folgt der Glacier Nationalpark im Norden von Montana. Majestätische Berge, kristallklare Seen – und wunderbare Kurven. Da schlägt das Bikerherz noch einmal höher. Denn schon geht unsere Mammut-Tour dem Ende entgegen. Wir passieren die kanadische Grenze und können so langsam Bilanz ziehen: Super war's. Alle sind heil geblieben. Wir haben in den drei Wochen viel erlebt und viel gesehen – zu viel vielleicht, um es richtig zu verdauen.

[Atmo Motorrad-Touristen:]
"Sagt mir doch mal, durch welche Bundesstaaten wir gekommen sind auf der Reise!"
[Lachen]
"Weiß ich nicht mehr ... (Lachen) – Idaho und Washington fällt mir ein."
"Kalifornien, Arizona, Utah, Colorado ... Was ham wir noch? (Pause) Wyoming ..."
"Nevada, Montana ... und das war's wohl. Und jetzt sind wir in Kanada."

Na, also. Mit vereinten Kräften gerade noch mal die Kurve gekriegt. Wir sind eben eine harmonische Gruppe. Umso schwerer fällt schließlich der Abschied in Vancouver. Natürlich vereinbaren wir ein Revival-Treffen in Deutschland. Mal schauen, ob was draus wird ...

 

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Nachtrag:

Wir haben uns im darauf folgenden Sommer tatsächlich noch zweimal getroffen – wenn auch nicht alle dabei waren – danach aber wieder aus den Augen verloren.

 

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ALLES "EASY" FÜR EASY RIDER?

die Leiden der jungen Biker

Motorradtour USA Straßenbaustelle in der Wüste
Titelfoto: Straßenbaustelle am Rande des Death Valleys

                        

 

Drei Wochen auf dem Bock, dreitausend Meilen Asphalt unter den Rädern. Euphorische Stimmung nach der Ankunft in Vancouver. Geschafft! Wow, wer hätte das gedacht? Doch unterwegs, da sah es zeitweise ganz anders aus. Da war die Stimmung nicht immer im Zenit. Denn drei Wochen auf dem Bock, dreitausend Meilen Asphalt unter den Rädern, die können auch ganz schön schlauchen. Es ist eben nicht immer alles "easy" für Easy Rider ...

Reportage (Radio hr3, 17.08.1997):

[Musik: "Born To Be Wild" von Steppenwolf]

Wie oft haben wir schon diesen Titel gehört und davon geträumt, wie Dennis Hopper und Peter Fonda als echte "easy riders" die amerikanischen Highways unsicher zu machen. Und nun stehen wir hier in der Wüste, es ist heiß wie im Backofen, und die Leute in ihren klimatisierten Chevys oder Buicks schütteln verwundert die Köpfe. Sind wir eigentlich verrückt, dass wir uns das antun? Nein, wir sind eben Biker und keine Weicheier! Wie hat Roger, unser Reiseleiter, es so schön ausgedrückt?

[O-Ton Motorrad-Tourguide Roger:]
"Man erlebt alles viel intensiver. Wenn man ins Death Valley zum Beispiel 'reinfährt – das is 'n gutes Beispiel – man erlebt dort die unheimliche Hitze und kann sich nachher stolz fühlen, als wenn man im klimatisierten Auto durchfährt, zum Beispiel. Oder wenn man ma'n Tropfen Regen abkriegt oder wenn man über die Pässe fährt, wo noch Schnee liegt. Man erlebt dort alles viel intensiver. Und gerade USA hat unheimlich viele Gegensätze auch zu bieten."

Recht hat der Mann! Wir lernen im Verlaufe der Reise die klimatischen Gegensätze besser kennen, als uns lieb ist. Schnee im Yellowstone, Nachtfrost im Glacier Nationalpark und Dauerschauer in Kanada. Merkwürdig. Ich kann mich nicht erinnern, dass Peter Fonda je eine Regenkombi getragen hat. Und wenn wir gerade dabei sind – hat eigentlich Dennis Hopper auf seinem Chopper je über Schmerzen geklagt? Denn uns zwickt's im Rücken, zwackt's im Nacken oder kneift's sonst wo, wenn wir stundenlang im Sattel sitzen.

[O-Ton Motorrad-Touristin Britta:]
"Also, mir tun hauptsächlich die Hände weh. Das muss ich eigentlich sagen. Von de' Kupplung un' vom ständigen Gas geben. Eben weil's so g'rade Strecken sin'. Du bischt ja ständig am Gas geben. Dann tun dir die Füß' weh natürlich, weil du ja ständig in der selben Haltung mehr oder weniger sitscht. Und halt natürlich 's Hinterteil auch, isch ja klar (lacht). Aber sonscht geht's eigentlich."

Yellowstone Motorradfahrer im Schnee
Schnee im Yellowstone N.P.
Motorradtour USA müde Bikerin an Tankstelle
Öfter mal Pause machen
Glacier National Park USA Motorrad
Auto fast besser?

Vielleicht sollten wir unterwegs einfach öfter absteigen. Aber zurück zu unseren Kultfilm-Helden: Die tuckern Meile um Meile stillvergnügt vor sich hin. Der Highway ist ihr Freund. Er verläuft schnurgerade, kein noch so kleines Kürvchen stört die Harmonie. In den ersten Tagen unserer Reise fühlen auch wir uns wunderbar "easy". Die Weite des Landes zieht uns in ihren Bann. Aber dieses Gefühl lässt schon nach wenigen Tagen rapide nach.

[O-Ton Motorrad-Tourist Guido:]
"Dieses stundenlange Geradeausfahren macht mir was aus. Also, ich bin heilfroh, wenn kurvenreichere Strecken kommen. Diese Pässe, die wir gefahr'n sind, das war genau mein Ding. Aber dieses stundenlange Geradeausfahren, das setzt mir schon ziemlich zu. Da wünsch' ich mir dann schon, hey, hoffentlich isses bald vorbei."

Tja, und dann fällt sogar ein Satz, der keinem Motorradfahrer leicht über die Lippen geht:

[O-Ton Motorrad-Touristin Britta:]
"Ich find' eigentlich Auto besser. Vor allen Dingen, weil halt auch die Straßen sehr g'rade, sehr langweilig sind, isch so vom Motorradfahrerischen her keine so großen Anforderungen. Auto wär' eigentlich fascht besser, muss man sagen."

Eine Motorrad-Tour durch die USA kostet weit mehr als eine Reise mit dem Mietwagen. Egal, ob organisiert oder auf eigene Faust. Ein Motorrad ist unbequem, nicht überdacht, es hat keine Knautschzone, keine Klimaanlage und keinen Kofferraum. Mit den Augen der Vernunft betrachtet, führt am Auto kein Weg vorbei. Aber Motorradfahren hat nichts mit Vernunft zu tun. Es macht einfach Spaß. Trotz Hitze oder Kälte, trotz langweiliger Straßen und schmerzenden Gliedern. Ich persönlich möchte mit keinem Blechkisten-Chauffeur tauschen. Und im Grunde geht es uns allen so. Da sind wir mit Dennis Hopper und Peter Fonda völlig einer Meinung.

[Musik: "Born To Be Wild" von Steppenwolf]

 

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Hinweis:

*) Das Unternehmen existiert leider nicht mehr.

 

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