rolf fröhlings reisereportagen
Deutsche Märchenstraße (Hessen)
AUF DEN SPUREN VON ROTKÄPPCHEN, SCHNEEWITTCHEN & CO.
"Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon sehr lange ein Kind. Endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster. Daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand. Er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte ..."
Na, haben Sie das Märchen erkannt? Es handelt sich um "Rapunzel", hier vorgelesen von Silvia Völker*) im Märchenhaus Alsfeld in Oberhessen. Der zum Märchen passende "Rapunzelturm" steht übrigens in Trendelburg, nördlich von Kassel.
Alsfeld und Trendelburg sind nur zwei von vielen Stationen an der Deutschen Märchenstraße. Sie führt von Hanau, dem Geburtsort der Brüder Grimm, bis hinauf nach Bremen mit seinen Stadtmusikanten. Vor allem im Norden Hessens, wo Jacob und Wilhelm Grimm lange Zeit gelebt und ihre Märchen gesammelt haben, stolpert man allerorten über Rotkäppchen, Schneewittchen & Co.
Reportagen (Radio SWR4 RP, 01.04.2018):
"Aber Großmutter, was hast du denn für ein entsetzlich großes Maul? – Dass ich dich besser fressen kann!"
Und schon verschlang der Wolf das arme Rotkäppchen mit Haut und Haaren. Wir kennen es alle, das Märchen der Brüder Grimm. Entstanden sein könnte es in der Schwalm, einer nordhessischen Region, wo die rote Kappe bis heute fester Bestandteil der Volkstracht ist. Deshalb nennt sich die Schwalm gerne "Rotkäppchen-Land". Zu Zeiten der Grimms gab es dort auch Wölfe in den Wäldern. Heute nur noch im Wildpark Knüll, unweit von Homberg (Efze). Er ist ganzjährig eine der großen Attraktionen an der Deutschen Märchenstraße. Und im Winterhalbjahr, jeweils bei Vollmond, veranstaltet der Wildpark allmonatlich seine "Wolfsnacht". Ein schaurig-schönes Erlebnis, nicht nur für Märchenfreunde.
Reportage (Radio SWR4 RP, 01.04.2018):
[Geräusch: Wolfsgeheul]
So sollte es eigentlich klingen, in der Wolfsnacht, bei Vollmond. Dachten wir. Aber an diesem eiskalten Winterabend bleibt alles still im Wildpark Knüll. Kann passieren, tröstet Diplombiologin Sara Engelbrecht, unser Guide. Dass Wölfe den Mond anheulen, sei eh nur ein Märchen:
[zum Anhören klicken: O-Ton Diplombiologin Sara Engelbrecht]
"Der Vollmond ist dem Wolf total egal. Der sitzt da oben auf dem Berg, weil er da besonders weit zu hören ist, und macht das Maul ganz weit hoch, damit man auch weiter seinen Ruf hören kann. Vielleicht haben ihn die Menschen nur dabei öfter mal beobachtet, und wenn ein Wolf alleine da oben sitzt, dann sitzt er da, weil er andere Wölfe sucht."
Und das muss er hier nicht. Das Rudel im Wildpark besteht aus zwölf Tieren. Als Sara Engelbrecht saftige Rindfleischstücke von einer Brücke hinunter ins Gehege wirft, kommen sie alle angerannt. Mit Heißhunger stürzen sie sich auf die Leckerbissen. Da will man lieber nicht mitten drin sein. Etwas unheimlich ist er uns schon, der Meister Isegrim, besonders den kleinen Besuchern:
[zum Anhören klicken: Kurzinterview mit Kind]
- Und du? Hast du Angst vorm bösen Wolf?
"Na ja, wenn er mich auffressen will, dann schon."
- Du kennst auch das Märchen vom Rotkäppchen?
"Jaaa."
Angst vorm bösen Wolf, geschürt auch durch das Märchen, hält unsere Expertin für unangebracht. Er habe nur ein Image-Problem, sei aber nicht so gefährlich, wie viele glauben.
[O-Ton Sara Engelbrecht:]
"Wir brauchen vor dem Wolf keine Angst haben, also weder hier vor den Wölfen in unserem Gehege noch vor den Wölfen, die draußen unterwegs sind. Sie sind in aller Regel menschenscheu und halten sich vom Menschen fern."
In manchen Teilen Deutschlands sind Wölfe ja längst wieder eingewandert. In Hessen bisher nicht. Aber das sei nur eine Frage der Zeit, meint Sara Engelbrecht. Die Besucher der Wolfsnacht nehmen es gelassen hin:
[Umfrage Teilnehmer Wolfsnacht:]
"In Regionen, in denen wenig Bevölkerung herrscht, viel Wald und viel Freifläche ist, könnte ich es mir gut vorstellen."
"Ja, absolut. Der kam von hier, der will wieder zurück, der soll das gerne machen."
"Das ist kein Problem. Die werden hierher kommen, und irgendwann werden's dann vielleicht zu viele sein, und dann muss man sie bejagen. Das ist doch alles ganz natürlich."
Bis es so weit ist, bleibt der Wildpark Knüll, um Wölfe zu erleben. Aus nächster Nähe sogar und doch – für alle Fälle – aus sicherer Entfernung.
[Geräusch: Wolfsgeheul]
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SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE
zu Gast in der Besuchermine Bergfreiheit
"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" Die Antwort kennt jedes Kind: natürlich das Schneewittchen über den sieben Bergen bei den sieben Zwergen.
Reales Vorbild für die Märchenfigur könnte die bildschöne Grafentochter Margaretha von Waldeck aus Bad Wildungen gewesen sein. Sie wurde einst an den Hof Kaiser Karls V. geschickt, um dort eine gute Partie zu machen. Doch als Kronprinz Philipp sich in sie verliebte, war der Hof alarmiert, denn der Prinz sollte aus dynastischen Gründen die englische Königstochter Mary Tudor heiraten. Und dann starb Margaretha plötzlich eines mysteriösen Todes. Sehr wahrscheinlich wurde sie vergiftet.
Das alles herausgefunden hat der Hobby-Historiker Eckhard Sander. Und er ist überzeugt, dass auch die sieben Zwerge reale Vorbilder haben: im Bad Wildunger Ortsteil Bergfreiheit. Das sogenannte Schneewittchen-Dorf im Kellerwald ist eine weitere Attraktion an der Deutschen Märchenstraße. Vor allem wegen seiner Besuchermine, wo früher zwergenartige Menschen nach Erz gegraben haben:
Reportage (Radio SWR4 RP, 01.04.2018):
Im tief verschneiten Kellerwald fällt es nicht schwer an Schneewittchen zu denken. Normalerweise ist die Besuchermine Bergfreiheit im Winter geschlossen. Aber Eckhard Sander macht heute eine Ausnahme. Das Bergwerk, erzählt er, gehörte einst den Grafen von Waldeck.
[zum Anhören klicken: O-Ton Hobby-Historiker Eckhard Sander]
"Hier wurde Kupfererz abgebaut, relativ wertvolles Kupfer, und dieses nutzte man unter anderem neben dem Kochgeschirr auch um Münzen zu prägen. Die Grafen legten Wert auf Münzrecht, und da waren diese Kupferbergwerke schon eine lohnende Einnahmequelle."
In Grimms Märchen heißt es, dass die sieben Zwerge "in den Bergen nach Erz hackten und gruben". War es tatsächlich hier im Bergland des Kellerwaldes? Sanders akribische Forschungsarbeit führte ihn unter anderem ins Staatsarchiv nach Marburg. Dort hat er Dokumente gefunden, die eindeutig belegen, dass im 16. Jahrhundert auch Kinder in der Mine von Bergfreiheit gearbeitet haben.
[O-Ton Eckhard Sander:]
"Das geht teilweise bis zu acht Jungen, die da mithelfen mussten und die Steine sortieren, auslesen, klopfen usw. Die mussten auch Wasser holen und diese Botengänge machen, und das war leider, leider auch über 'ne lange Zeit."
Ein harter Job also für die Kinder der Bergleute, mit fatalen Folgen:
[O-Ton Eckhard Sander:]
"Sie können sich sicherlich vorstellen, wenn diese Kinder das Sonnenlicht zwölf Stunden am Tag nicht gesehen haben und dann ans Tageslicht kamen, dass das nicht ausreichte, um eine normale Entwicklung zu durchlaufen. Wenn die vor der Geschlechtsreife schon in dem Bergwerk gearbeitet haben, dann hat sich die Geschlechtsreife rausgezogen bis ins 20. Lebensjahr, und der Mensch ist umgekippt in den Greisenzustand."
Wenn sie abends ins Dorf zurückkehrten, sah es so aus, als würden Zwerge aus dem Wald kommen. Ein Übriges taten sicherlich die Zipfelmützen, die sie bei der Arbeit trugen.
[O-Ton Eckhard Sander:]
"Das waren eigentlich Filzkappen, die wurden ausgestopft mit Stroh und hatten den Sinn, wenn der Bergmann mit dem Zipfel oben an den Berg kam, dann merkte er, ich muss den Kopf einziehen."
Die Besucher heutzutage tragen Bauhelme aus Sicherheitsgründen. Das ist auch bitter nötig, denn die Stollen des Bergwerks sind niedrig. Es ist zudem feucht und kalt. Das Herz erfreuen können höchstens die kunterbunten Wände aus verschiedensten Gesteinsarten. Interessante Muster zeigen sich da. Eines schaut sogar aus wie ein Zwerg mit Zipfelmütze. Na, wenn das nicht der endgültige Beweis dafür ist, dass das Märchen vom Schneewittchen hier im Kellerwald seinen Ursprung hat!
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SIEBEN TELLERLEIN, SIEBEN BECHERLEIN
- das Schneewittchen-Haus in Bergfreiheit
Neben der Kupfermine, wo an Zwerge erinnernde Kinder schuften mussten, hat Eckhard Sander noch andere Hinweise gefunden, dass in dem kleinen Ort Bergfreiheit bei Bad Wildungen das Märchen vom Schneewittchen entstanden sein könnte. Weil der Boden karg und Landwirtschaft somit nicht möglich war, lebten im 16. Jahrhundert keine Bauern im Dorf, wie es sonst allgemein üblich war, sondern ausschließlich Bergleute. Um Platz und Geld zu sparen, bauten sie sich sogenannte Einraumhäuser, wo die ganze Familie eng zusammengepfercht in einem einzigen Raum wohnte. Eines dieser Häuser wurde inzwischen restauriert und in ein kleines Museum verwandelt. In diesem "Schneewittchen-Haus" findet man dann in einem Raum sieben Bettlein an den Wänden, auf dem weißgedeckten Tischlein sieben Tellerlein, Messerlein, Gäblein und Löffelein sowie sieben Becherlein – ganz so wie es aus dem Märchen bekannt ist.
Diese Einraum-Bauweise gab es so nur in Bergfreiheit, nirgendwo anders in Deutschland. Aber der Hobby-Historiker Sander hat noch ein weiteres gewichtiges Argument für seine These vom Schneewittchen-Ursprung:
[zum Anhören klicken: O-Ton Eckhard Sander]
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Über Grimms Märchen und ihren möglichen Ursprung haben wir schon einiges gehört. Fehlen noch die Autoren selbst – Jacob und Wilhelm Grimm. In Hanau wurden sie 1785 bzw. '86 geboren, aber einen Großteil ihres Lebens verbrachten sie in Kassel. Dort verfassten sie 1812 auch die erste Ausgabe ihrer "Kinder- und Hausmärchen", die sie dann im Laufe der Jahrzehnte mehrfach überarbeiteten. 2015 wurde in Kassel zu Ehren der Brüder die "Grimmwelt" eröffnet, ein monumentales Museum, das schon im ersten Jahr mehr als 150.000 Besucher zählte. Und selbstverständlich ist die "Grimmwelt" auch eine wichtige Station an der Deutschen Märchenstraße – eine multimediale sogar.
Reportage (Radio SWR4 RP, 01.04.2018):
[zum Anhören klicken: Atmo "Rumpelstilzchen" in der Grimmwelt]
"Komm' mal her, ja du! Ja, genau, dich mein' ich. Hallo, du, ja! Hörst du mich? – Ach, wie gut, dass niemand weiß... – Komm' ein Stück näher – Und dass niemand weiß... – Damit du mich hören kannst. Pass' mal auf, ich muss dir was erzählen."
Die "Grimmwelt" in Kassel hat viel zu erzählen. Etwa 200 Märchen umfasst die Gesamtausgabe der Brüder Grimm. In mehr als 100 Sprachen wurde sie übersetzt. In Wort, Bild und Schrift bringt das Museum die Welt der Grimms den Besuchern näher. Und die lieben ihre Märchen:
[Umfrage Besucher "Grimmwelt":]
"Also, Hänsel und Gretel fand ich immer toll und das Rotkäppchen eigentlich, ja."
"Rapunzel und Rumpelstilzchen und Dornröschen."
"Rumpelstilzchen."
"Dornröschen."
Ob Dornröschen oder Rumpelstilzchen, die Brüder Grimm haben ihre Märchen zwar selbst zu Papier gebracht, aber sie haben sie nicht selbst erdacht, betont Museumsführerin Julia Ronge:
[O-Ton Julia Ronge:]
"Die Grimms haben im Prinzip Geschichten gesammelt, Märchen gesammelt, die im Volk immer mündlich erzählt worden sind, und die Grimms wollten eben diese Erzähltradition bewahren und aufschreiben, dass diese Geschichten nicht in Vergessenheit geraten."
Die "Grimmwelt" würdigt deshalb auch die Märchenerzählerin Dorothea Viehmann aus dem heutigen Baunatal. Sie steht im Schatten der Brüder, und doch hat sie wesentlich zu ihrem Ruhm beigetragen:
[O-Ton Julia Ronge:]
"Zumindest hatte sie einen großen Anteil daran, weil sie sich eben auch persönlich selbst für diese Märchen, für diese Geschichten interessiert hat, sich immer wieder erzählen lassen hat und somit eben ein Fundus war für die Grimms, eine ganz wichtige Quelle."
Es geht aber nicht nur um Märchen in der "Grimmwelt". Das Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, auch die anderen, in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, Verdienste der Brüder hervorzuheben:
[zum Anhören klicken: O-Ton Museumsführerin Julia Ronge]
"Die beiden waren in erster Linie Sprachwissenschaftler, Sprachforscher, Germanisten, haben geforscht, haben Texte aus dem Mittelhochdeutschen, dem Althochdeutschen übersetzt, haben herausgefunden, wie die Lautverschiebungen vonstatten gegangen sind, also das, was man heute Germanistik nennt, was es damals noch nicht gab, haben sie mitbegründet."
Die erste "Deutsche Grammatik" stammt von den Brüdern Grimm. Auch das erste "Deutsche Wörterbuch", eine Art Lexikon der deutschen Sprache. Ihre weltweite Bekanntheit allerdings verdanken die Brüder vor allem den "Kinder- und Hausmärchen". So mögen Jacob und Wilhelm Grimm zwar vor langer Zeit gestorben sein, aber Rotkäppchen, Schneewittchen & Co., die leben noch heute.
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ES MUSS NICHT IMMER GRIMM SEIN
- die Sage von der Teufelsmühle zu Ilbeshausen
Bei einer Reise auf der Deutschen Märchenstraße begegnet man allenthalben den Brüdern Grimm und ihren Märchen. Aber nicht alles, was so an Märchen und Sagen kursiert, geht auf die Grimms zurück. Auch die Geschichten anderer Sammler und Erzähler kommen an der Märchenstraße zu ihrem Recht. So etwa die Sage von der "Teufelsmühle zu Ilbeshausen", aufgeschnappt und aufgeschrieben von dem lutherischen Pfarrer Theodor Bindewald aus Groß-Eichen (heute ein Ortsteil von Mücke). Im Jahre 1872 veröffentlichte er sein "Oberhessisches Sagenbuch" mit 220 Volkssagen, die überwiegend aus dem Vogelsberg stammen. Als Verehrer der Brüder Grimm sah sich Bindewald berufen deren Werk fortzuführen. Im Vorwort zu seinem Buch zitiert er Jacob Grimm, der in einem Brief an den Gießener Germanisten Prof. Karl Weigand dazu aufgerufen hatte, "die Volkssagen, worin Unglaubliches steckt, treu und ausführlich zu sammeln. Treiben sie doch zu Vogelsberger Sammlungen. Wer zu suchen weiß, ist des Findens sicher an Orten, wo andere leer ausgingen". Theodor Bindewald suchte und fand. Sein Sagenbuch widmete er Prof. Weigand, dem "verdienstvollen Lexikographen und gründlichen Kenner des hessischen Volkstums".
Eine dieser oberhessischen Sagen handelt, wie erwähnt, von der sogenannten Teufelsmühle zu Ilbeshausen (heute Ilbeshausen-Hochwaldhausen, ein Ortsteil von Grebenhain). Die frisch restaurierte Mühle aus dem Jahr 1691 wird zu den schönsten Fachwerkhäusern im Vogelsberg gezählt. Nicht zuletzt um ihretwillen führt die Deutsche Märchenstraße auch durch Grebenhain. Besichtigen kann man die Mühle allerdings nicht, denn sie ist in Privatbesitz.
Einen Vorgängerbau gab es nachweislich schon Ende des 15. Jahrhunderts. Er gehörte einem Müller namens Claes Tuvel(n). Aus "Tuvel" hat der Volksmund vermutlich "Teufel" gemacht und dann folgende Geschichte ers(p)onnen [zitiert aus: "Oberhessisches Sagenbuch" von Theodor Bindewald, nachgedruckt und neu erschienen bei Hansebooks]:
"Unter allen Gebäuden zu Ilbeshausen, ja, man kann sagen, im ganzen hohen Vogelsberg, zeichnet sich durch ihre Bauart die Hansenmühle aus. Sie ist zwar nur aus Holz errichtet, aber so bedeutend in der Länge, so fein und kostbar mit allerlei Zierrat an Fenster, Gebälk und Thüren, wie kein ander Haus rings herum. Das hat aber auch seine besondere Bewandtnis.
Ein einzlinger Mann hatte sich sieben Jahre im Oberwalde das Holz gehauen und bearbeitet und den ganzen Plan mutterseelenallein gemacht, dass, als es an's Bauen ging, ihn der Hochmut übernahm und er mit dem Teufel wettete, dass er gerade so schön und schneller bauen könne als wie er selbst.
Infolge dessen machten sich denn die zwei an ihr Werk, der Teufel baute den untern Giebel, der so wunderschön und noch jetzt die Bewunderung Aller ist, der Zimmermann den obern, der jenem nicht im Mindesten entspricht. Zudem ward der Teufel auch eher fertig und hing zum Hohne seinen Hut auf die oberste Spitze des Gebäudes nach dem Walde hin auf, dann führte er den Zimmermann in's Krainfelder Feld; da zerriß er ihn in den Lüften ..."
Die Moral von der Geschicht': Hochmut kommt vor dem Fall, und wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
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HINWEIS:
*) Wer Märchenerzählerin Silvia Völker im Originalton hören möchte, der klicke bitte auf den unten stehenden Link.
Und wer sie oder ihre Kolleginnen live erleben will – hier die Öffnungszeiten des Märchenhauses in Alsfeld:
Samstags ist von 10.30 bis 12.30 und von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr.
Eine Märchenerzählung findet zu jeder vollen Stunde statt. In den hessischen Schulferien und während des Weihnachtsmarktes hat das Märchenhaus wochentags täglich von 15-17 Uhr geöffnet und am Wochenende zu den gewohnten Zeiten.
[zum Anhören klicken: O-Ton Märchenerzählerin Silvia Völker liest aus "Rapunzel"]
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