Deutsche Alpenstraße Motorradfahrer

rolf fröhlings reisereportagen

Deutsche Alpenstraße

                 

JEDE MENGE FAHRSPASS
- unterwegs auf Deutschlands ältester Ferienstraße

Der Wälzer "Thousand Places To See Before You Die" gehört zu den Klassikern unter den Reiseführern. Doch zu den tausend Orten weltweit, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt, zählt US-Autorin Patricia Schultz in Deutschland gerade mal 13. Selbst das kleine Irland hat ihrer Ansicht nach mehr zu bieten. Eine der wenigen deutschen Destinationen, die es in ihr Buch geschafft haben, ist die Deutsche Alpenstraße in Bayern. Sie führt über 450 km von Lindau am Bodensee nach Schönau am Königssee (oder wahlweise anders herum), immer am Alpenrand entlang. Besonders hoher Beliebtheit erfreut sich Deutschlands älteste Ferienstraße (seit den 1920er Jahren) bei Motorrad-, Cabrio- und Wohnmobilfahrern. Aber auch mit dem Pkw oder sogar mit dem Fahrrad sind viele auf der Panoramastraße unterwegs. Zu ihren ständigen Begleitern gehören unter anderem – saftig-grüne Almen mit glücklichen Kühen – malerische Städte und Dörfer mit bayerischer Tradition – rauschende Wildbäche und tosende Wasserfälle – romantische Kutschpartien zu märchenhaften Königsschlössern – und nicht zuletzt: jede Menge Fahrspaß auf zwei oder vier Rädern. Dabei natürlich immer schön vorsichtig, damit das mit dem Sterben nach dem Sehen nicht zur traurigen Realität wird!

Deutsche Alpenstraße Motorradfahrer
Titelfoto: Fahrspaß zwischen Bad Hindelang und Oberjoch
Lindau Marktplatz Stephanskirche Münster
Lindau: Blick über den Marktplatz auf die Kirche St. Stephan (links) und das Münster unserer lieben Frau (rechts)
Lindau Maximilianstraße
Lindau: Maximilianstraße
Lindau Rathaus
Lindau: Rathaus
Lindau Hafen Totale
Lindau: Blick über den Hafen
Lindau Hafen Löwe
Lindau: Der "Bayerische Löwe" an der Hafeneinfahrt
Lindau Schiffsrundfahrt
Lindau: vor dem Start mit dem Ausflugsschiff zur Rundfahrt über den Bodensee
Lindau Blick vom Schiff
Lindau: Blick vom Schiff auf Hafen und Stadt
Lindau Pulverturm vom Schiff
Lindau: Blick vom See auf den Pulverturm
Wasserburg Bodensee Blick vom Schiff
bei Lindau: Blick vom Schiff auf die Nachbargemeinde Wasserburg
Bodensee Segelschiff
bei Lindau: Segelschiff auf dem Bodensee
Bad Hindelang Totale von oben
Bad Hindelang: Blick von der Passstraße zum Oberjoch auf die Marktgemeinde
Immenstadt Großer Alpsee
bei Immenstadt: Großer Alpsee
Immenstadt Großer Alpsee Bootsverleih
bei Immenstadt: Bootsverleih am Großen Alpsee
Füssen Reichenstraße
Füssen: Blick durch die Reichenstraße
Füssen Hohes Schloss
Füssen: Hohes Schloss
Füssen Hohes Schloss Innenhof
Füssen: Innenhof des Hohen Schlosses
Füssen Blick vom Schloss zur Basilika
Füssen: Blick vom Tor des Hohen Schlosses auf den Turm der Basilika St. Mang
Füssen Hopfensee
bei Füssen: am Hopfensee
Füssen Stadtteil Hopfensee
bei Füssen: Blick über den See auf den Stadtteil Hopfensee
Füssen Hopfensee Schwimmerin
bei Füssen: Badenixe im Hopfensee
Schwangau Schloss Hohenschwangau außen
Schwangau: Schloss Hohenschwangau, wo Bayernkönig Ludwig II. seine Jugend verbrachte
Schwangau Hohenschwangau Schlosspark
Schwangau: Blick vom Schlosspark auf Hohenschwangau
Schwangau Hohenschwangau Blick auf Alpsee
Schwangau: Blick vom Schloss Hohenschwangau auf den Alpsee (nicht zu verwechseln mit dem Großen und Kleinen Alpsee bei Immenstadt)
Schwangau Hohenschwangau Neuschwanstein
Schwangau: Blick von Hohenschwangau zum Schloss Neuschwanstein
Schwangau Neuschwanstein
Schwangau: Schloss Neuschwanstein
Schwangau Pferdekutsche
Schwangau: Pferdekutsche zum Schloss Neuschwanstein
Schwangau Alpsee Panorama
Schwangau: Alpsee zu Füßen des Schlosses Hohenschwangau
Oberammergau Ammer
bei Oberammergau: der Fluss Ammer
Oberammergau Kofel
bei Oberammergau: Blick über die Ammer auf den Berg Kofel
Ettal Kloster Blick durch Torbogen
Ettal: Kloster
Ettal Klosterkirche innen
Ettal: in der Klosterkirche
Ettal Klosterkirche Kuppel innen
Ettal: Deckengewölbe der Klosterkirche
Garmisch-Partenkirchen Martinskirche
Garmisch-Partenkirchen: Altstadt mit Kirche St. Martin
Garmisch-Partenkirchen Michael Ende Platz
Garmisch-Partenkirchen: Michael-Ende-Platz in der Altstadt
Garmisch-Partenkirchen Sprungschanze
Garmisch-Partenkirchen: Olympiaschanze
Garmisch-Partenkirchen Sprungschanze Kinder
Garmisch-Partenkirchen: Kindertraining auf der Sprungschanze
Garmisch-Partenkirchen Partnachklamm
bei Garmisch-Partenkirchen: Partnachklamm
Garmisch-Partenkirchen Blick aus Seilbahn
Garmisch-Partenkirchen: Blick aus der Eckbauer-Seilbahn auf die Marktgemeinde
Grainau Zugspitze Talstation Seilbahn
bei Grainau: Talstation der Seilbahn zur Zugspitze am Eibsee
Grainau Blick aus Seilbahn auf Eibsee
bei Grainau: Blick aus der Zugspitz-Seilbahn auf den Eibsee
Zugspitze Gipfelplateau
bei Grainau: auf der Zugspitze
Zugspitze Gipfelkreuz
bei Grainau:Gipfelkreuz auf der Zugspitze
Zugspitzbahn Station Eibsee
bei Grainau: Zugspitzbahn an der Station Eibsee
Grainau Eibsee Stand up Paddling
bei Grainau: Frau mit Hund beim Stand-up-Paddling auf dem Eibsee
Chiemsee bei Bernau
bei Bernau: Blick über den Chiemsee
Ramsau Almabtrieb
Ramsau: Almabtrieb
Bad Reichenhall Thumsee
bei Bad Reichenhall: Thumsee
Berchtesgaden Marktplatz
Berchtesgaden: am Marktplatz
Berchtesgaden Fußgängerzone
Berchtesgaden: Blick durch die Fußgängerzone
Berchtesgaden Schlossplatz Stiftskirche
Berchtesgaden: Blick über den Schlossplatz auf die Stiftskirche
Königssee Nebel
bei Schönau: Königssee im Morgennebel
Königssee Schiffsanlegestelle
bei Schönau: der Nebel am Königssee lichtet sich
Schönau Königssee
bei Schönau: Blick vom Boot auf den Ortsteil Königssee
Königssee Bootstour
bei Schönau: Bootsfahrt über den Königssee
Königssee St. Bartholomä Bootsanlegestelle
bei Schönau: Bootsanlegestelle an der Kirche St. Bartholomä
Königssee Ausblick von St. Bartholomä
bei Schönau: Blick von St. Bartholmä über den Königssee

          

Reportagen (Radio SWR4 RP, 18.10.2020):

DES KÖNIGS TRAUM

Besuch auf Burg Falkenstein bei Pfronten

Pfronten Burg Falkenstein
Titelfoto: Burgruine Falkenstein bei Pfronten im Allgäu

                       

 

Auf einem steilen Felssporn hoch über Pfronten im Allgäu thront eine der Top-Attraktionen der Deutschen Alpenstraße – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Burg Falkenstein ist die höchstgelegene Burgruine Deutschlands: 1277 m hoch, um es genau zu sagen. Einst im Mittelalter unter den Bischöfen von Augsburg erbaut, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört, damit sie nicht den feindlichen Schweden in die Hände fallen konnte. Viel ist nicht übriggeblieben von der einst stolzen Burg. Trotzdem kommen zahlreiche Besucher hier herauf. Nicht nur wegen der tollen Aussicht.

Pfronten von fern
Pfronten: Blick vom König-Ludwig-Weg zur Burg Falkenstein auf die Gemeinde im Allgäu
Pfronten Burg Falkenstein von unten
Pfronten: Blick von der Terrasse des Burghotels Falkenstein auf die Burgruine
Burg Falkenstein Blick auf Neuschwanstein
Pfronten: Blick von der Burg Ruine Falkenstein auf Schloss Neuschwanstein in der Ferne (stark gezoomt)
Pfronten Burg Falkenstein Mariengrotte
Pfronten: Mariengrotte im Felsen unterhalb der Burg Falkenstein
Pfronten Mariengrotte nah
Pfronten: Mariengrotte
Pfronten Burg Falkenstein Modell
Pfronten: Modell der unzerstörten Burg Falkenstein im Burgmuseum

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.10.2020):

Ein 360-Grad-Panorama tut sich auf. Gefühlt kann man von hier oben das ganze Allgäu überblicken. Wenn das Wetter mitspielt, reicht der Blick bis zum Schloss Neuschwanstein bei Füssen. Die zahlreichen Besucher sind beeindruckt.

[Umfrage:]
"Toll, super."
"Heute etwas trübe. Wir kommen aus den Dolomiten hier rüber und sind überrascht, wie voll es hier ist."
"Sehr kontrastreich, würd' ich sagen, ganz andere alpine Landschaft als an der Südseite."

In diese Gegend verliebt war schon Bayernkönig Ludwig II. 1882 kaufte er die Burgruine. Hier auf dem Falkenstein sollte sein viertes Märchenschloss entstehen (nach Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee). Die Baupläne waren schon fertig, erzählt Anton Schlachter. Er betreibt ein Hotel unterhalb der Burg und kennt sich bestens mit ihrer Geschichte aus.

Originalton 0:16

[zum Anhören klicken: O-Ton Burgführer Anton Schlachter]

"Er wollte da oben die Gralsburg, eine unverschämt schöne Burg, wollte er da bauen, eine Art Traum von Burg, aber nur für sich allein, und das war natürlich ein Dorn im Auge von der Regierung in München und natürlich auch von den Wittelsbachern."

Pfronten von oben
Blick vom Falkenstein auf Pfronten
Pfronten Gralsburg Modell
Modell der "Gralsburg" im Museum
Pfronten Falkenstein Hotel
Hotel zu Füßen der Burg

Aber der "Kini", wie die Bayern ihn noch heute liebevoll nennen, war drauf und dran seinen königlichen Willen durchzusetzen. So ließ er bereits eine Zufahrtsstraße bauen. Dabei soll er streng darauf geachtet haben, dass sie nicht zu steil wird.

[O-Ton Anton Schlachter 1:]
"Des war ganz raffiniert vom König Ludwig ausgetüftelt, weil er sagte sich, wenn i mit meine Pferdl da hoch fahr', dann müssen die nicht so arg schnaufen, denn da mach' mer die Pferde kaputt. Also hat er gesagt, da mach' mer eine geringe Steigung, und da halten des die Pferde aus. Des war der ganze Trick."

Ebenfalls schon fertig war die Wasserleitung von Pfronten herauf zur Burg. Ein Riesenaufwand wurde dafür betrieben:

[O-Ton Anton Schlachter 2:]
"Da hat er den Fels aufgemeißelt, und die Leitung liegt heute noch drin zwischen 2,50 m und 3,50 m im Fels, in einem Keil eingebettet. Heute noch sicher, und von der Leitung kriegen wir heute noch das Wasser auf dem Falkenstein."

Nur durch den ebenso frühen wie mysteriösen Tod des Königs wurden seine Pläne von der Gralsburg vereitelt. Wie sie hätte aussehen sollen, zeigt ein Modell im Burgmuseum neben dem Hotel von Anton Schlachter. Ein zweites Neuschwanstein wäre hier anstelle der Burg Falkenstein entstanden – und zwar mit einem 360-Grad-Panorama.


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SCHÖNER ALS DIE WIES

Besuch der Klosterkirche Steingaden

Steingaden Klosterkirche innen
Titelfoto: Blick von der Empore durch die Klosterkirche Steingaden

            

 

Neben mittelalterlichen Burgen und königlichen Schlössern geizt die Deutsche Alpenstraße auch nicht mit barocken Kirchen. Eine der bekanntesten ist die Wieskirche bei Steingaden im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Sie zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht ganz so bekannt ist die Klosterkirche in Steingaden selbst. Dabei kann ihre barocke Pracht mit der Wallfahrtskirche auf der Wies durchaus konkurrieren – besonders nach der aufwändigen Renovierung, die erst im vergangenen Jahr (2019) beendet wurde. Am besten gleich beiden einen Besuch abstatten!

Steingaden Marktbrunnen
Steingaden: Brunnen auf dem Marktplatz mit der Statue des Bayernherzogs und Klostergründers Welf VI.
Steingaden Statue Herzog Welf VI.
Steingaden: Bayernherzog Welf VI. als Brunnenfigur
Steingaden Gasthof zur Post
Steingaden: Gasthof zur Post am Marktplatz
Steingaden Klosterkirche Barock
Steingaden: Blick durch die Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Hauptaltar
Steingaden: Hauptaltar der Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Deckenmalerei
Steingaden: Deckenfresken in der Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Orgel
Steingaden: Orgel der Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Putte
Steingaden: Putte in der Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Epitaph Welf VI.
Steingaden: Epitaph des Klostergründers Welf VI. in der Klosterkirche
Steingaden Klosterkirche Grabplatte Welf VI.
Steingaden: Grabplatte des Klostergründers Welf VI. im Fußboden der Klosterkirche
Steingaden Kloster Kreuzgang
Steingaden: Kreuzgang des Klosters
Steingaden Wieskirche außen
Steingaden: Wieskirche
Steingaden Wieskirche innen
Steingaden: in der Wieskirche
Steingaden Wieskirche Altarraum
Steingaden: Altarraum der Wieskirche
Steingaden Wieskirche Deckenmalerei
Steingaden: Deckenfresko in der Wieskirche
Steingaden Wieskirche Himmelstür
Steingaden: Himmelstür als Fresko in der Wieskirche

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.10.2020):

Originalton 1:20

[zum Anhören klicken: Orgel der Klosterkirche Steingaden]

Organist Caspar Berlinger kennt sich aus. Nicht nur mit der Orgel. Er kann auch sämtliche Fragen zum Kloster Steingaden beantworten. Zum Beispiel wann es gegründet wurde: im 12. Jahrhundert nämlich, von Bayernherzog Welf VI., bevor er zu einem Kreuzzug aufbrach. Eine unscheinbare Inschrift im Fußboden der Klosterkirche markiert sein Grab.

[O-Ton Caspar Berlinger 1:]
"Er wollte hier beerdigt sein. Da gibt’s ein Fresko in der Vorhalle, wo der Welf in einem Leichenzug nach Steingaden gebracht wird und hier beerdigt ist. Er und sein Sohn. Sein Sohn ist bei dem Kreuzzug in Italien an der Pest gestorben."

Die Mönche vom Orden der Prämonstratenser, die der Herzog nach Steingaden holte, sollten für sein Seelenheil beten und das seiner Familie. Das taten sie auch, bis das Kloster Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurde. Kurz zuvor aber setzten sie sich selbst ein weltbekanntes Denkmal und erbauten die prunkvolle Wallfahrtskirche im Nachbardorf Wies:

Steingaden Kloster
Kloster Steingaden
Steingaden Organist Caspar Berlinger
Caspar Berlinger an der Orgel
Steingaden Wieskirche von fern
Blick auf die Wieskirche

[O-Ton Caspar Berlinger 2:]
"Die Prämonstratenser haben kein Geld gescheut, die besten Bauleute zu nehmen, also zum Beispiel den Dominikus Zimmermann, und sind dabei aber dann auch finanziell, auf Deutsch gesagt, pleite gegangen."

Dass Baukosten explodieren, ist also keine Erfindung der Moderne. Aber auch die Steingadener mussten sich gewaltig anstrengen, um ihre Klosterkirche zu renovieren.

[O-Ton Caspar Berlinger 3:]
"Wir sind nicht vom Staat so gefördert wie die Wies. Die Wies ist ein Weltkulturerbe. Sie können sich vorstellen, wenn da was fehlt, wenn da was gemacht werden muss, ist das Finanzielle kein Problem. Wir mussten alles aufbringen, um diese Renovierung hinzubringen, und das war für uns kleine Gemeinde schon eine Riesenaufgabe."

Doch es hat sich gelohnt. Die bunten Malereien an Wänden und Decke erstrahlen jetzt in vielleicht nie dagewesenem Glanz. Dass trotzdem weit weniger Besucher nach Steingaden kommen als zur Wieskirche, lässt Caspar Berlinger kalt.

Originalton 0:12

[zum Anhören klicken: O-Ton Caspar Berlinger]

"Des macht uns eigentlich nix aus. Inzwischen wissen wir auch, die Fresken bei uns stehen der Wies in gar nichts nach. Wir haben zwar weniger, aber schöner."

[Orgelmusik]

 


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EIN BISSCHEN WIE "HEIDI"

Interview mit Rosi Mittermaier über die Winklmoosalm

Reit im Winkl Winklmoosalm Sommer
Titelfoto: Alpenidylle auf der Winklmoosalm

          

 

Die Deutsche Alpenstraße führt auch an einigen der beliebtesten Skigebiete Deutschlands vorbei: dem Oberjoch bei Bad Hindelang etwa, der Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen oder der Winklmoosalm bei Reit im Winkl. Letztere ist untrennbar mit dem Namen Rosi Mittermaier verbunden – und das schon seit einem halben Jahrhundert. 1976 war es, als die Skirennläuferin zur "Gold-Rosi" wurde. Sie gewann zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Dazu holte sie im selben Jahr auch noch den Gesamtweltcup. Ihre Popularität ist seither ungebrochen. Der Wirt des Hotels "Sonnenalm" auf der Winklmoosalm schätzt, dass zwei Drittel aller Gäste wegen der Verbindung zu Rosi Mittermaier kommen. Dabei ist sie seit 40 Jahren mit dem früheren Skirennfahrer Christian Neureuther verheiratet und lebt mit ihm in Garmisch. Aber die Alm bei Reit im Winkl betrachtet Rosi immer noch als ein Stück Heimat, wo sie eine unbeschwerte Kindheit und Jugend verbrachte, wo sie sich selbst ein wenig wie die Schweizer Kinderbuchheldin "Heidi" fühlen durfte. Das alles erzählt sie im ersten Teil des Interviews – und natürlich noch mehr:

 

 

Interview (Radio SWR4 RP, 18.10.2020), Teil 1:

Wann waren Sie denn zum letzten Mal dort?

Jetzt war ja Corona, und da sind wir, ehrlich gesagt, net so rübergekommen. I hab ja zwei Schwestern, die im Chiemgau wohnen, nicht mehr auf der Winklmoosalm, aber da steht noch mein Elternhaus, da können wir auch jederzeit hin, aber es war natürlich net so einfach. Da simmer net so rumgefahrn und rumgereist, und so war ich 's letzte Mal im Herbst, nein an Silvester, an Silvester war mer, genau. War schön.

Ist das immer noch so ein bisschen was wie Heimat?

Ja, natürlich. Da is ja noch mein Elternhaus, das steht ja noch. Des hammer natürlich renoviert und umgebaut und isoliert und a neues Dach, und jetzt hammer a ganz, ganz nette Familie drin wohnen, die des sehr schätzen und genießen, und da muss mer halt auch a Liebe halt ham zum Berg und muss mer auch wissen, dass mer net nur einfach nebenan geht und sich's Brot kauft oder irgendwie einkaufen geht, sondern mer muss da alles im Ort unten und irgendwo vorher den Kopf beinand haben und einkaufen. So war's früher, so is heute, aber natürlich wird mer entschädigt durch einen Traum an Gegend und an Landschaft. Und so sin wir groß geworden. Und dann hab i natürlich meine zwei Schwestern, mei ältere Schwester Heidi, die is zehn Jahr älter, und die ging in München in die Schule, weil damals ging des noch nicht, dass mer von Winklmoos so einfach in die Schule gehen konnte. Die hat also bei der Großmutter in München und kam immer nur alle 14 Tage mittem Bus am Wochenende nach Reit im Winkl und Winklmoos. Die ersten drei Jahre hab ich auch bei Leuten g'wohnt in Reit im Winkl. Des liegt zehn Kilometer weg, und dort hab ich dann die ersten drei Schulklassen, bis die Evi, mei jüngere Schwester in die Schule kam, konnt' ich dort wohnen und bin immer am Wochenende mit'm Bus auf die Winklmoos g'fahrn.

Und später, wie war das dann, als Sie morgens zur Schule mussten?

Ja, sonst sin mer von meim Vati gefahrn worn, und da gab's dann noch einen von der Wirtschaft unten, Augustineralm hieß des, und da gab's ein' Bub, un da ham sich die Väter abgewechselt mit'm Fahrn – eine Woche is der gefahrn, eine Woche der andere. In so einem Aufwachsen isses so, dass einer dem andern hilft. So war des früher. Und aus dem Grunde is des, ja, eigentlich a traumhafte Kinderzeit gwesn, ganz frei, nur draußen, in der Natur, in der Luft. Wir kannten jeden Baum, jeden Stein. Alles hatte für uns Kinder Namen, wir ham dort wirklich a herrliche Zeit, herrliche Jugend g'habt.

Hatte das so'n bisschen was von "Heidi" tatsächlich auch?

Ja, des muss mer sagen, des hatte scho was von "Heidi".

Winklmoosalm Hotel Sonnenalm
Hotel "Sonnenalm" auf der Winklmoosalm
Winklmoosalm Kühe
Glückliche Kühe auf der Winklmoosalm
Winklmoosalm Hotel Sonnenalm Winter
Winklmoosalm im Schnee

SCHWESTER HEIDI ALS VORBILD
- Interview mit Rosi Mittermaier über die Winklmoosalm (Teil 2)

Rosi Mittermaiers Heimat-Alm liegt auf rund 1200 m Höhe unmittelbar an Bayerns Grenze zu Tirol. Das weitläufige Gelände um ihr Elternhaus herum zieht im Sommer zahllose Wanderer und Mountainbike-Fahrer an. Seit 2018 ist die Winklmoosalm zudem offiziell anerkannter Sternenpark (einer von nur vier in ganz Deutschland). Denn hier oben hat man des Nachts, fernab jeder künstlichen Beleuchtung, einen ungetrübten Blick auf die Milchstraße.
Im Winter ist die Winklmoosalm ein Magnet für Skisportbegeisterte. Auch "Gold-Rosi"-Mittermaier hat hier zum ersten Mal die "Brettln" angeschnallt und ist später zur Weltklasse-Athletin gereift. Ihre einzigartige Karriere verdankt sie deshalb auch ein bisschen der heimischen Alm. Aber vielleicht mehr noch ihrer großen Schwester, die wie die berühmte Kinderbuchheldin Heidi hieß, fast zehn Jahre älter ist und für Rosi ein großes Vorbild war. Dies und mehr erzählt sie im zweiten Teil des Interviews:

Interview (Radio SWR4 RP, 18.10.2020), Teil 2:

Ich hab' auch mal Ihre damalige große Konkurrentin Annemarie Moser-Pröll in Kleinarl besucht, und die hat mir erzählt, sie ist damals, weil sie auch auf 'nem Bergbauernhof aufgewachsen ist, morgens mit den Skiern im Winter zur Schule ins Dorf gefahren und das hätte doch großen Einfluss auf ihre spätere Karriere als Skirennläuferin gehabt. Wie war das bei Ihnen? Verdanken Sie der Winklmoosalm vielleicht auch einen Teil Ihres Erfolges?

Ja, auf jeden Fall, weil die Winklmoosalm is ei ganz ei sicheres Schneegebiet. Da schneit's schon sehr viel, und des war früher auch noch viel, viel schlimmer – also schlimmer? – für uns herrlich, und wir sin natürlich dort direkt draußen aufgewachsen. Der Vater war auch staatlich geprüfter Skilehrer, der hatte die Skischule, und da hat mer natürlich draußen im Schnee gespielt. Des is ja logisch, da blieb dir nix anderes übrig. Wir sind schon, einige Male erinner' ich mich auch, in die Früh' mit die Ski runterg'fahrn, wo mer scho e bissje älter war'n, um unten dann zum Bus zu kommen. Und wenn's sehr geschneit hat un wenn wirklich gar nix mehr ging mit'm Auto. Ja, ich glaube, des hat jetzt unsere Skikarriere nicht so gefördert wie bei der Annemarie, aber, natürlich, mein Vater hat uns Skifahr'n sehr gut gelernt. Des war ein guter Skilehrer, der auch sehr, sehr, sehr vielen Leuten und Gästen sehr viel Spaß vermittelt hat und die immer wieder gekommen sin un die auch sogar aus'm fernen Hannover noch die besten Skilehrer wurden, auch Sportphilologen und die halt Sportstudenten war'n, die ham bei meim Vater 's Skifahr'n gelernt. Und dann hatte auch meine Schwester, die Heidi, die Skischule g'habt, die is ja auch Skirennen g'fahrn, vor mir, Squaw Valley un Innsbruck '64 bei diesen Olympischen Spielen war die Heidi dabei, un da hatten wir als Kinder natürlich des schon im Fernseh'n alles mitbekommen. Mitunter, da hat mer gedacht, na, des is ja herrlich! Damals, 1960, mit der viermotorigen Maschine nach Amerika fliegen! Und des hatte meine Schwester da dürfen, net, Olympische Spiele in Squaw Valley, des war natürlich für uns a Traum, für uns Kinder. Heidi, was bringst uns mit? Un sie hat uns auch immer von vielen, vielen Rennen irgendwas mitg'bracht. Des war natürlich schon unser großes Vorbild, für die Evi, meine jüngere Schwester, und für mich natürlich.

 

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OHNE SIEGESWILLE ZUM SIEG
- Interview mit Rosi Mittermaier zu ihrer Skikarriere
 (nur für diese Webseite)

Sie ist nicht ehrgeizig, und sie war überhaupt nicht enttäuscht, als sie bei den Olympischen Winterspielen von Innsbruck im Riesenslalom "nur" Silber gewann. Freundschaften bedeuteten ihr mehr als Siege um jeden Preis. Dies sagt die "Gold-Rosi" über sich selbst. Sympathische Ansichten einer Sport-Ikone. Im dritten Teil meines Interviews erzählt sie von ihrer sportlichen Karriere, von den Geheimnissen ihres Erfolges im Super-Jahr 1976, vom Riesen-Hype um ihre Person und wie es dann weiterging nach dem Rücktritt vom Leistungssport. Manche ihrer Aussagen regen zum Schmunzeln, andere zum Nachdenken an. Hörenswerte 10 Minuten – so viel kann ich versprechen ...

Rosi Mittermaier mit 70
Rosi Mittermaier, 70 Jahre jung, in ihrem Haus in Garmisch

Originalton 10:26

[zum Anhören klicken: Interview mit Rosi Mittermaier, Teil 3]

 

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Hinweis:

Nur gut zwei Jahre nach meinem Besuch bei Rosi Mittermaier in Garmisch ist sie am 4. Januar 2023 im Alter von 72 Jahren verstorben. Eine große deutsche Sportlerin – vielleicht die populärste aller Zeiten – ist damit viel zu früh von uns gegangen. Liebe Rosi, ruhe in Frieden!

 

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Noch ein Hinweis:

Alle Fotos bis auf das Winterbild mit freundlicher Genehmigung des Hotels "Sonnenalm"

 

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