Costa Rica Piedras Blancas Strand

Rolf Fröhlings Reisereportagen

Costa Rica

                

PURA VIDA TROPICANA
- unterwegs im Garten Eden Mittelamerikas

"Pura vida" ist die meistgebrauchte Redewendung in Costa Rica. Wie geht’s? Pura vida! Wie gefällt es dir? Pura vida! Das ist spanisch und bedeutet frei übersetzt soviel wie das "pralle Leben". Immer wird es mit einem Lächeln vorgetragen und ist Ausdruck der heiteren, stets positiven Lebenseinstellung der Costaricaner. Gründe dafür gibt es genug. Sie leben in einer friedlichen Demokratie, die es sich sogar leisten konnte, das Militär abzuschaffen. Nicht umsonst wird Costa Rica als die "Schweiz Mittelamerikas" bezeichnet. Denn auch wirtschaftlich geht es dem kleinen Staat (etwa zweieinhalb mal die Fläche Hessens) vergleichsweise gut. Dafür sorgt seit jeher der Export von Südfrüchten und Kaffee, die in dem tropischen Klima prächtig gedeihen, aber in jüngster Zeit bringt vor allem der Fremdenverkehr steigende Erträge. Nicht nur die Strände an den Küsten der Karibik und des Pazifischen Ozeans locken Touristen an, sondern ebenso die üppigen Regenwälder voller exotischer Tiere und Pflanzen. Der Artenreichtum ist im Verhältnis zur geringen Größe Costa Ricas sogar weltrekordverdächtig. Ein wahrer Garten Eden, in dem das "pralle Leben" herrscht – eben pura vida tropicana!

Costa Rica Piedras Blancas Strand
Titelfoto: Strand im Nationalpark Piedras Blancas
Costa Rica San Jose Kathedrale Metropolitana außen
San José: Catedral Metropolitana
Costa Rica San Jose Parque Central junge Leute auf Brunnenrand
San José: Menschen im Parque Central
Costa Rica San Jose Nationaltheater außen
San José: Nationaltheater
Costa Rica San Jose Nationaltheater Foyer
San José: Nationaltheater innen
Costa Rica San Jose Goldmuseum Figur mit Halsreif
San José: Goldmuseum "Museo del Oro Precolombino"
Costa Rica San Jose Goldmuseum Statuette mit Flöte
San José: goldene Statuette aus präkolumbianischer Zeit im Goldmuseum
Costa Rica San Jose Goldmuseum Schale mit Krebstier
San José: Schmuckstück aus präkolumbianischer Zeit im Goldmuseum
Costa Rica San Jose Großfamilie mit Tauben
San José: Menschen in der Freizeit
Costa Rica San Jose Großmutter mit Kind und Taube
San José: Menschen und Tauben
Costa Rica San Jose stolzer Papa mit Baby
San José: Vater mit Töchterchen
Costa Rica Liberia Polizist mit Pferd
Liberia: berittener Polizist
Costa Rica Liberia drei junge Frauen im Park
Liberia: hübsche Mädels
Costa Rica Liberia Eisverkäufer mit Kundin
Liberia: Eisverkäufer
Costa Rica Brüllaffe im Baum
Brüllaffe
Costa Rica blauer und roter Ara
Blauer und roter Ara
Costa Rica Rincon de la Vieja Wanderer
Nationalpark Rincón de la Vieja
Costa Rica Hazienda Guachipelin Pferdeknecht mit Pferden
Hazienda Guachipelin in der Nähe des Nationalparks Rincón de la Vieja
Costa Rica Hazienda Guachipelin Ausreiten
Reiten auf der Hazienda Guachipelin
Costa Rica Hazienda Guachipelin Sonnenuntergang
Sonnenuntergang auf der Hazienda Guachipelin
Costa Rica Arbeiter auf Ananansplantage
Ananasplantage
Costa Rica Maquenque Eco Lodge Alligator
Alligator in der Nähe der Maquenque Eco Lodge
Costa Rica Maquenque Eco Lodge Frosch
Frosch in der Maquenque Eco Lodge
Costa Rica Pfeilgiftfrosch
Pfeilgiftfrosch
Costa Rica Tukane im Baum
Tukane
Costa Rica Affenbrücke
Affenbrücke
Costa Rica Kolibri nah
Kolibri
Costa Rica Dominical Bar San Clemente VW-Bus
Dominical: Restaurant "San Clemente"
Costa Rica Dominical Schild Befahren des Strandes verboten Junge auf Quad
Dominical: "Befahren des Strandes verboten" (auf Deutsch!), weil Schildkröten dort ihre Eier ablegen
Costa Rica Dominical Surfer mit Surfbrett unterm Arm
Dominical: Surfer
Costa Rica Dominical Surfer im Wasser
Dominical: Surfer-Paradies am Pazifik
Costa Rica Palmar Sur Eisenbahnmuseum
Palmar Sur: Eisenbahnmuseum
Costa Rica Quepos Canopy Start
bei Quepos: Canopy
Costa Rica Manuel Antonio Strand junge Frau im Bikini
Strand im Nationalpark Manuel Antonio
Costa Rica Nasenbär
Nasenbär im Nationalpark Manuel Antonio
Costa Rica Kapuzineraffe groß
Kapuzineräffchen im Nationalpark Manuel Antonio
Costa Rica Manuel Antonio Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Strand von Manuel Antonio

Reportagen (Radio hr4, 04.02.2012; SWR4 RP, 16.01.2022):

KATZENHILFE

Nachhaltigkeit im "Regenwald der Österreicher"

Costa Rica Las Pumas junger Ozelot nah
Titelfoto: Junger Ozelot

                    

 

Ökotourismus ist ein wichtiges Standbein in Costa Rica. Nicht zuletzt deshalb wurde gut ein Viertel der Fläche unter Naturschutz gestellt – so viel wie nirgendwo sonst auf der Welt. Mehr als 20 (!) Nationalparks bieten selten gewordenen Tieren und Pflanzen einen geschützten Lebensraum. Trotzdem sind manche Arten weiterhin vom Aussterben bedroht. Allen voran die Raubkatzen wie Jaguare, Pumas und Ozelote. Dies hat vor mittlerweile zwei Jahrzehnten den Österreicher Michael Schnitzler auf den Plan gerufen. Der einflussreiche Musikprofessor und Enkel des Schriftstellers Arthur Schnitzler gründete 1991 den "Verein Regenwald der Österreicher". Mit Hilfe von Spenden in Millionenhöhe kaufte er Grundstücke an der Pazifikküste Costa Ricas, um sie dem Nationalpark Piedras Blancas anzugliedern. Der Verein finanziert die systematische Erfassung des Katzenbestandes, bezahlt die Gehälter von Wildhütern und leistet Schadenersatz für gerissene Haustiere in der Umgebung. Aber nicht nur Katzenhilfe leisten die Österreicher. Sie betreiben auch die Esquinas Rainforest Lodge. In dem Dschungelhotel ist Nachhaltigkeit oberstes Gebot.

Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge Pflanzenkläranlage
Pflanzenkläranlage in der Esquinas Rainforest Lodge
Costa Rica Staude mit Kochbananen
Kochbananen aus eigenem Anbau in der Esquinas Rainforest Lodge
Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge Dalia Pfeifer Ledezma
Dalia Pfeifer Ledezma mit handgemachten Produkten der Einheimischen
Costa Rica Gamba Schmuckkollektion
Handgemachter Schmuck von Vanessa aus dem Dorf Gamba
Costa Rica Dorf Gamba
Das Dorf Gamba in der Nähe der Esquinas Rainforest Lodge
Costa Rica Roter Ingwer Scheinblüte
Flora im Regenwald um Esquinas - hier die Scheinblüte des Roten Ingwers
Costa Rica Roter Ingwer echte Blüten
Die echten Blüten des Roten Ingwers
Costa Rica Kaffeeblüte
Blütenstand der Kaffeepflanze
Costa Rica Golfito Boote im Hafen
Kleiner Hafen in Golfito - Ausgangspunkt für eine Bootstour zum Nationalpark Piedras Blancas
Costa Rica Golfito Bootsausflug
Bootstour zum Nationalpark Piedras Blancas
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Strand mit Bäumen
Strand des Casa Orquideas Jardin Botanico
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Badebucht
Badespaß am Strand des Casa Orquideas Jardin Botanico
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Strand mit Kokosnüssen
Kokosnüsse am Strand
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Touristen mit Kokosnuss
"Ball"-Spiel mit Kokosnuss
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Touristin mit Machete und Kokosnuss
Öffnen einer Kokosnuss mittels Machete
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Riesenblatt als Regenschirm
Regenschirm aus "Naturfaser"
Costa Rica Piedras Blancas Casa Orquideas Jardin Botanico Picknick
Essen fassen

Reportage (Radio hr4, 04.02.2012; SWR4 RP, 16.01.2022):

Originalton 3:12

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Regen]

Die Esquinas Rainforest Lodge trägt ihren Namen nicht von ungefähr. Fast täglich öffnet der Himmel hier seine Schleusen, denn sie steht mitten im tropischen Regenwald, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Nationalpark und angepasst an die natürliche Umgebung:

[O-Ton Dalia Pfeifer Ledezma:]
"Die Lodge wurde auf einem bereits schon gerodeten Grundstück erbaut. Das bedeutet, wir hatten nicht die Absicht noch mal zu roden, um die Lodge zu erbauen, sondern es hat sich so ergeben. Die Materialien sind aus schnell wachsendem Holz, aber auf keinen Fall aus tropischem Holz. Es wurde hier aus der Region geholt, aber auf keinen Fall zum Nachteil der Umwelt."

Dalia Pfeifer Ledezma ist halb Wienerin, halb Costaricanerin. Seit wenigen Monaten erst arbeitet sie im Management der Lodge, doch am liebsten möchte sie für immer bleiben. Als Biologin liegen ihr Natur und Umwelt sehr am Herzen. Deshalb findet sie das Konzept der Esquinas Lodge nachahmenswert – zum Beispiel bei der Abwasserentsorgung:

[O-Ton Dalia Pfeifer Ledezma:]
"Die Pflanzenkläranlage hier ist sehr besonders. Das ganze Abwasser aus der Küche fließt durch ein Rohr hinein. Sie liegt abseits von der Lodge, und die Pflanzen klären sozusagen, wie der Name schon sagt, das Wasser noch mal, damit nichts ins Grundwasser sickert und dass auch noch mal geklärt wird durch die Natur."

In der Küche selbst werden nur Zutaten verwendet, die in das Nachhaltigkeitskonzept passen: Bananen aus eigenem Öko-Anbau oder Tomaten vom Bio-Bauern nebenan.

Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge außen
Esquinas Rainforest Lodge
Costa Rica Dalia Pfeifer Ledezma
Dalia Pfeifer Ledezma
Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge Küche
Kochen mit Tomaten vom Bio-Bauer

[O-Ton Dahlia Pfeifer Ledezma:]
"Diese Produkte kommen alle aus der Region. Aber zu hundert Prozent! Wir beziehen das bewusst von Bauern in der Umgebung, die dieses selbst anbauen. Damit ist auch das Biologische garantiert und auch der Lebensunterhalt von diesen Leuten, die das liefern."

Vor allem die Bewohner des benachbarten Dorfes La Gamba profitieren von der Lodge. Dort lebt auch die junge Vanessa, die Schmuck aus natürlichen Werkstoffen herstellt, beispielsweise Pflanzensamen. Regelmäßig kommt sie mit Söhnchen Bayron nach Esquinas, um den Hotelgästen ihre schönsten Stücke vorzuführen.

[O-Ton Vanessa:]
"Hier gibt es einen größeren Absatzmarkt durch die Touristen, die herkommen, besonders wenn Reisegruppen in der Lodge sind. Zu Hause kommen zwar manchmal Einheimische zu mir, die etwas kaufen wollen, aber eher selten."

Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge Öko-Bananen
Öko-Bananen aus eigenem Anbau
Costa Rica Esquinas Rainforest Lodge Schmuckhändlerin
Schmuckhändlerin Vanessa
Costa Rica Esquinas Rainforest Lodga Artenschutzurkunde
Artenschutzurkunde

Von den Touristen erwarten die Betreiber der Lodge, dass sie ihren Müll fein säuberlich trennen, keine Giftstoffe in den Abfluss schütten, eben die Umwelt respektieren. Darüberhinaus können sich die Gäste auch aktiv am Schutz der Raubkatzen beteiligen – mit dem Kauf einer so genannten Artenschutzurkunde.

[O-Ton Dalia Pfeifer Ledezma:]
"Somit unterstützen wir die Organisation Yaguará, indem wir zum Beispiel hier in der Region die Kamerafallen gekauft haben, damit wir auch nachweisen können, dass die Raubkatzen sich hier in diesem Terroir befinden und somit zur Forschung und zur Erhaltung und auch zur Auswilderung, falls sie verletzte Tiere finden oder gefangene Tiere finden, beitragen."

Die Urkunde für einen Jaguar kostet 40 US-Dollar, einen Ozelot gibt's schon für 20. Das ist durchaus erschwinglich! Und geht es der Katze gut, freut sich bekanntlich auch der Mensch.

 

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EIN PLATZ FÜR TIERE
- die Auffangstation Las Pumas

Seltene Tiere in freier Wildbahn zu beobachten ist auch in Costa Rica Glückssache. Viele sind scheu und/oder nachtaktiv. Das gilt besonders für die Raubkatzen – und einem Jaguar möchte man vielleicht auch nicht unbedingt im tiefen Dschungel plötzlich und unvorbereitet gegenüberstehen. Das könnte unangenehm werden.
Wer es gefahrloser liebt, für den ist die Tierauffangstation Las Pumas eine Alternative. Sie wurde von dem Schweizer Ehepaar Hagnauer gegründet und liegt in der nordwestlichen Provinz Guanacaste, in der Nähe des Städtchens Cañas. Die Station nahm ursprünglich Tiere auf, die beim Roden der Trockenwälder in den 1950er Jahren heimatlos geworden waren. Heute beherbergt sie vor allem Tiere, die verbotenerweise von Privatleuten gehalten und vom staatlichen Wilddienst MINAE konfisziert wurden.
Lilly Hagnauer ist 2001 gestorben, aber ihr mittlerweile 86-jähriger Mann Werner kümmert sich immer noch liebevoll um seine Schützlinge. Mit Hilfe einer einheimischen Tierärztin versucht der Schweizer die Tiere aufzupäppeln und sie, wenn möglich, wieder auszuwildern. Es sind nicht nur Raubkatzen, sondern auch Affen, Fischotter, Papageien oder Tukane. Zurzeit (Stand November 2011) beherbergt die Station Las Pumas rund vierzig Tiere in möglichst artgerechten Gehegen. Wie in einem Zoo können sie dort besichtigt werden. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird aber gerne angenommen.
Wegen des hohen Alters von Werner Hagnauer ist es fraglich, wie lange er die Tierauffangstation noch betreiben kann. Bisher hat er vergeblich einen Nachfolger gesucht. Seine vier Kinder leben über den ganzen Erdball verstreut und haben andere Interessen. Vielleicht, so hofft er, übernimmt die Veterinärin sein Lebenswerk. Wenn nicht, müssten die Tiere wohl eines Tages eingeschläfert werden.

 

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HÄNGEPARTIE

Baumwipfel-Tour im Nebelwald von Monteverde

Costa Rica Selvatura Menschen auf Hängebrücke
Titelfoto: Baumwipfel-Tour im Selvatura Park

                    

 

Obwohl Costa Rica ein kleines Land ist, wartet es mit den unterschiedlichsten Vegetationszonen auf – vom tropischen Trockenwald im Nordwesten über den tropischen Regenwald im Südosten bis hin zum Bergnebelwald an den Hängen der Kordilleren. Um letzteren zu schützen, wurde der Nationalpark Monteverde gegründet. Er umfasst einen Höhenstreifen zwischen 1.400 und 1.700 Meter. In Europa wäre diese Lage im Winter ideal zum Skilaufen, im tropischen Costa Rica herrscht statt Weiß ganzjährig üppiges Grün vor. Die Feuchtigkeit der nebelartigen Wolken, die vom pazifischen Wind hereingedrückt und an den Berghängen aufgestaut werden, macht es möglich.
Die reiche Flora und Fauna können Besucher auf angelegten Wanderpfaden erleben oder – noch besser – von Hängebrücken aus, quasi frei schwebend, in Höhe der Baumwipfel. Zwei solcher "Skywalks" gibt es am Monteverde. Einer davon ist im privaten Schutzgebiet Selvatura am Rande des Nationalparks. Da wird das Naturerlebnis Nebelwald zur echten Hängepartie.

Costa Rica Santa Elena Straßenszene
Das Städtchen Santa Elena - Ausgangspunkt zum Nationalpark Monteverde
Costa Rica Santa Elena zwei Männer mit Cowboyhüten
Zwei Kleinstadt-"Cowboys" in Santa Elena
Costa Rica Santa Elena Tree House außen
Restaurant-Café "Tree House" in Santa Elena, durch das ein Baum wächst
Costa Rica Santa Elena Gäste im Tree House
Menschen im Restaurant-Café "Tree House"
Costa Rica Monteverde Nebelwald
Nebelwald von Monteverde
Costa Rica Monteverde Wanderer
Wanderung im Nationalpark Monteverde
Costa Rica Monteverde dichtes Laubwerk
Ein Sonnenstrahl dringt durch den Nebelwald
Costa Rica Selvatura Hängebrücke mit Besuchern
Selvatura Park: Der Blick geht nach oben ...
Costa Rica Selvatura Christoph Gehring auf Hängebrücke
... und nach unten
Costa Rica Selvatura Epiphyt
Epiphyt im Selvatura Park
Costa Rica Kolibiri nascht Zuckerwasser
Kolibri nascht Zuckerwasser

Reportage (Radio hr4, 04.02.2012; 16.01.2022):

Originalton 3:15

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Musik: "Über sieben Brücken musst du gehen" von Peter Maffay]

Peter Maffay hat sich offenbar verzählt, denn der Baumwipfel-Parcours im Selvatura Park führt nicht über sieben, sondern über acht Hängebrücken aus Stahl. Bis zu 150 Meter sind sie lang, eigentlich stabil und sicher, aber trotzdem leicht schwankend im Wind:

[O-Ton Touristin:]
"Angenehm, schön. Man muss natürlich das Gleichgewicht finden und austarieren, aber es ist ein schönes Gefühl."

Die Idee zum "Skywalk" kam ursprünglich von Biologen. Sie spannten zuerst Drahtseile von Baumkrone zu Baumkrone, bauten dann Brücken über Täler und Schluchten, denn das Leben in einem Nebelwald spielt sich hauptsächlich in den oberen Schichten ab. Unser Reiseleiter und Hobby-Biologe Fritz Fucik kennt einen einfachen Grund dafür:

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Weil hier mehr Licht vorhanden ist. In einem gesunden Regenwald, in einem gesunden Primärwald, kommt sehr, sehr wenig Licht bis zum Boden – ungefähr nur sieben Prozent. Das hat zur Folge, dass weniger Pflanzenwuchs unten ist, die Pflanzen werden zu Aufsitzern, suchen das Licht, und wo die Pflanzen sind, gibt's dann Früchte, gibt's Blüten, gibt's Insekten, gibt’s Nahrung."

Allein Hunderte von Vogelarten sind in der Selvatura heimisch, Schmetterlinge, Amphibien, auch Reptilien halten sich in den Bäumen auf. Viele davon sind allerdings nachaktiv und zeigen sich nicht. Den Besuchern gefällt es trotzdem.

[O-Töne Touristen:]
"Das ist schon grandios, wenn man da 30 Meter über dem Urwald steht, also in den Baumkronen, und sieht dann die Farne von oben, also die Farnbäume, das ist ja schon gigantisch. Und der Geruch vor allen Dingen – der Wald riecht, das ist schon eigenartig, aber auch faszinierend."
"Es gibt auch viele Blumen, eine Raupe hab' ich schon gesehen, eine sehr schöne, aber die Tiere kommen vielleicht noch."
"Ich finde es hier traumhaft schön, ich brauch' noch nicht mal die Tiere, aber ich warte immer darauf, dass ich irgendwann mal auf dem Baum eine Schlange sehe."

Costa Rica Selvatura Hängebrücke
Gang über die Hängebrücken
Costa Rica Selvatura orangefarbene Blüte
Es gibt auch Blumen
Costa Rica Selvatura Kolibri
Kolibri, angelockt von Zuckerwasser

[Musik: "Manchmal greift man nach der ganzen Welt, manchmal meint man, dass der Glücksstern fällt…"]

Kein Glück mit der Tierwelt, denn auch Schlangen lassen sich nicht blicken bei unserem Rundgang. Erst als wir über alle acht Brücken gegangen sind, wartet noch ein Highlight auf uns. Am Ausgang des Parks werden Kolibris mit Zuckerwasser angefüttert. Dort herrscht ein buntes Flattern und Schwirren:

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Über 60 Flügelschläge in der Sekunde. Das muss man sich mal vorstellen, haben dadurch natürlich einen enormen Energiebedarf, einen sehr hohen Stoffwechsel, eine sehr hohe Herzfrequenz und werden dadurch nicht alt. Zwei, drei Jahre, dann ist so ein intensives Kolibri-Leben aus."

Dass sich nur die Kolibris so bereitwillig zeigen, führt unser Reiseleiter auch auf das Wetter zurück. An diesem Tag gibt es im Bergnebelwald nämlich mehr Sonnenschein als Nebel, und daran sind die Tiere nicht gewöhnt. Aber wir werden ja noch viele Nationalparks in Costa Rica besuchen. Und die Hoffnung – das lehrt uns auch Peter Maffay – soll man nie aufgeben.

[Musik: "...sieben mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein."]

 

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CANOPY
- einmal wie Tarzan fühlen

Tarzan, der Dschungelheld, wer kennt ihn nicht? Von Liane zu Liane schwang er sich, um im Urwald schneller voranzukommen. Ihn nahmen sich die Naturforscher in Costa Rica zum Vorbild, als sie das Canopy erfanden. Sie spannten (wie oben erwähnt) Drahtseile von Baumriese zu Baumriese, klinkten sich ein und sausten in Sekundenschnelle talwärts.
Daraus hat sich längst ein Freizeitsport entwickelt. Canopy-Touren werden vielerorts in Costa Rica angeboten, auch im Monteverde-Gebiet. Wer unter Höhenangst leidet, sollte zwar besser die Finger davon lassen, aber für alle anderen ist es ein spaßiges Abenteuer und kann im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt der Costa-Rica-Reise werden.

           


Video:
Drahtseilakt - Canopy mit Xtreme Tours bei Quepos an der Pazifikküste

 

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KETTENRAUCHER

Naturwunder am Vulkan Arenal

Costa Rica Touristen vor Arenal
Titelfoto: Fotogener Vulkan Arenal

              

 

Auch in Costa Rica gilt mittlerweile ein weit reichendes Rauchverbot. Nur einer schert sich partout nicht darum: der Vulkan Arenal im Zentrum des Landes. Beständig stößt er Qualmwolken aus. Der Arenal ist der aktivste unter den sieben aktiven Vulkanen Costa Ricas. Und es gibt noch zig weitere, die als erloschen gelten.
Die Vielzahl von Vulkanen auf so engem Raum hängt mit der Lage Costa Ricas an der Nahtstelle dreier tektonischer Platten zusammen. Wo heute eine schmale Landbrücke Nordamerika und Südamerika verbindet, war vor drei Millionen Jahren noch Wasser. Erst eine Verschiebung der Erdplatten bewirkte den Lückenschluss zwischen den beiden Kontinenten. Und die geologische Entwicklung scheint längst nicht abgeschlossen. So ist der Vulkan Arenal erst vor rund 7.000 Jahren entstanden, sein letzter großer Ausbruch liegt noch kein halbes Jahrhundert zurück (Stand 2011). Und bis vor gut einem Jahr hat er beinahe täglich kleinere Lavamengen ausgespuckt. Seither raucht er nur noch Kette. Trotzdem ist der Arenal ein Naturwunder, das zu den unvergesslichen Momenten einer Costa-Rica-Reise gehört.

Costa Rica 3 Arenal Naturschutzgebiet Wanderer
Wanderung im Naturschutzgebiet am Fuße des Vulkans Arenal
Costa Rica Arenal Naturschutzgebiet Orchidee
Orchidee im Naturschutzgebiet am Fuße des Vulkans Arenal
Costa Rica Vulkan Arenal von fern
Blick von der Lodge bei La Fortuna auf den Vulkan Arenal
Costa Rica La Fotruna Abendstimmung im Park
In der Stadt La Fortuna unweit des Vulkans Arenal
Costa Rica Bananen im Plastikhülle
Bananenplantage im Gebiet des Vulkans Arenal
Costa Rica Muelle de San Carlos orangefarbener Leguan nah
Leguan im Dorf Muelle de San Carlos
Costa Rica Muelle de San Carlos Faultier im Baum
Faultier im Dorf Muelle de San Carlos
Costa Rica Muelle de San Carlos Faultier groß
Faultier im Dorf Muelle de San Carlos
Costa Rica Refugio de Vida Silvestre Caño Negro Totale
Naturschutzgebiet Refugio de Vida Silvestre Caño Negro bei Los Chiles
Costa Rica Rio Frio Bootsfahrt
Fahrt über den Río Frío im Naturschutzgebiet Refugio de Vida Silvestre Caño Negro
Costa Rica Refugio de Vida Silvestre Caño Negro Silberreiher
Silberreiher im Refugio de Vida Silvestre Caño Negro
Costa Rica Refugio de Vida Silvestre Caño Negro Kormorane
Kormorane
Costa Rica Refugio de Vida Silvestre Caño Negro Kapuzineraffe
Kapuzineräffchen
Costa Rica Refugio de Vida Silvestre Caño Negro Krokodil
Krokodil

Reportage (Radio hr4, 04.02.2012; SWR4 RP, 16.01.2022):

Originalton 2:54

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Still und scheinbar friedlich pafft er vor sich hin – Costa Ricas militantester Raucher. Früher hat er auch kräftig gehustet. Besonders nachts, erzählt unser Reiseleiter Fritz Fucik, war der glühende Auswurf des Vulkans Arenal gut zu beobachten, aber jetzt leider nicht mehr.

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Warum er seit einem Jahr jetzt ruhig ist? Na ja, der Schlot dürfte verstopft sein. Mehr wissen sie aber auch nicht, die Vulkanologen. Man kann ja nur Tatsachen berichten. Er hat bis Mitte Oktober 2010 Lava gespuckt, regelmäßige Eruptionen gezeigt, regelmäßig Asche ausgestoßen, und von einem Tag auf den andern hat das aufgehört."

Insgeheim haben wir ja gehofft, dass er für uns noch mal eine Ausnahme macht, der Arenal. Macht er aber nicht. Dennoch sind wir von seinem Anblick fasziniert. Er ist nämlich nicht nur der aktivste unter den Vulkanen Costa Ricas, er gilt auch als Bilderbuch-Vulkan.

[O-Ton Fritz Fucik:]

"Der Arenal ist ein Bilderbuch-Vulkan, weil er sich im Vergleich zu allen anderen Vulkanen, die wir jetzt in Costa Rica haben, auszeichnet durch seine wirklich spektakuläre Kegelform. Er hat steile Flanken, eine Höhe von knapp 1.700 Meter, die dann steil abfallen, ja, und er gehört zu den schönsten Vulkanen der Welt."

Mit diesen Eigenschaften erinnert der Arenal irgendwie auch an einen anderen berühmten Vulkan:

[O-Ton Tourist:]
"Also auf den ersten Blick an den Fudschijama in Japan – die Form und auch die Bewölkung, die Wolken, die um die Spitze ziehen."

Costa Rica feuerspeiender Vulkan Arenal bei Nacht auf Postkarte
Nächtliche "Hustenanfälle" des Vulkans
Costa Rica Arenal Naturschutzgebiet Frau umarmt Baum
Mein Freund, der Baum
Costa Rica Arenal Fritz Fucik von hinten
Fritz Fucik vor dem Bilderbuch-Vulkan

Bei unserer Wanderung am Fuße des Vulkankegels sind die Spuren des großen Ausbruchs von 1968 nicht mehr zu erkennen. Wo noch bis vor zwei Jahrzehnten eine karge Lavawüste war, ist längst wieder dichter Dschungel.

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Man darf ja eines nicht vergessen: Der vulkanische Boden ist sehr, sehr nährstoffreich. Dazu noch die Temperaturen, der regelmäßige Niederschlag, kein Frost und keinen Winter sozusagen, das fördert natürlich, dass sich hier sehr, sehr schnell die Vegetation solche Lavafelder wieder zurückerobert."

Kein Vergleich etwa zu Island, wo nur Moos das Lavageröll bedeckt.

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Als erstes wachsen Gräser, wie wir hier schön erkennen können, Schilf-Arten, es wachsen so genannte Pioniersbäume. Das sind Bäume wie der Ameisenbaum zum Beispiel, der die ersten freien Stellen besiedelt, die sehr, sehr schnell wachsen können. Kleine Sträucher, aber auch Orchideen haben wir hier, auch Farne sehen wir hier und so einige andere Pflänzchen."

Nur der Kegel selbst ist frei von Vegetation. Die dicke Ascheschicht an seinen Flanken hat offenbar noch keinen Bewuchs zugelassen. Bis zum Kraterrand hinaufsteigen dürfen wir aber nicht. Die Spitze des Vulkans ist Sperrgebiet, denn er atmet giftige Gase aus. Außerdem könnte der Kettenraucher Arenal jederzeit einen neuen Hustenanfall bekommen.

 

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PIRATENFALLE

Bootsausflug zur Festung El Castillo

Nicaragua El Castillo mit Blumen im Vordergrund
Titelfoto: Die Festung El Castillo hinter der Grenze zu Nicaragua

             

 

Mit Naturschätzen ist Costa Rica reich gesegnet. Bei den Kulturschätzen sieht es nicht ganz so rosig aus. Baudenkmäler aus der Kolonialzeit etwa wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern gibt es kaum. Das liegt zum einen daran, dass Costa Rica zu Zeiten der Spanier nur eine unbedeutende Provinz war, die von Guatemala aus verwaltet wurde. Zum anderen an häufigen Erdbeben, denen die wenigen vorhandenen historischen Bauten zum Opfer fielen. So gab es im 18. Jahrhundert am Río San Juan, dem heutigen Grenzfluss zu Nicaragua, eine ganze Reihe von Bastionen. Sie sollten die spanischen Goldtransporte sichern gegen den Fluch der Karibik – die englischen Piraten. Die sahen nicht alle so gut aus wie ihr Leinwand-Kollege Captain Sparrow alias Johnny Depp, aber berühmte Namen waren ebenfalls unter ihnen: allen voran Horatio Nelson, der spätere Admiral und Seeheld von Trafalgar.
Von den ehemaligen Bastionen erhalten geblieben ist nur El Castillo de la Inmaculada Concepción, die "Festung der unbefleckten Empfängnis". Sie liegt heute wenige Kilometer hinter der Grenze auf nicaraguanischem Gebiet. In La Fortuna am Fuße des Vulkans Arenal allerdings werden Tagesausflüge angeboten – und zwar mit dem Boot!

Nicaragua Grenze am Rio San Juan
Grenzstation am Río San Juan in Nicaragua
Nicaragua Grenzsoldat von hinten
Nicaraguanischer Grenzsoldat als Aufpasser mit an Bord
Nicaragua El Castillo Festung und Dorf
Wir nähern uns dem Festungsdorf El Castillo
Nicaragua El Castillo Bootsanleger
Bootsanleger im Dorf El Castillo
Nicaragua El Castillo Führung
Führung durch die Festung El Castillo
Nicaragua El Castillo Morgan Hill
Blick von der Festung auf "Morgan Hill"
Nicaragua El Castillo Henry Morgan
Der englische Freibeuter Henry Morgan
Nicaragua El Castillo Horatio Nelson
Der junge Horatio Nelson, englischer Freibeuter und späterer Sieger der Seeschlacht von Trafalgar gegen die Flotte Napoleons
Nicaragua El Castillo Gemälde mit Piraten
Gemälde von Kämpfen mit Piraten im Museum der Festung
Nicaragua El Castillo Boot mit Waren
Warentransport auf dem Río San Juan
Nicaragua El Castillo Boot mit Fischern
Fröhliche Fischer auf dem Río San Juan

Reportage (Radio hr4, 04.02.2012; SWR4 RP, 16.01.2022):

Originalton 3:02

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Motorboot:]

Der Käpt'n gibt kräftig Gas, denn vor uns liegt ein weiter Weg. Drei Stunden dauert die Bootsfahrt nach El Castillo. Über den Río San Carlos geht es zunächst nach Norden, dann biegen wir in den Río San Juan ein und fahren in westlicher Richtung stromaufwärts. Dichter Dschungel säumt die Ufer. Wir sehen Wasservögel, Krokodile und Affen, aber keine menschliche Siedlung – bis endlich die Festungsruine vor uns auftaucht.

Originalton 0:22

[zum Anhören klicken: O-Ton Museumsführerin Francisca (auf spanisch)]

Leider nur in spanischer Sprache werden Führungen durch das historische Gemäuer angeboten. Unser costaricanischer Tourbegleiter mit dem passenden Namen Pablo Castillo (!) versucht sich als Übersetzer ins Englische:

[O-Ton Pablo Castillo:]
"This one is like baluarte...
Hier stehen wir auf einem baluarte, einem Bollwerk. Die tragen alle Namen von Heiligen, denn die Spanier waren ja streng katholisch. Von hier oben kann man sehr schön die Stromschnellen überblicken. Sie wurden Höllenstrudel genannt. Damals führte der Fluss mehr Wasser.
...used to habe more water."

Costa Rica Rio San Carlos Bootsfahrt
Bootstour auf dem Río San Carlos
Nicaragua El Castillo von fern
Wir nähern uns El Castillo
Nicaragua El Castillo Blick von der Festung zum Rio San Juan
Francisca und Pablo

Das Kastell, erfahren wir weiter, wurde an diesen Stromschnellen gebaut, weil die Piratenschiffe hier in der Falle saßen, den spanischen Kanonen kaum entgehen konnten. Schon im 17. Jahrhundert versuchte der berüchtigte Freibeuter Henry Morgan die Festung einzunehmen, aber vergeblich.

[O-Ton Pablo Castillo:]
"That side of the castle…
Auf dieser Seite der Festung ist ein Hügel. Er wird 'Morgan Hill' genannt. Von dort aus attackierte er die Festung mit 200 Mann, wurde aber zurückgeschlagen. Auf dem Hügel ist heute unter anderem ein Schmetterlingsgarten.
…butterfly garden and different things."

Ein knappes Jahrhundert später kamen die Engländer mit 2.000 (!) Mann zurück. Doch bei ihrem nächtlichen Angriff wurden sie ausgerechnet von einer Frau besiegt – Rafaela Herrera, der 19-jährigen Tochter des Festungskommandanten.

[O-Ton Pablo Castillo:]
"Rafaela got her father dead…
Rafaelas Vater war gestorben. Da ließ sie Tücher in Alkohol tränken, anzünden und als brennende Fackeln in die Bäume entlang des Flusses hängen. Durch den hellen Schein fühlten sich die Engländer entdeckt und ergriffen die Flucht. Sie glaubten, dass sie die Schlacht verloren hätten.
…thinking that they lost the battle."

Wandbild in Costa Rica: eine Frau weist neben einer Kanone in die Ferne
Rafaela Herrera
Besuchergruppe unter einem historischen Steinbogen
Touristen in der Festung El Castillo
Boot auf einem Fluss im Regenwald von Costa Rica
Stolzer Angler auf dem Río San Juan

Die junge Dame wird seither als Heldin gefeiert. Den nächsten Angriff der Engländer aber konnte auch sie nicht verhindern. 1780 gelang es dem jungen Lord Nelson erstmals El Castillo zu erobern. Doch schon bald musste er wieder abziehen, weil viele seiner Männer vom Gelbfieber hinweggerafft wurden.
Danach verlor die Festung ihre strategische Bedeutung und verfiel allmählich. Erst nach dem Bürgerkrieg wurde die Ruine restauriert, um Touristen anzulocken. Bisher kommen nur wenige, aber die bereuen es nicht:

[O-Ton Tourist:]
"So 'ne Festungsanlage der Spanier hier an dem strategisch wichtigen Punkt, an dem Fluss mit den Stromschnellen, ist von der geschichtlichen Seite her eine ganz interessante Sache.

[Atmo: Motorboot]

Trotzdem machen wir uns anschließend gerne wieder auf den Rückweg nach Costa Rica. Wie einst die Piraten schippern wir den Río San Juan hinab. Die Bootsfahrt durch den dichten Urwald ist mindestens ebenso interessant wie die alte Festung.

 

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BOHNENEXTRAKT

Kaffeegenuss im Tal von Orosi

Costa Rica Valle de Orosi junger Kaffeepflücker von hinten
Titelfoto: Kaffeepflücker im Valle de Orosi

             

 

Schwarze Bohnen sind ein Grundnahrungsmittel in Costa Rica. Mit Reis vermischt werden sie schon zum Frühstück gereicht. Die ärmere Bevölkerung ernährt sich fast ausschließlich davon. Aber nicht nur schwarze Bohnen werden hier angepflanzt und konsumiert. Costa Rica ist auch berühmt für seine Kaffeebohnen. Die fruchtbare Vulkanerde und das feucht-warme Klima mit ganzjährigen Regenfällen sind ideale Voraussetzungen für den Kaffeeanbau. Die Edelsorte Coffea arabica gedeiht in höheren Lagen zwischen 700 und 1.600 Metern am besten. Die meisten Plantagen gibt es deshalb in der zentralen Hochebene um die Hauptstadt San José. Hier liegt auch das Valle de Orosi. Von November bis März kann man täglich erleben, wie Heerscharen von Kaffeepflückern die leuchtend roten Früchte ernten, deren Samen – die eigentlichen Kaffeebohnen – geröstet und in alle Welt exportiert werden. Aber im Tal von Orosi wird Kaffee nicht nur angebaut, natürlich kann man den aromatischen Bohnenextrakt dort auch genießen.

Costa Rica Valle de Orosi von oben
Blick über das Valle de Orosi
Costa Rica Valle de Orosi junger Kaffeepflücker von vorn
Kaffeepflücker bei der Arbeit
Costa Rica Valle de Orosi älterer Kaffeepflücker von der Seite
Kaffeepflücker bei der Arbeit
Costa Rica Kaffeekirschen nah
Kaffeekirschen, deren bohnenförmiger Kern geröstet und zu Kaffee verarbeitet wird
Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza außen
Café Panadería Suiza in Orosi
Costa Rica Valle de Orosi Gast in der Panaderia Suiza
Kaffeegenuss in der Panadería Suiza
Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza Franziska Mosimann
In der Panadería Suiza (rechts Inhaberin Franziska Mosimann)
Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza Rüblikuchen
Delikat nach Schweizer Art: Kuchen in der Panadería Suiza
Costa Rica Orosi Kirche außen
Kirche von Orosi
Costa Rica Bananenstaude mit Blüten
Nicht nur Kaffeesträucher, auch Bananenstauden gedeihen im Valle de Orosi
Costa Rica Wanderer am Rio Orosi
Wanderung entlang des Río Orosi
Costa Rica Valle de Orosi leuchtend rote Blüten
Blumen am Wegesrand
Costa Rica Valle de Orosi gelbe Blüte
Noch 'ne Blume am Wegesrand
Costa Rica Valle de Orosi Schmetterling
Schmetterling am Wegesrand
Costa Rica Nasenbär
Nasenbär
Costa Rica Valle de Orosi Nasenbär
Noch 'n Nasenbär

Reportage (Radio hr4, 04.02.2012; SWR4 RP, 16.01.2022):

Originalton 2:39

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Musik: "Der Kaffee ist fertig, klingt des net unheimlich zärtlich?" von Peter Cornelius]

Ein fast schon zärtliches Gefühl zu ihrem Kaffee hat auch Franzisca Mosimann. Die aus der Schweiz stammende Einwanderin betreibt in der Kleinstadt Orosi die "Panadería Suiza", eine Bäckerei mit Kaffeeverkauf. Die Bohnen aus biologischem Anbau verpackt sie in selbst bemalte Beutel mit landestypischen Motiven.

[O-Ton Franzisca Mosimann:]
"Die Beutel haben auch ein Löchlein zum Riechen. Also, wenn man den Kaffee schon riecht, sagt man einfach, das ist Kaffee! Wir hier in der Bäckerei haben den Erstklasskaffee, weil ich einfach will, dass die Touristen, die hierher kommen, den Genuss vom Erstklasskaffee vom Orosi-Tal haben. Ich verkaufe auch wirklich nur den Kaffee von Orosi, weil ich hinter dem Kaffee stehe."

[Atmo: Kaffeepflücker]

In den Plantagen vor der Stadt läuft die Ernte auf Hochtouren. Die Pflückerkolonnen arbeiten im Akkord.

Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza Kaffeebeutel
Handbemalte Kaffeebeutel
Costa Rica Valle de Orosi Kaffeeernter
Kaffee-Ernte läuft auf Hochtouren
Costa Rica Valle de Orosi Kaffeestrauch mit Pflücker
Coffea arabica wird per Hand geerntet

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Coffea arabica wird per Hand geerntet. Hier haben wir keine Maschinen. Wir benötigen in der Saison 200.000 Pflücker für Costa Rica. Und wenn ihr euch die Leute genau anschaut, seht ihr, wenn ihr die Gesichtszüge seht, dass die nicht von hier sind, sind gut aufgelegte Nicaraguaner und auch aus Panama schon sehr, sehr viele."

Zwei Dollar pro Korb verdienen diese Saisonarbeiter hier. Wenn sie schnell sind, 20 Dollar am Tag. Nicht viel, aber mehr, als sie in in ihrem Heimatland verdienen können. Dafür ist der Job anstrengend – besonders in extremen Steillagen – und nicht ungefährlich, denn in den Kaffeesträuchern verstecken sich manchmal Schlangen.

[O-Ton Fritz Fucik:]
"Hier gibt's noch zum Beispiel die Greifschwanzlanzenotter, die liegt hier gut getarnt. Die Burschen und die Mädchen haben keine Chance. Sie können nicht den Busch vorher kontrollieren, da kommen Schlangenbisse vor. Wollt's ihnen helfen?"

Costa Rica Valle de Orosi gepflückte Kaffeekirschen im Korb
Pflücker kriegen zwei Dollar pro Korb
Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza Kaffeetasse von oben
Orosi-Kaffee in der "Panadería Suiza"
Costa Rica Valle de Orosi Panaderia Suiza innen
Kaffee als Mitbringsel

Besser nicht. Statt selbst Kaffee ernten, lieber selbst Kaffee probieren! In der "Panadería Suiza" von Franzisca Mosimann gibt's ihn frisch aufgebrüht – Kaffee, in Orosi geerntet, in Orosi geröstet und in Orosi serviert. Unser einhelliges Testurteil: Jedes Böhnchen verdient ein Krönchen!

[O-Töne Touristen:]
"Der schmeckt mir gut, ja!"
"Ich finde, der ist ein bisschen stärker als unser Kaffee, aber er schmeckt mir sehr gut."
"Mir schmeckt er gut, mit Milch drin, und jetzt lass' ich mir gleich noch einen zweiten holen, weil er so gut war."

Am Ende verlässt kaum einer die Bäckerei, ohne mindestens einen Beutel Kaffee im Gepäck. Fünf Pfund darf man zollfrei mit nach Deutschland nehmen. Und für die Lieben daheim gibt es kein schöneres Mitbringsel als den "Erstklasskaffee" aus dem Kaffeeland Costa Rica.

[Musik: "Der Kaffee ist fertig. Des klingt für mich wie Musik…"]

 

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MÁS TRANQUILO
- eine Schweizerin in Costa Rica

2006 ist sie ausgewandert von Aarburg in der Schweiz nach Orosi in Costa Rica: Franzisca Mosimann, Jahrgang 1967, ehemals Fotografin und Friseuse von Beruf, heute Bäckerin aus Leidenschaft. Sie folgte ihrem Mann Fredy Imfeld, der schon ein Jahr zuvor den Sprung gewagt hatte. Gemeinsam wollten sie sich eine neue Existenz aufbauen. Und das scheint gelungen. Ihre "Panadería Suiza" ist ein Anlaufpunkt für (meist deutschsprachige) Touristen und Einheimische gleichermaßen. In ihrer Bäckerei verkauft Franzisca Brot, Sandwiches und Kuchen nach Großmutters Schweizer Rezept ebenso wie besten Kaffee und Konfitüren aus dem Orosi-Tal. Nebenbei betreibt sie mit ihrem Mann eine Tourist Information, um die Region bekannter zu machen und besser zu vermarkten; dazu gehört auch ein Fahrradverleih. Längst spricht sie perfekt Spanisch und scheint bestens integriert in ihrer Wahlheimat. Sie fühle sich dort sehr wohl, sagt sie, denn es sei más tranquilo – ruhiger – als in der Schweiz.
Franzisca Mosimann, eine mutige und lebensfrohe Frau, die bestens nach Costa Rica zu passen scheint. Wer mehr über sie wissen will, über ihre Auswanderung, über den Neustart in der neuen Heimat und über ihr Verhältnis zum Kaffee, der sollte sich mein vollständiges Interview (geführt am 16.11.2011) anhören:

Originalton 6:34

[zum Anhören klicken: Interview mit Franzisca Mosimann]

 

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