rolf fröhlings reisereportagen
Australiens Süden
TERRA AUSTRALIS AUSTRALIS
- ganz tief unten auf dem 5. Kontinent
Schon in der Antike ging die Legende um von einem unbekannten Kontinent weit unten im Süden. Terra australis incognita wurde er genannt. Und als Jahrhunderte später das heutige Australien entdeckt wurde, glaubten viele, dass es sich um diesen sagenhaften Kontinent handelte. Der Name jedenfalls war geboren: Terra australis – das südliche Land. Konsequenterweise müsste man dann das südliche Australien als terra australis australis bezeichnen. Und nicht etwa den Bundesstaat South Australia mit der Hauptstadt Adelaide, sondern das noch weiter südlich gelegene Victoria mit der Hauptstadt Melbourne und die vorgelagerte Insel Tasmanien. Down under im wahrsten Sinne des Wortes, also ganz tief unten auf dem 5. Kontinent, werden viele Klischees von Australien widerlegt. Statt weiter Wüsten und Buschland findet man dort dichte Wälder, Flüsse und Seen. Dazu verhältnismäßig angenehme Temperaturen auch im Sommer. Australien für Einsteiger ebenso wie für Fortgeschrittene.
Reportagen (Radio hr4, 28.04.2007; hr-iNFO, 12.05.2007; rbb-INFOradio, 19.05.2007):
Ausgangspunkt für eine Reise durch Australiens Süden ist die 3,4-Millionenstadt Melbourne – weltbekannt durch internationale Sportveranstaltungen wie das Auftaktrennen der Formel-1-Saison oder das Tennis-Grand-Slam-Turnier. 1956 war Melbourne auch Austragungsort der Olympischen Spiele, im März 2007 fanden hier die Schwimm-Weltmeisterschaften statt. Schneller, höher, weiter heißt das Motto. Nicht nur auf sportlichem Gebiet. Die australische Wirtschaftsmetropole Melbourne boomt, und die Wolkenkratzer schießen wie Pilze aus dem Boden. Jüngstes Beispiel ist der "Eureka Tower". Knapp 300 Meter hoch, überragt er die gesamte Skyline. Seit dem Frühjahr 2007 ist das "Eureka Skydeck 88" geöffnet, die höchste Aussichtsplattform der südlichen Hemisphäre. Von hoch oben kann man auf "down under" herabblicken. Die neueste Attraktion für Touristen und für Einheimische.
Reportage (Radio hr4, 28.04.2007; hr-iNFO, 12.05.2007; rbb-INFOradio, 19.05.2007):
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[Atmo: Fahrstuhl]
88. Etage, bitte aussteigen. In nur 40 Sekunden hat uns der Fahrstuhl hinaufkatapultiert. Begleitet werde ich von Antje Armstroff. Sie stammt aus Bersrod bei Gießen, lebt aber seit August 2006 in Melbourne. Auch die Oberhessin hat ihre Wahlheimat noch nie aus der Vogelperspektive erlebt. Der 360-Grad-Blick ist überwältigend. Ein Häusermeer, das nur vom Ozean und vom Horizont begrenzt wird. Zur besseren Orientierung haben wir einen kundigen Führer dabei.
[O-Ton James Cockburn:]
"Over to your right ...
Zu Ihrer Rechten ist das Tennis Centre, erklärt uns James Cockburn vom Management des Eureka Skydeck 88. Die Rod Laver Arena mit geschlossenem Dach und gleich nebenan die Vodafone Arena. Während der Australian Open ist da jede Menge los. Es ist fantastisch. Und im Hintergrund das MCG, das berühmte Cricket-Stadion von Melbourne.
... famous Melbourne cricket ground."
Er zeigt uns auch den Albert Park Circuit, wo die Formel-1-Piloten ihre Runden drehen, die Hafendocks, den Gouverneurspalast und vieles mehr. Direkt zu unseren Füßen liegt Southgate, eines der Lieblingsviertel von Antje Armstroff.
[O-Ton Antje Armstroff:]
"Hier unten, wie man sieht, fließt der Yarra entlang, und das ist, finde ich, eine der nettesten Ecken der Stadt, weil es immer wieder Wasser gibt. Und wenn man hier unten sitzt, je nach Tageszeit 'n Kaffee, 'n Bier oder 'n Wein trinkt, dann genieße ich das einfach sehr, das ganze Flair, die Boote fahren vorbei, die Fußgänger. Und man kann 'n bisschen gucken und das Leben genießen. Noch dazu hat man hier, wie ich finde, 'n ganz tollen Blick auf die Skyline von der Innenstadt."
Vom Skydeck aus wird auch deutlich sichtbar, warum Melbourne "Garden City" genannt wird. Parks und Grünanlagen unterbrechen immer wieder das Grau der Häuser und Straßen. Antje erholt sich besonders gerne in den Fitzroy Gardens. Sie liegen unmittelbar hinter der Kirche der deutschen lutherischen Gemeinde, wo sie als Pädagogin für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist. Und da zieht es auch uns jetzt hin. Also runter vom Turm und immer dem Eukalyptus-Duft nach:
[O-Ton Antje Armstroff:]
"Ich bin ja eigentlich ein Landei aus dem schönen Oberhessen, und da gibt's eben viel Natur. Aber, wie man sieht, hier gibt's viele große grüne Parks mit Bäumen, die wir sonst überhaupt nicht kennen. Und ich finde, die Luft ist einfach besser. Und wenn man sich hier hinsetzt mit 'ner Picknickdecke, da fühlt man sich gleich wieder in 'ner anderen Welt, und es ist kaum zu glauben, dass man nur 100 Meter von der CBD, der Innenstadt von Melbourne, entfernt ist."
Und was man nicht sehen konnte vom Skydeck, war, wie multikulturell Melbourne ist. Mehr als hundert Nationalitäten leben hier. Chinesen, Inder, Europäer. Allein 200.000 Griechen. Mehr sind es nur in Athen und Thessaloniki. Antje liebt das Völkergemisch in ihrer neuen Heimat, das friedliche Miteinander und: das leckere Essen. Am liebsten geht sie in die Lygon Street.
[O-Ton Antje Armstroff:]
"Wenn ich hier bin, dann hab' ich immer das Gefühl, ich bin nicht in Australien, sondern in Italien. Nicht umsonst wird der Bezirk hier 'Little Italy' genannt. Und vor allem, wenn man in den Abendstunden hier ist, wimmelt es tatsächlich von Italienern. Es ist rundrum alles voll von Pizzerien, Spaghetterien, Eisdielen. Es ist hier ein ganz ganz nettes Flair, das macht einfach Spaß, hier 'n bisschen zu bummeln. Man fühlt sich, wenn man Heimweh hat, wieder ein bisschen europäischer."
Heimweh hat sie allerdings nur selten. Dazu bietet die Stadt viel zu viel Abwechslung. Auch am Wochenende.
[O-Ton Antje Armstroff:]
"Das Meer ist nicht weit. Man fährt 20 Minuten mit der Straßenbahn nach St. Kilda, und schon ist man am Meer und an 'nem ganz tollen Strand und man kann baden gehen und schwimmen. Es gibt hier viel zu unternehmen und zu erleben in Melbourne."
Ein echtes Erlebnis war für Antje Armstroff auch der Besuch auf dem neuen Eureka Skydeck. Und sie wird bestimmt bald wieder in den 88. Stock hinauffahren. Dann wahrscheinlich mit ihren Kindern aus der deutschen Kirchengemeinde.
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TAL DER AHNUNGSLOSEN
- Taxifahrer ohne Ortskenntnisse
Melbourne, Australien, März 2007.
Meine Interview-Partnerin Antje Armstroff und ich schauen uns fassungslos an. Wir sitzen in einem Taxi und wollen zu den Fitzroy Gardens, ein großer Park mitten in der Stadt, aber der Taxifahrer (vermutlich Südamerikaner) hat noch nie davon gehört.
"In der Nähe der Kathedrale", schiebt Antje nach.
"Kathedrale?", fragt der Taxifahrer zurück.
Wieder schaue ich Antje an und stelle mir vor, ich steige in Köln in ein Taxi, sage, ich will zum Dom, und der Taxifahrer schaut mich verständnislos an: "Hä, welcher Dom?"
Das Erlebnis ist kein Einzelfall. Schon am frühen Morgen, als ich zur Dreifaltigkeitskirche fahren wollte, um mich mit Antje Armstroff zu treffen, erging es mir nicht besser. Im Gegenteil: Vor meinem Hotel wartete eine ganze Reihe von Taxen auf Kundschaft. Ich sprach den Fahrer des vordersten Wagens an und sagte ihm, ich müsse zur "Holy Trinity Church" am Parliament Place. Weil es nach dem Frühstück ein bisschen hektisch geworden war, hatte ich keine Zeit gehabt, selber auf dem Stadtplan nachzuschauen, wo genau die Kirche liegt. Aber "Parliament Place" hörte sich sehr prominent an. Dennoch schüttelte der Taxifahrer (vermutlich Pakistani) den Kopf: "Nie gehört. Wo ist das?" – "Weiß ich nicht. ICH bin doch hier der Tourist."
Schon leicht entnervt sprach ich den Fahrer des zweiten Taxis an (vermutlich Iraner oder Kurde). Aber auch der wusste angeblich nicht, wo der Parliament Place ist, und die Dreifaltigkeitskirche kannte er noch viel weniger. Außerdem, fügte er hinzu, selbst wenn er es wüsste, könnte er mich nicht fahren, weil sein Kollege zuerst dagewesen sei. "Aber der kennt sich doch überhaupt nicht aus!" – "Tja, das ist dann eben Pech."
Jetzt hätte es mich nicht mehr gewundert, wenn plötzlich Kurt Felix mit der versteckten Kamera aus dem Gully gesprungen wäre. In dieser Situation allerdings verstand ich gar keinen Spaß mehr, stapfte wutentbrannt zurück zur Hotelrezeption und fragte dort nach dem Weg. Wie sich herausstellte, war der Parliament Place gar nicht so weit weg und in 20 Minuten zu Fuß zu erreichen. Eine sehr gute Nachricht, denn diese Idioten da draußen sollten keinen müden Cent mehr von mir bekommen!
Die Taxifahrer in Sydney kannten sich übrigens keinen Deut besser aus. Bei meinem ersten Versuch wollte ich zum "Portobello Café" – sozusagen die erste Adresse an der Hafenpromenade. Kennt jeder, wurde mir vorher versichert, und ich selbst war auch schon mehrfach daran vorbeigelaufen. Zumindest dem Taxi-Chauffeur (vermutlich Serbe oder Kroate) aber war das Café völlig fremd. Zum Glück kannte ich mich zu dem Zeitpunkt schon einigermaßen aus in Sydney. "Gleich bei der Oper", erklärte ich weltmännisch, inständig hoffend, dass er von dem berühmtesten Gebäude der Stadt schon mal gehört hätte. Und tatsächlich war ihm wenigstens das Opernhaus nicht fremd. Hurra!
Beim zweiten Versuch wollte ich zur "Wildlife World". Auch dieser Taxifahrer (vermutlich Chinese) schaute mich nur mit leeren Augen an: "Wildlife World?" – "Ja, der neue Indoor-Zoo am Darling Harbour, neben dem Aquarium." – "Ah, Aquarium."
Der Tonfall, in dem er dieses "Ah!" gesagt hatte, räumten meine Zweifel an seiner Ortskenntnis keineswegs aus. Etwas beruhigter wurde ich erst, als er zumindest die richtige Richtung einschlug. Und tatsächlich brachte er mich am Ende ohne größere Umwege ans Ziel. Leicht ironisch sagte ich: "Na, jetzt haben Sie wieder was dazugelernt." Aber er antwortete nur treuherzig: "Yes, I learn every day from passengers." (Ja, ich lerne jeden Tag von meinen Fahrgästen.)
Na, wunderbar! Australien, das Tal der ahnungslosen – aber lernwilligen – Taxifahrer. Falls ich das ferne Land je wieder betreten und dort in ein Taxi steigen sollte, werde ich ein GPS-Gerät mitnehmen. Sicher ist sicher.
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Australiens Süden 2
Sie gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt: die Great Ocean Road im australischen Bundesstaat Victoria. Rund 250 Kilometer lang zieht sie sich kurvenreich von Geelong bis nach Warrnambool, über weite Strecken direkt am Ozean entlang. Die Great Ocean Road wurde nach dem Ersten Weltkrieg gebaut als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für heimgekehrte Soldaten. Insgsamt 13 Jahre hat es gedauert, bis sie fertig war. Manche der Orte an der Küste sind erst mit dem Bau der Straße entstanden. Denn schon mit ihrer Fertigstellung 1932 setzte der Fremdenverkehr ein. Heute ist sie eine der ganz großen touristischen Attraktionen im südlichen Australien. Die Küstenstraße bietet überwältigende Ausblicke auf bizarre Felsen und Klippen, sandige Buchten und malerische Fischerorte. In den Wäldern tummeln sich die Koalas, an den Stränden tummeln sich die Wellenreiter.
Reportage (Radio hr4, 28.04.2007; hr-iNFO, 12.05.2007; rbb-INFOradio, 19.05.2007:
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[Atmo: Meeresrauschen]
Bis zu drei Meter hoch türmen sich die Wellen am Bells Beach bei Torquay. Er gilt deshalb als Eldorado für Surfer. Ganze Busladungen von Touristen schauen den tollkühnen Männern auf ihren schwimmenden Bügelbrettern zu. Das Wasser ist kalt, aber in ihren Neopren-Anzügen sind sie geschützt. Anthony kommt hierher, so oft er kann, und alle seine Freunde auch.
[O-Ton Anthony:]
"These guys in this car ...
kommen, kommen nach Bells Beach. Das Surfen hier, das ist wie der Heilige Gral (lacht). Ja, das ist toll.
... the Holy Grail. Yeah, it's good!"
Erst hinter Torquay beginnen die schwindelerregenden Kurven, immer am Abgrund entlang. Nicht zuletzt diesem Abschnitt verdankt die Straße ihren legendären Ruf.
[O-Töne Touristen:]
"Das kann man wohl sagen, dass das eine sehr schöne Küstenstraße ist, weil es gibt keine andere, die ich kenne an der Küste, so nahe, so übersichtlich, so gut gebaut."
"Was mich beeindruckt, das war nicht nur die Küste oder der Blick aufs Meer, sondern die Landschaft – dieses Hügelige, die Wälder und Weiden mit Kühen und Schafen und irgendwelche Obstplantagen. Also, das ist wirklich wunderbar."
Hinter Apollo Bay schwenkt die Straße vorübergehend ins Landesinnere ab und führt mitten durch den Cape Otway Nationalpark. Hier wurden vor rund 20 Jahren wieder Koalas angesiedelt. Cecil Marriner hat sich dafür eingesetzt. In den Eukalyptuswäldern finden sie reichlich Nahrung. Kaum irgendwo sonst hat man die Chance, ihnen in freier Natur so nahe zu kommen. Aber Cecil warnt davor, sie anzufassen:
[O-Ton Cecil Marriner:]
"Koalas are very cuddly looking ...
Koalas sehen sehr kuschelig aus. Wie Teddybären, und man will sie am liebsten knuddeln. Aber sie haben scharfe Krallen, um auf die Bäume klettern zu können. Deshalb muss man vorsichtig sein.
... that's what you got to watch for."
Zwischen Port Campbell und Peterborough jagt ein Aussichtspunkt den nächsten. Hier hat der Ozean als Bildhauer gewirkt und aus dem weichen Sandstein bizarre Skulpturen geschaffen. Allen voran die "12 Apostel", von denen allerdings nur noch acht übrig geblieben sind. Die anderen vier fielen Sturm und Wellen zum Opfer. Ebenso ein Teil der "London Bridge". Von den ehemals zwei Brückenbögen ist einer 1990 plötzlich eingebrochen.
[O-Ton Ted Stuckey:]
"And a young couple walked out there...
Ein junges Paar marschierte bis zum Ende des zweiten Bogens, und als sie gerade angekommen waren, hörten sie ein Knirschen. Sie drehten sich um, und die Verbindung zum Ufer war weg. Zum Glück hatte sich dort gerade niemand aufgehalten. Aber dann dauerte es vier bis fünf Stunden, um das junge Paar per Hubschrauber zu retten. Denn es gab keinen anderen Weg, um von der Klippe herunterzukommen.
...only way you get off the place."
Der Hobby-Historiker Ted Stuckey kennt die ganze Geschichte der Great Ocean Road. Und er weiß, dass die stürmische See hier schon viele Opfer gefordert hat. Mehr als 100 Schiffe sind an der Felsküste zerschellt. Im Museum "Flagstaff Hills" in Warrnambool werden die Schiffskatastrophen eindrucksvoll geschildert. So zum Beispiel der Untergang der "Cataraqui" 1845. Ein Überlebender schrieb damals:
"Es war halb fünf am Morgen. Das Schiff stieß hart auf Grund und die See schlug über ihm zusammen. Als es das Riff streifte, zerbrachen die Leitern, die zum Deck führten. Alle Passagiere, die das Deck nicht erreichen konnten, ertranken."
399 Menschen kamen damals ums Leben. Und viele andere bei weiteren Schiffsunglücken. Durch moderne Navigationshilfen hat die Küste an der Great Ocean Road ihren Schrecken weitgehend verloren. Aber die Brandung ist so wild wie eh und je.
[Geräusch: Meeresrauschen]
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Vor gut 200 Jahren erforschten die Briten Matthew Flinders und George Bass weite Teile des Südens von Australien. Dabei umschifften sie auch die südlichste Spitze des Festlandes und tauften sie nach einem gemeinsamen Bekannten Wilsons Promontory (engl.: Kap, Vorgebirge). Sie fanden eine malerische Landschaft vor mit unzähligen Granitfelsen, Buchten und Stränden. 1898, genau 100 Jahre nach Flinders und Bass, wurde Wilsons Promontory – kurz: Wilsons Prom – zum Nationalpark erklärt. Er liegt etwa drei Autostunden südöstlich von Melbourne und ist heute der meistbesuchte Nationalpark des Bundesstaats Victoria. Kenner sprechen sogar von einem der schönsten in ganz Australien. Besonders beliebt ist er bei Wanderern. Die möglichen Touren dauern zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Reportage (Radio hr4, 28.04.2007; rbb-INFOradio, 19.05.2007):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
Das Visitor Centre in Tidal River ist gut besucht. Hier kann man sich mit Informationen und Proviant eindecken, bevor die Wanderstiefel geschnürt werden. Hier treffe ich auch Parkranger Ryan Duffy. Meine Frage: Welche Tour kann er empfehlen? Seine Antwort: Natürlich alle. Sein Favorit ist der Zwei-Tages-Trip zur südlichsten Spitze des Festlands. Als Einstieg aber schlägt er einen Aufstieg vor: zum 558 Meter hohen Mount Oberon.
[O-Ton Ryan Duffy:]
"It's a walk to a very scenic location ...
Das ist ein landschaftlich sehr reizvoller Weg. Der Mount Oberon ist die höchste Erhebung. Von dort sieht man den gesamten Nationalpark, die Küstenlinie und die kleinen Inseln vor der Küste. Das ist eine sehr schöne Wanderung, am schönsten in den Abendstunden. Dann kann man den Sonnenuntergang über dem Meer erleben, ein seltener Anblick an der Ostküste von Australien.
... on the east coast of Australia."
Nun, bis zum Sonnenuntergang kann ich nicht warten. Also marschiere ich sofort los. Eine gute Stunde bin ich unterwegs, ehe ich den Gipfel des Mount Oberon erklommen habe. Eine Schweiß treibende Angelegenheit in der australischen Sommerhitze, aber aller Mühen wert. Und mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein.
[O-Töne Touristen:]
"The view is magnificent. You can see Little Oberon Bay and Squeaky Beach and Whiskey Bay and Picknick Point – and it's beautiful."
"It's just a beautiful site. We got a 360 degree view of Wilsons Prom, 500 meters above sea level – beautiful."
Einfach schön – das allgemeine Urteil. Ein 360-Grad-Blick, der seinesgleichen sucht. Mindestens eine halbe Stunde verweile ich hier oben, genieße die Ruhe und die Aussicht. Dann packe ich meinen Schokoriegel aus und stärke mich für den Abstieg. Der ist zwar weniger Schweiß treibend, trotzdem steht mir danach der Sinn erstmal nach etwas Abkühlung am Strand. Squeaky Beach heißt das Ziel. Dort begegnen mir Besucher aus der Heimat. Auch sie sind von Wilsons Prom begeistert:
[O-Töne Touristen:]
"The view is magnificent. You can see Little Oberon Bay and Squeaky Beach and Whiskey Bay and Picknick Point – and it's beautiful."
"It's just a beautiful site. We got a 360 degree view of Wilsons Prom, 500 meters above sea level - beautiful."
Einfach schön – das allgemeine Urteil. Ein 360-Grad-Blick, der Seinesgleichen sucht. Mindestens eine halbe Stunde verweile ich hier oben, genieße die Ruhe und die Aussicht. Dann packe ich meinen Schokoriegel aus und stärke mich für den Abstieg. Der ist zwar weniger Schweiß treibend, trotzdem steht mir danach der Sinn erstmal nach etwas Abkühlung am Strand. Squeaky Beach heißt das Ziel. Dort begegnen mir Besucher aus der Heimat. Auch sie sind von Wilsons Prom begeistert:
[O-Töne Touristen:]
"Der Nationalpark gefällt mir sehr gut, find' ich wirklich klasse. Wir haben eben ein paar kleine Wanderungen gemacht von drei, vier Kilometer, war ganz toll: super Ausblick gehabt von so 'nem Felsen oben, so 'n Lookout. Das war klasse."
"Is' schon sehr vielseitig, sehr viel Grün, dann aber auf der anderen Seite wieder sehr schöne Strände. Man hat sehr viel zu sehen."
Zu sehen – und auch zu hören:
[Atmo: quietschender Sand]
Der Squeaky Beach hat seinen Namen nicht von ungefähr. Hier quietscht nämlich der Sand unter den Fußsohlen. Das liegt an der feinen Körnung, hat mir der Parkranger erzählt, und ist zumindest in Wilsons Prom einmalig. Das Gequietsche klingt so kurios, dass man den Strand am liebsten immer wieder auf und ab wandern möchte. Aber der Nationalpark hat ja noch so viel anderes zu bieten. Typisch australische Beuteltiere beispielsweise:
[O-Ton Ryan Duffy:]
"The animals that most people ...
Die Tiere, die viele Besucher am ehesten zu sehen bekommen, sind Kängurus, tagsüber. Besonders im Norden des Parks haben wir eine gesunde Population von Kängurus. Bei Nacht, wenn Sie hier in Tidal River campen, können sie Wombats sehen. Hier leben jede Menge Wombats.
... of wombats living here."
Leider bleibt nicht genügend Zeit, um auch die Nacht hier zu verbringen. Gegen Abend muss ich Wilsons Prom wieder verlassen. Am Straßenrand im Nordteil des Parks entdecke ich tatsächlich ein Känguru – ein lebendiges, wohlgemerkt. Tote, überfahrene Kängurus findet man überall im südlichen Australien. Und selbst hier im Nationalpark sind die Straßen damit gepflastert. Denn viele Besucher fahren ihn im Eiltempo mit dem Auto ab anstatt ihn in aller Gemütsruhe zu erwandern.
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Ihren prominentesten Bewohner, den Tasmanischen Teufel, kennt fast jeder. Er ist berühmt-berüchtigt. Aber seine Heimat, die Insel Tasmanien, gilt nach wie vor als Geheimtipp. Sie liegt rund 300 Kilometer südlich des australischen Festlands, ist mehr als dreimal so groß wie Hessen und dennoch der bei weitem kleinste Bundesstaat Australiens. Nicht mal eine halbe Million Menschen leben dort.
Benannt ist Tasmanien nach dem holländischen Seefahrer Abel Tasman, der die Insel 1642 entdeckte. In Besitz genommen wurde sie erst ab 1803 von den Briten. Die gründeten eine Sträflingskolonie und machten mit den Ureinwohnern kurzen Prozess. Im Gegensatz zum Festland hat in Tasmanien kein Aboriginal die europäische Besiedelung überlebt.
Auf dem Eiland ist vieles anders. In der Abgeschiedenheit entwickelte sich eine ganz eigene Fauna und Flora. Das hängt mit dem feuchteren Klima zusammen. Regenschauer sind in Tasmanien keine Seltenheit, aber erfahrene Australien-Reisende wissen das zu schätzen.
Reportage (Radio hr4, 28.04.2007; rbb-INFOradio, 19.05.2007):
[zum Anhören klicken: komplette Reportage]
[O-Ton Touristin:]
"Es ist viel grüner und viel kühler. Und es hat wesentlich mehr Wasser und durch die Nähe zum Südpol ist der Himmel wirklich viel blauer. Die Tasmanier sprechen von 'Tasman blue'. Und das Wasser kann man aus fast jedem Fluss trinken, es ist ganz klar, und die Luft ist viel sauberer."
Verglichen wird Tasmanien deshalb gerne mit Irland oder Neuseeland. Auf den saftigen Weiden grasen Kühe und Schafe. Auf den Feldern gedeihen Obst und Wein. Weite Teile der Insel sind bewaldet. Die Eukalyptusbäume werden bis zu 100 Meter hoch.
[O-Ton Tourist:]
"Für mich speziell am interessantesten nach wie vor: die Regenwälder. Das ist wie tauchen. Ich tauche auch, und man taucht in 'ne ganz andere Welt ab. Plötzlich ganz andere Tiergeräusche, ganz andere Tiere zu sehen, die hohen Farne und das Dickicht und plötzlich die brechenden Sonnenstrahlen, die da durchkommen und dieses Unberührte. Man fühlt sich teilweise, als wär' man der erste, der da durchgeht."
[Geräusch: Gebrüll des Tasmanischen Teufels]
So hört man auch immer wieder das Gebrüll des Tasmanischen Teufels. Schon die ersten britischen Siedler versetzte er damit in Angst und Schrecken. Dabei ist das Wahrzeichen der Insel nicht viel größer als eine Katze und trotz seines aggressiven Gehabes für den Menschen normalerweise völlig ungefährlich. Er ernährt sich von Aas, und weil er meist nachts auf Nahrungssuche geht, bekommt man ihn in freier Natur selten zu sehen. Dafür ist er der unumschränkte Star in sämtlichen Zoos von Tasmanien.
[O-Ton Bruce Englefield:]
"He's got jaws like a crocodile ...
Er hat Kiefer, so stark wie ein Krokodil, schwärmt Bruce Englefield von der Nature World bei Bicheno, sein Gesicht ähnelt dem einer Katze, mit Schnurrhaaren, die Körperform erinnert ein bisschen an ein Schwein. Er hat Ohren und Augen wie ein Hund, ein Fell wie ein Waschbär oder ein Biber. Seine Hinterläufe sind so kräftig wie die eines Kängurus, und mit den Vorderfüßen greift er seine Nahrung wie ein Eichhörnchen. Er kann auf Bäume klettern wie ein Possum, er kann besser schwimmen als jeder Hund. Er ist eine faszinierende kleine Kreatur.
... is an amazing little creature."
Eine rätselhafte Tierseuche gefährdet allerdings sein Überleben. Dem tierischen Ureinwohner droht das gleiche Schicksal wie den menschlichen. Die tasmanischen Aboriginals wurden von den ersten Europäern systematisch ausgerottet. Ein tragisches Kapitel in der Geschichte der Insel. Die heutigen Bewohner sind dagegen friedfertig und äußerst gelassen. Ihr Temperament wird oft mit dem der Schweizer verglichen.
[O-Ton Touristin:]
"Die Australier sind ja so 'n bisschen bedächtig und bloß nichts übereilen! Und die Tasmanier sind noch langsamer. Was jetzt nicht heißt, dass die dumm sind, sondern einfach, dass die sagen, joh, ich hab' ja Zeit."
Viele haben zumindest einen Ahn, der im 19. Jahrhundert als Sträfling auf die Insel kam, und sind fast ein bisschen stolz darauf. In Port Arthur führt Wendy Fowler Besucher durch das ehemalige Gefängnis. Es war das größte in ganz Australien mit den härtesten Haftbedingungen. Auch Wendy selbst weiß von einem Vorfahren, der wegen Urkundenfälschung aus Schottland deportiert wurde. Allerdings blieb Port Arthur ihm erspart.
[O-Ton Wendy Fowler:]
"My convict ancestor was assigned ...
Mein Vorfahr wurde zu einem Großgrundbesitzer außerhalb von Launceston überstellt, denn er konnte lesen und schreiben. Er fügte sich gut in das System ein und hatte keine schlechte Zeit in Tasmanien, weil er lesen und schreiben konnte.
... able to read and write."
Nach ihrer Haftentlassung blieben die meisten Sträflinge auf der Insel und gründeten eine neue Existenz. So wurde die Verurteilung und Deportation im Nachhinein für manche zum Glücksfall. Denn im Vergleich zu den britischen Arbeiterstädten, aus denen sie kamen, war und ist Tasmanien ein kleines Paradies.
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